Kapitel 23
„Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge.“ - Leonardo da Vinci
Ich stieß die Haustür auf und lief ins Freie. Mit tränenverschleierten Augen versuchte ich mich umzusehen und rannte einfach weiter den Schotterweg entlang. Das Blitzen der Kameras konnte ich schon weitem erkennen, doch es war mir in dem Moment egal, ob ich morgen das Titelbild jeder Klatschpresse zierte oder nicht, denn das tat ich schon, eines mehr oder weniger, war in dem Fall irrelevant. Durch das Tor neben der Einfahrt gelangte ich auf die Straße und mir wurden gleich die Linsen vors Gesicht gehalten und abgedrückt. Fragen prasselten regelrecht auf mich nieder und es war schlimmer als damals in Buffalo, als mich Edward nach meiner Flucht eingefangen hatte. Ich versuchte mir meinen Weg durch die Masse zu drängen, doch man ließ mich nicht durch. Plötzlich verkeilte sich mein Absatz in einer Rille im Gehsteig und ich verlor mein Gleichgewicht. Durch das Blitzlicht geblendet, konnte ich mich nicht mehr halten und fiel zu Boden. Bevor ich diesen erreichen konnte, wurde ich am Arm gepackt und hochgezogen, gegen eine durchtrainierte Brust gedrückt und sofort wusste ich, dass es Edward war, denn dieser spezielle Geruch umgab ihn.
Nebenbei hörte ich wie zwei Autos ineinander krachten, jedoch ließ das Blitzen nicht nach. Warum waren die alle nur so sensationsgeil? Hatten sie nichts Besseres zu tun?
„Hey, geht es dir gut?“, fragte er mich, doch ich wollte nicht mit ihm reden. Zu erfahren, dass er gewusst hatte, wer mein Bruder ist und es mir nicht gesagt hatte, erschütterte mein Vertrauen so sehr, dass ich ihm nichts mehr glauben konnte. Ich wusste nicht einmal mehr, ob das in den Flitterwochen gespielt war oder echt. Vermutlich ersteres.
„Ich bring dich jetzt hinein.“ Nach diesen Worten wurde ich hochgehoben und ich ließ es über mich ergehen. Meine Augen hatte ich geschlossen, da ich nicht sehen wollte, was um mich herum geschah.
„Was ist passiert?“, hörte ich Esmes besorgte Stimme. Es schmerzte sehr zu wissen, dass sie ebenfalls Kenntnis darüber hatte, was sich vor so vielen Jahren ereignet hatte.
„Sie ist gestürzt, ich hab sie gefangen, es wurden Fotos gemacht, es gab einen Auffahrunfall und morgen einen riesen Skandal in der Presse.“ Edward klang gereizt und stapfte mit mir die Stufen hinauf.
„Bella?“, fragte er nun sanft und ich öffnete blinzelnd meine Lider. Er hatte sein Pokerface aufgesetzt und ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Nein. Stopp. Ich hatte nichts zu erwarten, er hatte das. In seinen Armen begann ich mich zu wehren und er stellte mich sofort auf meine Beine. Verwirrt sah er mich an.
„Glaube jetzt ja nicht, dass wieder alles gut ist. Dass wieder alles wie vor ein paar Stunden war, nur weil du den edlen Ritter gespielt hast. Ha, vergiss es! Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben, Edward. Ich würde dich nun bitten, dass du gehst, denn ich möchte lieber allein sein.“
„Bella, ich möchte mich erklären-“, ich unterbrach ihn einfach: „Nein. Als mein Ehemann habe ich von dir erwartet, dass du ehrlich zu mir bist. In den letzten Wochen hast du mir stets gepredigt, dass wir ehrlich miteinander sein müssen und sollen, dass ich dir alles sagen kann. Und nun muss ich feststellen, dass du alles über Alex gewusst, es mir aber nicht gesagt hast. Edward, ich bin maßlos enttäuscht und wäre da dieser beschissene Vertrag nicht, dann würde ich mich auf der Stelle von dir scheiden lassen und du könntest dir deinen Präsidentschaftsposten sonst wo hin kleben!“
„Lass, es mich doch erklären. Carlisle hat es dir doch auch schon gesagt.“ Ich schüttelte nur meinen Kopf, mehr Lügen konnte ich nicht ertragen.
„Geh bitte, bevor ich mich vergesse. Ich möchte meine Ruhe haben und allein sein. Ich wünsche, dass du und alle anderen das respektieren und nicht versuchen mich umzustimmen.“ Geknickt sah er mich an, nickte nur, ohne irgendwelche Widerworte zu geben und marschierte aus dem Zimmer.
Seit jenem Abend waren nun knappe neun Wochen vergangen. In den ersten Tagen hatte ich mich nur in dem Zimmer verbarrikadiert und niemand zu mir lassen, bis ich einsehen musste, dass ich Hilfe brauchte. Aus diesem Grund hatte ich weinend Rose und Alice gebeten, mir ein paar Tage seelischen Beistand zu leisten und mich abzulenken, was sie auch gerne taten. Zwar waren die beiden über meine Vorgangsweise nicht erfreut und versuchten mir zu erklären, dass ich nicht so streng zu allen sein sollte, da sie nur mein Bestes gewollt hatten. Mein Bestes wäre gewesen, wenn sie mir von Anfang an gesagt hätten, dass sie wussten, wer mein Bruder war, dass Edward auf mich aufgepasst hatte.
Die ersten zwei Wochen hatten der Vorfall und alles was es nach sich zog die Medien beherrscht. Es wurde von Scheidung, Ehekrise und dem Aus unserer Beziehung in sämtlichen Magazinen berichtet. Jedoch hatte sich das gelegt, nachdem Edward und ich immer wieder in Interviews oder öffentlichen Auftritten auf die Fragen der Reporter mit einem „Danke, wir führen eine wunderbare Ehe und ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen“ geantwortet haben. Wir hatten uns so arrangiert, dass wir im selben Haus lebten, das umgebaut worden war, wodurch im zweiten Stock nur noch ein Schlafzimmer, ein Bad und einen großen begehbaren Kleiderschrank war. Dieses Stockwerk hatte ich für mich beansprucht, so wie das Wohnzimmer, die Küche. Edward blieben nur noch das Gästezimmer, sowie sein Büro, mehr brauchte er auch nicht für die wenige Zeit, die er sich im Haus aufhielt.
Denn wir beide, vor allem ich, hatte meinen Terminkalender zustopfen lassen. Edward hatte mir Angela „überlassen“, da ich nicht mehr von Tanya meine Termine zugeteilt bekommen wollte und somit eine neue Assistentin benötigte. Angela hatte mir damals auch sehr bei den Hochzeitsvorbereitungen geholfen und sagte nichts zu unserer Situation, worüber ich auch sehr glücklich war. Stets, wenn man versuchte dieses Thema anzuschneiden, machte ich entweder kehrt, oder machte einen Themenwechsel, wie gerade meine Laune war.
Die Wohneinteilung klappte die ersten Tage sehr gut, bis ich bemerkt hatte, dass Edward im Treppenhaus ganz zufällige Begegnungen einbaute, nur um mich zu Gesicht zu bekommen, um sich entschuldigen zu können. Doch jedes Mal verschwand ich schnell wieder und war jetzt sogar noch mehr auf der Hut als davor. Als die Gerüchte um eine mögliche Scheidung – ich wusste, dass dies nicht möglich war, sonst hätte ich schon längst die Papiere eingereicht, da der Ehevertrag das nicht genehmigte – fiel mir eine Last vom Herzen, jedoch hörten die Fragen nicht auf. Ich konnte mich noch genau an einen Interviewtermin erinnern.
„Nun, Sie sind jetzt seit über etwas als einer Woche wieder zurück aus Ihren Flitterwochen. Wir alle haben die Bilder dazu gesehen. Es schien sehr romantisch zu sein“, sagte die Interviewerin und am liebsten wäre ich ihr an die Gurgel gesprungen, da sie die Bilder erwähnte, aber Jasper hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich solche Fragen nicht ignorieren durfte, denn darauf würde Black dann zielen.
„Ja, es war sehr romantisch. Mein Mann und ich haben unsere Zeit genossen und wie man bemerkt hat, auch alles vergessen können. Die Zweisamkeit war wirklich erholsam, vor allem nach dem ganzen Stress aufgrund der Hochzeit und zum Krafttanken für die mit termingefüllten Wochen, die nun auf uns zu kommen. Ich fühle mich frisch, lebendig und wieder voller Elan, um vieles, das ich geplant habe in die Hand zu nehmen.“ Ich hatte mein glückliches Gesicht aufgesetzt und merkte, dass sie mir es abgekauft hatte. Falls das hier nicht klappen würde, so hätte ich bestimmt eine super Karriere in Hollywood vor mir, so wie ich jede Emotion schon spielen konnte.
„Wir alle wissen nun, dass Sie offizielle UNHCR-Botschafterin sind und eine Patenschaft für eine Schule auf den Jungferninseln übernommen haben. Ist es ein Andenken an die Wochen?“
„Nein, keines Falls ist es ein Souvenir, damit ich mich an diese Zeit erinnere, das hat mein Mann schon gemacht. Hierbei geht es mir um die soziale Einrichtung, um darauf aufmerksam zu machen unter welchen Bedingungen die Kinder dort das Lesen und Schreiben lernen. Und das kann man auch als meinen Job betrachten, schließlich geht es mir als Botschafterin darum, dass ich anderen Menschen helfe, denen es nicht so gut geht, wie uns hier in den USA. Und wenn es ihnen durch eine Patenschaft besser gehen wird, dann tue ich das sehr gerne, schließlich haben wir diese Schule besucht und den Kindern zugesehen und uns mit ihnen unterhalten.“
„Es scheint, als wären Sie und Senator Cullen viel unterwegs, wie schaffen Sie das?“ Tja, und da war schon die erste Frage…
„Wie soll ich es sagen… Es ist schwer, denn wenn man es gewohnt ist eine Person vierundzwanzig Stunden um sich zu haben und diese plötzlich ans andere Ende des Landes muss und man weiß, dass man sich die nächsten Wochen nicht oft sieht, wird es kompliziert so sehr in Kontakt zu bleiben. Mein Mann und ich versuchen jedoch jede Möglichkeit zu ergreifen, um miteinander zu reden und das Erlebte auszutauschen. Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass wir erst in den Flitterwochen waren.“
„Also müssen wir uns keine Gedanken machen, dass Sie sich gemeinsam nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit blicken?“ Das erste Interview, das im Fernsehen ausgestrahlt wurde und dann diese Frage. Ich setzte ein Lächeln auf und versicherte ihr: „Nein, Sie müssen keine Angst um unsere Ehe haben. Unsere Termine überschneiden sich leider und da das Medieninteresse so groß ist und wir niemand enttäuschen wollen, müssen wir leider an der Stelle kürzer treten und uns via Telefon oder Internet unterhalten.“
„Und nun zu meiner letzten Frage, ich habe gehört, dass die derzeitige First Lady Sie eingeladen hat, sie mit zu den olympischen Spielen zu begleiten, um unser US-Team anzufeuern. Stimmt das?“
„Ja, da haben Sie richtig gehört. Seit meinem Abschluss an Harvard, sie hatte dort eine wirklich sehr bewegende Rede gehalten, stehen wir im engen Kontakt und es hat mich wirklich überrascht, als ihre Anfrage kam, da es nun einmal nicht üblich ist, jedoch bin ich sehr froh über ihre Unterstützung.“
Ich war sehr erleichtert gewesen, als dieses Interview zu Ende gewesen war. In den anschließenden Tagen war ich bei einem Charity-Polo Spiel, bei dem ich geradezu verfolgt worden war von Fotografen, vor allem als ich einen kleinen Jungen am Arm hielt und ihm zeigte, auf welchem Pferd sein Vater saß, wurde nur so geklickt und in den darauffolgenden Tagen darüber berichtet und danach gefragt, ob ich mir Nachwuchs wünschen würde oder ob schon einer in Planung war, jedoch hatte ich dazu kein Statement abgegeben. Und seit der letzten Woche war neben meinem Besuch der Olympiade wieder mein Gewicht das Hauptthema.
Gerade las ich einen Artikel, wie dünn ich vor den Flitterwochen gewesen war, wie ich gesund während der Zeit auf der Insel ausgesehen hatte und dass ich sogar nun dünner war als je zuvor. Die ersten Wochen hatte ich aufgrund des Missbrauchs meines Vertrauens gegenüber Edward kaum etwas zu mir genommen und mein Körper hatte sich darauf eingestellt, sodass ich weniger aß. Aufgrund des vielen Reisens zu den einzelnen Termin hatte ich kaum Zeit, sodass ich, wenn ich in den letzten Wochen etwas zu mir genommen hatte, dies in binnen weniger Stunden wieder entleerte. Nur der bloße Gedanke an Nahrung brachte mich schon zum Würgen. Angela hatte mir beharrlich zugeredet, dass ich einen Arzt konsultieren müsse, doch ich hatte immer abgelehnt, da ich nicht die Zeit dafür fand.
„Wir sind da. Doctor O’Hara erwartet dich bereits“, riss mich Angela aus meinen Gedanken und ich stiegt aus dem SUV aus. Das Auto war in der Garage des Gebäudekomplexes geparkt worden und ich fuhr in Begleitung von einem Secret Service Agenten, diesen hatte Edward beim Präsidenten für unsere Sicherheit angefordert, und Angela in den dritten Stock, um meinen Termin bei meiner Gynäkologin wahr zu nehmen, schließlich stand mein halbjährlicher Besuch vor der Tür. Seufzend zog ich mich in der Kabine um und legte den einfachen Kittel an. Danach ging ich ihn den Untersuchungsraum und wurde herzlich von meiner Ärztin begrüßt.
„Setzen Sie sich bitte. Wenn ich es mir erlauben darf zu sagen, sehen Sie nicht gut aus, Misses Cullen. Sie sind viel zu dünn. Das letzte Mal habe ich Sie schon ermahnt, aber dieses Mal… Wenn das so weitergeht, müssen wir Sie auf eine Zwangsdiät setzen und zwar nicht um noch mehr abzunehmen, sondern um ihnen wieder ein paar Kilos auf die Rippen zu zaubernd.“ Lächelnd sah sie mich an und ich war kurz davor meine Augen zu verdrehen, hielt es jedoch für besser dies nicht zu tun. Ich setzte mich auf den Stuhl und wartete auf die Fragen.
„Haben Sie Ihre Menstruationsblutungen regelmäßig und wann war das letzte Mal?“ Oh Gott, da musste ich wirklich überlegen, denn sie waren zwei Mal ausgeblieben.
„Normalerweise bekomme ich meine Tage in regelmäßigen Abständen, jedoch waren sie die letzten drei Male ausgeblieben.“ Dr. O’Hara zog ihre Augenbrauen zusammen.
„Wenn Sie mit Ihrem Mann Sex haben, verhüten Sie?“ Auf was wollte sie gerade hinaus?
„Nein. Wir sind beide der Meinung, dass falls es passieren sollte, es passiert.“ Sie nickte mir zu und schien kurz zu überlegen.
„Ich werde einen Ultraschall machen, daher kann es kurz kalt werden, wenn das Gel auf Ihre Haut kommt. Das Ausbleiben der Menstruation kann entweder aufgrund des Gewichtsverlustes, des Stresses oder einer Schwangerschaft zurückzuführen sein, aber gleich werden wir wissen, was der Grund dafür ist. Haben Sie sonst noch Veränderungen Ihres Körpers bemerkt, außer das Ausbleiben?“
„Mir ist schlecht, wenn ich an Essen denke, könnte ich mich auf der Stelle übergeben, aber sonst nicht viel. Die Müdigkeit, aber das kommt vermutlich davon, dass ich kaum schlafe.“ Sie nickte und ich spürte, wie sie das Gel auf meine Haut schmierte. Kurz zuckte ich zusammen und Dr. O’Hara lächelte mich freundlich an.
„Nun, dann schauen wir einmal nach dem Grund!“ Sie begann mit der Sonde auf meiner Haut herumzufahren und sah dabei gebannt auf den Bildschirm. Plötzlich bereitete sich ein großes Lächeln in ihrem Gesicht aus und sie deutete auf einen dunklen Fleck. Der nach einem kleinen Kopf, einen Körper und Gliedmaßen aussah.
„Ich darf Ihnen und Ihren Mann gratulieren. Sie erwarten ein Kind.“ Geschockt sah ich sie an und konnte nicht fassen, was sie da gerade zu mir gesagt hatte. Ich hatte an zwei Tagen Sex mit Edward und das kam dabei heraus! Am liebsten hätte ich ihm seinen Kopf umgedreht.
„Sie sehen nicht gerade glücklich aus“, sagte Dr. O’Hara zweifelnd.
„Es geht schon, danke. Der Schock, ich hatte nicht so schnell damit gerechnet, aber ich freue mich sehr darüber“, log ich, denn ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht, schließlich war ich mit seinem Kind schwanger.
Nachdem ich mir einen langen Vortrag darüber anhören musste, dass ich zunehmen zu hatte, verabschiedete ich mich und wusste nicht was ich tun sollte. Renée konnte ich nicht nach Hilfe fragen und die einzige Mutter, die mir nun blieb war Esme. Schweren Herzens und auch gegen meine eigenen Vorschriften teilte ich Angela abwesend mit, dass sie all meine Termin für den Tag canceln sollte und wir uns zu dem Anwesen meiner Schwiegereltern begeben würden.
Als wir auf dort hielten, standen Esme und Carlisle in der Tür und wussten nicht, wie sie meinen Besuch zu deuten hatten, denn ein paar Minuten zuvor hatte Angela sie angerufen.
„Es ist schön dich wieder zusehen, komm doch herein. Angela, Sie sind natürlich ebenfalls herzlich eingeladen“, begrüßte mich Esme liebevoll und nahm mich in den Arm.
„Nein, aber vielen Dank. Ich muss mich um ein paar Sachen kümmern. Bella, falls Sie etwas brauchen.“ Ich nickte ihr wissend zu, dass sie sofort zur Stelle wäre und ging mit meinen Schwiegereltern ins Haus. Carlisle marschierte in die Küche und machte uns Tee, während ich mit Esme ins Wohnzimmer schlenderte.
„Nun sag mir doch, was dir am Herzen liegt. Ich sehe es dir doch an.“ Einfühlsam und beruhigend legte sie mir eine Hand auf die Schulter. Konnte ich es ihr sagen?
„Wie geht es euch? Wir haben uns lange nicht gesehen und es tut mir leid, wie das vor neun Wochen abgelaufen ist, aber ich kann es nicht verstehen.“ Damit wich ich gekonnt ihrer Frage aus. Wissend sah sie mich an, tat mir jedoch den Gefallen und ließ mir noch etwas Zeit.
„Uns geht es gut und wir alle wissen, dass es, wie wir es dir gesagt haben, nicht gut durchdacht war. Wir können deinen Groll verstehen, jedoch solltest du wissen, dass wir es nie so beabsichtigt hatten. Dein Vertrauen ist uns wichtig, schließlich gehörst du zur Familie und wir alle lieben dich.“ Carlisle kam mit einem Tableau in den Raum und ließ uns wieder allein.
„Aber ihr müsst auch mich verstehen. Ich habe nichts über Alex gewusst und er ist immer noch wie ein Fremder für mich. Alles was ich weiß, ist, wie er gestorben ist und zwar durch mich und die Erinnerungen von Edward. Die letzten Wochen haben mich viele Fragen gequält, die ich zu verdrängen versuchte. Warum ich? Wie konnte er mich ansehen, da ich an dem Tod meines eigenen Bruders, seines besten Freundes, schuld war? Wurde er aufgrund dessen zu dem Mann, der er ist?“, ich wollte weitersprechen, doch Esme unterbrach mich.
„Er hat sich zurückgezogen und ist vermutlich deshalb zu dem Mann geworden, der er bis vor ein paar Monaten war. Vielleicht wäre es auch passiert, wenn Alex nicht gestorben wäre, aber das hier nun zu hinterfragen bringt an sich nichts. Jedoch hast du ihn auch wieder verändert und zwar zum Positiven. Er ist offener, freundlicher, nicht mehr starrsinnig und kalt. Sein Egoismus und sein selbstverliebtes Verhalten halten sich nun in Grenzen und er lässt nicht jeden seine Macht spüren. Das hast du bewirkt, Bella, und darüber bin ich sehr froh, denn er wird zu dem Junge, der er einmal war. Dem liebenswerten Buben, den ich auf die Welt gebracht habe.“ Lächelnd sah sie mich an und fuhr fort, „und wir können dich verstehen, das steht außer Frage. Nur nicht wir allein haben Fehler gemacht, du warst diejenige, die weinend und schreiend aus dem Zimmer hinausgerannt ist, die sich wie ein kleines Kind aufgeführt hat, die auch gerade meinen Fragen ausgewichen ist. Wenn du uns und vor allem Edward das weiterhin vorhältst, dann weiß ich nicht mehr, wie ich zu dir stehen soll. Du bist eine so liebenswerte, intelligente und humorvolle Frau, die ich als meine Tochter ansehe, aber in den letzten Wochen nicht mehr wiedererkannt habe und das nicht nur aufgrund des Gewichtsverlustes.“ Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee und schien auf meine Antwort zu warten. Wie ein kleines Kind saß ich da und wusste nicht was ich sagen sollte.
„Ich bin dir nicht böse, Bella, ich will nur nicht, dass du dir selbst und Edward weh tust mit deinem engstirnigen Verhalten. Er ist auch mit seinem Latein am Ende. Denn du benimmst dich wirklich als hätte man einem Kleinkind das Lieblingsspielzeug weggenommen und es nun trotzt. “ Ich hob eine Augenbraue. Wie bitte?!
„Entschuldige? Ich benehme mich wie ein Kleinkind? Tut mir leid, dass ich unter Stimmungsschwankungen leide, weil ich verdammt noch einmal schwanger bin. Deshalb bin ich gekommen. Ich wollte Rat, aber wenn ich ein kleines Kind bin, dann wird das vermutlich auch nichts nützen.“ Am Anfang war ich leise, wurde aber immer lauter gegen Ende zu.
„Bella“, ermahnte sie mich streng, doch ich verdrehte nur die Augen und stand auf, um meine Sachen zusammenzusuchen, „ich war zwei Mal schwanger und sich auf die Hormone auszureden spricht nicht von Reife. Jede Schwangere macht das durch und in dem Moment hast du gerade wieder gezeigt, wie egoistisch du handelst. Es wird Zeit, dass du von deinem Ross herunterkommst, das du derzeit reitest. Du bist, wie eine Tochter für mich, und deshalb ist es auch meine Pflicht dir das zu sagen. Ich weiß, dass du anfangs Edward aufgrund seiner Arroganz, des Egoismus und seiner Selbstverliebtheit gehasst hast, aber sieh‘ dich doch an. Du hast dich Tage in dem Zimmer versteckt, mit keinem von uns ein Wort gewechselt und uns keine Chance für Erklärungen gegeben, hast Edward die kalte Schulter gezeigt und ich lasse es nicht zu, dass man meine Familie so behandelt. Denk doch bitte nach, Bella, du willst kein trotziges Mädchen sein, sondern eine junge Frau, die eine sehr gute Ausbildung genossen hat, ein Kind erwartet und einen Mann hat, der sie vermisst. Und ja, er vermisst dich. Edward hat mir viel über eure Flitterwochen erzählt.“ Sie war nicht laut geworden, jedoch hatte sie einen Ton benutzt, den ich bei Esme zuvor noch nie gehört hatte, er war streng und rügend, aber in einer Art, die nicht verletzend war, sondern belehrend.
Ich musste in dem Moment einsehen, was für einen Blödsinn ich gemacht hatte. Weinend ließ ich mich auf das Sofa nieder, schlüpfte aus meinen Schuhen und rollte mich zusammen. Als mich meine Schwiegermutter in ihre Arme nahm und tröstete, redete sie mir gut zu und mir wurde auch schmerzlich bewusst, dass ich das vermisst hatte, dass ich sie und Carlisle und vor allem Edward vermisst hatte.
„Es tut mir so leid, ich war ein Dummkopf und bin es immer noch. Ich habe in dem Moment nur rot gesehen und auf Alice und Rose Worte nicht gehört. Sie meinten, ich sehe das zu streng und suche einen Sündenbock, um meine ganze Wut hinauszulassen und sie haben so recht gehabt. Kannst du mir verzeihen?“, fragte ich komplett aufgelöst.
„Sicher, du bist meine Tochter!“ Mit diesen Worten brachte mich Esme noch mehr zu weinen.
„Was ist bei euch denn los? Ich habe Bella schreien hören und bin nachsehen gekommen und jetzt liegt ihr euch in den Armen.“ Carlisle war in den Raum getreten und betrachtete uns verwirrt. Wer konnte es ihm auch verübeln.
„Mama-Bär hat mich gerügt und zur Besinnung gebracht“, kicherte ich nun und wischte meine Tränen fort. Nachdem ich mich auf bei meinem Schwiegervater entschuldigt hatte, beruhigte ich mich wieder.
„Also, du bist schwanger. Herzlichen Glückwunsch, dazu habe ich dir vorhin nicht gratulieren können. In der wievielten Woche?“
„Du bist schwanger?“, kam es nun von Carlisle, der noch nichts davon wusste.
„Danke und ja, ich bin schwanger in der neunten Woche. Meine Gynäkologin meinte, dass wir vor der zwölften Woche nichts verraten sollen. Ich war und bin immer noch komplett perplex, da ich direkt von der Untersuchung komme. Sicher habe ich gemerkt, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt, aber ich dachte, dass es mit dem Gewichtsverlust zu tun hatte.“
„Um den müssen wir uns nun kümmern. Aber so weit geht es dir gut?“, kam es von Carlisle. Ich nickte ihm zu.
„Ja, bis auf die allgegenwärtige Übelkeit, die sich wohl bald legen sollte und der Essstörung, geht es mir gut.“
„Hast du es Edward schon gesagt?“ Auf Esmes Frage schüttelte ich nur den Kopf.
„Dann solltest du es bald tun. Ich würde dir raten es persönlich zu machen und zu ihm zu fahren. Ihr könnt euch aussprechen und einander helfen zu verstehen, was der andere falsch gemacht hat. Aber davor wirst du was essen, denn so lasse ich dich nicht gehen.“
„Misses Cullen. Es freut mich Sie hier begrüßen zu dürfen. Wir hatten nicht mit Ihrem Kommen gerechnet“, begrüßte mich der Leiter des Camps, Benjamin Roger. Edward war nämlich einer Einladung einer Pfadfindergruppe, die er unterstützt hatte, nachgekommen und würde die nächsten zwei Tage bei ihnen verbringen. Esme hatte mir sehr dazu geraten hierher zu fahren, damit wir uns als Einheit vor den National Conventions zeigen, da an diesem Ort einige Medienvertreter dabei sein würden.
„Die Freude liegt auf meiner Seite. Um ehrlich zu sein, war das eine sehr spontane Aktion und ich wollte unbedingt meinen Mann wiedersehen. Natürlich wollte ich auch Sie und die Kinder kennenlernen und meinen Dank für Ihre Unterstützung in dem Wahlkampf aussprechen.“
„Das machen wir doch gerne. Schließlich helfen Pfadfinder zusammen und wie ich sehe, haben Sie schon passende Kleidung mitgebracht“, lachte er und deutete mir zu folgen. In meinen Gummistiefeln watete ich im Schlamm hinter ihm her. Wir waren mitten im Wald und ich wollte nicht wissen, was da so alles lauerte.
„Was können Sie mir über die Kinder und dieses Lager erzählen?“, fragte ich gespannt, da es mich wirklich interessierte, denn alles was mit Kindern und sozialen Institutionen zu tun hatte, war gut – in den meisten Fällen.
„Die Kids sind zwischen sechs und achtzehn Jahre alt und in verschiedenste Altersgruppen geteilt. Die Kleineren schlafen in dem Haus auf der Lichtung und die älteren in den Zelten. Wir haben hier verschiedene Kulturen und heißen jeden herzlich Willkommen. Niemand wird ausgeschlossen oder ausgegrenzt, denn der soziale Aspekt und der Spaß stehen im Vordergrund, obwohl es auch Regeln gibt. Zu dem Lager selbst gibt es nicht viel zu sagen. Ein paar Meter hinter der Lichtung gibt es einen See, den wir nutzen um verschiedenste Spiele zu veranstalten, die die Gruppenfestigkeit stärken. Wir werden die nächste Woche hier noch zelten und dann wieder nachhause fahren. Die Kleinen werden übermorgen zurückfahren, sodass die Älteren ihre Ruhe haben.“ Ich nickte ihm zu, als wir auf die große Lichtung traten. Ich sah Edward mit den Kinder spielen, es schien, als würde er ihnen Football spielen beibringen.
„Geht mit ihnen ganz natürlich um, er möchte keinen zusätzlichen Service haben, sondern wie jeder andere Teilnehmer dieses Camps behandelt werden. Er ist ein guter Mann und es war die richtige Entscheidung ihn zu unterstützen.“ Langsam gingen wir auf Edward zu, der sich zu uns umdrehte und in seiner Bewegung verharrte, als er mich erblickte. Nun gut, dann ab in Kampf, Bella, redete ich mir gut zu!
Ich stieß die Haustür auf und lief ins Freie. Mit tränenverschleierten Augen versuchte ich mich umzusehen und rannte einfach weiter den Schotterweg entlang. Das Blitzen der Kameras konnte ich schon weitem erkennen, doch es war mir in dem Moment egal, ob ich morgen das Titelbild jeder Klatschpresse zierte oder nicht, denn das tat ich schon, eines mehr oder weniger, war in dem Fall irrelevant. Durch das Tor neben der Einfahrt gelangte ich auf die Straße und mir wurden gleich die Linsen vors Gesicht gehalten und abgedrückt. Fragen prasselten regelrecht auf mich nieder und es war schlimmer als damals in Buffalo, als mich Edward nach meiner Flucht eingefangen hatte. Ich versuchte mir meinen Weg durch die Masse zu drängen, doch man ließ mich nicht durch. Plötzlich verkeilte sich mein Absatz in einer Rille im Gehsteig und ich verlor mein Gleichgewicht. Durch das Blitzlicht geblendet, konnte ich mich nicht mehr halten und fiel zu Boden. Bevor ich diesen erreichen konnte, wurde ich am Arm gepackt und hochgezogen, gegen eine durchtrainierte Brust gedrückt und sofort wusste ich, dass es Edward war, denn dieser spezielle Geruch umgab ihn.
Nebenbei hörte ich wie zwei Autos ineinander krachten, jedoch ließ das Blitzen nicht nach. Warum waren die alle nur so sensationsgeil? Hatten sie nichts Besseres zu tun?
„Hey, geht es dir gut?“, fragte er mich, doch ich wollte nicht mit ihm reden. Zu erfahren, dass er gewusst hatte, wer mein Bruder ist und es mir nicht gesagt hatte, erschütterte mein Vertrauen so sehr, dass ich ihm nichts mehr glauben konnte. Ich wusste nicht einmal mehr, ob das in den Flitterwochen gespielt war oder echt. Vermutlich ersteres.
„Ich bring dich jetzt hinein.“ Nach diesen Worten wurde ich hochgehoben und ich ließ es über mich ergehen. Meine Augen hatte ich geschlossen, da ich nicht sehen wollte, was um mich herum geschah.
„Was ist passiert?“, hörte ich Esmes besorgte Stimme. Es schmerzte sehr zu wissen, dass sie ebenfalls Kenntnis darüber hatte, was sich vor so vielen Jahren ereignet hatte.
„Sie ist gestürzt, ich hab sie gefangen, es wurden Fotos gemacht, es gab einen Auffahrunfall und morgen einen riesen Skandal in der Presse.“ Edward klang gereizt und stapfte mit mir die Stufen hinauf.
„Bella?“, fragte er nun sanft und ich öffnete blinzelnd meine Lider. Er hatte sein Pokerface aufgesetzt und ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Nein. Stopp. Ich hatte nichts zu erwarten, er hatte das. In seinen Armen begann ich mich zu wehren und er stellte mich sofort auf meine Beine. Verwirrt sah er mich an.
„Glaube jetzt ja nicht, dass wieder alles gut ist. Dass wieder alles wie vor ein paar Stunden war, nur weil du den edlen Ritter gespielt hast. Ha, vergiss es! Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben, Edward. Ich würde dich nun bitten, dass du gehst, denn ich möchte lieber allein sein.“
„Bella, ich möchte mich erklären-“, ich unterbrach ihn einfach: „Nein. Als mein Ehemann habe ich von dir erwartet, dass du ehrlich zu mir bist. In den letzten Wochen hast du mir stets gepredigt, dass wir ehrlich miteinander sein müssen und sollen, dass ich dir alles sagen kann. Und nun muss ich feststellen, dass du alles über Alex gewusst, es mir aber nicht gesagt hast. Edward, ich bin maßlos enttäuscht und wäre da dieser beschissene Vertrag nicht, dann würde ich mich auf der Stelle von dir scheiden lassen und du könntest dir deinen Präsidentschaftsposten sonst wo hin kleben!“
„Lass, es mich doch erklären. Carlisle hat es dir doch auch schon gesagt.“ Ich schüttelte nur meinen Kopf, mehr Lügen konnte ich nicht ertragen.
„Geh bitte, bevor ich mich vergesse. Ich möchte meine Ruhe haben und allein sein. Ich wünsche, dass du und alle anderen das respektieren und nicht versuchen mich umzustimmen.“ Geknickt sah er mich an, nickte nur, ohne irgendwelche Widerworte zu geben und marschierte aus dem Zimmer.
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Seit jenem Abend waren nun knappe neun Wochen vergangen. In den ersten Tagen hatte ich mich nur in dem Zimmer verbarrikadiert und niemand zu mir lassen, bis ich einsehen musste, dass ich Hilfe brauchte. Aus diesem Grund hatte ich weinend Rose und Alice gebeten, mir ein paar Tage seelischen Beistand zu leisten und mich abzulenken, was sie auch gerne taten. Zwar waren die beiden über meine Vorgangsweise nicht erfreut und versuchten mir zu erklären, dass ich nicht so streng zu allen sein sollte, da sie nur mein Bestes gewollt hatten. Mein Bestes wäre gewesen, wenn sie mir von Anfang an gesagt hätten, dass sie wussten, wer mein Bruder war, dass Edward auf mich aufgepasst hatte.
Die ersten zwei Wochen hatten der Vorfall und alles was es nach sich zog die Medien beherrscht. Es wurde von Scheidung, Ehekrise und dem Aus unserer Beziehung in sämtlichen Magazinen berichtet. Jedoch hatte sich das gelegt, nachdem Edward und ich immer wieder in Interviews oder öffentlichen Auftritten auf die Fragen der Reporter mit einem „Danke, wir führen eine wunderbare Ehe und ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen“ geantwortet haben. Wir hatten uns so arrangiert, dass wir im selben Haus lebten, das umgebaut worden war, wodurch im zweiten Stock nur noch ein Schlafzimmer, ein Bad und einen großen begehbaren Kleiderschrank war. Dieses Stockwerk hatte ich für mich beansprucht, so wie das Wohnzimmer, die Küche. Edward blieben nur noch das Gästezimmer, sowie sein Büro, mehr brauchte er auch nicht für die wenige Zeit, die er sich im Haus aufhielt.
Denn wir beide, vor allem ich, hatte meinen Terminkalender zustopfen lassen. Edward hatte mir Angela „überlassen“, da ich nicht mehr von Tanya meine Termine zugeteilt bekommen wollte und somit eine neue Assistentin benötigte. Angela hatte mir damals auch sehr bei den Hochzeitsvorbereitungen geholfen und sagte nichts zu unserer Situation, worüber ich auch sehr glücklich war. Stets, wenn man versuchte dieses Thema anzuschneiden, machte ich entweder kehrt, oder machte einen Themenwechsel, wie gerade meine Laune war.
Die Wohneinteilung klappte die ersten Tage sehr gut, bis ich bemerkt hatte, dass Edward im Treppenhaus ganz zufällige Begegnungen einbaute, nur um mich zu Gesicht zu bekommen, um sich entschuldigen zu können. Doch jedes Mal verschwand ich schnell wieder und war jetzt sogar noch mehr auf der Hut als davor. Als die Gerüchte um eine mögliche Scheidung – ich wusste, dass dies nicht möglich war, sonst hätte ich schon längst die Papiere eingereicht, da der Ehevertrag das nicht genehmigte – fiel mir eine Last vom Herzen, jedoch hörten die Fragen nicht auf. Ich konnte mich noch genau an einen Interviewtermin erinnern.
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„Nun, Sie sind jetzt seit über etwas als einer Woche wieder zurück aus Ihren Flitterwochen. Wir alle haben die Bilder dazu gesehen. Es schien sehr romantisch zu sein“, sagte die Interviewerin und am liebsten wäre ich ihr an die Gurgel gesprungen, da sie die Bilder erwähnte, aber Jasper hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich solche Fragen nicht ignorieren durfte, denn darauf würde Black dann zielen.
„Ja, es war sehr romantisch. Mein Mann und ich haben unsere Zeit genossen und wie man bemerkt hat, auch alles vergessen können. Die Zweisamkeit war wirklich erholsam, vor allem nach dem ganzen Stress aufgrund der Hochzeit und zum Krafttanken für die mit termingefüllten Wochen, die nun auf uns zu kommen. Ich fühle mich frisch, lebendig und wieder voller Elan, um vieles, das ich geplant habe in die Hand zu nehmen.“ Ich hatte mein glückliches Gesicht aufgesetzt und merkte, dass sie mir es abgekauft hatte. Falls das hier nicht klappen würde, so hätte ich bestimmt eine super Karriere in Hollywood vor mir, so wie ich jede Emotion schon spielen konnte.
„Wir alle wissen nun, dass Sie offizielle UNHCR-Botschafterin sind und eine Patenschaft für eine Schule auf den Jungferninseln übernommen haben. Ist es ein Andenken an die Wochen?“
„Nein, keines Falls ist es ein Souvenir, damit ich mich an diese Zeit erinnere, das hat mein Mann schon gemacht. Hierbei geht es mir um die soziale Einrichtung, um darauf aufmerksam zu machen unter welchen Bedingungen die Kinder dort das Lesen und Schreiben lernen. Und das kann man auch als meinen Job betrachten, schließlich geht es mir als Botschafterin darum, dass ich anderen Menschen helfe, denen es nicht so gut geht, wie uns hier in den USA. Und wenn es ihnen durch eine Patenschaft besser gehen wird, dann tue ich das sehr gerne, schließlich haben wir diese Schule besucht und den Kindern zugesehen und uns mit ihnen unterhalten.“
„Es scheint, als wären Sie und Senator Cullen viel unterwegs, wie schaffen Sie das?“ Tja, und da war schon die erste Frage…
„Wie soll ich es sagen… Es ist schwer, denn wenn man es gewohnt ist eine Person vierundzwanzig Stunden um sich zu haben und diese plötzlich ans andere Ende des Landes muss und man weiß, dass man sich die nächsten Wochen nicht oft sieht, wird es kompliziert so sehr in Kontakt zu bleiben. Mein Mann und ich versuchen jedoch jede Möglichkeit zu ergreifen, um miteinander zu reden und das Erlebte auszutauschen. Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass wir erst in den Flitterwochen waren.“
„Also müssen wir uns keine Gedanken machen, dass Sie sich gemeinsam nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit blicken?“ Das erste Interview, das im Fernsehen ausgestrahlt wurde und dann diese Frage. Ich setzte ein Lächeln auf und versicherte ihr: „Nein, Sie müssen keine Angst um unsere Ehe haben. Unsere Termine überschneiden sich leider und da das Medieninteresse so groß ist und wir niemand enttäuschen wollen, müssen wir leider an der Stelle kürzer treten und uns via Telefon oder Internet unterhalten.“
„Und nun zu meiner letzten Frage, ich habe gehört, dass die derzeitige First Lady Sie eingeladen hat, sie mit zu den olympischen Spielen zu begleiten, um unser US-Team anzufeuern. Stimmt das?“
„Ja, da haben Sie richtig gehört. Seit meinem Abschluss an Harvard, sie hatte dort eine wirklich sehr bewegende Rede gehalten, stehen wir im engen Kontakt und es hat mich wirklich überrascht, als ihre Anfrage kam, da es nun einmal nicht üblich ist, jedoch bin ich sehr froh über ihre Unterstützung.“
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Ich war sehr erleichtert gewesen, als dieses Interview zu Ende gewesen war. In den anschließenden Tagen war ich bei einem Charity-Polo Spiel, bei dem ich geradezu verfolgt worden war von Fotografen, vor allem als ich einen kleinen Jungen am Arm hielt und ihm zeigte, auf welchem Pferd sein Vater saß, wurde nur so geklickt und in den darauffolgenden Tagen darüber berichtet und danach gefragt, ob ich mir Nachwuchs wünschen würde oder ob schon einer in Planung war, jedoch hatte ich dazu kein Statement abgegeben. Und seit der letzten Woche war neben meinem Besuch der Olympiade wieder mein Gewicht das Hauptthema.
Gerade las ich einen Artikel, wie dünn ich vor den Flitterwochen gewesen war, wie ich gesund während der Zeit auf der Insel ausgesehen hatte und dass ich sogar nun dünner war als je zuvor. Die ersten Wochen hatte ich aufgrund des Missbrauchs meines Vertrauens gegenüber Edward kaum etwas zu mir genommen und mein Körper hatte sich darauf eingestellt, sodass ich weniger aß. Aufgrund des vielen Reisens zu den einzelnen Termin hatte ich kaum Zeit, sodass ich, wenn ich in den letzten Wochen etwas zu mir genommen hatte, dies in binnen weniger Stunden wieder entleerte. Nur der bloße Gedanke an Nahrung brachte mich schon zum Würgen. Angela hatte mir beharrlich zugeredet, dass ich einen Arzt konsultieren müsse, doch ich hatte immer abgelehnt, da ich nicht die Zeit dafür fand.
„Wir sind da. Doctor O’Hara erwartet dich bereits“, riss mich Angela aus meinen Gedanken und ich stiegt aus dem SUV aus. Das Auto war in der Garage des Gebäudekomplexes geparkt worden und ich fuhr in Begleitung von einem Secret Service Agenten, diesen hatte Edward beim Präsidenten für unsere Sicherheit angefordert, und Angela in den dritten Stock, um meinen Termin bei meiner Gynäkologin wahr zu nehmen, schließlich stand mein halbjährlicher Besuch vor der Tür. Seufzend zog ich mich in der Kabine um und legte den einfachen Kittel an. Danach ging ich ihn den Untersuchungsraum und wurde herzlich von meiner Ärztin begrüßt.
„Setzen Sie sich bitte. Wenn ich es mir erlauben darf zu sagen, sehen Sie nicht gut aus, Misses Cullen. Sie sind viel zu dünn. Das letzte Mal habe ich Sie schon ermahnt, aber dieses Mal… Wenn das so weitergeht, müssen wir Sie auf eine Zwangsdiät setzen und zwar nicht um noch mehr abzunehmen, sondern um ihnen wieder ein paar Kilos auf die Rippen zu zaubernd.“ Lächelnd sah sie mich an und ich war kurz davor meine Augen zu verdrehen, hielt es jedoch für besser dies nicht zu tun. Ich setzte mich auf den Stuhl und wartete auf die Fragen.
„Haben Sie Ihre Menstruationsblutungen regelmäßig und wann war das letzte Mal?“ Oh Gott, da musste ich wirklich überlegen, denn sie waren zwei Mal ausgeblieben.
„Normalerweise bekomme ich meine Tage in regelmäßigen Abständen, jedoch waren sie die letzten drei Male ausgeblieben.“ Dr. O’Hara zog ihre Augenbrauen zusammen.
„Wenn Sie mit Ihrem Mann Sex haben, verhüten Sie?“ Auf was wollte sie gerade hinaus?
„Nein. Wir sind beide der Meinung, dass falls es passieren sollte, es passiert.“ Sie nickte mir zu und schien kurz zu überlegen.
„Ich werde einen Ultraschall machen, daher kann es kurz kalt werden, wenn das Gel auf Ihre Haut kommt. Das Ausbleiben der Menstruation kann entweder aufgrund des Gewichtsverlustes, des Stresses oder einer Schwangerschaft zurückzuführen sein, aber gleich werden wir wissen, was der Grund dafür ist. Haben Sie sonst noch Veränderungen Ihres Körpers bemerkt, außer das Ausbleiben?“
„Mir ist schlecht, wenn ich an Essen denke, könnte ich mich auf der Stelle übergeben, aber sonst nicht viel. Die Müdigkeit, aber das kommt vermutlich davon, dass ich kaum schlafe.“ Sie nickte und ich spürte, wie sie das Gel auf meine Haut schmierte. Kurz zuckte ich zusammen und Dr. O’Hara lächelte mich freundlich an.
„Nun, dann schauen wir einmal nach dem Grund!“ Sie begann mit der Sonde auf meiner Haut herumzufahren und sah dabei gebannt auf den Bildschirm. Plötzlich bereitete sich ein großes Lächeln in ihrem Gesicht aus und sie deutete auf einen dunklen Fleck. Der nach einem kleinen Kopf, einen Körper und Gliedmaßen aussah.
„Ich darf Ihnen und Ihren Mann gratulieren. Sie erwarten ein Kind.“ Geschockt sah ich sie an und konnte nicht fassen, was sie da gerade zu mir gesagt hatte. Ich hatte an zwei Tagen Sex mit Edward und das kam dabei heraus! Am liebsten hätte ich ihm seinen Kopf umgedreht.
„Sie sehen nicht gerade glücklich aus“, sagte Dr. O’Hara zweifelnd.
„Es geht schon, danke. Der Schock, ich hatte nicht so schnell damit gerechnet, aber ich freue mich sehr darüber“, log ich, denn ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht, schließlich war ich mit seinem Kind schwanger.
Nachdem ich mir einen langen Vortrag darüber anhören musste, dass ich zunehmen zu hatte, verabschiedete ich mich und wusste nicht was ich tun sollte. Renée konnte ich nicht nach Hilfe fragen und die einzige Mutter, die mir nun blieb war Esme. Schweren Herzens und auch gegen meine eigenen Vorschriften teilte ich Angela abwesend mit, dass sie all meine Termin für den Tag canceln sollte und wir uns zu dem Anwesen meiner Schwiegereltern begeben würden.
Als wir auf dort hielten, standen Esme und Carlisle in der Tür und wussten nicht, wie sie meinen Besuch zu deuten hatten, denn ein paar Minuten zuvor hatte Angela sie angerufen.
„Es ist schön dich wieder zusehen, komm doch herein. Angela, Sie sind natürlich ebenfalls herzlich eingeladen“, begrüßte mich Esme liebevoll und nahm mich in den Arm.
„Nein, aber vielen Dank. Ich muss mich um ein paar Sachen kümmern. Bella, falls Sie etwas brauchen.“ Ich nickte ihr wissend zu, dass sie sofort zur Stelle wäre und ging mit meinen Schwiegereltern ins Haus. Carlisle marschierte in die Küche und machte uns Tee, während ich mit Esme ins Wohnzimmer schlenderte.
„Nun sag mir doch, was dir am Herzen liegt. Ich sehe es dir doch an.“ Einfühlsam und beruhigend legte sie mir eine Hand auf die Schulter. Konnte ich es ihr sagen?
„Wie geht es euch? Wir haben uns lange nicht gesehen und es tut mir leid, wie das vor neun Wochen abgelaufen ist, aber ich kann es nicht verstehen.“ Damit wich ich gekonnt ihrer Frage aus. Wissend sah sie mich an, tat mir jedoch den Gefallen und ließ mir noch etwas Zeit.
„Uns geht es gut und wir alle wissen, dass es, wie wir es dir gesagt haben, nicht gut durchdacht war. Wir können deinen Groll verstehen, jedoch solltest du wissen, dass wir es nie so beabsichtigt hatten. Dein Vertrauen ist uns wichtig, schließlich gehörst du zur Familie und wir alle lieben dich.“ Carlisle kam mit einem Tableau in den Raum und ließ uns wieder allein.
„Aber ihr müsst auch mich verstehen. Ich habe nichts über Alex gewusst und er ist immer noch wie ein Fremder für mich. Alles was ich weiß, ist, wie er gestorben ist und zwar durch mich und die Erinnerungen von Edward. Die letzten Wochen haben mich viele Fragen gequält, die ich zu verdrängen versuchte. Warum ich? Wie konnte er mich ansehen, da ich an dem Tod meines eigenen Bruders, seines besten Freundes, schuld war? Wurde er aufgrund dessen zu dem Mann, der er ist?“, ich wollte weitersprechen, doch Esme unterbrach mich.
„Er hat sich zurückgezogen und ist vermutlich deshalb zu dem Mann geworden, der er bis vor ein paar Monaten war. Vielleicht wäre es auch passiert, wenn Alex nicht gestorben wäre, aber das hier nun zu hinterfragen bringt an sich nichts. Jedoch hast du ihn auch wieder verändert und zwar zum Positiven. Er ist offener, freundlicher, nicht mehr starrsinnig und kalt. Sein Egoismus und sein selbstverliebtes Verhalten halten sich nun in Grenzen und er lässt nicht jeden seine Macht spüren. Das hast du bewirkt, Bella, und darüber bin ich sehr froh, denn er wird zu dem Junge, der er einmal war. Dem liebenswerten Buben, den ich auf die Welt gebracht habe.“ Lächelnd sah sie mich an und fuhr fort, „und wir können dich verstehen, das steht außer Frage. Nur nicht wir allein haben Fehler gemacht, du warst diejenige, die weinend und schreiend aus dem Zimmer hinausgerannt ist, die sich wie ein kleines Kind aufgeführt hat, die auch gerade meinen Fragen ausgewichen ist. Wenn du uns und vor allem Edward das weiterhin vorhältst, dann weiß ich nicht mehr, wie ich zu dir stehen soll. Du bist eine so liebenswerte, intelligente und humorvolle Frau, die ich als meine Tochter ansehe, aber in den letzten Wochen nicht mehr wiedererkannt habe und das nicht nur aufgrund des Gewichtsverlustes.“ Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee und schien auf meine Antwort zu warten. Wie ein kleines Kind saß ich da und wusste nicht was ich sagen sollte.
„Ich bin dir nicht böse, Bella, ich will nur nicht, dass du dir selbst und Edward weh tust mit deinem engstirnigen Verhalten. Er ist auch mit seinem Latein am Ende. Denn du benimmst dich wirklich als hätte man einem Kleinkind das Lieblingsspielzeug weggenommen und es nun trotzt. “ Ich hob eine Augenbraue. Wie bitte?!
„Entschuldige? Ich benehme mich wie ein Kleinkind? Tut mir leid, dass ich unter Stimmungsschwankungen leide, weil ich verdammt noch einmal schwanger bin. Deshalb bin ich gekommen. Ich wollte Rat, aber wenn ich ein kleines Kind bin, dann wird das vermutlich auch nichts nützen.“ Am Anfang war ich leise, wurde aber immer lauter gegen Ende zu.
„Bella“, ermahnte sie mich streng, doch ich verdrehte nur die Augen und stand auf, um meine Sachen zusammenzusuchen, „ich war zwei Mal schwanger und sich auf die Hormone auszureden spricht nicht von Reife. Jede Schwangere macht das durch und in dem Moment hast du gerade wieder gezeigt, wie egoistisch du handelst. Es wird Zeit, dass du von deinem Ross herunterkommst, das du derzeit reitest. Du bist, wie eine Tochter für mich, und deshalb ist es auch meine Pflicht dir das zu sagen. Ich weiß, dass du anfangs Edward aufgrund seiner Arroganz, des Egoismus und seiner Selbstverliebtheit gehasst hast, aber sieh‘ dich doch an. Du hast dich Tage in dem Zimmer versteckt, mit keinem von uns ein Wort gewechselt und uns keine Chance für Erklärungen gegeben, hast Edward die kalte Schulter gezeigt und ich lasse es nicht zu, dass man meine Familie so behandelt. Denk doch bitte nach, Bella, du willst kein trotziges Mädchen sein, sondern eine junge Frau, die eine sehr gute Ausbildung genossen hat, ein Kind erwartet und einen Mann hat, der sie vermisst. Und ja, er vermisst dich. Edward hat mir viel über eure Flitterwochen erzählt.“ Sie war nicht laut geworden, jedoch hatte sie einen Ton benutzt, den ich bei Esme zuvor noch nie gehört hatte, er war streng und rügend, aber in einer Art, die nicht verletzend war, sondern belehrend.
Ich musste in dem Moment einsehen, was für einen Blödsinn ich gemacht hatte. Weinend ließ ich mich auf das Sofa nieder, schlüpfte aus meinen Schuhen und rollte mich zusammen. Als mich meine Schwiegermutter in ihre Arme nahm und tröstete, redete sie mir gut zu und mir wurde auch schmerzlich bewusst, dass ich das vermisst hatte, dass ich sie und Carlisle und vor allem Edward vermisst hatte.
„Es tut mir so leid, ich war ein Dummkopf und bin es immer noch. Ich habe in dem Moment nur rot gesehen und auf Alice und Rose Worte nicht gehört. Sie meinten, ich sehe das zu streng und suche einen Sündenbock, um meine ganze Wut hinauszulassen und sie haben so recht gehabt. Kannst du mir verzeihen?“, fragte ich komplett aufgelöst.
„Sicher, du bist meine Tochter!“ Mit diesen Worten brachte mich Esme noch mehr zu weinen.
„Was ist bei euch denn los? Ich habe Bella schreien hören und bin nachsehen gekommen und jetzt liegt ihr euch in den Armen.“ Carlisle war in den Raum getreten und betrachtete uns verwirrt. Wer konnte es ihm auch verübeln.
„Mama-Bär hat mich gerügt und zur Besinnung gebracht“, kicherte ich nun und wischte meine Tränen fort. Nachdem ich mich auf bei meinem Schwiegervater entschuldigt hatte, beruhigte ich mich wieder.
„Also, du bist schwanger. Herzlichen Glückwunsch, dazu habe ich dir vorhin nicht gratulieren können. In der wievielten Woche?“
„Du bist schwanger?“, kam es nun von Carlisle, der noch nichts davon wusste.
„Danke und ja, ich bin schwanger in der neunten Woche. Meine Gynäkologin meinte, dass wir vor der zwölften Woche nichts verraten sollen. Ich war und bin immer noch komplett perplex, da ich direkt von der Untersuchung komme. Sicher habe ich gemerkt, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt, aber ich dachte, dass es mit dem Gewichtsverlust zu tun hatte.“
„Um den müssen wir uns nun kümmern. Aber so weit geht es dir gut?“, kam es von Carlisle. Ich nickte ihm zu.
„Ja, bis auf die allgegenwärtige Übelkeit, die sich wohl bald legen sollte und der Essstörung, geht es mir gut.“
„Hast du es Edward schon gesagt?“ Auf Esmes Frage schüttelte ich nur den Kopf.
„Dann solltest du es bald tun. Ich würde dir raten es persönlich zu machen und zu ihm zu fahren. Ihr könnt euch aussprechen und einander helfen zu verstehen, was der andere falsch gemacht hat. Aber davor wirst du was essen, denn so lasse ich dich nicht gehen.“
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„Misses Cullen. Es freut mich Sie hier begrüßen zu dürfen. Wir hatten nicht mit Ihrem Kommen gerechnet“, begrüßte mich der Leiter des Camps, Benjamin Roger. Edward war nämlich einer Einladung einer Pfadfindergruppe, die er unterstützt hatte, nachgekommen und würde die nächsten zwei Tage bei ihnen verbringen. Esme hatte mir sehr dazu geraten hierher zu fahren, damit wir uns als Einheit vor den National Conventions zeigen, da an diesem Ort einige Medienvertreter dabei sein würden.
„Die Freude liegt auf meiner Seite. Um ehrlich zu sein, war das eine sehr spontane Aktion und ich wollte unbedingt meinen Mann wiedersehen. Natürlich wollte ich auch Sie und die Kinder kennenlernen und meinen Dank für Ihre Unterstützung in dem Wahlkampf aussprechen.“
„Das machen wir doch gerne. Schließlich helfen Pfadfinder zusammen und wie ich sehe, haben Sie schon passende Kleidung mitgebracht“, lachte er und deutete mir zu folgen. In meinen Gummistiefeln watete ich im Schlamm hinter ihm her. Wir waren mitten im Wald und ich wollte nicht wissen, was da so alles lauerte.
„Was können Sie mir über die Kinder und dieses Lager erzählen?“, fragte ich gespannt, da es mich wirklich interessierte, denn alles was mit Kindern und sozialen Institutionen zu tun hatte, war gut – in den meisten Fällen.
„Die Kids sind zwischen sechs und achtzehn Jahre alt und in verschiedenste Altersgruppen geteilt. Die Kleineren schlafen in dem Haus auf der Lichtung und die älteren in den Zelten. Wir haben hier verschiedene Kulturen und heißen jeden herzlich Willkommen. Niemand wird ausgeschlossen oder ausgegrenzt, denn der soziale Aspekt und der Spaß stehen im Vordergrund, obwohl es auch Regeln gibt. Zu dem Lager selbst gibt es nicht viel zu sagen. Ein paar Meter hinter der Lichtung gibt es einen See, den wir nutzen um verschiedenste Spiele zu veranstalten, die die Gruppenfestigkeit stärken. Wir werden die nächste Woche hier noch zelten und dann wieder nachhause fahren. Die Kleinen werden übermorgen zurückfahren, sodass die Älteren ihre Ruhe haben.“ Ich nickte ihm zu, als wir auf die große Lichtung traten. Ich sah Edward mit den Kinder spielen, es schien, als würde er ihnen Football spielen beibringen.
„Geht mit ihnen ganz natürlich um, er möchte keinen zusätzlichen Service haben, sondern wie jeder andere Teilnehmer dieses Camps behandelt werden. Er ist ein guter Mann und es war die richtige Entscheidung ihn zu unterstützen.“ Langsam gingen wir auf Edward zu, der sich zu uns umdrehte und in seiner Bewegung verharrte, als er mich erblickte. Nun gut, dann ab in Kampf, Bella, redete ich mir gut zu!