Kapitel 20

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„Man schämt sich nur, wenn man liebt.“ - Platon





„Komm, lass uns da hineingehen, dann können wir weiter schauen!“ Mit schon beinahe flehendem Blick hatte mich Bella angesehen und ich hatte nicht nein sagen können. Denn mir war es egal gewesen, um welches Geschäft es sich gehandelt hätte, denn ich erfüllte ihr diesen Wunsch zu gerne. Erst ein paar Augenblicke danach hatte ich feststellen müssen, dass es sich um ein Unterwäschegeschäft gehandelt hatte. Nun saß ich hier seit über einer Stunde fest und mein Magen knurrte in Intervallen. Seufzend lehnte ich mich auf der Couch zurück und erwartete wieder ein: „Ah, das sieht nicht gut aus!“ von Bella. Immer wenn ich fragte, ob ich es sehen dürfe, antwortete sie mit: „Das nächste dann!“
Wenn sie es mich bloß sehen lassen könnte, wäre das schon eine kleine Entschädigung, denn welchen Mann turnte es nicht an, wenn er seine Frau in sexy Dessous sah?
„Bella, komm‘ schon, keines dieser Sets wird grässlich an dir aussehen. Du hast ein ganz falsches Bild von deinem Körper“, meinte ich und fuhr mir durchs Haar. Sie war eine wunderschöne Frau und ihr Körper war eine Augenweide, davon hatte ich mich die vergangene Nacht überzeugen können. Noch nie hatte ich so etwas erlebt.  Plötzlich steckte sie ihren Kopf aus der Umkleidekabine hervor und sah mich bitterböse an.
„Du wirst das jetzt nicht zu sehen bekommen!“ Seufzend stand ich auf und ging auf sie zu. Zuerst zog sie verwirrt ihre Augenbrauen zusammen, riss dann jedoch die Augenlider auf, da sie erkannte, was ich vorhatte.
„Nein, du bleibst da schön draußen, ich weiß was du vorhast. Nein!“ Bella lief rot an und schüttelte ihren Kopf, sodass ihr Haar in alle Richtungen flog, was ich unglaublich süß, aber auch anziehend fand. Das musste ich mir wohl oder übel eingestehen. Alles an dieser Frau zog mich an. Ich sah mich kurz um, um festzustellen, dass die Verkäuferinnen andere Kunden bedienten und ich somit ungehindert in die Umkleide zu Bella verschwinden konnte. Schnell schlüpfte ich in die Kabine und musste hart schlucken. Hätte ich nicht gewusst, dass sie die letzten Stunden schon ohne Unterwäsche herumgelaufen war, da diese nach unserem gestrigen Jacuzzibad leider zerstört war – ich hatte da meine Finger nur zum kleinen Teil im Spiel, hatte sie nichts zum Anziehen außer das Kleid. Und der Gedanke daran, dass sie keinen Slip trug, hatte mich den ganzen Vormittag halb wahnsinnig gemacht. Immer noch geschockt stand Bella da.
„Was ist, wenn dich eine Verkäuferin erwischt?“, fragte sie nervös und schlang die Arme um ihren Körper. Versuchte sie sich immer noch vor mir zu verstecken? Ich musste ihr eindeutig zeigen, dass sie das keinesfalls musste.

„Was soll dann sein? Wir sind in unseren Flitterwochen hier, so wie eine Menge anderer junger Paare, das werden die schon oft erlebt haben.“ Bella biss sich auf die Unterlippe und verlagerte ihr Gewicht auf den anderen Fuß.
„Okay… aber würdest du jetzt bitte hinausgehen, damit ich mich umziehen kann?“ Oh nein, das würde ich erst tun, wenn sie sah, wie schön sie war. Ich schüttelte kurz den Kopf.
„Sieh dich doch einmal an, Bella. Du bist eine wunderschöne Frau.“ Zärtlich tippte ich ihr auf die Nasenspitze, welche sie rümpfte, fuhr dann über ihre geröteten Wangen zu ihren vollen Lippen, die leicht aufeinander lagen. Langsam beugte ich mich hinab und küsste sie einfühlsam. Ich spürte, wie sie ihre Arme um ihren Körper löste und diese um meinen Nacken schlang. Sie drückte sich gegen meine Brust und zog sich etwas hoch, sodass sie mich leidenschaftlicher küssen konnte. Nie hatte ich mir vorgestellt, dass ich einmal dieser Frau so verfallen könnte. Meine Hände ließ ich zu ihrem Po wandern und drückte kurz zu, was sie aufquieken ließ. Cullen, reiß dich zusammen, rief mir mein inneres Ich zu, da das hier weder der richtige Ort noch die richtige Zeit für so etwas wahr. Abrupt löste ich mich von Bella, die wie ich leise keuchte. Ich lächelte sie an, nahm danach ihre zierlichen Schultern und drehte sie zum Spiegel. Sogleich versuchte sie sich wieder mit den Händen zu verdecken, als sie sah, dass ich ihren Körper ansah. Sanft nahm ich ihre Handgelenke in meine Hände und zog sie von ihr weg. Währenddessen sah sie wachsam unser Spiegelbild an. Locker ließ sie nun ihre Arme neben ihrem Körper hängen, während ich ihr offenes Haar über die linke Schulter legte und einen Kuss auf die rechte Seite des Halses gab.

„Nicht!“, flüsterte ich, als sie sich wieder bedecken wollte, „du brauchst dich nicht zu verstecken. Bei der Hochzeit hast du es auch nicht getan!“ Ein Grinsen legte sich in mein Gesicht. Dieses Kleid… ich konnte nur hoffen, dass sie es kürzen lassen und an unserem Hochzeitstag anziehen würde. Doch ich musste mich jetzt wieder darauf besinnen ihr zu zeigen, dass sie sich nicht schämen müsste. Schon gar nicht für diesen erotischen Körper. Sobald ich meine Hände auf ihre Schultern legte, senkte sie den Kopf und sah zu Boden.
„Heb den Kopf an, du hast sonst auch ein gutes Selbstbewusstsein!“ Lächelnd stellte ich fest, dass sie meiner Aufforderung nachkam.
„Gut, und jetzt sieh dich an. Deine Brüste…“ mit den Fingerspitzen fuhr ich den Rand des BHs nach und nahm sie danach in die Hände. Ich merkte, wie sich ihre Nippel vor Erregung aufstellten und sie diese Berührung mochte. Ihren Kopf hatte sie gegen meine Brust gelehnt und ihre Augen geschlossen. Ein Seufzer entwich ihrem Mund und sie presste sofort die Lippen auseinander, als hätte etwas Verbotenes ihre Lippen verlassen.
„Mach deine Augen auf und sieh es dir an, sonst höre ich auf der Stelle auf!“ Fast schon panisch riss sie die Augenlider auf und betrachte uns wieder im Spiegel. Oh, da gefiel es jemand sehr, mehr als sie es wahr haben wollte! Ich fuhr mit meinen Händen über ihren Bauch und ließ sie unter dem Bauchnabel kurz ruhen.

„Da wird unser Kind in dir wachsen und ich werde es lieben und nicht die Finger von deinem Bauch lassen können, sobald wir es wissen…“, flüsterte ich und spürte, wie sie unter meiner Berührung erstarrte, „doch bis dahin haben wir noch Zeit.“
Sie entspannte sich merklich und lächelte mir zaghaft zu. Langsam fuhr ich wieder mit den Fingerspitzen weiter, dieses Mal am Bund des Slips entlang, was ihr wieder ein verzücktes Keuchen entlockte. Ich wollte gerade meine Hände unter den Bund gleiten lassen, als von draußen jemand fragte: „Ist bei Ihnen alles in Ordnung? Ich habe komische Laute gehört!“
Ertappt begannen Bellas Wangen zu glühen und ich konnte nur schmunzeln. Vermutlich war die Unterbrechung genau richtig gewesen, sonst wäre ich vielleicht weiter gegangen, als ich wollte im Eifer des Gefechtes.
„Du bist eine wunderschöne Frau, merk dir das. Und das sieht super aus, wie bestimmt alles andere und ich werde dir jetzt ein paar Sachen aussuchen“, flüsterte ich ihr noch schnell zu, bevor ich mir von ihr löste, ihr einen Kuss auf die Wange gab und aus der Umkleide verschwand, damit sie mir nicht widersprechen konnte und ich demjenigen eine Erklärung abliefern konnte. Vor der Kabine stand eine der Verkäuferinnen, die ihre Augenbraue in die Höhe zog, als ich hinauskam.
„Ja, alles in bester Ordnung, danke. Ich habe meiner Frau nur eine Flasche Wasser gebracht, da es anstrengend ist, sich dauernd umzuziehen bei der Hitze, das werden Sie vermutlich kennen!“, lachte ich und fuhr mir durchs Haar. Wissend lächelte mich die Frau an, wandte sich schließlich kopfschüttelnd um. Grinsend wanderte ich im Geschäft umher und suchte verschiedene Sets aus, immer darauf bedacht, dass sich Bella hoffentlich darin wohlfühlen würde.

„Nein, das…“, dabei deutete sie auf das rote Set, „…werde ich auf keinen Fall anziehen!“, meinte sie stur und verschränkte die Arme vor der Brust, als ich mit meiner Auswahl zurückkam. Innerlich verdrehte ich die Augen, zog jedoch nur eine Augenbraue in die Höhe.
„Was ist so schlimm daran? Nur weil es rot ist? Oder weil man die Schleifen schnell lösen kann? Vor was hast du denn Angst?“ Grinsend sah ich sie an, was sie mit einem bösen Blick quittierte. Schnell schnappte sie alles und zog dann wieder den Vorhang zu. Ich musste nicht lange warten, bis sie wieder vollständig angezogen aus der Umkleide kam und sich an die Verkäuferin wandte, die gerade an uns vorbei ging.
„Entschuldigen Sie, wo ist denn die Kasse?“, fragte sie sie und die Dame deutete ihr zu folgen. Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, stöckelte sie der Frau hinterher. Was hatte ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Seufzend folgte ich ihr und stellte mich neben Bella.
„Ich vermute, dass Sie alles nehmen?“ Innerlich musste ich wieder meine Augen verdrehen, denn drei Mal durfte sie raten, ob wir alles nehmen würden oder nicht, was Bella da in der Hand hatte, sonst hätte sie es nicht bei sich. Meine Frau wollte gerade ansetzen, bevor ich zuvorkam: „Ja, bitte alles.“
Bella drehte sich zu mir um und blitzte mich wütend an. Als die Verkäuferin die Summe nannte, reichte ich ihr desinteressiert meine Kreditkarte. Erschrocken starrte sie nun die Summe bei der Anzeige an und schluckte. Lächelnd nahm ich die Tüte in die eine Hand und mit der anderen steckte ich die Kreditkarte zurück in meine Hosentasche.
Vor dem Geschäft blieb Bella stehen und drehte sich zu mir.
„Das war zu viel. Ich habe genug Unterwäsche auf der Insel und hätte jetzt nur eines gebraucht, das ich unter das Kleid anziehen konnte“, meinte sie nun wütend.
„Glaub mir, die wirst du noch brauchen.“ Vor allem bei dem was ich noch alles mit ihr vorhatte, wenn da etwas überlebte, dann würde es einem Wunder gleichen!
„Aber lass uns dir nun etwas anderes zum Anziehen besorgen. Das Kleid muss doch ungemütlich sein.“ Eingeschnappt nickte sie mir nur zu, zog mich aber sogleich in das nächste Geschäft. Frauen und die Sucht nach Shoppen würde ich nie verstehen.


 
~~~~~*~~~~~



Inzwischen waren ein paar Stunden vergangen und ich hatte etliche Tüten in der Hand. Würde es so weitergehen, wäre ich vor lauter Taschen nicht mehr zu erkennen. Nach ein paar Einkäufen hatte sich Bella damit abgefunden, dass es mir egal war, wie viel etwas kostet und sie kaufte ein. Nun stand sie an der Kasse eines Lebensmittelgeschäftes außerhalb des Einkaufszentrums und wartete geduldig darauf, dass sie an die Reihe kam. Sie trug eine Hotpants, die verdammt kurz war, ein weißes luftiges Shirt, Flip Flops und eine große Sonnenbrille, die auf ihrer Nase saß und ihr halbes Gesicht bedeckte. Es war ein Wunder, dass uns bis jetzt niemand erkannt hatte. Kaum hatte ich den Satz gedacht, hörte ich schon ein bekanntes Klicken in meiner Nähe.
„Ist das nicht die Frau von Senator Cullen?“, fragte plötzlich eine Frau und ich drehte mich langsam um. Scheiße. Man hatte auch nirgendwo seine Ruhe, oder? Schnell zog ich mein Handy hervor und tippte Bella eine SMS, sodass sie nicht zu sehr überrascht ist, wenn diese Frau sie nun ansprechen würde. Ich hatte mir in den vergangenen Stunden ein frisches schwarzes T-Shirt, sowie eine Kappe und eine Sonnenbrille gekauft, worüber ich gerade ziemlich froh war. Denn ich hatte gerade überhaupt keine Lust von diesen Leuten belagert zu werden. Seufzend zog ich die Kappe weiter in mein Gesicht und merkte, dass Bella in meine Richtung sah und sich auf die Lippe biss. Anscheinend ging es ihr wie mir. Widerwillen bestimmte ihre Mimik, selbst wenn das unser Job war, so waren das unsere Flitterwochen, die ich bestimmt nicht mit Fotos und Autogrammen verbringen wollte. Ich sah, dass Bella etwas tippte und dann auch gleich bezahlen konnte.

„Einmal, ein einziges Mal. Man hat wohl nie seine Ruhe, oder?“ hatte sie mir geschrieben. Ich schüttelte flüchtig den Kopf. Sie kam aus dem Laden, als die Frau schon regelrecht auf sie zustürmte. Plötzlich war einer unserer Bodyguards neben ihr, welche ich komplett vergessen hatte.
„Miss, ich bitte Sie Abstand zu halten, sonst sehe ich mich gezwungen die Polizei zu rufen.“ Geschockt sah ihn die Frau an, die gerade zu Bella geeilt war.
„Ist schon okay…“, seufzte Bella, als ich auf die kleine Gruppe zuschritt und mich neben meine Frau stellte. Ich legte einen Arm um ihre Taille und zog sie zu mir.
„Entschuldigen Sie, ich wollte nicht so aufdringlich sein, aber ich hatte gelesen, dass Sie hier angeblich Ihre Flitterwochen verbringen und war jetzt nun umso erfreuter Sie in Fleisch und Blut zu sehen, als immer abgelichtet in den Magazinen oder im Fernseher. Ich finde, dass Sie beide das wirklich toll machen und es freut mich, dass Sie sich so um die sozialschwachen Menschen kümmern. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir ein Foto machen würden?“
„Sicher“, meinte Bella und stieß ihren Ellbogen in meine Rippen, als ich lustlos seufzte. Man sollte mich nicht falsch verstehen, sicherlich machte es Spaß wenn Leute an einen herantraten und einem sagten, dass sie es gut hießen, was man machte, aber ab und zu wollte man doch nur seine Freizeit haben. Mit zittrigen Händen übergab sie die Kamera unserem Bodyguard, der immer noch grimmig dreinblickte, und winkte ihre Familie zu uns. Schnell war das Foto gemacht, ein paar Autogramme geschrieben und für die Glückwünsche bedankt.

Kaum waren sie ein paar Schritte entfernt, meinte Bella schon: „Ehrlich? Kaum hat man vergessen, dass um einen herum dutzende Securities sind und man ein normaler Mensch ist, kommt so was. Ich hab jetzt Lust auf ein Eis und Schokolade! Glückshormone, viele Glückshormone.“
„Warum nicht gleich ein Schokoladeneis?“ Sie verdrehte die Augen, bevor sie sich wieder die Sonnenbrille auf die Nase setzte.
„Klugscheißer“, murmelte sie, wofür ich sie in die Seite pikste. Bella zuckte leicht zusammen und begann schließlich zu lachen.
„Das wirst du noch zurückbekommen, mein Lieber!“, kicherte sie und nahm dann meine Hand, „aber davor gehen wir noch ein Eis essen.“ Mit all ihrer Kraft zog sie an meinem Arm, brachte mich aber nicht von der Stelle. Grinsend stand ich da.
„Da musst du mich aber noch davon überzeugen!“
„Ach, ja?“ Sie hob ihre Augenbraue und kam nah an mich heran, „Du, ich, Abendessen auf der Terrasse und danach eine Runde im Meer schwimmen? Überzeugt genug?“, flüsterte sie nun gegen meine Lippen.
„Hört sich gut an, aber nur wenn du das rote trägst“, antwortete ich, bevor ich sie küsste.

Hand in Hand schlenderten wir die Straße entlang, bis wir ein kleines Eisgeschäft ausmachen konnten. Sogleich zog mich Bella hinein und wir setzten uns auf einen der vielen freien Plätze. Scheinbar war heute nicht viel los. Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatte und diese auch relativ flott bei uns war, machten wir uns daran unser Eis genüsslich zu essen. Sie schleckte gerade ihren Löffel ab, als ich mich daran erinnern musste, wie sie auf der Couch gesessen und dieses Buch gelesen hatte, für welches ich eindeutig nichts übrig hatte.
„Weshalb starrst du mich so an? Hab ich irgendwo Eis kleben?“, fragte mich Bella.
„Nein, nein. Aber ich weiß jetzt welche Stelle du damals gelesen hast, als du dich verschluckt hast“, antwortete ich grinsend und stellte fest, dass mich Bella verwundert ansah.
„Das heißt, dass du über das erste Buch hinweggekommen bist. Ich hätte mir eher gedacht, dass du für so etwas nicht zu haben bist.“ Ich schüttelte langsam meinen Kopf und blickte mich flüchtig dabei um. Es war zwar wenig los, jedoch lag es im Menschen, dass er lauschte.
„Nicht hier. Überall sind Augen und Ohren, die nicht alles wissen sollen!“ Sie nickte mir zu, da sie verstand. Nichts wäre für mich nun schädlicher, als würde man behaupten, dass ich auf BDSM Spielchen stehen würde. Darauf konnte ich getrost verzichten, da dies überhaupt nicht der Fall war. Still aßen wir weiter bis sich Bellas Blick auf meine Lippen heftete.
„Was ist los?“, fragte ich sie und riss sie anscheinend aus ihrer Gedankenwelt. Was wohl gerade darin vor sich ging?

„Oh…äh… du hast da Sahne am Mundwinkel. Darf ich?“ Schüchtern blickte sie mir in die Augen und streckte ihre Hand aus. Mit dem Daumen wischte sie die Sahne weg und schleckte sie abschließend von ihrem Finger. Dabei fiel mein Blick auf ihr Armband, sie trug es und das stimmte mich sehr froh. Ich hatte es schon gestern Abend bemerkt. Es war nur schade, dass sie bis jetzt kein Wort drüber verloren hatte, ob es ihr gefiel oder nicht. Vielleicht trug sie es nur, um mich nicht zu verletzen.
„Ah, ich hatte vergessen mich dafür zu bedanken. Das Armband und die Anhänger sind wirklich zauberhaft und ich habe mich wirklich darüber gefreut, Edward. Jeder Anhänger spiegelt einen Tag unserer Flitterwochen wider und ist für sich einzigartig. Jedoch muss ich gestehen, dass ich, wenn das hier so weitergeht mit den Charms, bald eine Stütze für meinen Arm benötige, da es vermutlich sehr schwer werden würde. Die Idee ist wirklich süß und ich freue mich über jedes einzelne Erinnerungsstück, aber muss es wirklich jeden Tag eines sein?“ Ich verstand, dass es übertrieben war, zu viel wieder einmal. Langsam musste ich einsehen, dass Bella Schmuck nicht wirklich etwas bedeutete und vor allem teuren Schmuck verschmähte sie.
„Wie wäre es mit einem Kompromiss?“, begann ich und war somit Bellas ungeteilter Aufmerksamkeit sicher, „bis zum Ende der Flitterwochen, das heißt noch drei Anhänger, mit dem heutigen vier, den bekommst du noch, liegt täglich einer auf deinem Kissen, und danach zu speziellen Anlässen, oder Tagen? Könntest du damit leben?“
„Ja, ich denke schon. Aber es fühlt sich so dumm an, dass ich etwas von dir bekomme, ich dir aber nichts geben kann.“
„Du gibst mir schon genug, indem du mir vertraust und wir dort weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben“, sagte ich und küsste sie zärtlich, womit ich auch jeden Widerspruch von Bella beseitigen konnte.
„So und wie wäre es jetzt noch ein paar Souvenirs zu kaufen, damit wir nicht mit leeren Händen zurückkommen?“, fragte ich sie, als ich mich wieder von ihr löste.
„Das wäre fabelhaft! Tanya meinte, sie hätte gerne Muscheln für ihre Sammlung und etwas Sand? Und für Esme, Alice und Rose habe ich auch schon etwas gesehen.“
„Nun denn“, lachte ich und bezahlte.




 
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„Also, wie ist das jetzt mit dem Buch? Ich würde zu gerne deine Meinung zu diesem Kunstwerk der Literatur kennen“, fragte mich Bella, nachdem sie den letzten Bissen und ihre zynische Art entging mir dabei nicht. Wir waren wieder auf der Privatinsel und hatten das versprochene Abendessen.
„Nun ja… ich weiß nicht was man daran erotisch finden soll… angefangen bei den flach gehaltenen Dialogen, in denen meiner Meinung die Tiefe fehlt, bis hin zu den sogenannten Sexszenen. Und ehrlich, ich hab es nur gelesen, da du es gelesen hast und ich habe es nicht weiter als zu Hälfte des zweiten Teiles geschafft. Es ist eindeutig keine Literatur für mich, zumal das auch kein echtes BDSM ist…“, seufzte ich und sah Bella an, die ihr Lachen zurückhielt.
„Was?“, fragte ich sie.
„Nichts… nichts… aber dass du das überstanden hast. Ich meine diese Szene im Bad, als sie ihn oral befriedigt“, schüchtern sah sie mich an und ich merkte, wie ihre Wangen sich rötlich färbten, „da ist Schaum! Das muss eklig schmecken!“ Ich hob eine Augenbraue in die Höhe.
„Ah… das meinte ich jetzt nicht…“ Sie fuhr sich mit beiden Händen durch ihr Haar. Es war süß, wie sie um die normalsten Ausdrücke der Welt herumdruckste, als wäre es etwas Verbotenes.
„Nenn es doch einfach beim Namen? Habe ich dir nicht heute schon einmal gesagt, dass dir vor mir nichts peinlich sein soll? Wenn nicht, dann tue ich es jetzt. Bella, das zwischen uns“, dabei deutete ich mit meiner Hand von ihr zu mir, „kann nur gut gehen, wenn da keine Peinlichkeit ist. Du kannst mir alles sagen und ich werde dir alles sagen und ich würde mich dann über eine ehrliche Antwort freuen, denn die bekommst du auch von mir.“ Ich lächelte sie zaghaft an und sie erwiderte es.
„Würdest du dich wohler fühlen, wenn wir das Thema jetzt lassen und einen Spaziergang machen? Die Sonne geht gerade unter und da wäre das genau das Richtige, was meinst du?“
„Das wäre fabelhaft. Dann können wir Muscheln sammeln“, meinte sie, denn damit hatte sie mir am Nachmittag in den Ohren gelegen, manchmal war sie noch ein Kind, obwohl sie ein Studium hinter sich hatte, aber das gefiel mir. Ihre Naivität, der junge Ehrgeiz und die lockere Art, aber auch der Starrsinn und der Kampfgeist, es – nein sie, Bella – war eine neue Herausforderung für mich, die gewisse Teile meines Menschenbildes und dem der Welt wachrüttelte und umstrukturierte.

Ich stand auf und zog ihr den Stuhl nach hinten, als sie sich erhob. Danach streckte ich ihr meine Hand entgegen, welche sie in ihre nahm. Als ich losgehen wollte, blieb Bella stehen und ich konnte sie nur verwirrt ansehen.
„Meine Schuhe. Mit diesen High Heels werde ich wohl kaum am Strand herumlaufen können“, lachte sie und öffnete die Riemchen der Schuhe. Ich lief die meiste Zeit ohne Schuhe auf der Insel herum, bei dem ganzen Sand war das nicht sinnvoll. Als sie die Treppe vor rund einer Stunde hinuntergekommen war, hatte ich sie nur anstarren können. Das weiße Kleid, welches wir heute gekauft hatten, war traumhaft. Was jedoch ausschlaggeben dafür war, dass ich es ihr eingeredet hatte, war die Tatsache, dass sie darunter keinen BH tragen konnte, da man es sonst gesehen hätte. Während des gesamten Essens hatte ich ihr nur auf die Brüste starren können und ich musste immer wieder an die vergangene Nacht denken. Vielleicht konnte ich heute daran anknüpfen…
„So“, meinte sie, „auch wenn ich Heels im Allgemeinen vermisst habe, so ist es doch angenehmer barfuß herum zu spazieren.“ Mich anlächelnd strich sie mir eine Strähne aus meinem Gesicht und küsste mich danach zärtlich. Ein Grinsen breitete sich aus, da diese Zärtlichkeiten zwischen uns sich im Laufe des Tages vermehrt hatten und ich mochte es. Bella zog mich enthusiastisch in Richtung Strand und Wasser.
„Schön“, hauchte sie, als wir im Meer stehen blieben, welches nun unsere Füße umspielte. Ich hatte mich hinter sie gestellt und meine Arme um ihre Taille geschlungen. Ihr Kopf ruhte, wie gestern Abend an meiner Brust.
„Nicht so schön wie du“, flüsterte ich gegen ihren Hals und küsste sie dort sanft. Ein leises Schnurren erklang und ich musste leise lachen.
„Was?“, fragte sie nun und drehte ihren Kopf zu mir.
„Du hast geschnurrt, so wie eine Katze. Das ist wirklich süß!“ Sie zog eine Schnute, bevor sie sich komplett zu mir umdrehte.
„Süß? Ich will aber nicht süß sein.“ Ein Seufzer kam ihr über die Lippen und ich konnte nicht anders, als ihr Gesicht zu berühren. Meine Hand legte ich auf ihre Wange und strich mit meinem Daumen über ihre Unterlippe, das könnte ich Stundenlang machen. Sie waren weich, voll, jedoch liebte ich es mehr sie zu küssen.
„Du bist nicht nur süß, Bella. Du bist sexy, erotisch und eine Verführung durch und durch, vor allem in diesem Kleid“, flüsterte ich und strich mit der anderen Hand an ihrer Seite hinunter. Ich spürte, wie sie erschauderte und küsste sie schließlich. Wie immer war dieser Kuss fantastisch. Wir hatten heute schon die Stufe des süßen und keuschen Kusses übersprungen und waren bei den leidenschaftlichen gelandet.
Sanft biss ich auf ihre volle Unterlippe und spürte, wie sich ihre Nägel in meine Kopfhaut gruben. Der Schmerz war es eindeutig wert! Seufzend lösten wir uns voneinander.
„Also bin ich nicht nur süß?“
„Oh nein, das bist du ganz und gar nicht“, lachte ich und zog sie an mich, „wie wäre es, wenn wir weiter gehen?“ Sie nickte mir zu und wir setzten uns langsam in Bewegung.

Die nächsten Minuten genossen wir in Stille und nahmen einfach nur das Zwitschern der Vögel im Wald, den Wind, der sanft über die Insel strich und das Rauschen der Wellen wahr. Immer wieder sah ich flüchtig zu Bella, die es mir gleich tat. Jedes Mal wenn sich unsere Blicke trafen, grinsten wir und wandten uns wieder der Natur zu.
„Scheiße!“, schrie Bella und ich drehte mich besorgt zu ihr. Sie hob ihren Fuß hoch und ich konnte erkennen, wie eine Krabbe ins Meer flüchtete.
„Das tut weh, und das blutet. Ich kann kein Blut sehen. Edward!“ Meine Frau hielt sich an meiner Schulter an, streckte ihren Fuß von sich und vergrub ihr Gesicht in meiner Brust. Ich warf einen flüchtigen Blick auf ihre Zehe und konnte aufgrund der schon fast untergegangenen Sonne gerade noch erkennen, dass es wirklich stark blutete. Schnell hob ich sie in meine Arme und marschierte mit eiligem Schritt zurück zum Haus. Ich trug sie in mein Bad, da es am nächsten war und setzte sie auf den zugeklappten Toilettendeckel.
„Aaaaah mach das Blut weg, sonst fall ich ihn Ohnmacht.“ Ich hatte mich Inzwischen vor sie hingehockt, um ihre Zehe besser begutachten zu können. Es war anscheinend kein tiefer Schnitt, aber Sand musste hineingekommen sein.
„Bella, ich werde das jetzt mit Wasser ausspülen müssen, danach desinfizieren und es sieht so aus, als würde ein Pflaster reichen.“
„Das kannst du ruhig machen, solange das Blut weg ist. Mir wird schlecht.“ Ich musste mich räuspern, dass ich nicht zu lachen begann. Etwas Blut und Bella würde ohnmächtig werden, das musste ich mir merken. Schnell suchte ich alles zusammen und verarztete ihren Fuß. Ab und zu war es gut, wenn der eigene Vater Arzt war. Da lernte man einiges, vor allem wenn man diesen gerne im Krankenhaus besuchte.

„Danke“, nuschelte sie und stand schließlich auf. Als ich sie fragen wollte, ob wir noch etwas machen wollten, gähnte sie herzhaft, wodurch sich meine Frage erübrigte. Bella sah mich entschuldigend an, bedankte sich nochmals bei mir und ging dann in ihr Zimmer. Die Haare raufend ging ich zu meinem Kleiderschrank, zog frische Unterwäsche hervor und duschte mich ausgiebig, bevor ich mich ins Bett legte. Ich erinnerte mich an den Morgen zurück, als ich mit Bella in den Armen aufgewacht war. So gut hatte ich in den letzten Monaten nicht mehr geschlafen. Irgendwie hatte es etwas Beruhigendes gehabt sie neben mir liegen zu haben.  Ich hatte mich auf meinem Ellbogen abgestützt und sie beim Schlafen betrachtet, wie ihre Lippen leicht geöffnet waren und ihr Haar den Kopf umspielte. Bella sah in dem Moment aus wie ein Engel. Zögerlich hatte ich sie mit meiner Hand berührt und über die Wange gestrichen, bis sie aufgewacht war. Als sie mich mit ihren braunen Augen angesehen und angelächelt hatte, konnte ich nicht anders als sie zärtlich zu küssen.
Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken und ich gab mit einem „Herein!“, zu verstehen, dass derjenige eintreten konnte. Bella steckte ihren braunen Schopf durch den Türspalt und biss sich auf die Unterlippe.
„Ich hoffe, dass ich dich nicht aufgeweckt habe“, sagte sie leise und trat einen Schritt in den Raum ein.
„Nein, nein. Brauchst du etwas? Schmerzt der Fuß?“ Ich war besorgt, denn ich wollte nicht, dass es ihr schlecht ging, doch sie schüttelte zu meiner Erleichterung nur den Kopf.
„Ähm… ich habe versucht zu schlafen, aber so alleine im Bett… es ist zu groß…“ Ihr Stammeln war wirklich süß, vor allem wie ihre Wangen einen roten Schimmer bekamen. Ich lächelte ihr zu und streckte ihr eine Hand entgegen.
„Es würde mich sehr freuen, wenn du heute Nacht wieder bei mir schlafen würdest. Oder besser gesagt jede Nacht.“ Seufzend fuhr sie sich durch ihr Haar und kam langsam zu mir.
Bella legte sich aufs Bett, jedoch mit beträchtlichem Abstand. Augenrollend, da sie anscheinend immer noch Kontakt scheute – verstand einmal jemand diese Frau – rutschte ich zu ihr hinüber und zog sie in meine Arme.
„Vielen Dank für den schönen Tag“, flüsterte ich ihr zu und stricht über ihren nackten Oberarm.
„Ich muss dir danken und auch für die vergangene Nacht“, gab sie kleinlaut zurück und schmiegte sich an mich. Ich sah zu ihr hinunter und erkannte, dass sie meine Brust mit zusammengezogenen Augenbrauen anstarrte.
„Gute Nacht.“ Es klang wie ein friedlicher Seufzer von ihr und dann schloss sie ihre Augen.
„Dir auch eine gute Nacht, meine Bella“, murmelte ich. Ich betrachtete sie noch ein paar Minuten, bis ich mir sicher war, dass sie eingeschlafen war, bevor ich selbst meine Augen schloss und mich auf den morgigen Tag freute. Denn ich würde versuchen, dass ihr nichts mehr peinlich war.