Kapitel 21

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Ein Kuss ist ein toller Trick der Natur, um Leute am Sprechen zu hindern, wenn Worte überflüssig sind.“ - Ingrid Bergman





Ich stieg die Stufen zum Pavillon hinauf und merkte, dass Edward schlief. Jedenfalls schien es so. Mit einem spitzbübischen Lächeln im Gesicht nahm ich mein nasses Haar und ging zu ihm. Leise kicherte ich vor mich hin, als ich mich über ihn beugte und langsam das nun kühle Wasser über seinen Oberkörper fließen ließ. Erschrocken öffnete er die Augen und sah mich bitterböse an. Er setzte sich blitzschnell auf und packte mich an der Taille, bevor er mich zu sich hinunter auf die Liege zog. Meine Brust lag auf seiner und je ein Bein auf einer Seite seines Körpers. Unsere Lippen waren nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt. Ich beugte mich zu ihm hinunter und küsste ihn. Seufzend lösten wir uns voneinander und er strich mir eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Das wirst du noch zurückbekommen!“, flüsterte er, bevor er mich nochmals küsste, dieses Mal jedoch um einiges leidenschaftlicher.
„Wir werden sehen...“, antwortete ich und versuchte mich schließlich von ihm loszumachen, doch er ließ mich nicht, „bitte, ich muss mich umziehen. Der Wind ist frisch und mir wird langsam kalt.“ Widerwillig öffnete er seine Arme um meinen Körper.
„Danke.“ Er lächelte mir zu und ich drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. Danach stand ich auf und griff in meine Tasche, um den trockenen Bikini ans Tageslicht zu befördern. Ich drehte mich in Richtung des Waldes, vom Meer weg, da von dort der unangenehme Wind kam, der den Sand gegen meine Haut wehte und öffnete das Oberteil meines Schwimmzeugs. Ein flüchtiger Seitenblick verriet mir, dass Edward mein kleiner Striptease gefiel. Ich hatte keine Scham mehr, mich vor ihm auszuziehen. Den Anfang hatte er damals beim Shoppen in der Umkleide gemacht und hatte es sich anscheinend gestern zum Ziel gesetzt, dass es mir nicht mehr peinlich war und es war ihm gelungen. Lächelnd sah er mich an und ich konnte nur die Augen verdrehen.
„Hmmmm… also das stimmt mich jetzt wieder versöhnlicher“, meinte er mit rauer Stimme und setzte sich auf.

„Ach wirklich? Und wie würde es dich stimmen, wenn ich vollkommen nackt wäre?“ Mein Konter schien ihn zu verblüffen, denn er riss seine Lider auf und schluckte hart.
„Dann würde ich auf keine Rache mehr aus sein.“ Er stand auf und stellte sich hinter mich. Schnell schnappte ich mir mein Top und wollte es zubinden, als Edward mir die Bänder aus der Hand nahm und dies für mich machte. Sanft küsste er mich in der Halsbeuge, was mich seufzen ließ. Ich wusste, dass ich meine Empfindungen nicht mehr vor ihm zu verstecken brauchte, was auch gut so war. Denn dieses Versteckspiel war seit gestern zu Ende. Ich spürte, wie er sich hinter mir bewegte und mich in ein Badetuch einwickelte. Lächelnd zog ich mir das Unterteil des Bikinis aus.
„Danke, aber das hättest du nicht machen müssen“, sagte ich, als ich mich zu ihm umdrehte.
„Ich weiß, aber man weiß nie, ob man nicht beobachtet wird.“ Geschockt riss ich meine Augen auf.
„Nein, hier nicht, dafür habe ich gesorgt, aber trotzdem möchte ich, dass nur ich dich nackt sehe. Gut, mit Ausnahme deiner Gynäkologin.“ Ich verdrehte die Augen.
„Das möchte ich auch. Ich will nicht, dass mich ein Fremder nackt sieht, das ist nur für dich gestattet“, flüsterte ich und küsste ihn zärtlich.
„So etwas höre ich doch gerne.“ Leise lachte er und zog mich in seine Arme.
„Was würdest du davon halten, wenn wir heute Abend hier am Strand essen?“
„Hört sich traumhaft an, aber du musst mich vor den bösen Krabben bewahren“, scherzte ich und wir lachten beide.
„Gut, dann werde ich alles dafür in die Wege leiten.“ Er wollte sich von mir lösen, doch dafür war es zu früh.

„Das hat Zeit. Lass uns unseren letzten Tag zusammen genießen. Ich werde dieses unbeschwerte Gefühl hier vermissen. Dass uns kaum jemand erkannt hat, dass wir wir sein konnten, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, ob wir beobachtet werden. Und vor allem den ganzen Alltagsstress sein zu lassen, nicht an die Wahlen zu denken und was welche Aussage für Konsequenzen haben könnte.“ Ich legte meinen Kopf in den Nacken und sah in sein Gesicht. Seine Lippen zierte ein trauriges Lächeln.
„Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich werde es ebenfalls vermissen. Vielleicht können wir nächstes Jahr eine Woche Urlaub machen, wer weiß. Aber wenn ich dich bei mir habe und du in meinen Armen schläfst, fühle ich mich erholt und das reicht mir auch schon. Jedoch müssen wir wieder zurück in die Realität und dieses kleine Märchenland verlassen.“ Seufzend strich er mir über die Wange. Danach trennten wir uns voneinander, um unsere Liegen zusammenzuschieben und es uns darauf bequem zu machen. Wir lagen eine Weile in den Armen des anderen, bis sich Edward aufrappeln musste.
„So sehr ich auch hier bei dir liegen bleiben möchte, so muss ich jetzt zurück um alles vorzubereiten. Sei es für die Abreise morgen, oder für heute Abend.“ Zärtlich küsste er meine Stirn.
„Dann geh nicht“, flehte ich ihn schon fast an und er sah mach traurig an.
„Ich frag mich gerade, wie das wieder werden soll, wenn wir in D.C. sind…“ Gemächlich stand er auf und fuhr dann fort: „… aber du genießt jetzt noch das schöne Wetter, morgen soll es angeblich regnen. Inzwischen kann ich auch die Überraschung fertig machen.“
„Überraschung? Du weißt, dass ich so etwas nicht mag!“
„Diese wirst du mögen!“ Ohne mich nochmals zu Wort kommen zu lassen eilte er schon zurück.

Augenverdrehend ließ ich mich zurückfallen und schloss meine Augen, um mich etwas auszuruhen. Denn meine Muskeln schmerzten immer noch von gestern.  Meine Gedanken wanderten zu unserer Wanderung zur Lagune, die auf der anderen Seite der Insel war. Edward hatte einen kleinen Rucksack mit Badetüchern und Wasserflaschen zusammen gepackt gehabt und mir Wanderschuhe gereicht, damit ich mir nicht bei der Flora wehtat. Zwar waren sie anfangs unangenehm gewesen, jedoch hatte ich sie nach einiger Zeit eingelaufen. Als wir bei dieser Lagune angekommen waren, hatte ich mir eingestehen müssen, dass sich die Anstrengungen, diese mühselige Steigung empor zu klettern, gelohnt hatte. Ich hatte nicht gewusst, wie lange wir in dieser warmen Lagune gewesen waren, aber wir hatten viel herumgeschmust und den Körper des anderen berührt. Wenn ich jetzt daran dachte, wollte ich am liebsten hoch zum Haus rennen und Edward stürmisch küssen.
Widerstrebend griff ich nach einer Zeitung und las die Neuigkeiten durch. Wenigstens konnte ich so ein paar Minuten totschlagen.


 
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„Du siehst wie immer bezaubernd aus!“, meinte Edward, als ich die Treppe vom ersten Stock hinunter schritt. Er stand in legeren weißem Hemd und einer luftigen Leinenhose da und sah selbst zum Anbeißen auf. Ich merkte, wie meine Wangen durch das Kompliment zu glühen begannen.
„Danke“, antwortete ich und ging auf ihn zu.
„Heute keine Heels?“, lachte Edward, als er die Flip Flops an meinen Füßen erblickte.
„Nein, meine Zehen sind mir wichtig.“ Heute hatte ich mich für ein rotes Kleid entschieden, das einen V-Ausschnitt hatte und von der Taille, um welche ein Band war und auf der linken Seite eine Masche, gewellt bis zum Knie ging. Mein Haar war wie meistens offen. Zärtlich küsste mich Edward auf die Wange, was mich verwunderte, und danach gingen wir händchenhaltend hinunter zum Strand. Die Sonne war schon untergegangen, jedoch war der Weg so wie der Strand mit Fackeln erhellt, wodurch eine angenehme Stimmung herrschte. Ein einzelner Tisch stand mitten im Sand, auf dem Kerzen brannten und Wein, sowie Champagner bereit standen. Edward schob mir den Sessel zurecht, als ich mich hinsetzte. Danach nahm er mir gegenüber Platz und lächelte mich freudig an.
„Und wo ist die Überraschung?“, platze es aus mir heraus, da ich es nicht mehr erwarten konnte.
„Alles zu seiner Zeit, Bella. Genießen wir unseren letzten Abend hier auf der Insel und unserer Flitterwochen.“
„Okay…“ Zwei Männer kamen komplett in weiß gekleidet auf uns zu und stellten einen Teller mit meiner Lieblingsvorspeise vor uns ab.
„Woher weißt du, dass ich Prosciutto mit Melone so liebe?“, fragte ich ihn nun verwirrt.
„Die Autofahrt damals, als du versucht hast zu flüchten. Ich hatte dich im Hotel abgeholt und wir waren nach Boston weitergefahren. Da hatte ich dich danach gefragt und du meintest: Prosciutto mit Melone, Lachsfilet mit Weißweinsauce und Tiramisu. Wobei letzteres auch in dem Interview kurz vor der Hochzeit in New York City vorgekommen war. Ich hatte dir auch damals gesagt, dass ich meiner Frau gerne ihre Lieblingsspeisen servieren lassen möchte und das habe ich nicht vergessen.“ Liebevoll sah ich ihn an und war ihm undenklich dankbar dafür, dass er sich daran erinnert hatte und es nicht wie manch andere Männer vergaß.
„Vielen, vielen Dank.“

„Bella, da ist nichts zu danken. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit meiner Ehefrau, die Welt zu Füßen zu legen und wenn es auch nur das Zubereiten ihrer Lieblingsspeisen ist, so mache ich das gerne. Wobei um ehrlich zu sein, wurde das gemacht, da ich mich über den Hauptgang nicht hinaus getraut hätte.“ Ich beugte mich ein Stück nach vorne und küsste ihn.
„Trotzdem, danke. Das hat noch nie jemand für mich gemacht. Bei meinen Eltern gab es immer nur Sachen, die mir überhaupt nicht schmeckten, wie Kaviar, Leber, Hase und anderes. Hauptsache Charlie fand es gut. In Boston hatte ich kaum Zeit mir etwas selbst zu kochen, deshalb wurde mir immer ein von meinem Vater ausgewähltes Menü zugestellt.“
„Charlie hatte also überall seine Finger im Spiel und hat dir alles vorgeschrieben?“ Er klang traurig, was mich ebenfalls traurig stimmte. Seufzend fuhr ich mir durch mein Haar, bevor ich antwortete.
„Ja, so sieht es aus. Damals war es normal für mich, selbst wenn es mich ärgerte, jedoch musste ich nicht daran denken. Wenn ich aber heute daran zurückdenke, kann ich mir nur an den Kopf greifen und mich fragen, weshalb ich das alles mit mir machen habe lassen.“
„Und jetzt? Bist du froh den Schritt gegangen zu sein mich geheiratet zu haben? Ich meine, es war auch eine Art Vorschrift für dich. Charlie und ich haben viel Druck auf dich ausgeübt und mir tut es wahnsinnig leid. Denn mir ist in den letzten Tagen nur allzu bewusst geworden, dass ich das niemals hätte machen dürfen. Ich hätte dich vor keine Wahl stellen dürfen oder dich dazu drängen. Eher hätte ich einfach auf dich zugehen sollen und versuchen dich kennenzulernen, auch wenn das vielleicht geheißen hätte, dass wir getrennte Wege gegangen wären. Was gerade jetzt sehr schade wäre. Denn nun weiß ich, was für eine wunderbare Frau du bist, die zu ihren Worten steht und auch hinter diesen, die sich nur mit einer guten Argumentation und handfesten Tatsachen umstimmen lässt und die mich in dem unterstützt was ich mache und solltest du jemals ein politisches Amt anstreben, so würde ich ebenfalls hinter dir stehen und mein Bestes geben, denn das bin ich dir schuldig. So, wie ich dir es schuldig bin, dass du als Sonderbotschafterin arbeiten darfst, auch wenn das heißt, dass wir viel Kritik auf uns ziehen werden.“ Berührt von seiner kleinen Rede, wischte ich mir eine Träne von der Wange und flüsterte ein „Danke!“. Danach nahm ich einen Bissen meiner Vorspeise und es kehrte Stille ein.

„Würdest du gerne für das Amt des Präsidenten, also dann Präsidentin der USA kandidieren wollen?“, fragte Edward plötzlich, kurz nachdem wir unsere Hauptspeise serviert bekommen hatten. Ich dachte etwas nach und überlegte.
„Hmmmm… Ich weiß wie die Bürger dazu stehen, man hat es ja bei Hillary gesehen, als sie kandidieren wollte. Vielleicht lag es daran, dass der erste Afroamerikaner ebenfalls Anwärter war und einfach populärer als die ehemalige First Lady war. Sicherlich würde ich gerne, aber bis dorthin muss noch viel passieren. Es müsste eine höhere Frauenquote in der Politik geben und diesem starren Denken des „eine Frau kann niemals die USA regieren“ müsste man Einhalt gebieten. Wenn man das schafft, so könnte ich mir vorstellen, dass eine Frau Präsidentin wird. Ob das ich bin, oder jemand anders weiß ich nicht, aber ich wäre schon mit dem Job einer Botschafterin oder einer Ministerin zufrieden, falls ich das schaffen könnte. Die Frage ist immer: wer ist an der Macht, wer hat mehr Sitze im Senat und im Kongress, was will das Volk. Dabei spielen so viele verschiedene Variablen zusammen, dass es schier unmöglich ist, zu sagen, ob es jemals eintreffen könnte. Weißt du was ich meine? Es ist nicht ganz unmöglich, aber es ist eine männerbeherrschende Domäne, in der es schwer ist, sich als Frau zu behaupten und wenn, dann muss man viele Opfer bringen und ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin, wenn ich eine Familie habe.“ Er nickte mir zu und Stille kehrte wieder ein. Es war ein Wunder, dass er mein chaotisches Gerede überhaupt verstanden hatte. Seufzend wand ich mich meinem Essen zu.
„Ich weiß was du meinst, Bella und ich selbst finde es schade, dass es so wenig weibliche Beteiligung gibt. Deshalb werde ich Anfragen an verschiedene Politikerinnen schicken, um meinem Kabinett beizutreten, wenn ich Präsident werde. Es ist wichtig zu zeigen, dass Frauen in jedem Bereich in Toppositionen sein können und nicht dem alten Bild: Frau gehört in die Küche, soll sich um die Kinder, die Erziehung und den Haushalt kümmern. Das ist nicht mehr zeitgemäß und das müssen viele noch begreifen und das habe ich mir als eines meiner persönlichen Ziele gesetzt.“
„Das ist eine tolle Idee, aber, Edward?“ Er sah mich fragend an, „… können wir bitte jetzt von etwas anderem reden? Es ist gut, dass wir über so etwas reden, aber bitte nicht mehr heute. Ich will es genießen und nicht über Politik reden, davon kommt in den nächsten Monaten und Jahren genug auf uns zu.“

„Du hast recht. Aber eine Frage habe ich noch. Gefällt dir das Haus, so wie es eingerichtet ist, oder möchtest du etwas verändert haben?“ Mit großen Augen sah ich ihn an und gluckste anschließend.
„Ich fand es gemütlich und angenehm. Wegen mir muss niemand etwas verändern. Ich bin nicht so wählerisch, wenn es um so etwas geht. Was mich aber gewundert hatte, war, dass das Haus in Washington ganz anders ist, als das in Boston, dieses war nur schwarz weiß, kalt und steril und das in D.C. hat Wärme, Gemütlichkeit und ein Hauch von zu Hause versprüht. Warum dieser starke Kontrast.“
„Weißt du, Bella, ich lasse ungern Menschen nah an mich heran. Und es zählen nur wenige dazu, die mich so kennen, wie ich bin. Die meisten glauben mich zu kennen, aber was sie sehen ist nur der Politiker. So wie ich mit dir umgehe, das bin wirklich ich. Und deshalb auch der unterschiedliche Stil. Ich möchte mich in meinem Hauptwohnsitz wohl fühlen und es soll mich, den privaten Edward widerspiegeln, alle anderen sind nur Aushängeschilder für den Politiker und da machen sich Kinderfotos nicht gut.“ Lächelnd sah er mich an und ich griff nach seiner Hand.
„Vielen Dank, dass du das alles mitteilst. Ich fühle mich wirklich geehrt.“ Er beugte sich leicht nach vorne und führte meine Hand zu seinem Mund. Jeden Knöchel einzeln küsste er, bevor er es bei meinem Ehering gleich tat.
„Ich liebe den Anblick dieser Ringe an deiner Hand. Sie gehören einfach dorthin.“ Mein Herz schmolz gerade dahin. Als er unsere Hände wieder auf den Tisch legte, entzog ich sie ihm und stand auf.
„Wohin willst du?“, fragte er mich panisch als ich aufstand, doch ich achtete nicht darauf, sondern ging einfach zu ihm und ließ mich aus seinen Oberschenkeln nieder. Meine Arme schlang ich um seinen Hals.
„Danke und mein Platz ist bei dir“, flüsterte ich gegen seine Lippen, bevor ich ihn küsste. Er war zuerst überrascht, erwiderte jedoch dann den Kuss leidenschaftlich. Edward schmeckte nach Rotwein und Lachs und als ich meinen Mund öffnete um den Kuss zu vertiefen, überraschte er mich. Er löste sich von mir und räusperte sich kurz.

„Wir sollten essen und nicht herumknutschen, wie junge Teenager.“ Ich legte meinen Kopf schräg und sah ihn beleidigt an. Eine Schnute ziehend wollte ich gerade aufstehen, als ich ein: „Scheiß auf die Überraschung“ hörte und wieder hinuntergezogen wurde. In dem Moment, als sich unsere Lippen wieder berührten, ertönte ein lauter Donner, der mich bis ins Mark erschütterte. Erschrocken griff ich an meine Brust, dort wo mein Herz saß. Dieses klopfte wie wild gegen den Brustkorb, zum einen durch den Kuss, zum anderen durch die plötzliche Geräuschkulisse. Als es dann auch noch zu Schütten begann, was man sich nicht vorstellen konnte, quietschte ich auf. Edward begann über meine Reaktion schallend zu lachen.
„Ich glaube, dass der Regen doch etwas früher eingetroffen ist und uns nun einen Strich durch die Rechnung macht. Komm, lass uns hinein gehen.“ Ihm zunickend ergriff ich seine Hand und zusammen liefen wir lachend über den Strand, das kleine Stück durch den Wald, über die Terrasse ins Trockene. Komplett durchnässt und zitternd stand ich da und wurde von Edward hochgehoben.
„Ich kann noch alleine gehen!“, protestierte ich, als er mich in unser Schlafzimmer brachte.
„Lass mich doch einfach für dich sorgen, du störrische Frau!“ Grinsend stellte er mich im Zimmer ab und betätigte den Lichtschalter, bevor er ins Bad huschte. Verwundert und zu tiefst berührt sah ich mich um. Überall standen Kerzen, die noch nicht angezündet waren. Rosenblätter lagen auf dem Boden und das Bett war einladend hergerichtet worden. Oh mein Gott, das war richtig romantisch. Als ein Badetuch vor meinem Gesichtsfeld auftauchte, nahm ich es und pfefferte es in die nächste Ecke. Ich pfiff auch trockene Haut, ich wollte gerade nur Edward und das in jedem Sinn. In den letzten Stunden war mir klar geworden, dass ich den Schritt tun könnte unsere Hochzeitsnacht nachzuholen und wirklich richtige Flitterwochen zu haben, selbst wenn es die letzte Nacht war. Ich vertraute ihm soweit und ich wusste, dass er mein Vertrauen nicht missbrauchen würde.

Schnell drehte ich mich zu ihm um, öffnete das Band, das um die Taille verknotet war und streifte mir die Träger des Kleides von den Schultern. Edward sah mir perplex zu, bevor er verstand was ich vorhatte. Er legte sein eigenes Tuch zur Seite und schaltete das Licht ab, was er mit einem: „So gern ich auch alles sehen möchte, so fühlst du dich bestimmt wohler“ kommentierte. Ich war ihm wirklich dankbar. Lächelnd nahm ich seine Hand in meine und verschränkte unsere Finger. Mein Kleid war inzwischen am Boden und ich stand nur noch in meiner Unterwäsche vor ihm. Langsam gingen wir zum großen Bett und ich ließ mich nieder. Erst da merkte ich, dass ich zitterte. Trotz des kaum vorhandenen Lichtes konnte ich erkennen, dass er sich sein Hemd aufknöpfte und danach seiner Hose entledigte.
„Und du bist der ganz sicher?“, fragte er mich einfühlsam.
„Ja, ich bin mir absolut sicher.“ Meine Stimme war leise, aber dennoch kräftig. Ich wusste, dass es an der Zeit war, dass es von mir kam und ich nicht von ihm dazu gedrängt wurde. Und das war das Wichtige. Ich war dazu bereit. Ein Stück zurückrutschend wartete ich darauf, was Edward nun vorhatte. Bis jetzt stand er nur in seiner Boxershorts da und starrte zu mir. Die Nervosität in meinem Körper war immer noch da und das merkte ich, als ich mir eine Haarsträhne wegstreichen wollte.
„Versuch dich zu entspannen“, meinte Edward, der immer noch am Bettende stand.
„Wäre es für dich angenehmer, wenn ich die Kerzen-“, seufzend unterbrach ich ihn: „Nein, es passt so.“ Ich merkte, dass er mit dem Kopf nickte und dann zu mir aufs Bett kam.

Mit Argusaugen verfolgte ich jede seiner Bewegungen, bis er über mir lag. Kurz studierte ich sein Gesicht und ich konnte ein triumphales Grinsen in seinem Gesicht erkennen. Ohne mich irgendwie vorzuwarnen, senkte er seinen Kopf und küsste mich leidenschaftlich. Dabei merkte ich, wie er einen Oberschenkel zwischen meine Beine schieben wollte und ich öffnete sie bereitwillig.
„Du wirst mich noch umbringen“, flüsterte er zwischen unzähligen kurzen Küssen, die mich frustriert aufseufzen ließen. Ich wollte ihn, hier jetzt, auf der Stelle. Ein quengeliges „Edward“ kam mir über die Lippen, doch er beachtete es gar nicht. Sondern, schob seine Arme zwischen meinen Rücken und der Matratze, während er feuchte Küsse auf meinen Hals setzte. Genussvoll schloss ich meine Augen und konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, als er sanft in meinen Nacken biss. Es fühlte sich so gut an. Plötzlich zog mich Edward hoch und ich saß auf seinen Oberschenkeln. Meine Brüste waren auf der Höhe seines Gesichtes und er vergrub es auch direkt darin. Ich spürte seinen leichten Bartwuchs, was mir einen Schauder über den ganzen Körper laufen ließ. Langsam war mir schon selbst der BH im Weg, weshalb ich nach hinten griff, um diesen aufzumachen und bot ihm dadurch nur noch mehr meine Brüste dar. Seine linke Hand ließ er von meinem Rücken und meiner Brust wandern. Sanft knetete er sie durch den dünnen Stoff des Oberteiles hindurch. Als ich die Häkchen auseinandergezogen hatte, fiel der BH auf das Bett, da er Gott sei Dank keine Träger hatte. Ich stöhne laut auf, als er meinen Nippel in den Mund nahm und langsam, aber mit stetig wachsendem Druck dran saugte.

Meinen Kopf in den Nacken werfend, versuchte ich meine Füße zusammenzupressen, jedoch war Edward da im Weg. Ich konnte an nichts anderes als an seine verdammte Zunge denken, die das mit meiner Brust anstellte. Abrupt löste er sich von dieser und ich jammerte verzweifelt auf. Das war so gut, weshalb machte er nicht weiter. Mit den Fingerspitzen strich er leicht über meine Kehle, über das Brustbein, wobei er mich dabei etwas nach hinten drückte, sodass ich meinen Oberkörper noch mehr durchbeugen musste, über meinen Bauch zu meinem Slip, der schon nass war. Spielerisch ließ er seine Finger tänzeln und es machte mich wahnsinnig. Da ich nun wieder halb auf der Matratze lag, warf ich meinen Kopf hin und her, da ich dieses Gefühl, das sich in mir aufbaute, kaum noch ertragen konnte. In mir schrie alles förmlich nach meinem Orgasmus, aber Edward wollte es mir anscheinend nicht ganz so leicht machen. Er beugte sich zu mir hinab und küsste mein Tattoo.
„Scientia potentia est“, flüsterte er kehlig, „es passt zu dir!“ Ich war jetzt ganz bestimmt nicht auf reden aus. Seine Zunge konnte er anders einsetzen!
„Edward“, meinte ich warnend. Plötzlich zog er seine Arme von mir zurück und setzte sich auf. Ich rutschte von seinen Oberschenkeln hinunter und sah ihn mit großen Augen an. Plötzlich hörte ich das Geräusch von reißendem Stoff und mir war klar, dass er gerade meinen Slip getötet hatte. Einen schönen, Spitzenslip. Scheiß drauf, sagte mein inneres Ich, was mich selbst verblüffte. Ich merkte, wie er ein Stück nach hinten wanderte und ich blickte ihn ungläubig an. Oh mein Gott! Er schmiegte seine Wange an die Innenseite meines Oberschenkels, was mich wieder zum Erzittern brachte. Denn die kleinen Bartstoppeln brachten meine Nerven zum Tanzen und diese leiteten es weiter. Edward wanderte immer weiter hinauf, bis ich seinen warmen Atem spüren konnte.

„Ich darf doch, oder?“, fragte er neckisch und blies kurz über meine Scheide. Stöhnend wand ich mich und brachte nur ein leises „Ja“ hervor. Doch das reichte und seine Zungenspitze stupste meine Klitoris an. Verdammt! Mehr als fluchen konnte ich nicht. Ich war Wachs in den Händen dieses Mannes und er konnte so gut wie alles mit mir machen. Langsam ließ er seine Zunge um meinen Kitzler streichen, während er einen Finger in mich einführte. Ich bäumte meinen Oberkörper auf, zog meine Beine weiter an und verkrampfte meine Zehen, als er unabdinglich weitermachte. Mein Stöhnen wurde immer lauter und dieses Gefühl der Ekstase kam langsam zum Vorschein. Als er einen zweiten Finger dazu nahm, begann sich meine Vagina rhythmisch zusammenzuziehen und ich wusste, dass ich gerade den besten Orgasmus meines bisherigen Lebens hatte. Jedoch bedeutete dies noch nicht, dass wir hier fertig waren. Edward leckte sich über die Finger, bevor er sich wieder über mich legte und sich mit seinen Händen rechts und links neben meinem Kopf abstützte. Er beugte sich zu mir hinab und küsste mich wild. Ich schmeckte mich selbst an den Lippen und es war etwas vollkommen Neues. Lächelnd drehte er sich von mir ein wenig zur Seite.

„Du bist dir wirklich sicher?“, fragte er nochmal. Augenverdrehend bejahte ich und er setzte sich wieder kurz auf, um sich seiner Boxer zu entledigen. Ich hatte schon vorhin seine Erektion gespürt, doch da war meine Lust mehr im Vordergrund gewesen.
„Willst du verhüten?“, fragte er mich und ich sah ihn verwirrt an. Über das hatte ich in den letzten Tagen nicht wirklich nachgedacht. Ich schloss kurz meine Augen, um das Pro und Contra abzuwiegen, bevor ich ihn wieder ansah.
„Wenn es passiert, dann passiert es. Wenn nicht, dann nicht. Außer du bist noch nicht bereit dazu.“
„Bella, von mir aus können wir ein ganzes Football-Team zeugen, es geht darum, was du möchtest“, meinte er ernst und küsste mich wieder. Aufgewühlt öffnete ich meinen Mund und vertieften den Kuss. Als ich ihn an meinem Eingang spürte, versteifte ich mich kurz. Ich hatte mir schon Gedanken darüber gemacht, wie sein Penis in mich passen würde und war darüber im Klaren, dass es wehtun würde.
„Entspann dich. Wenn ich stoppen soll, sagst du mir es. Langsam und Stückchenweise, oder schnell und in einem?“, fragte er mich und ich war überfordert.
„Das was weniger weh tut?“ Ich klang verzweifelt, was ich auch war. Woher sollte ich wissen, was nicht so... Weiter kam ich nicht, da ich einen stechenden Schmerz spürte.
„Verdammte Scheiße“, spie ich und presste meine Lippen aufeinander. Als ich einen Blick in Edwards Gesicht machte, sah ich, dass ein schuldiger Ausdruck sein Gesicht zierte. Nie im Leben hätte ich mir das so schmerzhaft vorgestellt, nie! Langsam spürte ich, wie ich mich an ihn gewöhnte und der Schmerz ließ langsam nach. Ich merkte, wie sich Edward zurückziehen wollte.
„Es war eine dumme Idee. Ich hätte-“, ich unterbrach ihn, „Nein. Sei nicht so dumm das zu glauben. Es war besser, als wenn ich es gewusst hätte. So war es, denke ich angenehmer. Und wehe, du machst jetzt nicht weiter!“ Böse sah ich ihn an und schlang meine Arme um seinen Nacken. Ich zog ihn zu mir hinab und küsste ihn. Langsam begann er sich wieder zubewegen und dieses Mal war nicht mehr dieser pochende Schmerz zu spüren. Ein leichtes Ziehen, da sich mein Körper erst daran gewöhnen musste, aber nicht mehr.
Ich sah in Edwards Gesicht, wie er Anstrengungen hatte, es so schön für mich wie möglich zu machen. Mit meinen Fingern strich ich ihm eine Strähne aus dem Gesicht und flüsterte ihm zu: „Lass dich gehen!“ Stürmisch küsste er mich wieder und ich spürte, wie seine Stöße schneller wurden. Ich versuchte ihm dabei zu helfen seinen eigenen Orgasmus zu haben und bewegte mein Becken mit. Sein eigenes Keuchen wurde immer lauter und ich musste auch ab und zu stöhnen, als er einen Punkt traf, bei dem ich nicht anders konnte. Er wurde schneller und als er in mir verharrte, spürte ich, dass sein Glied in mir zuckte. Es war eine total neue Erfahrung, auf die ich positiv zurückblicken konnte.

„Es tut mir leid, dass du jetzt nicht auch -“, ich legte ihm meine Hand auf den Mund, „Stopp! Sag es nicht. Glaubst du wirklich, dass ich das erwarte? Zumal das vorhin schon wirklich ausreichend war. Denk niemals daran, dich bei mir zu entschuldigen, wenn ich keinen  Orgasmus hatte. Niemals. So wie es ist, war es perfekt. Zerstör mir diesen Moment ja nicht. Bitte!“ Flehend sah ich ihn an.
„Gut!“, sanft küsste er mich, bevor er sich aus mir zurückzog. Sofort fehlte mir etwas und ich wusste augenblicklich was es war: Edward. Er rollte sich von mir hinunter und stand auf. Panik überkam mich. Hatte er nur mit mir geschlafen und würde mich nun hier alleine liegen lassen? War es das für ihn gewesen. Ich spürte, wie sich Zweifel in mir breit machten. Als er aber mit einem Glas Wasser in der Hand zurückkam, legte es sich und ich atmete erleichtert auf. Er reichte mir das Glas und gab mir eine kleine Tablette in die andere Hand.
„Ibuprofen, damit du morgen keine Schmerzen hast und ein Tuch, falls du das Blut wegwischen möchtest. Mich stört es nicht, aber dich vielleicht“, kommentierte er es, als er ein Handtuch neben mich legte. Ich schluckte die Tablette und trank das ganze Glas aus. Danach bedankte ich mich, und er winkte ab. Erneut ging er wieder ins Bad und ich nahm das Handtuch. Ich wollte gar nicht wissen, wie ich blutete, deshalb wischte ich es nur weg und ließ es dann auf den Boden fallen. Als er wieder zurückkam, legte er sich neben mich und zog mich wie in den vergangenen beiden Nächten an sich heran. Ich kuschelte mich glücklich an seine Brust und zog mit meinem Zeigefinger Kreise darauf.
„Wenn du das weiterhin machst, wird das Folgen haben“, meinte Edward gepresst und ich grinste.
„Ach ja?“
„Bella, schlaf lieber. Morgen ist ein anstrengender Tag und du wirst es brauchen.“ Seufzend legte ich meine Hand flach hin, küsste kurz seine Brust, bevor ich mein Bein um seines schlang und meine Augen schloss. Langsam driftete ich in den Schlaf und merkte, wie er sanft durch mein Haar fuhr und einen Kuss auf die Stirn gab.
„Vielen Dank für dein Vertrauen“, hörte ich ihn noch murmeln, bevor ich ins Land der Träume glitt.