Kapitel 24
"Wer Reue zeigt, den soll man nicht an seine früheren Sünden erinnern." - Jüdisches Sprichwort
„Schau, Edward, ich hab den Football gefangen!“, rief Mathew mir stolz zu. Ich lächelte ihn an. Wie einfach es hier war und wie sehr mir das Spaß machte, wollte mein Kopf noch nicht begreifen, denn die letzten neun Wochen waren für mich die Hölle auf Erden. Nicht nur dass Isabella mich von sich gestoßen hatte – was hatte ich anderes erwartet, sondern auch die allgegenwärtigen Fragen. Deshalb war ich froh hier ein paar Tage verbringen zu können, auch wenn das hieß, dass ich diese Tage nicht für meine Kampagne nutzen konnte. Zwar waren im Zeltlager Medienvertreter dabei, aber nur spärlich, was gut und schlecht war, je wie man es eben sah.
„Edward? Weißt du, wer das bei Ben ist?“, fragte der kleine Knirps nun und ich drehte mich um und erstarrte. Ich wusste sehr genau, wer das neben dem Leiter des Camps war: Isabella. Was machte sie hier? Wie angewurzelt blieb ich stehen und sah, wie die beiden immer näher kamen. Nie hätte ich erwartet, dass sie hier her kommen würde, so wie sie von einem Termin zum nächsten hetzte. Selbst ich wusste, dass das nicht gesund sein konnte und Dad hatte mir das schon des Öfteren gesagt. Doch wenn ich ein Gespräch mit ihr beginnen wollte, kehrte sie um und lief regelrecht vor mir davon. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Ehe jemals so aussehen würde, nicht nach den letzten Tagen unserer Flitterwochen. Diese Bella vermisste ich und wünschte die derzeitige egoistische und kaltherzige Isabella zum Teufel. Vielleicht war es ja Gottes Bestrafung, da ich anfangs nicht besser zu ihr war. Nicht nur meiner Familie, sondern auch mir war es aufgefallen, dass ich mich verändert hatte. Zwar was meine zwischenmenschlichen Gefühle betraf, aber nicht die Politik, da blieb ich der alte.
„Hallo, schön dich kennenzulernen“, sagte sie zu Mathew gewandt, bevor sie sich vor mich hinstellte und mich küsste, „und dir auch ein herzliches Hallo!“, flüsterte sie gegen meine Lippen, während sie die Arme um meinen Hals schlang. Sofort legte ich meine um ihre Mitte und zog sie automatisch an mich. Ich konnte spüren, wie dünn sie war, aber auch, dass sie sich an mich schmiegte.
„Wer bist du?“, fragte Mathew scheu und blickte Isabella mit seinen klaren blauen Augen an. Wir lösten uns voneinander und sie stellte sich neben mich.
„Ich bin Isabella, Edwards Frau. Aber meine Freunde nennen mich Bella, also darfst du das auch.“ Ich musste ein verächtliches Schnauben unterdrücken. Nein, ich würde mich hüten diese Isabella, die hier gerade dem Jungen etwas vorspielte, bei ihrem Spitznamen zu nennen.
„Wow, du willst meine Freundin sein?“ Sie legte einen Arm um mich und lehnte sich an meine Brust, bevor sie antwortete.
„Klar, warum denn nicht?“ Sie streckte eine Hand aus und wuschelte durch sein Haar. Der schmerzliche Gedanke einer Familie und Kinder mit ihr zu haben, die sie genau so behandeln würde, machte sich in mir breit.
„Weil ich der Streber bin“, gab er kleinlaut zurück. Selbst in diesem Alter und dieser Institution gab es schon Mobbing. Zwar noch nicht so ausgereift, wie in der High School oder in der Berufswelt, aber sie war vorhanden.
„Soll ich dir etwas verraten?“, Mathew nickte enthusiastisch, „Ich war auch immer die Streberin. Also ist das doch ideal, oder?“ Sein Gesicht hellte sich auf und er nahm ihre Hand.
„Ich will dir hier alles zeigen“, sagte er, als er sie von mir wegzog.
„Mathew“, kam es nun von Ben, „denkst du nicht, dass Edward selbst gerne Bella das Lager zeigen würde?“ Verdutzt sah der Junge seinen Gruppenleiter an.
„Wie wäre es, wenn wir uns gemeinsam alles ansehen. Du erklärst ihr alles und ich kann ja noch etwas hinzufügen. Danach zeige ich ihr den Fluss, wo es euch nicht erlaubt ist alleine hinzugehen“, meinte ich nun und sah das zufriedene Gesicht von Mathew.
„Ja, das ist toll. Ist das für dich okay, Bella?“
„Klar, mein Kleiner. Komm, zeig mir alles und ich möchte alle Geschichten hören“, lachte sie, bevor sich unsere kleine Gruppe in Bewegung setzte.
Die nächste Stunde war ich in meinen Gedanken gefangen und fragte mich, was sie hier tat. War etwas passiert in meiner Abwesenheit?
„So, jetzt sind wir fertig mit der Besichtigung“, meinte Mathew, als wir bei dem Lager der Jüngeren ankamen.
„Und das wäre?“ Dabei deutete Isabella auf die kleine Lichtung vor ihr.
„Unser Lagerplatz. Das dort ist mein Zelt. Du kannst mich jederzeit besuchen kommen, oder wenn du Angst in der Nacht hast.“
„Vielen Dank, Mathew. Wenn Edward mich nicht mehr beschützen kann, dann werde ich zu dir kommen. Ist das in Ordnung.“ Isabella lächelte ihm freundlich zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr, bevor der Junge lachend zu den anderen Kindern lief.
„So und wo ist jetzt der Fluss?“, fragte sie an mich gewandt. Seufzend deutete ich ihr mir zu folgen. Still marschierten wir durch den Wald bis wir zum fließenden Gewässer kamen.
„Was machst du hier!“ Sie schnaubte höhnisch, bevor sie sich vor mich stellte.
„Kein Hallo, es freut mich zu sehen, Edward?“ Isabella verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Nein, das kannst du nicht von mir erwarten.“
„Was ich erwarte ist ganz und gar meine Sache, oder? Aber weshalb wundert es mich, ich bin ja selbst daran schuld.“ Ich sah, dass sich Tränen bildeten und ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Sie war nie nah am Wasser gebaut. Isabella drehte sich um, ließ die Arme hängen und ging ein paar Schritte Richtung Fluss.
„Pass bitte auf, man kann hier schnell ausrutschen.“ Meine Bitte missachtend ging sie dem Ufer ein Stück entlang.
„Mathew ist sehr nett. Es freut mich, dass du mit Kindern so gut kannst.“
„Ich habe immer schon gut mit Kindern können. Vor allem damals mit dir.“ Sie drehte ihren Kopf in meine Richtung und blickte mich böse an.
„Es tut mir-“, begann ich, wurde aber von ihr unterbrochen, „Nein, du hast schon Recht. Weshalb etwas nicht sagen, das nicht stimmt? Besser als eine Lüge.“ Seufzend ging sie zu dem Baum, der über einen Teil des Flusses gewachsen war hin. Von dort waren gestern die Jungen in das Wasser gesprungen. Doch heute Vormittag hatte es geregnet und alles war nass und glitschig.
„Bitte“, rief ich ihr zu, als sie einen Fuß auf den Baumstamm setzte. Bis jetzt hatte ich mich keinen Meter von meinem Platz entfernt. Sie balancierte weiter herum und mir riss langsam der Geduldsfaden. Sie führte sich wie ein hormongesteuerter Teenager auf, der seine Grenzen ertastete.
Als sie in der Mitte war, reichte es mir und ich lief zu ihr hin. In dem Moment setzte sie sich hin.
„Würdest du bitte wieder hinunterkommen. Das Holz ist nass und kalt und du kannst eine Blasenentzündung bekommen.“
„Edward, selbst wenn ich“, als hätte sie sich bei etwas ertappt, stoppte sie und begann von vorne: „Ich bin noch lange nicht aus Zucker. Und das bisschen Wasser wird mir schon nicht schaden.“
„Nun gut, wenn du nicht hier her kommen möchtest, dann werde ich jetzt zu dir kommen. Ich hoffe nur, dass uns beide der Baum tragen kann.“ Während ich mich zu ihr auf den Weg machte, ließ sie ihre Beine vom Baum bummeln. Inzwischen hatte sie sich umgesetzt, sodass auf je einer Seite des Stammes ein Bein war. Seufzend ließ ich mich hinter ihr nieder. Rücken an Rücken saßen wir still da. Keiner dazu bemüht den ersten Satz zu sagen.
„Also. Was ist der Grund deines Kommens?“, fragte ich sie nach etlicher Zeit.
„Darf ich meinen Ehemann nicht besuchen?“
„Sicher, aber nach dem was passiert war, glaube ich dir nicht. Es gibt einen Auslöser.“ Ich hörte sie laut seufzen.
„Ich habe gestern deine Eltern besucht und mit ihnen geredet.“
Esme hatte mich erst heute Früh angerufen, mir aber nicht erzählt, dass sie bei ihnen gewesen war. Irgendetwas war komisch.
„Wir haben geredet und ich musste mir eine Standpauke von ihr anhören, die ich ehrlich gesagt auch verdient habe. Das was ich euch, vor allem dich, mit meiner zurückweisenden Art durchleben habe lassen, war nicht in Ordnung. Ich weiß jetzt, dass du es nur gut gemeint hast, um mich besorgt warst, wenn ich alles über Alex erfahre, dass ich sehr emotional und abweisen reagieren würde, was ich auch tat. Ich war in dem Moment verletzt und gekränkt, dass du mir nicht vertraut hast und ich habe mich fragen müssen, ob das Vertrauen, das ich in dich gesetzt hatte nur Heuchelei gewesen war, oder ob du es ernst gemeint hattest. Über das musste ich mir klar werden, beziehungsweise musste mir gesagt werden. Vor allem dass ich die Tage danach wie ein Kleinkind gehandelt habe, dich von mir gestoßen und dich ausgeschlossen habe, war überhaupt nicht in Ordnung. Auch wenn ich dem Moment geglaubt hatte, das Richtige getan zu haben, so ist mir jetzt bewusst, dass ich ziemlich viele dumme Fehler begangen habe. Ich weiß, dass ich dich nicht sofort darum bitten kann, mir das alles zu verzeihen, das ist eine naive Wunschvorstellung, aber dass du nicht das Gleiche mit mir machst, darum würde ich dich bitten, auch, dass du mir die Chance gibst, das wieder gut zu machen.“ Ich hörte ihr Schniefen und merkte deutlich, dass sie weinte. Wie konnte ich dieser Frau böse sein. Sicher war es schwer zu verstehen gewesen, dass sie mich nicht bei sich haben wollte, aber das von ihr zu hören, war wieder etwas, das mir zeigte, dass sie bereit dazu war, ihre Fehler einzugestehen und das war mir wichtig. Nicht dass sie sich bei mir entschuldigte, sondern, das Eingestehen dieser Fehlentscheidungen, die uns mehrere Schritte nach hinten katapultiert hatte. Denn vieles, das wir uns während der Flitterwochen aufgebaut hatten, war durch das zerstört worden. Still überlegte ich vor mich hin, was ich ihr antworten sollte, bis ich bemerkte, dass sie sich bewegte. Plötzlich schrie sie und ich hörte ein „Platsch“. Geschockt sah ich nach unten und erblickte eine komplett nasse Bella, die versuchte gegen die leichte Strömung zu schwimmen. Ohne weiter nachzudenken, sprang ich ins Wasser und schwamm zu ihr.
„Alles okay“, fragte ich sie, als ich bei ihr war und ihren Arm nahm.
„Ja, ich bin nur so schwach und die Strömung.“ Mit ihr in meinem Armen schwamm ich zum Ufer und ließ sie los.
„Danke“, meinte sie kleinlaut und blickte zu Boden. „Es war eine dumme Idee gewesen dort zu sitzen.“
„Ja, da stimme ich dir zu.“ Ich drehte mich von ihr weg, um aus dem kalten Wasser zu gehen. Anscheinend hatte sie das als ablehnende Geste empfunden.
„Edward, warte… bitte.“ Das Bitte kam kurz später, aber sehr flehend.
„Wie kannst du mir in die Augen sehen, mich so wertschätzen, wenn du weißt, dass ich für Alex Tod verantwortlich bin.“ Seufzend schloss ich die Augen, denn genau vor dieser Frage hatte ich Angst gehabt. Langsam drehte ich mich zu ihr um.
„Weil ich dir niemals böse sein könnte. Selbst als du mich anfangs angeschrien hast, oder mir dieses eine Mal als deine Freunde zu Besuch waren, eine Ohrfeige verpasst hast, war ich wütend, aber mein Inneres hatte mir immer gesagt, dass ich es nicht könnte. Dir böse zu sein, egal weshalb liegt mir nicht. Du erinnerst mich an Alex und er hätte es nicht gutgeheißen, dass ich seine Schwester so behandle.“
„Also machst du das nur aus Gefallen zu ihm?“
„Nein, keineswegs. Bella, ich habe dich als Baby vergöttert, wie du mich angeblickt hast mit den großen braunen Augen. Du hattest, hast und wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, dort, wo meine Familie hingehört.“ Ich lächelte sie an, da ich ihren gekränkten Gesichtsausdruck gesehen hatte. „Und weißt du, von jetzt an, gibt es kein Geheimnis mehr vor dir. Ich werde dir alles erzählen, ob du es hören magst oder nicht. Du wirst mir ganz Ohr sein, so wie ich bei dir, wenn du etwas zu sagen hast.“
„Danke“, flüsterte sie.
„Nein, dafür brauchst du mir nicht zu danken. Das sollte das Normalste auf der Welt sein, sich gegenseitig alles anzuvertrauen zu können. Und wegen vorhin: Ich akzeptiere deine Entschuldigung. Es ist nicht so, als könnte ich dich nicht verstehen. Wir beide haben Fehler gemacht und ich bin bereit alles zu vergessen, die Sache hinter uns zu lassen und neu anzufangen, aber nur, wenn du dich ebenfalls dazu bereiterklärst. Denn alleine macht es keinen Sinn und ich würde für nichts in eine schon von Anfang an verlorene Schlacht ziehen und da ist mir meine Kraft zu schade.“ Ich merkte, wie sie kurz haderte und als sie auf mich zugelaufen kam, breitete sich ein großes Grinsen im Gesicht aus.
„Vielen Dank. Nicht nur für das, sondern für alles. Sicher kann es nicht gleich sein, wie in den Flitterwochen, aber wir schaffen das. Wir müssen es schaffen. Für dich, für mich und für das hier.“ Geschockt sah ich zu, wie sie meine Hand nahm und auf ihren Bauch legte. In meinem Kopf begann es zu rattern.
„Du bist schwanger?!“, fragte und rief ich gleichzeitig aus. Sie nickte kurz und sah schließlich zu Boden, als wäre es ihr peinlich.
„Hey, das braucht dir keinesfalls unangenehm zu sein. Ich meine, wow. So schnell? Da besitze ich aber Superspermien.“ Sie blickte mich an und begann zu lachen, sobald das Wort „Superspermien“ fiel.
„Ich denke, es war der richtige Ort, die richtige Zeit und vor allem der richtige Mann.“ Ich sah ihr in die Augen und zögerte, denn ich wusste nicht, wie sie reagieren würde, wenn ich sie küssen würde. Dieses Verlangen sie wieder an mich zu drücken, sie zu küssen, ihr nah zu sein und mit ihr zu schlafen, war so übermächtig, dass ich nicht anders konnte. Langsam beugte ich mich zu ihr hinab und legte leicht meine Lippen auf ihre. Ich musste nicht lange warten, bis sie sich an mich presste und den Kuss erwiderte.
„Deshalb auch dieser komische Satzanfang vorhin. Aber dann hättest du erst gar nicht da rauf sollen. Und ist jetzt alles okay mit dir, euch? Warst du schon bei der Ärztin? Hast du es Esme und Carlisle erzählt? Wer weiß es schon? Bin ich der Erste?“ Die Fragen sprudelten nur so aus mir hinaus.
„Edward, stopp. So viele Fragen kann ich nicht gleichzeitig beantworten. Ja, deshalb der Satz und ich bin nicht aus Zucker, selbst wenn ich schwanger bin. Mir geht es gut, bei der Ärztin war ich schon, das Ultraschallbild ist in meinem Rucksack und deshalb hab ich es gerade nicht bei der Hand, aber ich kann es dir gerne später zeigen, wenn du es sehen möchtest. Und das ist auch der Grund weshalb ich hier bin. Ich wollte es dir sagen. Mit dir reinen Tisch machen um unser und des Kindes willen. Der ausschlaggebende Punkt dafür war Esme. Ihrer Standpauke und ihrer Zuwendung danach, sowie ihrem Rat hast du es zu verdanken, dass ihr hier stehe.“
„Dann werde ich Mum ein Geschenk schicken und mich bei ihr bedanken müssen. Aber bevor ich das mache, werden wir beide uns umziehen und abtrocknen. Deine Lippen sind schon ganz blau. Komm, ich zeig dir, wo wir schlafen. Wir werden sicher irgendwo noch einen Schlafsack und frische Sachen auftreiben können.“ Ich wollte sie hochheben, doch sie entzog sie mir.
„Behandle mich jetzt nicht wie eine Schwerkranke. Ich bin schwanger, mehr nicht. Meine Füße funktionieren und ich kann gehen, das habe ich dir ja schon bewiesen. Und was den Rest betrifft, Esme war so freundlich und hat alles für mich gepackt. Sie scheint sich dabei sehr gut auszukennen.“
„Oh ja. Ich war früher selbst Pfadfinder.“
„Also deshalb bist du immer allzeit bereit“, lachte sie über den Leitspruch.
„Wenn du wüsstest“, raunte ich ihr ins Ohr. Es war leicht, schon zu leicht. Aber ich war froh, dass wir uns wieder so verstanden. Zwar war es noch nicht ganz wie in den Flitterwochen, aber eine hundertachtzig Grad Wendung wie vor ein paar Minuten. Merkwürdig und surreal. Ich ging wieder zu ihr, nahm ihre Hand in meine und gemeinsam spazierten wir zu dem Zelt, in dem ich die letzte Nacht verbracht hatte.
„Ich habe das vermisst“, meinte sie, als wir vor meinem, nein, nun unserem Zelt standen. Sie deutete zwischen ihr und mir hin und her.
„Ja, da kann ich dir nur zustimmen.“ Ich öffnete den Zipp und schuf damit einen Spalt, in dem wir in den Innenbereich des großen Zeltes kommen konnten. Eigentlich war es für vier bis sechs Leute gedacht, das hieß, es gab zwei Kabinen, aber sie hatten es mir allein gegeben, was zum einem angenehm war, aber zum anderen wieder ein Sonderservice, den ich nicht haben sollte. Natürlich ließ ich Bella den Vortritt und als sie sich nach vorne beugen musste, um durch die Öffnung ins Innere zu gelangen, wanderte mein Blick automatisch auf ihren süßen, runden Po. Was für eine Tortur.
„So, jetzt habt ihr aber genug Fragen gestellt, nun bin ich dran“, meinte Bella, als wir am Lagerfeuer saßen und Marshmallows grillten. Sie hatte sich an mich gelehnt und ich hatte einen Arm um sie geschlungen. Die Kinder mochten sie und wollten die ganze Zeit bei ihr sein. Vor allem Mathew, der sie jedem als seine neue Freundin vorstellte, war ganz verzaubert von ihr.
„Was gefällt euch am besten am Pfadfinder sein?“ Die Hände der Kinder schossen in die Höhe. Sie deutete auf einen: „Die ganzen neuen Freunde und dass wir viel gemeinsam spielen.“ Alle stimmten den kleinen Mann zu. Ein paar weitere fügten noch ein, zwei Sachen hinzu, jedoch wiederholte es sich nach einiger Zeit.
„Gut, nächste Frage. Was ist das Tollste an dem Lager?“
„Du und Edward“, sagten alle und wir beide blickten uns an. Ich küsste sie sanft und streichelte ihr über den Bauch.
„Iiiiiih, wenn man Mädchen küsst, wird man krank. Das solltest du nicht tun, Edward“, meinte einer. Und wir beide mussten lachen.
„Nun, weißt du, Bella ist kein Mädchen, aber trotzdem danke. Ich werde aufpassen.“ Der Kleine nickte zufrieden und aß seine Nachspeise. Wir stellten noch ein paar Fragen über allgemeine Dinge und die Kids schienen es zu genießen so viel Aufmerksamkeit von uns zu bekommen. Gemeinsam sangen wir noch ein paar Lieder, bevor es für sie hieß schlafen zu gehen. Was sie meckernd zur Kenntnis nahmen.
„Kinder, wir sehen uns morgen alle wieder und wer jetzt nicht schlafen geht, darf mit mir morgen nicht spielen.“ Gegen Ende hin wurde sie streng und die Buben und Mädchen beeilten sich entweder zurück ins Haus, oder zu ihren Zelten zu gehen. Mathew blieb kurz stehen, drehte sich um und lief zu Bella.
„Du weißt, falls du Angst bekommst, wo mein Zelt ist. Wir könnten zusammenrutschen, dann hast du auch noch Platz. Ich weiß, wie gruselig das hier werden kann.“
„Oh, vielen Dank, Mathew. Aber jetzt husch, husch, ab ins Bett. Ich wünsch dir eine gute Nacht und schöne Träume.“ Danach beugte sie sich hinab und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Strahlend marschierte er davon.
„Jetzt bin ich eifersüchtig“, kommentierte ich das Geschehen. Bella drehte sich zu mir um und schlang ihre Arme um meinen Hals.
„Ach wirklich. Der kleine Herr macht dich eifersüchtig. Uh, wie wäre es, wenn ich etwas mit Ben flirte“, sinnierte sie und biss sich auf die Lippe.
„Wage es ja nicht.“ Sie küsste mich und besänftigte mich dadurch.
„Nein, ich bin ganz dein. Was machen wir jetzt, der Abend ist noch jung.“
„Ich denke, dass wir zu den Älteren gehen können. Die spielen immer so ein tolles Spiel.“
„Kein Strippoker, hoffe ich“, lachte Bella und ich mit ihr.
„Oh nein, kein Strippoker, wobei mich das auf eine Idee bringen würde. Für jede umgeschmissene Schachfigur ein Kleidungsstück.“
„Das wäre unfair. Wir beide wissen, wie das letzte Spiel geendet hat, nämlich im Wasser.“
„Ja, und es scheint so als hätten wir eine Affinität zum Wasser, weil wir immer in diesem landen.“ Lachend und nah beieinander schlenderten wir zum anderen Lagerplatz, der etwas mehr abseits lag und gesellten uns zu den Teenagern und den Leitern.
„Habt ihr es endlich geschafft die kleinen Nervensägen loszuwerden“, lachte einer und reichte mir und Bella jeweils eine Karte. Meine Frau starrte verwundert diese an.
„Wir spielen Werwolf. Ich weiß nicht, ob du das Spiel kennst. Es gibt eine kleine Geschichte dazu.“ Schnell erklärte er welche Figuren es gab und um was es ging, so wie die Besonderheiten jedes einzelnen Charakters.
„Das hat Spaß gemacht“, meinte sie, als wir von der Lichtung in den Wald eintraten.
„Ja, aber so macht das Spielen keinen Spaß, wenn man immer gleich rausgewählt wird. Jedoch bin ich sehr stolz auf dich, dass du sie besiegt hast.“
„Edward, da ging es nicht um gewinnen oder verlieren, sondern einfach Spaß an der Sache zu haben. Du darfst nicht immer alles als Wettkampf sehen, bei dem du der Beste, Schnellste, Stärkste, Klügste und so weiter bist. Manchmal muss man es einfach genießen und sich zurücklehnen. Zumal es ab und zu nicht schadet, wenn du verlierst“, lachte sie und kniff mir in meine Seite.
„Hey, ich kann verlieren und nachgeben.“
„Wirklich, wie war das mit unserem Tennismatch?“
„Das kannst du nicht zählen.“
„Doch, siehst du, wir beide müssen noch viel lernen. Vielleicht auch gegenseitig.“
„Was sehr wahrscheinlich ist.“ Ich zog sie näher an mich heran und küsste ihre Schläfe. Die letzten paar Meter zu Lichtung gingen wir weiter, bis sie plötzlich mit ihrem Fuß hängenblieb und fiel.
„Autsch“, rief sie und legte sofort eine Hand auf ihren Bauch. Besorgt kniete ich mich neben sie nieder.
„Was ist los. Geht es euch gut?“ Im schwachen Licht des Mondes konnte ich gerade noch erkennen, wie sie ihre Augen verdrehte.
„Mein Fuß, nicht mein Unterleib. Keine Ahnung weshalb ich das mache. Vielleicht eine Art Beschützerinstinkt“, sagte sie und versuchte wieder aufzustehen, was ihr nicht wirklich gelang. Ohne auf etwas zu warten, hob ich sie im Brautstil hoch und trug sie zum Lagerplatz.
„Es war keine gute Idee ohne Taschenlampe zu gehen.“
„Das wäre mir vermutlich auch mit passiert.“
„Am liebsten würde ich dich auf der Stelle durchchecken lassen-“, bevor ich weitersprechen konnte, legte sie ihrer Hand über meinen Mund, „Nein, das würde alle nur wecken und ein Chaos würde entstehen. Also vergiss es. Lass uns einfach nur schlafen und ich lass mir morgen in der Früh meinen Fuß ansehen und nur meinen Fuß, der Rest ist nämlich in Ordnung!“
„Wenn du das sagst, muss es stimmen“, meinte ich, als sie ihre Hand wegnahm.
Mit ihr in meinen Armen marschierte ich zielstrebig zu unserem Zelt. Dort musste ich sie kurz abstellen, sodass ich den Zipp aufmachen konnte. Dabei lehnte sie ihr Gewicht an mich, was die Sache erschwerte, jedoch gelang es mir. Schließlich gelang es uns in unsere Kabine zu kommen. Ihr Schlafsack, sowie die Unterlagsmatte waren bereits vorbereitet worden.
„Angela“, meinte Bella, als ich auf die Sachen vor mir starrte, „sie hat das gemacht. Sie ist mitgefahren und vermutlich in der nächsten Stadt wartet sie dort mit dem Auto. Wir haben das jedenfalls so ausgemacht. Und nur, dass sie die Sachen hier her bringen würde und nicht auspacken, aber sie ist ein Engel.“
„Ja, das ist sie, deshalb habe ich sie dir zu Victoria dazugegeben, wegen deinen ganzen Termin, die du jetzt reduzieren solltest.“
„Ich weiß, nach den National Conventions werde ich es ruhiger angehen lassen. Bis dorthin sind es nur noch ein paar Tage, die ich mit dir verbringen werde.“
„Das freut mich ungemein.“ Ich drehte mich zu ihr, um sie küssen zu können. Seufzend lösten wir uns voneinander.
„Irgendwie ist unsere Versöhnung so ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte“, meinte sie leise.
„Nicht nur du. Aber ich bin froh, dass das geklärt ist und ich hoffe, dass wir ab jetzt über alles reden, bevor wir voreilige Schlüsse ziehen.“ Sie nickte mir zu und zog schließlich still ihre Nachtwäsche hervor.
„Wie sieht es mit Zähneputzen aus?“, fragte sie. Wie gut, dass ich so ein großes Zelt hatte. Bella hatte ihre Zahnputzsachen schon in der Hand. Ich suchte schnell meine zusammen, richtete mich auf und schlüpfte in meine Schuhe, bevor ich mich zum anderen Teil des Zeltes bewegte, wo ein kleiner Tisch mit einem Kanister und einer Schüssel war.
„Hahn aufdrehen, Wasser drauf, Zahnpasta drauf, putzen, in die Schüssel spucken, abwaschen und den Behälter morgen im Haus beim morgendlichen Putzen auswaschen.“ Sie nickte mir wieder zu und wir putzen im Gleichklang. Sobald wir fertig waren, zogen wir uns um, ich wusste inzwischen, dass es vorteilhafter war im Schlafsack mit so wenig wie möglich zu schlafen, da es besser wärmte. Man möge denken, dass es verrückt sei, war aber so. Bella jedoch packte sich in zehn Lagen ein, wovon ich nur beim Zusehen einen Schweißausbruch bekam.
„Es wäre effektiver nur im Nötigsten zu schlafen“, erklärte ich ihr sanft, da ich nicht wusste, wie sie auf meine Aussage reagieren würde.
„Das ist das Nötigste. Ich gedenke nicht daran zu erfrieren wie du!“, dabei deutete sie auf meine nackten Arme, die außerhalb des Schlafsacks waren.
„Ich hab es dir gesagt.“ Nachdem ich mich wieder hingelegt hatte, verschränkte ich meine Arme hinter dem Kopf. Ich hörte, wie sie den Zipp des Sacks aufmachte, hineinrutschte und ihn dann schloss.
„Willst du nicht näher heranrutschen?“, fragte ich sie, doch sie verneinte nur, wandte sich dann aber zu mir. Plötzlich tauchte ein kleines Bild vor meinen Augen auf und ich musste einen Moment nachdenken, was es war – das Ultraschallbild.
„Ich hatte dir gesagt, dass ich es dir zeigen würde. Nur bräuchten wir jetzt eine Taschenlampe.“ Schnell kramte ich jene hervor und sah mir das Bild an. Mit zitternder Hand hielt ich es vor mir. Dieses kleine Etwas, es war gut ein paar Zentimeter groß, würde einmal ein Mensch werden.
„Man sieht noch nicht viel, aber das wird bald kommen“, meinte Bella gähnend und wollte mir das Stück Papier wegnehmen.
Ich war gerade dabei einzunicken, als Bella erschrocken meinte: „Da ist was. Da war wer. Edward, ich hab Angst.“ Die Augen verdrehend drehte ich mich zu ihr und stützte meinen Oberkörper mit dem Arm ab.
„Bella, du brauchst keine Angst haben, und da war auch niemand. Glaub es mir, ich weiß, wie schlimm die erste Nacht in einem Zelt sein kann.“ Danach hatte sie nichts mehr erwidert. Kaum war ich abermals dabei einzuschlafen, sagte sie zähneklappernd: „Mir ist kalt.“ Schmunzelnd öffnete ich meinen Schlafsack, bevor ich es bei ihrem gleichtat.
„Was machst du da? Geh weg“, nuschelte sie und versuchte sich wegzudrehen.
„Dir ist kalt, und das wird helfen.“ Ich zog den Verschluss hinunter, nahm meinen Schlafsack und verband die beiden, sodass wir einen großen hatten. Zwar sah dies verdammt komisch aus, aber besser, als wenn Bella kalt war.
„Es wäre gut, wenn du dich jetzt ausziehen würdest“, schlug ich vor.
„In deinen Träumen“, keifte sie, bevor sie sich dabei ertappte, „Es tut mir leid, manchmal…“
„Ist schon gut, also?“, fragte ich sie abwartend und sah, dass sie sich auszog. Ich war immer noch außerhalb der Schlafsäcke und spürte, wie die Kälte sich um meinen Körper legte. Nachdem sie sich fertig ausgezogen hatte, kletterte ich wieder hinein und zog sie an mich.
„Du bist wirklich sehr kalt. Nicht, dass du krank wirst.“ Sie schnaubte kurz, bevor sie sich an mich kuschelte.
„Halt den Mund und mach mich warm.“
„Ich kann dich auch heiß machen“, raunte ich ihr ins Ohr. Anscheinend hatte ich mein Glück etwas überstrapaziert, da sie mir leicht auf die Brust schlug.
„Schlaf lieber und lass mich in Ruhe, sonst bin ich morgen unausstehlich.“ Lächelnd legte ich eine Hand auf ihren Bauch und lauschte ihren gleichmäßigen Atemzügen. Wenig später konnte ich endlich schlafen.
„Schau, Edward, ich hab den Football gefangen!“, rief Mathew mir stolz zu. Ich lächelte ihn an. Wie einfach es hier war und wie sehr mir das Spaß machte, wollte mein Kopf noch nicht begreifen, denn die letzten neun Wochen waren für mich die Hölle auf Erden. Nicht nur dass Isabella mich von sich gestoßen hatte – was hatte ich anderes erwartet, sondern auch die allgegenwärtigen Fragen. Deshalb war ich froh hier ein paar Tage verbringen zu können, auch wenn das hieß, dass ich diese Tage nicht für meine Kampagne nutzen konnte. Zwar waren im Zeltlager Medienvertreter dabei, aber nur spärlich, was gut und schlecht war, je wie man es eben sah.
„Edward? Weißt du, wer das bei Ben ist?“, fragte der kleine Knirps nun und ich drehte mich um und erstarrte. Ich wusste sehr genau, wer das neben dem Leiter des Camps war: Isabella. Was machte sie hier? Wie angewurzelt blieb ich stehen und sah, wie die beiden immer näher kamen. Nie hätte ich erwartet, dass sie hier her kommen würde, so wie sie von einem Termin zum nächsten hetzte. Selbst ich wusste, dass das nicht gesund sein konnte und Dad hatte mir das schon des Öfteren gesagt. Doch wenn ich ein Gespräch mit ihr beginnen wollte, kehrte sie um und lief regelrecht vor mir davon. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Ehe jemals so aussehen würde, nicht nach den letzten Tagen unserer Flitterwochen. Diese Bella vermisste ich und wünschte die derzeitige egoistische und kaltherzige Isabella zum Teufel. Vielleicht war es ja Gottes Bestrafung, da ich anfangs nicht besser zu ihr war. Nicht nur meiner Familie, sondern auch mir war es aufgefallen, dass ich mich verändert hatte. Zwar was meine zwischenmenschlichen Gefühle betraf, aber nicht die Politik, da blieb ich der alte.
„Hallo, schön dich kennenzulernen“, sagte sie zu Mathew gewandt, bevor sie sich vor mich hinstellte und mich küsste, „und dir auch ein herzliches Hallo!“, flüsterte sie gegen meine Lippen, während sie die Arme um meinen Hals schlang. Sofort legte ich meine um ihre Mitte und zog sie automatisch an mich. Ich konnte spüren, wie dünn sie war, aber auch, dass sie sich an mich schmiegte.
„Wer bist du?“, fragte Mathew scheu und blickte Isabella mit seinen klaren blauen Augen an. Wir lösten uns voneinander und sie stellte sich neben mich.
„Ich bin Isabella, Edwards Frau. Aber meine Freunde nennen mich Bella, also darfst du das auch.“ Ich musste ein verächtliches Schnauben unterdrücken. Nein, ich würde mich hüten diese Isabella, die hier gerade dem Jungen etwas vorspielte, bei ihrem Spitznamen zu nennen.
„Wow, du willst meine Freundin sein?“ Sie legte einen Arm um mich und lehnte sich an meine Brust, bevor sie antwortete.
„Klar, warum denn nicht?“ Sie streckte eine Hand aus und wuschelte durch sein Haar. Der schmerzliche Gedanke einer Familie und Kinder mit ihr zu haben, die sie genau so behandeln würde, machte sich in mir breit.
„Weil ich der Streber bin“, gab er kleinlaut zurück. Selbst in diesem Alter und dieser Institution gab es schon Mobbing. Zwar noch nicht so ausgereift, wie in der High School oder in der Berufswelt, aber sie war vorhanden.
„Soll ich dir etwas verraten?“, Mathew nickte enthusiastisch, „Ich war auch immer die Streberin. Also ist das doch ideal, oder?“ Sein Gesicht hellte sich auf und er nahm ihre Hand.
„Ich will dir hier alles zeigen“, sagte er, als er sie von mir wegzog.
„Mathew“, kam es nun von Ben, „denkst du nicht, dass Edward selbst gerne Bella das Lager zeigen würde?“ Verdutzt sah der Junge seinen Gruppenleiter an.
„Wie wäre es, wenn wir uns gemeinsam alles ansehen. Du erklärst ihr alles und ich kann ja noch etwas hinzufügen. Danach zeige ich ihr den Fluss, wo es euch nicht erlaubt ist alleine hinzugehen“, meinte ich nun und sah das zufriedene Gesicht von Mathew.
„Ja, das ist toll. Ist das für dich okay, Bella?“
„Klar, mein Kleiner. Komm, zeig mir alles und ich möchte alle Geschichten hören“, lachte sie, bevor sich unsere kleine Gruppe in Bewegung setzte.
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Die nächste Stunde war ich in meinen Gedanken gefangen und fragte mich, was sie hier tat. War etwas passiert in meiner Abwesenheit?
„So, jetzt sind wir fertig mit der Besichtigung“, meinte Mathew, als wir bei dem Lager der Jüngeren ankamen.
„Und das wäre?“ Dabei deutete Isabella auf die kleine Lichtung vor ihr.
„Unser Lagerplatz. Das dort ist mein Zelt. Du kannst mich jederzeit besuchen kommen, oder wenn du Angst in der Nacht hast.“
„Vielen Dank, Mathew. Wenn Edward mich nicht mehr beschützen kann, dann werde ich zu dir kommen. Ist das in Ordnung.“ Isabella lächelte ihm freundlich zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr, bevor der Junge lachend zu den anderen Kindern lief.
„So und wo ist jetzt der Fluss?“, fragte sie an mich gewandt. Seufzend deutete ich ihr mir zu folgen. Still marschierten wir durch den Wald bis wir zum fließenden Gewässer kamen.
„Was machst du hier!“ Sie schnaubte höhnisch, bevor sie sich vor mich stellte.
„Kein Hallo, es freut mich zu sehen, Edward?“ Isabella verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Nein, das kannst du nicht von mir erwarten.“
„Was ich erwarte ist ganz und gar meine Sache, oder? Aber weshalb wundert es mich, ich bin ja selbst daran schuld.“ Ich sah, dass sich Tränen bildeten und ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Sie war nie nah am Wasser gebaut. Isabella drehte sich um, ließ die Arme hängen und ging ein paar Schritte Richtung Fluss.
„Pass bitte auf, man kann hier schnell ausrutschen.“ Meine Bitte missachtend ging sie dem Ufer ein Stück entlang.
„Mathew ist sehr nett. Es freut mich, dass du mit Kindern so gut kannst.“
„Ich habe immer schon gut mit Kindern können. Vor allem damals mit dir.“ Sie drehte ihren Kopf in meine Richtung und blickte mich böse an.
„Es tut mir-“, begann ich, wurde aber von ihr unterbrochen, „Nein, du hast schon Recht. Weshalb etwas nicht sagen, das nicht stimmt? Besser als eine Lüge.“ Seufzend ging sie zu dem Baum, der über einen Teil des Flusses gewachsen war hin. Von dort waren gestern die Jungen in das Wasser gesprungen. Doch heute Vormittag hatte es geregnet und alles war nass und glitschig.
„Bitte“, rief ich ihr zu, als sie einen Fuß auf den Baumstamm setzte. Bis jetzt hatte ich mich keinen Meter von meinem Platz entfernt. Sie balancierte weiter herum und mir riss langsam der Geduldsfaden. Sie führte sich wie ein hormongesteuerter Teenager auf, der seine Grenzen ertastete.
Als sie in der Mitte war, reichte es mir und ich lief zu ihr hin. In dem Moment setzte sie sich hin.
„Würdest du bitte wieder hinunterkommen. Das Holz ist nass und kalt und du kannst eine Blasenentzündung bekommen.“
„Edward, selbst wenn ich“, als hätte sie sich bei etwas ertappt, stoppte sie und begann von vorne: „Ich bin noch lange nicht aus Zucker. Und das bisschen Wasser wird mir schon nicht schaden.“
„Nun gut, wenn du nicht hier her kommen möchtest, dann werde ich jetzt zu dir kommen. Ich hoffe nur, dass uns beide der Baum tragen kann.“ Während ich mich zu ihr auf den Weg machte, ließ sie ihre Beine vom Baum bummeln. Inzwischen hatte sie sich umgesetzt, sodass auf je einer Seite des Stammes ein Bein war. Seufzend ließ ich mich hinter ihr nieder. Rücken an Rücken saßen wir still da. Keiner dazu bemüht den ersten Satz zu sagen.
„Also. Was ist der Grund deines Kommens?“, fragte ich sie nach etlicher Zeit.
„Darf ich meinen Ehemann nicht besuchen?“
„Sicher, aber nach dem was passiert war, glaube ich dir nicht. Es gibt einen Auslöser.“ Ich hörte sie laut seufzen.
„Ich habe gestern deine Eltern besucht und mit ihnen geredet.“
Esme hatte mich erst heute Früh angerufen, mir aber nicht erzählt, dass sie bei ihnen gewesen war. Irgendetwas war komisch.
„Wir haben geredet und ich musste mir eine Standpauke von ihr anhören, die ich ehrlich gesagt auch verdient habe. Das was ich euch, vor allem dich, mit meiner zurückweisenden Art durchleben habe lassen, war nicht in Ordnung. Ich weiß jetzt, dass du es nur gut gemeint hast, um mich besorgt warst, wenn ich alles über Alex erfahre, dass ich sehr emotional und abweisen reagieren würde, was ich auch tat. Ich war in dem Moment verletzt und gekränkt, dass du mir nicht vertraut hast und ich habe mich fragen müssen, ob das Vertrauen, das ich in dich gesetzt hatte nur Heuchelei gewesen war, oder ob du es ernst gemeint hattest. Über das musste ich mir klar werden, beziehungsweise musste mir gesagt werden. Vor allem dass ich die Tage danach wie ein Kleinkind gehandelt habe, dich von mir gestoßen und dich ausgeschlossen habe, war überhaupt nicht in Ordnung. Auch wenn ich dem Moment geglaubt hatte, das Richtige getan zu haben, so ist mir jetzt bewusst, dass ich ziemlich viele dumme Fehler begangen habe. Ich weiß, dass ich dich nicht sofort darum bitten kann, mir das alles zu verzeihen, das ist eine naive Wunschvorstellung, aber dass du nicht das Gleiche mit mir machst, darum würde ich dich bitten, auch, dass du mir die Chance gibst, das wieder gut zu machen.“ Ich hörte ihr Schniefen und merkte deutlich, dass sie weinte. Wie konnte ich dieser Frau böse sein. Sicher war es schwer zu verstehen gewesen, dass sie mich nicht bei sich haben wollte, aber das von ihr zu hören, war wieder etwas, das mir zeigte, dass sie bereit dazu war, ihre Fehler einzugestehen und das war mir wichtig. Nicht dass sie sich bei mir entschuldigte, sondern, das Eingestehen dieser Fehlentscheidungen, die uns mehrere Schritte nach hinten katapultiert hatte. Denn vieles, das wir uns während der Flitterwochen aufgebaut hatten, war durch das zerstört worden. Still überlegte ich vor mich hin, was ich ihr antworten sollte, bis ich bemerkte, dass sie sich bewegte. Plötzlich schrie sie und ich hörte ein „Platsch“. Geschockt sah ich nach unten und erblickte eine komplett nasse Bella, die versuchte gegen die leichte Strömung zu schwimmen. Ohne weiter nachzudenken, sprang ich ins Wasser und schwamm zu ihr.
„Alles okay“, fragte ich sie, als ich bei ihr war und ihren Arm nahm.
„Ja, ich bin nur so schwach und die Strömung.“ Mit ihr in meinem Armen schwamm ich zum Ufer und ließ sie los.
„Danke“, meinte sie kleinlaut und blickte zu Boden. „Es war eine dumme Idee gewesen dort zu sitzen.“
„Ja, da stimme ich dir zu.“ Ich drehte mich von ihr weg, um aus dem kalten Wasser zu gehen. Anscheinend hatte sie das als ablehnende Geste empfunden.
„Edward, warte… bitte.“ Das Bitte kam kurz später, aber sehr flehend.
„Wie kannst du mir in die Augen sehen, mich so wertschätzen, wenn du weißt, dass ich für Alex Tod verantwortlich bin.“ Seufzend schloss ich die Augen, denn genau vor dieser Frage hatte ich Angst gehabt. Langsam drehte ich mich zu ihr um.
„Weil ich dir niemals böse sein könnte. Selbst als du mich anfangs angeschrien hast, oder mir dieses eine Mal als deine Freunde zu Besuch waren, eine Ohrfeige verpasst hast, war ich wütend, aber mein Inneres hatte mir immer gesagt, dass ich es nicht könnte. Dir böse zu sein, egal weshalb liegt mir nicht. Du erinnerst mich an Alex und er hätte es nicht gutgeheißen, dass ich seine Schwester so behandle.“
„Also machst du das nur aus Gefallen zu ihm?“
„Nein, keineswegs. Bella, ich habe dich als Baby vergöttert, wie du mich angeblickt hast mit den großen braunen Augen. Du hattest, hast und wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, dort, wo meine Familie hingehört.“ Ich lächelte sie an, da ich ihren gekränkten Gesichtsausdruck gesehen hatte. „Und weißt du, von jetzt an, gibt es kein Geheimnis mehr vor dir. Ich werde dir alles erzählen, ob du es hören magst oder nicht. Du wirst mir ganz Ohr sein, so wie ich bei dir, wenn du etwas zu sagen hast.“
„Danke“, flüsterte sie.
„Nein, dafür brauchst du mir nicht zu danken. Das sollte das Normalste auf der Welt sein, sich gegenseitig alles anzuvertrauen zu können. Und wegen vorhin: Ich akzeptiere deine Entschuldigung. Es ist nicht so, als könnte ich dich nicht verstehen. Wir beide haben Fehler gemacht und ich bin bereit alles zu vergessen, die Sache hinter uns zu lassen und neu anzufangen, aber nur, wenn du dich ebenfalls dazu bereiterklärst. Denn alleine macht es keinen Sinn und ich würde für nichts in eine schon von Anfang an verlorene Schlacht ziehen und da ist mir meine Kraft zu schade.“ Ich merkte, wie sie kurz haderte und als sie auf mich zugelaufen kam, breitete sich ein großes Grinsen im Gesicht aus.
„Vielen Dank. Nicht nur für das, sondern für alles. Sicher kann es nicht gleich sein, wie in den Flitterwochen, aber wir schaffen das. Wir müssen es schaffen. Für dich, für mich und für das hier.“ Geschockt sah ich zu, wie sie meine Hand nahm und auf ihren Bauch legte. In meinem Kopf begann es zu rattern.
„Du bist schwanger?!“, fragte und rief ich gleichzeitig aus. Sie nickte kurz und sah schließlich zu Boden, als wäre es ihr peinlich.
„Hey, das braucht dir keinesfalls unangenehm zu sein. Ich meine, wow. So schnell? Da besitze ich aber Superspermien.“ Sie blickte mich an und begann zu lachen, sobald das Wort „Superspermien“ fiel.
„Ich denke, es war der richtige Ort, die richtige Zeit und vor allem der richtige Mann.“ Ich sah ihr in die Augen und zögerte, denn ich wusste nicht, wie sie reagieren würde, wenn ich sie küssen würde. Dieses Verlangen sie wieder an mich zu drücken, sie zu küssen, ihr nah zu sein und mit ihr zu schlafen, war so übermächtig, dass ich nicht anders konnte. Langsam beugte ich mich zu ihr hinab und legte leicht meine Lippen auf ihre. Ich musste nicht lange warten, bis sie sich an mich presste und den Kuss erwiderte.
„Deshalb auch dieser komische Satzanfang vorhin. Aber dann hättest du erst gar nicht da rauf sollen. Und ist jetzt alles okay mit dir, euch? Warst du schon bei der Ärztin? Hast du es Esme und Carlisle erzählt? Wer weiß es schon? Bin ich der Erste?“ Die Fragen sprudelten nur so aus mir hinaus.
„Edward, stopp. So viele Fragen kann ich nicht gleichzeitig beantworten. Ja, deshalb der Satz und ich bin nicht aus Zucker, selbst wenn ich schwanger bin. Mir geht es gut, bei der Ärztin war ich schon, das Ultraschallbild ist in meinem Rucksack und deshalb hab ich es gerade nicht bei der Hand, aber ich kann es dir gerne später zeigen, wenn du es sehen möchtest. Und das ist auch der Grund weshalb ich hier bin. Ich wollte es dir sagen. Mit dir reinen Tisch machen um unser und des Kindes willen. Der ausschlaggebende Punkt dafür war Esme. Ihrer Standpauke und ihrer Zuwendung danach, sowie ihrem Rat hast du es zu verdanken, dass ihr hier stehe.“
„Dann werde ich Mum ein Geschenk schicken und mich bei ihr bedanken müssen. Aber bevor ich das mache, werden wir beide uns umziehen und abtrocknen. Deine Lippen sind schon ganz blau. Komm, ich zeig dir, wo wir schlafen. Wir werden sicher irgendwo noch einen Schlafsack und frische Sachen auftreiben können.“ Ich wollte sie hochheben, doch sie entzog sie mir.
„Behandle mich jetzt nicht wie eine Schwerkranke. Ich bin schwanger, mehr nicht. Meine Füße funktionieren und ich kann gehen, das habe ich dir ja schon bewiesen. Und was den Rest betrifft, Esme war so freundlich und hat alles für mich gepackt. Sie scheint sich dabei sehr gut auszukennen.“
„Oh ja. Ich war früher selbst Pfadfinder.“
„Also deshalb bist du immer allzeit bereit“, lachte sie über den Leitspruch.
„Wenn du wüsstest“, raunte ich ihr ins Ohr. Es war leicht, schon zu leicht. Aber ich war froh, dass wir uns wieder so verstanden. Zwar war es noch nicht ganz wie in den Flitterwochen, aber eine hundertachtzig Grad Wendung wie vor ein paar Minuten. Merkwürdig und surreal. Ich ging wieder zu ihr, nahm ihre Hand in meine und gemeinsam spazierten wir zu dem Zelt, in dem ich die letzte Nacht verbracht hatte.
„Ich habe das vermisst“, meinte sie, als wir vor meinem, nein, nun unserem Zelt standen. Sie deutete zwischen ihr und mir hin und her.
„Ja, da kann ich dir nur zustimmen.“ Ich öffnete den Zipp und schuf damit einen Spalt, in dem wir in den Innenbereich des großen Zeltes kommen konnten. Eigentlich war es für vier bis sechs Leute gedacht, das hieß, es gab zwei Kabinen, aber sie hatten es mir allein gegeben, was zum einem angenehm war, aber zum anderen wieder ein Sonderservice, den ich nicht haben sollte. Natürlich ließ ich Bella den Vortritt und als sie sich nach vorne beugen musste, um durch die Öffnung ins Innere zu gelangen, wanderte mein Blick automatisch auf ihren süßen, runden Po. Was für eine Tortur.
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„So, jetzt habt ihr aber genug Fragen gestellt, nun bin ich dran“, meinte Bella, als wir am Lagerfeuer saßen und Marshmallows grillten. Sie hatte sich an mich gelehnt und ich hatte einen Arm um sie geschlungen. Die Kinder mochten sie und wollten die ganze Zeit bei ihr sein. Vor allem Mathew, der sie jedem als seine neue Freundin vorstellte, war ganz verzaubert von ihr.
„Was gefällt euch am besten am Pfadfinder sein?“ Die Hände der Kinder schossen in die Höhe. Sie deutete auf einen: „Die ganzen neuen Freunde und dass wir viel gemeinsam spielen.“ Alle stimmten den kleinen Mann zu. Ein paar weitere fügten noch ein, zwei Sachen hinzu, jedoch wiederholte es sich nach einiger Zeit.
„Gut, nächste Frage. Was ist das Tollste an dem Lager?“
„Du und Edward“, sagten alle und wir beide blickten uns an. Ich küsste sie sanft und streichelte ihr über den Bauch.
„Iiiiiih, wenn man Mädchen küsst, wird man krank. Das solltest du nicht tun, Edward“, meinte einer. Und wir beide mussten lachen.
„Nun, weißt du, Bella ist kein Mädchen, aber trotzdem danke. Ich werde aufpassen.“ Der Kleine nickte zufrieden und aß seine Nachspeise. Wir stellten noch ein paar Fragen über allgemeine Dinge und die Kids schienen es zu genießen so viel Aufmerksamkeit von uns zu bekommen. Gemeinsam sangen wir noch ein paar Lieder, bevor es für sie hieß schlafen zu gehen. Was sie meckernd zur Kenntnis nahmen.
„Kinder, wir sehen uns morgen alle wieder und wer jetzt nicht schlafen geht, darf mit mir morgen nicht spielen.“ Gegen Ende hin wurde sie streng und die Buben und Mädchen beeilten sich entweder zurück ins Haus, oder zu ihren Zelten zu gehen. Mathew blieb kurz stehen, drehte sich um und lief zu Bella.
„Du weißt, falls du Angst bekommst, wo mein Zelt ist. Wir könnten zusammenrutschen, dann hast du auch noch Platz. Ich weiß, wie gruselig das hier werden kann.“
„Oh, vielen Dank, Mathew. Aber jetzt husch, husch, ab ins Bett. Ich wünsch dir eine gute Nacht und schöne Träume.“ Danach beugte sie sich hinab und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Strahlend marschierte er davon.
„Jetzt bin ich eifersüchtig“, kommentierte ich das Geschehen. Bella drehte sich zu mir um und schlang ihre Arme um meinen Hals.
„Ach wirklich. Der kleine Herr macht dich eifersüchtig. Uh, wie wäre es, wenn ich etwas mit Ben flirte“, sinnierte sie und biss sich auf die Lippe.
„Wage es ja nicht.“ Sie küsste mich und besänftigte mich dadurch.
„Nein, ich bin ganz dein. Was machen wir jetzt, der Abend ist noch jung.“
„Ich denke, dass wir zu den Älteren gehen können. Die spielen immer so ein tolles Spiel.“
„Kein Strippoker, hoffe ich“, lachte Bella und ich mit ihr.
„Oh nein, kein Strippoker, wobei mich das auf eine Idee bringen würde. Für jede umgeschmissene Schachfigur ein Kleidungsstück.“
„Das wäre unfair. Wir beide wissen, wie das letzte Spiel geendet hat, nämlich im Wasser.“
„Ja, und es scheint so als hätten wir eine Affinität zum Wasser, weil wir immer in diesem landen.“ Lachend und nah beieinander schlenderten wir zum anderen Lagerplatz, der etwas mehr abseits lag und gesellten uns zu den Teenagern und den Leitern.
„Habt ihr es endlich geschafft die kleinen Nervensägen loszuwerden“, lachte einer und reichte mir und Bella jeweils eine Karte. Meine Frau starrte verwundert diese an.
„Wir spielen Werwolf. Ich weiß nicht, ob du das Spiel kennst. Es gibt eine kleine Geschichte dazu.“ Schnell erklärte er welche Figuren es gab und um was es ging, so wie die Besonderheiten jedes einzelnen Charakters.
„Das hat Spaß gemacht“, meinte sie, als wir von der Lichtung in den Wald eintraten.
„Ja, aber so macht das Spielen keinen Spaß, wenn man immer gleich rausgewählt wird. Jedoch bin ich sehr stolz auf dich, dass du sie besiegt hast.“
„Edward, da ging es nicht um gewinnen oder verlieren, sondern einfach Spaß an der Sache zu haben. Du darfst nicht immer alles als Wettkampf sehen, bei dem du der Beste, Schnellste, Stärkste, Klügste und so weiter bist. Manchmal muss man es einfach genießen und sich zurücklehnen. Zumal es ab und zu nicht schadet, wenn du verlierst“, lachte sie und kniff mir in meine Seite.
„Hey, ich kann verlieren und nachgeben.“
„Wirklich, wie war das mit unserem Tennismatch?“
„Das kannst du nicht zählen.“
„Doch, siehst du, wir beide müssen noch viel lernen. Vielleicht auch gegenseitig.“
„Was sehr wahrscheinlich ist.“ Ich zog sie näher an mich heran und küsste ihre Schläfe. Die letzten paar Meter zu Lichtung gingen wir weiter, bis sie plötzlich mit ihrem Fuß hängenblieb und fiel.
„Autsch“, rief sie und legte sofort eine Hand auf ihren Bauch. Besorgt kniete ich mich neben sie nieder.
„Was ist los. Geht es euch gut?“ Im schwachen Licht des Mondes konnte ich gerade noch erkennen, wie sie ihre Augen verdrehte.
„Mein Fuß, nicht mein Unterleib. Keine Ahnung weshalb ich das mache. Vielleicht eine Art Beschützerinstinkt“, sagte sie und versuchte wieder aufzustehen, was ihr nicht wirklich gelang. Ohne auf etwas zu warten, hob ich sie im Brautstil hoch und trug sie zum Lagerplatz.
„Es war keine gute Idee ohne Taschenlampe zu gehen.“
„Das wäre mir vermutlich auch mit passiert.“
„Am liebsten würde ich dich auf der Stelle durchchecken lassen-“, bevor ich weitersprechen konnte, legte sie ihrer Hand über meinen Mund, „Nein, das würde alle nur wecken und ein Chaos würde entstehen. Also vergiss es. Lass uns einfach nur schlafen und ich lass mir morgen in der Früh meinen Fuß ansehen und nur meinen Fuß, der Rest ist nämlich in Ordnung!“
„Wenn du das sagst, muss es stimmen“, meinte ich, als sie ihre Hand wegnahm.
Mit ihr in meinen Armen marschierte ich zielstrebig zu unserem Zelt. Dort musste ich sie kurz abstellen, sodass ich den Zipp aufmachen konnte. Dabei lehnte sie ihr Gewicht an mich, was die Sache erschwerte, jedoch gelang es mir. Schließlich gelang es uns in unsere Kabine zu kommen. Ihr Schlafsack, sowie die Unterlagsmatte waren bereits vorbereitet worden.
„Angela“, meinte Bella, als ich auf die Sachen vor mir starrte, „sie hat das gemacht. Sie ist mitgefahren und vermutlich in der nächsten Stadt wartet sie dort mit dem Auto. Wir haben das jedenfalls so ausgemacht. Und nur, dass sie die Sachen hier her bringen würde und nicht auspacken, aber sie ist ein Engel.“
„Ja, das ist sie, deshalb habe ich sie dir zu Victoria dazugegeben, wegen deinen ganzen Termin, die du jetzt reduzieren solltest.“
„Ich weiß, nach den National Conventions werde ich es ruhiger angehen lassen. Bis dorthin sind es nur noch ein paar Tage, die ich mit dir verbringen werde.“
„Das freut mich ungemein.“ Ich drehte mich zu ihr, um sie küssen zu können. Seufzend lösten wir uns voneinander.
„Irgendwie ist unsere Versöhnung so ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte“, meinte sie leise.
„Nicht nur du. Aber ich bin froh, dass das geklärt ist und ich hoffe, dass wir ab jetzt über alles reden, bevor wir voreilige Schlüsse ziehen.“ Sie nickte mir zu und zog schließlich still ihre Nachtwäsche hervor.
„Wie sieht es mit Zähneputzen aus?“, fragte sie. Wie gut, dass ich so ein großes Zelt hatte. Bella hatte ihre Zahnputzsachen schon in der Hand. Ich suchte schnell meine zusammen, richtete mich auf und schlüpfte in meine Schuhe, bevor ich mich zum anderen Teil des Zeltes bewegte, wo ein kleiner Tisch mit einem Kanister und einer Schüssel war.
„Hahn aufdrehen, Wasser drauf, Zahnpasta drauf, putzen, in die Schüssel spucken, abwaschen und den Behälter morgen im Haus beim morgendlichen Putzen auswaschen.“ Sie nickte mir wieder zu und wir putzen im Gleichklang. Sobald wir fertig waren, zogen wir uns um, ich wusste inzwischen, dass es vorteilhafter war im Schlafsack mit so wenig wie möglich zu schlafen, da es besser wärmte. Man möge denken, dass es verrückt sei, war aber so. Bella jedoch packte sich in zehn Lagen ein, wovon ich nur beim Zusehen einen Schweißausbruch bekam.
„Es wäre effektiver nur im Nötigsten zu schlafen“, erklärte ich ihr sanft, da ich nicht wusste, wie sie auf meine Aussage reagieren würde.
„Das ist das Nötigste. Ich gedenke nicht daran zu erfrieren wie du!“, dabei deutete sie auf meine nackten Arme, die außerhalb des Schlafsacks waren.
„Ich hab es dir gesagt.“ Nachdem ich mich wieder hingelegt hatte, verschränkte ich meine Arme hinter dem Kopf. Ich hörte, wie sie den Zipp des Sacks aufmachte, hineinrutschte und ihn dann schloss.
„Willst du nicht näher heranrutschen?“, fragte ich sie, doch sie verneinte nur, wandte sich dann aber zu mir. Plötzlich tauchte ein kleines Bild vor meinen Augen auf und ich musste einen Moment nachdenken, was es war – das Ultraschallbild.
„Ich hatte dir gesagt, dass ich es dir zeigen würde. Nur bräuchten wir jetzt eine Taschenlampe.“ Schnell kramte ich jene hervor und sah mir das Bild an. Mit zitternder Hand hielt ich es vor mir. Dieses kleine Etwas, es war gut ein paar Zentimeter groß, würde einmal ein Mensch werden.
„Man sieht noch nicht viel, aber das wird bald kommen“, meinte Bella gähnend und wollte mir das Stück Papier wegnehmen.
„Hey,
lass mir das Bild, das ist unser Kind. Zumal ich eine Kopie von dem
haben möchte.“ Seufzend setzte sie sich auf und blickte zu mir.
„Ah Gott, Edward, lass uns das bitte morgen klären, ja?? Und du bekommst ein Duplikat, wenn du es haben möchtest. Aber wärest du jetzt bitte so nett das Licht auszumachen, du kannst morgen noch darauf starren, als wäre das Bild das größte Wunder der Welt. Und außerdem passiert das alles in mir und nicht auf dem Bild.“ Mir kam es so vor, als wäre sie in dem Moment etwas eifersüchtig auf das erste Foto unseres Kindes gewesen. Wir legten uns wieder hin und versuchten zu schlafen.
„Ah Gott, Edward, lass uns das bitte morgen klären, ja?? Und du bekommst ein Duplikat, wenn du es haben möchtest. Aber wärest du jetzt bitte so nett das Licht auszumachen, du kannst morgen noch darauf starren, als wäre das Bild das größte Wunder der Welt. Und außerdem passiert das alles in mir und nicht auf dem Bild.“ Mir kam es so vor, als wäre sie in dem Moment etwas eifersüchtig auf das erste Foto unseres Kindes gewesen. Wir legten uns wieder hin und versuchten zu schlafen.
Ich war gerade dabei einzunicken, als Bella erschrocken meinte: „Da ist was. Da war wer. Edward, ich hab Angst.“ Die Augen verdrehend drehte ich mich zu ihr und stützte meinen Oberkörper mit dem Arm ab.
„Bella, du brauchst keine Angst haben, und da war auch niemand. Glaub es mir, ich weiß, wie schlimm die erste Nacht in einem Zelt sein kann.“ Danach hatte sie nichts mehr erwidert. Kaum war ich abermals dabei einzuschlafen, sagte sie zähneklappernd: „Mir ist kalt.“ Schmunzelnd öffnete ich meinen Schlafsack, bevor ich es bei ihrem gleichtat.
„Was machst du da? Geh weg“, nuschelte sie und versuchte sich wegzudrehen.
„Dir ist kalt, und das wird helfen.“ Ich zog den Verschluss hinunter, nahm meinen Schlafsack und verband die beiden, sodass wir einen großen hatten. Zwar sah dies verdammt komisch aus, aber besser, als wenn Bella kalt war.
„Es wäre gut, wenn du dich jetzt ausziehen würdest“, schlug ich vor.
„In deinen Träumen“, keifte sie, bevor sie sich dabei ertappte, „Es tut mir leid, manchmal…“
„Ist schon gut, also?“, fragte ich sie abwartend und sah, dass sie sich auszog. Ich war immer noch außerhalb der Schlafsäcke und spürte, wie die Kälte sich um meinen Körper legte. Nachdem sie sich fertig ausgezogen hatte, kletterte ich wieder hinein und zog sie an mich.
„Du bist wirklich sehr kalt. Nicht, dass du krank wirst.“ Sie schnaubte kurz, bevor sie sich an mich kuschelte.
„Halt den Mund und mach mich warm.“
„Ich kann dich auch heiß machen“, raunte ich ihr ins Ohr. Anscheinend hatte ich mein Glück etwas überstrapaziert, da sie mir leicht auf die Brust schlug.
„Schlaf lieber und lass mich in Ruhe, sonst bin ich morgen unausstehlich.“ Lächelnd legte ich eine Hand auf ihren Bauch und lauschte ihren gleichmäßigen Atemzügen. Wenig später konnte ich endlich schlafen.