Kapitel 19
„Je besser ein Mann tanzt, desto besser ist er auch im Bett.“ - Shakira
„Mach das noch einmal und du hast mehr Schmerzen als vor ein paar Tagen, als ich dir den Ball mit Absicht dorthin gepfeffert habe!“, flüsterte ich in sein Ohr und löste dann schnell die Sicherung, die uns beide verband. Danach marschierte ich die Hängebrücke hinunter und war froh, endlich wieder bei dem Ausgangspunkt dieses Nachmittags angekommen zu sein. Sicherlich war es schön gewesen dieses Erlebnis zu machen, jedoch hätte ich getrost auf die Partnerübungen mit Edward sowie das gemeinsame ‚Fliegen‘ verzichten können. Seufzend ließ ich mich auf einen großen Stein nieder, nahm den Helm ab und dachte über die vergangenen Stunden nach.
Das war nun zwei Tage her und Edward hatte meterweiten Abstand von mir gehalten. Wir hatten die vergangenen achtundvierzig Stunden wirklich kaum ein Wort gewechselt. Ich lag gerade auf der Terrasse und las den letzten Teil der Trilogie, denn unser tägliches Animationsprogramm war ebenfalls ausgefallen, wodurch ich nur noch drei Seiten des Buches vor mir hatte. Wenigsten hatten die Protagonisten halbwegs angenehme Flitterwochen verbracht. Seufzend schob ich meine Sonnenbrille von der Nase ins Haar und streckte mich. Ich hatte die ganze Zeit über in der Sonne gelegen und meine Haut hatte schon einen hübschen Teint. Im Augenwinkel konnte ich eine Bewegung ausmachen, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Edward kam gerade aus dem Haus direkt auf mich zu.
„Bella, wir müssen reden“, sagte er mit neutraler Stimme und setzte sich zu mir auf die Liege. Ich stütze mich auf meinen Unterarmen ab und sah ihn gespannt an.
„Der Kuss tut mir keineswegs leid. Ich habe ihn genossen und habe gespürt, dass du es auch getan hast…“, ich wollte ihn in dem Moment unterbrechen, aber er sprach weiter: „…jedoch denke ich, dass es nicht die perfekte Lösung war, denn ich hatte noch andere Alternativen dich verstummen zu lassen und da war die Kuss-Variante, die, die mir am besten gefiel. Ich weiß, dass es egoistisch war, aber ich habe gemerkt, dass du den Kuss erwidert hast, was mich die letzten Stunden wirklich grübeln ließ.“ Nicht nur ihm war dieser durch den Kopf gegangen. Denn immer wieder rückte diese Szene in einem unachtsamen Moment in den Vordergrund. So wie gerade eben. Ah Gott, dieser Mann und diese Lippen würden mich noch um den Verstand bringen.
„Es ist okay, Edward. Sonst noch etwas?“, fragte ich ihn barsch und merkte sogleich, dass ich das nicht wollte. Ich wollte nicht dieses Biest sein, das die ganze Zeit keifte. Wo waren meine – unsere – Vorsätze hin?
„Ja, ich wollte dich fragen, ob wir heute zu dem Fest fahren wollen.“ Mit erwartungsvollem Blick sah er mir in die Augen und ich konnte nicht anderes als zuzusagen, denn ich hatte mich schon von Beginn an auf diesen Tag gefreut, auch wenn er so seine Vorgeschichte hatte.
„Nun gut. Es ist jetzt kurz vor vier. Was würdest du davon halten, wenn wir so gegen sechs aufbrechen nach St. Thomas, noch in einem Lokal, das die Spezialitäten führt Abendessen und danach zu dem Fest gehen?“
„Ja, gerne. Aber was soll ich da anziehen? Alles, was mir Tanya eingepackt hat, waren Bikinis, Badeanzüge – dass die sich überhaupt so nennen dürfen – Tuniken, Shorts, knappe Tops und ein Kleid für den Nachhause Flug, damit ich repräsentabel aussehe.“ Edward begann zu grinsen und ich sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
„Oh… das habe ich total vergessen. Zwei deiner unzähligen Koffer hat seinen Weg zu mir gefunden. Eigentlich wollte ich dir den schon längst bringen, aber irgendetwas schien mich abgelenkt zu haben. Der eine ist mit lauter Schuhen voll und der andere mit Kleidern. Ich werde sie dir gleich bringen.“ Entrüstet schnaubte ich und pikste ihn dann an der Schulter.
„Du… argh!“ Seufzend, da ich nicht die richtigen Worte fand, stand ich auf und marschierte in mein Bad. Der konnte noch etwas erleben. Mir einfach zwei Koffer zu unterschlagen, aber hallo. Und sicherlich war das Ganze nicht so uneigennützig, wie er sich das von sich gab.
Im Bad angekommen sprang ich unter die Dusche und versuchte danach mein Haar so hinzubekommen, wie es Alice immer bei mir schaffte, doch irgendwie wollte das nicht. Verzweifelt setzte ich mich auf den Badewannenrand und sah die Rundbürste, die sich im Haar verheddert hatte an. Ich sah es schon kommen, dass ich bald mit einer Kurzhaarfrisur herumlaufen müsste. Die Tränen stiegen mir schon in die Augen. Plötzlich klopfte Edward an der Tür und ich zuckte erschrocken zusammen.
„Bella, ich hab dir die Koffer auf die Bank gelegt, damit du dich nicht bücken musste.“
„Danke!“, rief ich zurück und stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich hatte die Frauen immer ausgelacht, wenn sie bei solchen Shows Typveränderungen machten und das Haar rapide abgeschnitten wurden, aber wenn man selbst betroffen war, sah die Sache ganz anders aus.
„Ist alles in Ordnung bei dir?“ Anscheinend hatte Edward meine Stimme richtig gedeutet.
„Nein, nein, passt alles“, versicherte ich ihm und war froh als ich hörte, dass er ein paar Schritte davon ging. Das war ja ganz großartig. Mit den Händen fuhr ich mir durch mein Vogelnest und erschrak, als im nächsten Moment die Badezimmertür aufgerissen wurde und Edward im Türrahmen stand. In dem Moment merkte ich erst, dass er mir auf mein Dekolleté starrte und musste dann feststellen, dass ich nackt, splitterfasernackt, so wie mich Gott geschaffen hatte, vor ihm saß. Gut nicht ganz, denn den Slip hatte ich mir schon angezogen gehabt, aber den BH hatte ich im Schrank vergessen. Schnell schnappte ich mir mein Badetuch und hüllte meinen Körper damit ein.
„Ähm… ja… ähm…“, stammelte Edward sehr schlau vor sich hin und verlagerte sein Körpergewicht etwas um, sodass es aussah, als würde er jederzeit vor einem Ungeheuer, welches in dem Fall ich war – mit der Bürste im Haar – fliehen könnte. War vermutlich auch besser so.
„Was hast du da überhaupt im Haar?“, fragte er nun und deutete auf das Holzding auf meinem Kopf. Überaus enthusiastisch verdrehte ich die Augen und zog gleich darauf eine Schnute.
„Das, mein Lieber, ist eine Rundbürste, die mein Haar so abgöttisch liebt, dass es sich mit dem verschlungen hat“, fauchte ich ihn an, um meine Wut auf mich selbst, mein Haar und diese verdammte Bürste freien Lauf zu lassen.
„Bella, das ist nur Haar. Das kann man rausschneiden.“ Entsetzt sah ich ihn an. Das war nur Haar? Verstand er es nicht? Das war nicht nur Haar, das war Haar! Mit diesem konnte man schöne Hochsteckfrisuren machen, es kunstvoll frisieren oder einfach nur über den Körper fallen lassen, als eine Art Vorhang. Deshalb war es nicht einfach nur Haar, das nachwachsen würde, es war so viel mehr!
„Nein, nie im Leben schneide ich das raus!“ Seufzend ließ Edward seine Schulter hängen und kam dann auf mich ganz langsam zu, als würde vor ihm eine hysterische Frau sitzen… obwohl, das war ich ja auch.
„Weißt du was wir machen. Einfach eine Strähne nach der anderen hinausziehen. Vielleicht beziehungsweise vermutlich wirst du dabei ein paar Haare lassen und es wir schmerzhaft sein, aber dann musst du sie nicht abschneiden. Was hältst du davon?“ Inzwischen war er vor mir in die Hocke gegangen und legte seine Hände auf meine Knie. Beruhigen strich er Kreise mit seinen Daumen über jene, was mir sowohl meine innere Ruhe, als auch meine Nervenenden zum Kitzeln brachte. Ich nickte ihm zu und er machte sich sofort an die Arbeit.
Behutsam zog er Strähne für Strähne hervor und versuchte dabei meinen Haaransatz so gut wie möglich zu schonen, wofür ich ihm äußerst dankbar war. Zwischendurch musste ich meine Lippen aufeinanderpressen, damit ich nicht losschrie, oder seufzend, wenn das schmerzhafte Ziehen vorbei war. Ich wusste nicht, wie lange er gebraucht hatte, aber das war mir egal, denn als er die erlösenden Worte sprach, wollte ich ihm um den Hals fallen, überlegte es mir dann doch anders.
„So, ich wäre jetzt mit dem Entknoten fertig. Kämm doch einmal durch und lass sie dann so. Ich mag es, wenn sie offen sind“, meinte er. Dankbar lächelte ich ihm zu. Bevor er ging, streichelte er mit dem Daumen über meine Wange und küsste danach zärtlich meine Stirn.
„Ich warte dann oben auf dich.“ Verwirrt starrte ich ihm hinterher.
Über mich selbst den Kopf schüttelnd stand ich auf und machte mich ans Durchsuchen der Koffer. Ein elfenbeinfarbenes Kleid sprang mir ins Auge und ich hielt es vor meinen Körper. Dabei sah ich in den Spiegel und musste feststellen, dass es wundervoll aussah. Schnell zog ich mir den trägerlosen BH an, um danach in dieses Kleid zu schlüpfen. Die dünnen Spagettiträger sah man kaum, wodurch man glauben konnte, dass es durch Magie gehalten wurde. Der Stoff floss über meinen Körper und an der Taille schlang ich ein Satinband herum, um es an der rechten Seite zu einer Schleife zu binden. Zufrieden damit kehrte ich ins Bad zurück, kämmte einmal mein Haar durch und legte danach Wimperntusche an, denn ich brauchte den ganzen anderen Make-up Kram nicht. Die Luft hatte meine Poren geöffnet und meine Haut strahlte. Zum Schluss zog ich mir noch die grauen Sandalen mit einem kleinen Absatz an, denn ich würde sicher nicht in High Heels mein Tanzbein schwingen und mir womöglich dabei den Fuß brechen.
Lächelnd packte ich mir noch eine kleine Handtasche und wollte hinaufgehen, als mir etwas Wichtiges einfiel: mein Armband, welches trotz der Funkstille um ein paar Anhänger gewachsen war. Nun befanden sich neben dem B und Eddie, eine Muschel, ein Papagei, ein Fisch, eine Palme und ein Eis auf dem Armband und zu jedem Charm gab es eine spezielle Szene. Damit würde ich die Flitterwochen immer in Erinnerung behalten. Nachdem ich es angelegt hatte, schlenderte ich schließlich hinauf. Dort erwartete Edward mich schon, mehr oder minder. Er stand mit dem Gesicht der Glasfront und den Rücken mir zugewandt und starrte hinaus aufs Meer.
Ich wusste, dass dieser Blick einen beruhigte, ich hatte oft genug so an meinem Fenster gestanden und dem Meeresrauschen gelauscht. Edward sah gut aus in seinem hellblauen Hemd und den Leinenhosen. Seufzend stellte ich mich neben ihn und spürte, wie er seine Hand um meine Taille schlang.
„Ich werde diesen Ausblick vermissen, wenn wir wieder in D.C. sind“, meinte er und sah dann zu mir hinunter. Ich blickte ihm in seine grünen Augen und lehnte mich dann an ihn.
„Wollen wir los?“, fragte er plötzlich und ich erinnerte mich wieder daran, weshalb ich dieses Kleid anhatte.
„Sicher. Ich freue mich schon so sehr und hoffe, dass ich eine gute Schülerin bin.“ Edward schmunzelte und taxierte danach meine Handtasche.
„Wozu brauchst du sie?“ Mit dem Kinn deutete er auf jene.
„Taschentücher, mein Face Shield, ein Lippenbalsam. Einfach alles was Frau so braucht.“ Eine Augenbraue hebend streckte er seine Hand aus und ich gab ihm verwirrt die Tasche. Die Beatmungsfolie, den Balsam sowie ein paar Taschentücher verstaute er in seinen Hosentaschen.
„Sie würde nur stören und du müsstest darauf aufpassen. Ich möchte aber, dass wir den Abend genießen können.“ Ihm zunickend ging ich voraus zum Lift.
„Ich bin satt. Eindeutig. Ein Bissen mehr und ich könnte nicht dafür garantieren hier zu zerplatzen“, seufzte ich und ließ mich gegen die Rückenlehne nieder. Edward betrachtete das mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck, denn er hatte es wieder geschafft mich viel essen zu lassen. Aber diese Meeresfrüchte waren auch einfach zu gut. Bei dem Gedanken daran bekam ich schon wieder Appetit darauf, jedoch war ich voll, da passte kein Bissen mehr hinein. Ich nahm genüsslich einen Schluck meines Rotweines und betrachtete wieder Edwards Hemd, von welchem die ersten beiden Knöpfe geöffnet waren, wodurch man ein wenig seiner durchtrainierten Brust erhaschen konnte.
„Wollen wir?“, fragte Edward, der gerade eben gezahlt hatte und mir nun die Hand hinhielt. Lächelnd griff ich nach dieser und wurde sogleich aus dem kleinen Lokal geführt. Es war keines dieser Schickimicki Restaurants, sondern eines dieser, welche von Einheimischen betrieben wurde. Ich wusste nicht weshalb, aber ich genoss jede Berührung mit Edward und ich plötzlich recht anschmiegsam geworden bin und ich hatte unseren Streit bezüglich des Kusses beiseite geschoben beziehungsweise erinnerte mich lachend daran, da ich wirklich wie ein störrisches Huhn geschrien hatte.
Vielleicht war es genau richtig gewesen mich so zum Schweigen zu bringen. Diese Gedanken… Das alles lag vermutlich an der Luft und den Hormonen…
Gentlemanlike hielt er mir die Tür auf und ließ mich vortreten. Davor herrschte schon reger Trubel und Edward nahm wieder meine Hand und führte mich durch die Menge. In der einen Ecke wurde getanzt, in der anderen getrunken, gespaßt. Hier hatte man einfach nur seinen Spaß. Zwar gingen wir durch belebte Straßen, jedoch nicht durch jene, in denen sich die Massen aufhielten. Dies war vermutlich besser für uns und die Nerven der Security, die uns immer folgten. Überall wurde lateinamerikanische Musik gespielt und ich merkte, wie wir langsamer wurden.
„Darf ich um diesen Tanz bitten?“, fragte Edward plötzlich grinsend und ich nickte ihm zu. Sachte zog er mich an sich und legte seine freie Hand auf mein Rückgrat.
„Du möchtest das wirklich lernen?“
„Ja, ich möchte es einmal ausprobieren, ich hoffe, dass das Kleid nicht stört.“ Ich biss mir auf die Lippen und blickte ihn an. Ein Lächelnd zierte sein Gesicht.
„Bachata ist einer der körperinvolviertesten Tänze und vor allem sehr leidenschaftlich. Also sag mir, wenn du nicht mehr willst, oder es dir zu viel wird“, sagte er und machte mit seinem Daumen kreisende Bewegungen auf meinem Rücken. Als Zustimmung nickte ich abermals.
„Nun gut. Bachata kommt aus der Dominikanischen Republik, daher hat er auch diese lateinamerikanischen Einflüsse und war anfänglich nicht als Tanzmusik gedacht. Jedoch wurden vor einigen Jahren Elemente aus dem Merengue und dem Salsa aufgenommen, wodurch es etwas schnell wurde und auch zum Tanzen geeignet war. Aber jetzt lass ich die Geschichte, Geschichte sein, wir sind hier zum Tanzen. Der Grundschritt sieht folgendermaßen aus…“ Er ließ mich los und ich hatte einen freien Blick auf seine Füße. Mit dem rechten Bein machte er einen Schritt zur Seite und zog den hinterher, stellte ihn neben dem anderen ab und verlagerte sein Gewicht, sodass er die gleiche Bewegung abermals machen konnte. Das kommentierte er währenddessen: „…Schritt, Tap, Schritt Tap. Und wieder in die andere Richtung…“ Er vollführte die Bewegung wieder und ich merkte, wie sich sein Becken dabei bewegte. Langsam wurde mit klar, weshalb das so erotisch war…
„Sieht doch gar nicht so schwer aus. Jetzt machen wir das gemeinsam.“ Edward nahm meine Hände in seine und ich versuchte seinen Schritten zu folgen. Zur Seite, Fuß nachziehen, Gewicht wechseln und wieder von vorne. Hey, das war gar nicht einmal so schwer!, musste ich feststellen und strahlte ihn an.
„Ist ganz leicht“, sagte ich und wir setzten unsere Bewegungen fort.
Ein paar Takte später war ich schon sicherer mit den Schritten und musste nicht mehr auf meine Füße Acht geben.
„Okay, jetzt setzen wir etwas mehr die Hüfte ein. Aber nicht zu viel, es kommt von allein, wenn du etwas in die Knie gehst. Bachata ist kein steifer Tanz, der nach Regeln verläuft, sondern einfach frei getanzt werden kann, daher musst du auch deine Standardtanzhaltung aufgeben. Lass die Schultern hängen und geh nur eine Spur in die Knie.“ Ich tat wie mir geheißen und spürte wie sich meine Hüfte anders bewegt. Verwundert sah ich ihn an und er lachte kurz auf.
„Ja, das ist so richtig. Das war der Grundschritt und ich werde dir noch andere Figuren zeigen. Wir werden und etwas durch die Menge damit bewegen können und es basiert alles nur auf den Schritten. Jedoch stehen wir für den echten Bachata etwas weit auseinander. Wenn du den Körperkontakt als unangenehm empfindest, brauchst du es nur zu sagen.“ Immer noch stumm nickte ich ihm erneut zu. Er trat einen Schritt näher an mich heran, stellte sein Bein zwischen meine und legte wieder eine Hand auf mein Rückgrat und mit dem anderen nahm er meine Hand in seine. Mit der am Rücken drückte er mich sanft hinunter und ich folgte seiner Bewegung. Ich konnte klar und deutlich seinen kräftigen Oberschenkel spüren, auf dem ich schon halb saß. Mir wurde immer klarer, weshalb er mir immer sagte, dass ich mich melden sollte, falls mir der Kontakt zu intim wurde, aber das war hier sicher nicht der Fall! Ich sah in Edwards Gesicht, welches mir freundlich entgegen lächelte, als wir in dieser Pose den Grundschritt tanzten. Seinen Körper konnte ich ganz genau spüren und fragte mich, ob meine Wangen schon in Flammen standen. Unsere Körper bewegten sich im Einklang und ich genoss es ihm so nah sein zu können. Plötzlich löste er seine Hände und drehte mich, sodass ich nun mit dem Rücken zu ihm stand. Seine Arme schlang er nun um meine Taille und ich lehnte meinen Kopf an seiner durchtrainierten Brust ab. Plötzlich trat ich ihm unbeabsichtigt auf die Zehen, doch er stieß mich weder von sich, noch trat er zurück, sondern flüsterte mir amüsiert nur ins Ohr: „Tanzen ist die Kunst einander im Takt auf die Füße zu treten, ohne betreten zu schauen![1]“
Ich wurde wieder herumgedreht und Edward streichelte mir liebevoll über die Wange.
„Ich werde aus dir einfach nicht schlau…“, begann er seufzend, fuhr mit seiner Hand durch das wirre Haar um dann weiter zu sprechen: „…in dem einen Moment bist du zickig, kratzbürstig und aufmüpfig, und im nächsten bis du so still und wortkarg wie gerade eben. Ich habe Angst noch mehr Fehler zu machen, Bella. Vielleicht nerven dich meine vielen Fragen inzwischen, aber ich möchte dich einschätzen können und mich auch selbst wappnen, falls ich weiß, dass meine Worte einen Wutausbruch zu Tage fördern. Vorhin war es wieder der Fall. Du hattest so kalt auf meine Entschuldigung geantwortet, dass ich es bereute und keine Viertelstunde später, sahst du im Bad den Tränen nahe, weil deine Bürste sich im Haar verfangen hatte und du dann deine Wut an mir ausgelassen hast. Es stört mich nicht, das habe ich verdient, aber ich würde mich gerne vorbereiten können und nicht ins kalte Wasser gestoßen werden. Ich möchte-“ weiter kam er nicht, da mich dieses Gerede selbst ganz verrückt machte.
Ja, ich wusste, dass meine Hormone und meine Emotionen Achterbahn fuhren, aber bei welcher Frau taten sie es nicht? Wir waren alle hormongesteuerte Wesen, die sich entweder in den Haaren lagen, oder am anderen schmiegten; wir kratzten uns gegenseitig die Augen aus, um ein paar Sekunden später die Wunden des anderen zu versorgen. Ich konnte es selbst nicht erklären und das wollte ich ihm mit diesem Kuss sagen. Seine Lippen lagen leicht wie eine Feder auf meinen und ich konnte spüren, dass er zuerst erstaunt war. Zögernd hielt er inne, war sich seiner nicht sicher, doch dann zog er mich näher an sich heran. Meine Hand glitt über seine Rückenpartie in seinen Nacken und mit der anderen hielt ich mich an seinem Hemd fest. Seufzend öffnete ich meinen Mund ein wenig und küsste ihn leidenschaftlicher.
Dieses Gefühl, das durch meinen Körper strömte, berauschte mich regelrecht und ließ mich Dinge tun, von denen ich nicht gedacht hatte, sie mit Edward zu tun. Seine Erregung bemerkte ich recht schnell durch die dünnen Stoffe unserer Kleidung hindurch. Abrupt löste er sich von mir und ich schnappte keuchend nach Luft. Zärtlich strich er mit seinem Daumen über meine Unterlippe und ich stieß mit der Zunge leicht dagegen. Provokant hob er eine Augenbraue und betrachtete mich genauer. Seit wann war ich so direkt, wenn es intimer wurde? Seit wann küsste ich Edward freiwillig? Seit wann küsste ich ihn so leidenschaftlich? Diese Fragen kreisten mir durch den Kopf, als wir so reglos im Getümmel standen und uns in die Augen blickten.
„Weißt du, Bella, weshalb ich das Tanzen so sehr liebe?“ Damit durchbrach er die Stille zwischen uns und ich schüttelte den Kopf kaum merklich.
„Dafür habe ich zwei Zitate, das erste: ‚Der Tanz ist das stärkste Ausdrucksmittel der menschlichen Seele.‘ von Thomas Niederreuther. Mit jedem Schritt den du gemeinsam mit mir hier auf diesem Boden gemacht hast, hast du mich in deine Seele blicken lassen, der freundlichste und freudigste Mensch kam zu Vorschein, dem ich jemals begegnet bin, vor allem der Liebreiz und die Wärme, die ich entdecken konnte, haben mir den Atem verschlagen. Das zweite und somit letzte, ist von einem Menschen, dem dieser Satz nicht zugeordnet werden kann: ,Tanzen ist die senkrechte Ausführung eines waagrechten Verlangens, eines aufrechten Individuums!‘ und das kann ich einfach so stehen lassen, denn du hast es in den letzten Minuten selbst erfahren.“ Danach küsste er mich liebevoll und zog mich schließlich in seine Arme. Seufzend schlang ich meine um ihn und ließ meinen Kopf auf der Brust ruhen.
Ich wusste nicht, wie lange wir so dastanden, ob uns Leute deshalb angesehen hatten oder nicht, es war mir egal, alles war mir egal, denn in dieser Blase, die ich mit Edward in den letzten Stunden errichtet hatte, konnte mir nichts passieren. Er würde mich beschützen und mich so behandeln, wie ich es verdiente, wie jede Frau es verdiente. Dessen war ich mir nur zu bewusst geworden und ich wollte auch umsorgt werden.
„Wie wäre es, wenn wir uns hier ein Zimmer suchen würden. In der Nähe sollte ein Hotel sein und ein paar Straßen weiter, die große Mall der Stadt. Was würdest du davon halten, zumal wir dann nicht mehr zurück müssten und hier morgen unerkannt einen kleinen Stadtbummel machen könnten.“ Mit diesen Worten riss er mich aus meinem Zustand und ich konnte nicht anders als zu nicken.
„Was hälst du davon, wenn wir davor noch etwas trinken gehen. Ich habe nämlich das Gefühl gleich zu verdursten“, meinte ich und betrachtete eingehend seine Lippen. Jene formten ein breites Lächeln, als ich seine Hand an meiner Taille spürte.
„Eine gute Idee. Dort an der Ecke ist ein kleines Lokal, gefällt dir das?“
Während er das sagte, bewegten sich seine Lippen so… so… so erotisch… Konnten sich überhaupt Lippen erotisch bewegen? Innerlich ohrfeigte ich mich für diese Gedanken, denn anscheinend stieg mir der Rotwein vom Abendessen zu Kopf… Eng umschlungen schlenderten wir zu dem Café und ließen uns auf einen freien Viererplatz nieder. Wir mussten nicht lange warten, bis die Kellnerin kam und unsere Bestellungen aufnahm. Edward bestellte sich einen Espresso mit einer Flasche Wasser und ich nahm einen Cocktail und ließ mich vom Barkeeper überraschen. Es sollte etwas Fruchtiges und Cremiges sein, sonst hatte ich keine weiteren Wünsche. Edward zog meinen Stuhl zu sich, sodass wir nebeneinander saßen und dem regen Treiben auf der Straße vor uns zuschauen konnten. Eine Hand hatte er um meine Schultern gelegt und mit den Fingern der anderen Hand zog er Kreise auf meinem Oberschenkel. Ich wusste, dass er gerade mein Gesicht studierte, um zu erfahren, ob er eine Grenze überschritt, oder nicht. Da ich diese Berührung als äußerst angenehm empfand, lächelte ich und neigte meinen Kopf schließlich in seine Richtung.
Meine Lippen presste ich zusammen, bevor ich meine Hand an seine Wange hob und leicht mit dem Daumen über diese strich. Ganz leicht war schon der Bartnachwuchs zu spüren, aber das störte mich nicht. Wie sich das wohl -
„Hier bitte sehr. Wünschen die Herrschaften sonst noch etwas?“ Mit dieser Frage unterbrach die Kellnerin meine Gedanken und meine Hand schnellte zu meinem Körper. Fast hätte ich dabei meinen Cocktail vom Tisch geschmissen, doch die andere Frau hatte eine gute Reaktionsgeschwindigkeit, womit sie dies verhindern konnte. Edward verneinte und zahlte schließlich.
„Entschuldigen Sie, ist hier noch frei?“, fragte eine ältere Dame, die in Begleitung eines genauso alten Mannes war, Edward und mich und lächelte uns freundlich zu.
„Klar, sicher“, sagte Edward und deutete ihnen sich zu setzen.
„Sie kommen auch aus den USA?“
„Ja, wir machen hier unsere Flitterwochen“, antwortete Edward auf ihre Frage.
„Wie schön. Wir sind schon seit vierzig Jahren verheiratet und immer noch so verliebt wie am Anfang, nicht wahr, Darling?“ Der Gefragte nickte nur teilnahmslos und gähnte herzhaft.
„Bestell dir noch schnell etwas, dass wir aufs Zimmer können! Ich bin müde und morgen um neun Uhr ist die Morgengymnastik im Pool, die ich nicht verpassen möchte!“ Um seinen Anliegen noch Nachdruck zu verleihen, gähnte er abermals und ich musste mit einstimmen.
„In welchem Hotel sind Sie denn untergekommen? Wir würden eines für diese Nacht brauchen.“
„Oh, wir wohnen in einem, das hier gleich in der Nähe ist. Direkt am Strand und man hat vom Zimmer aus einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Aber der Name ist mir gerade entfallen. Es ist so ein bekanntes… Ach, ich und meine Vergesslichkeit. Ein Gedächtnis wie ein Nudelsieb… Schatz, hilf mir doch einmal auf die Sprünge. Es war etwas mit Mi… Me… Mo… Ma…“ Verzweifelt sah sie zu ihrem Mann und ich musste grinsen, denn dieser schien schon eingedöst zu sein. Sie stieß ihn leicht mit dem Ellbogen. Er riss sein Augenlider auf und sagte gleich: „Ich bin wach, ich bin wach! Was gibt es?“ Die Augen verdrehend fragte die Dame wieder nach dem Namen des Hotels.
„Marriott“, meinte er und schüttelte seinen Kopf, „…dass du dir das nie merken kannst, meine Liebe!“
„Stimmt, Marriott. Es ist doch so bekannt. Also wie gesagt, schöner Ausblick, wirklich angenehme Zimmer und die Betten sind ein Himmel für meinen Rücken. Sie müssen wissen, ich habe schon so viele Bandscheibenvorfälle hinter mir, dass es mir immer sehr schwer fällt in Hotels zu übernachten, aber dort, wirklich ein Traum. Und das Bad, ja, das Bad ist auch so schön groß und da kann man sich bewegen. Schatz, wir brauchen auch so eine Dusche, lass mich das nicht vergessen!“ Sie erzählte weiter und weiter. Ihr Mann sah gelangweilt auf seinen Kaffee und ich musste mir mein Lachen ernsthaft verkneifen. Edward schien ihr wirklich zu zuhören, warf an den richtigen Stellen ein bemitleidendes Seufzen, oder ein „Ja, das kann ich wirklich verstehen!“, oder ein „Aha… mhm!“ ein. Dadurch musste ich zugeben, dass es – falls er es spielte – wirklich gut machte. Er hörte der Dame gespannt zu und umwickelte sie mit seinem Charme, vor allem als sich mein Gähnen vermehrte und ich eigentlich nur mehr schlafen wollte.
„Ich kann Sie wirklich verstehen. Jedoch muss ich gerade verstellen, dass meine Frau mir hier gleich einschläft, deshalb wünsche ich Ihnen noch einen wunderschönen Abend, wir werden uns jetzt zu dem Hotel begeben und nach einem Zimmer fragen.“ Lächelnd stand er auf, reichte den beiden die Hand, bevor er meine nahm und mir aufhalf. Mit schweren Lidern lehnte ich meinen Kopf an seine Brust.
„Wir wünschen Ihnen ebenfalls noch eine angenehme Nacht und entschuldigen Sie die direkte Frage, aber kenne ich Sie nicht irgendwoher?“ Verwirrt zog Edward die Augenbrauen zusammen, denn wir beide wussten, dass er mehr als nur bekannt war, doch dass er jetzt nicht darauf eingehen würde.
„Das kann gut möglich sein, aber wenn Sie uns nun entschuldigen würden. Ich habe wirklich die Vermutung meine Ehefrau gleich tragen zu müssen.“ Die beiden Herrschaften lachten und wir beide gingen wieder eng umschlungen aus dem Café. Davor erwartete uns schon der altbekannte SUV und ich ließ mich auf das weiche Leder nieder. Die Fahrt zu dem Hotel war kurz und wir hatten sogar Glück, dass es noch ein Zimmer, besser gesagt eine Suite gab.
Wir fuhren mit dem Lift in das letzte Stockwerk und uns wurde von einem Pagen die Zimmertüre mithilfe einer elektronischen Karte entriegelt. Edward gab ihm Trinkgeld, während ich in die Suite schritt. Sie war in Sand, Mint, Hellblau und Dunkelbraun gehalten, wodurch ein behaglicher Eindruck entstand. Das große Sofa an der Wand lud zum Entspannen ein, während der Ausblick vom kleinen Balkon atemberaubend war. Ich öffnete die gläsernen Türflügel und trat hinaus an die warme Luft. Die Musik des Festes war bis hier her zu hören und ich stützte mich lächelnd auf dem Geländer ab. Das Schließen der Türe und die Schritte zu mir nahm ich wahr, doch ich drehte mich nicht um, sondern genoss den Ausblick. Der Mond spiegelte sich an der Wasseroberfläche des Meeres und ich spürte, wie Edward seine Hände um meine Taille schlang. Plötzlich ertönte ein lauter Knall und ich zuckte kaum merklich zusammen, jedoch war es Edward nicht entgangen.
„Das war nur eine Rakete. Der Page meinte, dass heute eines der großen Feuerwerke stattfinden würde und ich wollte dich gerade warnen, aber es war zu spät“, flüsterte er in mein Ohr. Ich spürte, wie sich die Härchen auf meinen Unterarmen aufstellten und wie sich mein Inneres zu wenden begann. Mit einer Hand legte er meine Haare über eine Schulter, sodass mein Hals frei war, mit der anderen Hand zog er wieder Kreise auf meinem Bauch. Seufzend lehnte ich mich gegen seine Brust und betrachtete das Farbenspiel vor meinen Augen. Als seine Lippen auf meinen Hals trafen und diesen sanft zu küssen begann, versteifte ich mich kurz und Edward zog sich sofort zurück.
„Bella, ich erinnere dich nochmals an mein Versprechen. Ich weiß nicht, was dir Renée erzählt hat, als sie mit dir alleine im Spa war. Nie werde ich etwas tun, was du nicht willst, aber jetzt musst du mir vertrauen, so wie vor zwei Tagen, als wir im Hochseilgarten die Vertrauensübungen gemacht haben.“ Ich nickte ihm zu und spürte, dass er lächelte, als er wieder meinen Hals zu liebkosen begann. Vorsichtig streifte er meine Träger von den Schultern und öffnete mein Kleid, sodass es zu Boden fiel. Leicht zitternd stand ich da und sah noch immer hinaus zu dem Farbenspiel. Plötzlich wurde ich unerwartet hochgehoben und Edward ging mit mir die Wendeltreppe hinauf, beim großen Bett vorbei hinaus auf eine kleine Terrasse, auf der ein Whirlpool war. Er ließ mich in das warme Wasser gleiten und ich sah wieder dem Feuerwerk zu, als ich das Rascheln von Stoff hörte.
Denn ich wollte ihm dabei nicht zusehen. Obwohl ich die Berührung mochte, konnte ich ihm dabei nicht in die Augen sehen, es war, als ob ich gegen meine Vorsätze verstieß, ihn jemals so nah an mich heranzulassen, vor allem auf so eine intime Art und Weise. Ich nahm das Plätschern von Wasser wahr und wie er sich hinter mich setzte. Wieder schlang er seine Arme um meine Taille, jedoch ohne diese zu bewegen. Wir betrachteten nur das Feuerwerk, das gerade dem Finale zuging. Sanft fuhr Edward mit seinen Händen über meine Schultern, Arme, die Taille und schließlich den Bauch, was mich sichtlich entspannen ließ und ihm zeigte, dass es mir gefiel, was er da tat.
Als der letzte Feuerwerkskörper im Himmel explodierte, drehte ich mich zu Edward um und nahm sein Gesicht in meine Hände. Ich beugte mich leicht vornüber, sodass ich ihn sanft küssen konnte. Sofort wurde der Kuss erwidert und er hob mich auf seine Oberschenkel. Meine Arme schlang ich um seinen Hals und krallte meine Hände in sein Haar, als wir den Kuss beendeten und er dann mein Ohrläppchen leicht biss. Mein Stöhnen riss mich wieder in die Realität zurück und ich sah schnell zur Seite, denn ich konnte ihm einfach nicht in die Augen blicken. Sanft strich er über meine Wange und bewegte meinen Kopf wieder in seine Richtung.
„Bella“, seufzte er, „sieh mich an. Es ist nichts dabei sich seinen Gefühlen und der eigenen Lust hinzugeben. Ich würde dir gerne zeigen, wie Sex aussehen kann, denn langsam habe ich eine Vorstellung, was dir Renée erzählt haben könnte und wenn ich richtig liege, dann hat sie dir ein komplett falsches Bild vermittelt. Verschließe dich nicht vor mir, wenn wir einen Schritt vorwärts gemacht haben. Du brauchst nur nein zu sagen, wenn du etwas nicht möchtest und ich höre sofort auf. Ich werde dir auch nicht böse sein, wenn du etwas nicht möchtest, denn es ist vollkommen natürlich. Und jetzt lass uns hineingehen.“ Gemeinsam standen wir auf und Edward stieg als erstes aus dem Whirlpool, um mir danach zu helfen. Meine Unterwäsche war nass und klebte an meiner Haut. Edward breitete mir ein großes weißes Badetuch aus und hielt es um meinen Körper herum. Ich verstand, dass er mir somit einen Sichtschutz bot, damit ich mich meiner Unterwäsche entledigen konnte. Als diese am Boden lag, drehte er sich um, zog ein weiteres Badetuch aus dem Korb und schlang es sich selbst um. Ich hatte meines schon eng um meinen Körper gewickelt und ging nun hinein in die Suite. Sollte ich mich nun so ins Bett legen, komplett nackt, oder mir den Bademantel nehmen. Seufzend sah ich mich um und bemerkte, wie Edward ins Zimmer kam und zum Bett ging. Fluchtartig eilte ich in das Badezimmer und stützte meine Hände auf dem Rand des Waschbeckens ab.
Ich hob meinen Kopf an und sah in den Spiegel. Mein gerötetes Gesicht, die glänzenden Augen und die leicht geschwollenen Lippen konnte ich klar erkennen. Ich atmete ein paar Mal tief durch, bevor ich mir das Handtuch richtete und mir zusprach, dass ich das schaffen würde. Dass ich eine starke Frau war! Einen letzten Blick in den Spiegel werfend, kehrte ich wieder in das Schlafzimmer zurück und lehnte mich kurz in den Türrahmen. Edward lag mit verschränkten Armen hinter dem Kopf auf dem Bett und starrte auf den Plafond des Raumes. Langsam ging ich zum Bett, ließ mich darauf nieder und rutschte unterhalb der Laken zu Edward, da ich Körperkontakt wollte. Ich schmiegte mich an seine breite Brust und spürte, wie er seinen Arm um mich legte und mich an sich zog.
Wir lagen ein paar Minuten schweigend da und gingen unseren Gedanken nach, bis er sich zu bewegen begann. Vorsichtig drehte er seinen Oberkörper zu mir, sodass er sich nun auf einem Arm abstützte und ich auf dem Kissen lag. Er ließ seinen Blick über mein Gesicht schweifen und strich mit seiner freien Hand sanft eine Haarsträhne hinter mein Ohr. Als er mit dem Daumen über meine Unterlippe fuhr, wurde mir diese vollkommen neue Spannung zwischen uns bewusst. Ich blickte in seine grünen Augen, um einen Hinweis darauf zu bekommen, was er nun vorhatte. Doch konnte nichts entdecken. Trotz des Badetuches und der Laken über mir, begann ich vor Nervosität zu zittern.
„Hey…“, flüsterte er und ließ seine Hand über meinen Hals wandern, was mich erschaudern ließ. Dieses neue Gefühl, das sich in mir währenddessen ausbreitete, kannte ich noch nicht und es verwirrte mich. Inzwischen fuhr er fort: „…ich werde dich bei jedem Schritt fragen, ob du damit einverstanden bist. Gib mir ein Zeichen, damit ich es weiß.“ Ein freundliches Lächeln zierte seinen Mund. Meine Lider senkend nickte ich ihm zu, denn ich wusste, dass ich Edward vertrauen konnte. Zwar sagte mein Verstand etwas anderes als mein Bauchgefühl, jedoch hörte ich mehr auf meinen Bauch, als auf meinen Kopf. Ganz langsam, Stück für Stück beugte er sich zu mir hinunter. Dabei spürte ich, wie er sich immer mehr auf mich legte und einen Oberschenkel zwischen meine Beine schob. Dieses neue Gefühl, das meinen Körper beherrschte, wurde stärker und ich merkte, wie sich mein Inneres zusammenzog. Mein Verstand schrie mir zu, dass ich Edward von mir drücken und davonrennen sollte, mein Bauchgefühl sagte mir jedoch, dass ich mich ihm hingeben sollte. Es war, als ob auf einer Schulter ein Teufel und auf der anderen Seite ein Engel sitzen würde und einen davon zu überzeugen versuchte, demjenigen zu folgen.
Meine Gedanken zur Seite drängend, öffnete ich wieder meine Lider und sah direkt in Edwards verwirrtes Gesicht und ich konnte es ihm nicht verübeln verwirrt zu sein. Schließlich hatte ich gerade teilnahmslos dagelegen, mit geschlossenen Augen, als würde ich meinem Tod entgegengehen, doch das war absolut nicht der Fall! Ich biss mir auf die Unterlippe und sah ihm direkt in die Augen. Darin lag nicht nur Verwirrung, sondern auch Kränkung und Schmerz. Langsam hob ich meine Hand an und fuhr ihm zärtlich über seine Gesicht. Dabei merkte ich, wie er meine Berührung zu deuten begann und es in seinem Kopf zu rattern begann. Die drei Emotionen waren sogleich weggeschwemmt und ein Lächeln trat wieder in sein Gesicht. So ein Lächeln, wie ich es noch nicht von ihm gesehen hatte. Es war keines dieser gespielten, noch dieser halbherzigen Lächeln, die er normalerweise zeigte, sondern eines, das sein Gesicht so jung wirken ließ, dass ich ganz vergaß, dass er schon sechsunddreißig war. Er beugte sich wieder langsam zu mir hinab und ich konnte meine Hände um seinen Hals schlingen. Wir waren nur noch ein Zentimeter entfernt, als ich mich vorbeugte und ihn sanft zu küssen begann. Seine Lippen waren zärtlich, aber auch gleichzeitig bestimmend, was mich zuerst verwirrte. Denn dieses Necken und Liebkosen war mir nicht bekannt. Seufzend öffnete ich meinen Mund ein Stück, um den Kuss vertiefen zu können. Dieses Gefühl, als sich unsere Zungen trafen, war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte. So… so… so erotisch und minzig, dass ich nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Edward löste seine Lippen langsam vor mir und spürte, wie er seine Aufmerksamkeit meinem Körper widmete. Seine Erregung konnte ich klar und deutlich spüren und es löste wieder eines dieser mir nicht bekannten Gefühle aus. Erregung? Lust? Leidenschaft? Alles zusammen?
Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als seine Hand oberhalb meines Badetuches entlangfuhr und mich dadurch zum Erschaudern brachte. Meine Haut war so empfindlich, dass ich selbst nicht wusste, wie ich mit den ganzen Berührungen umgehen sollte. Eine Gänsehaut bildete sich dort, wo seine Finger auf meinen erhitzten Körper trafen. Als er eine Ecke des Tuches fand, sah er mich eindringlich an und ich wusste, dass er auf meine Zustimmung wartete. Zwar hatte er mich heute schon einmal kurz halbnackt gesehen und ich lief jeden Tag im Bikini vor ihm herum, jedoch war es etwas komplett anderes, wenn man komplett entblößt vor einem Mann lag. Abermals nickte ich ihm nervös zu und studierte sein Gesicht, während er den Stoff, Stück für Stück zur Seite schob. Durch diesen Blick, der zu einem kleinen Teil Bewunderung und Erstaunen beinhaltete, aber auch Lust, wurde mir klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, als ich meinem Bauchgefühl gefolgt war.
„Wunderschön“, flüsterte er und sah mir schließlich in die Augen. War das ein liebevoller Ausdruck in seinem Gesicht? Ich wusste, dass er immer noch auf meine Zustimmung wartete um weiter zu machen, deshalb nickte ich erneut. Nun fuhr er mit seiner Hand über die freigelegte Haut, als müsste er diese erkunden. Ich biss mir auf die Lippe, um mein Stöhnen zu unterdrücken, als er mit dem Daumen über meinen linken Nippel strich, welcher durch die Berührungen hart geworden war und sich ihm keck entgegenstreckte. Dass solch eine Berührung so eine Wirkung auf mich und meinen Körper haben konnte, hätte ich mir nicht gedacht.
Sanft küsste er meine Brustwarze und jagte mir dadurch einen wohligen Schauer durch den Körper. Als er sie in den Mund nahm und daran zu lecken und necken begann, legte ich meinen Kopf in den Nacken, um ihn meine Brust entgegenzustrecken. Es fühlte sich an, als würden meine Nervenenden lichterloh in Flammen stehen. Was dieser Mann mit seinen Händen, Finger und seiner Zunge anstellen konnte, überraschte mich immer mehr. Eine Hand wanderte langsam, ohne meinen nackten Körper zu verlassen, an meiner Seite entlang, über die Taille zu meinem Becken, wo sie verharrte und Edward mit seinem Daumen Kreise zog. Instinktiv öffnete ich meine Beine weiter und keuchte laut auf, als seine Finger zu der Innenseite meiner Oberschenkel glitten. Dabei spürte ich, wie sich zwischen meinen Schenkeln ein neues Gefühl, das mein innerstes zusammenzucken ließ, breit machte und ich es kaum noch erwarten konnte, Edwards Finger an meiner intimsten Stelle zu spüren. Ein Stöhnen drang aus meiner Kehle, als er näher an meine Schamlippen fuhr und sich wieder entfernte. Er neckte mich absichtlich und es machte mir wahnsinnig. Am liebsten hätte ich ihm zugerufen, dass er alles mit mir tun konnte, was er wollte, aber ich schaffte es nicht, da ich von meinen Gefühlen so überwältigt war ein Wort zu sagen. Quälend langsam löste er seinen Mund von meinem Nippel und blies kurz über die feuchte Stelle, was mich zu meiner Verwunderung sehr erregte. Ich wusste, dass er abermals auf meine Einwilligung wartete und ich gab sie ihm nur zu gerne.
Seine Hand glitt quälend langsam hinauf zu meinem Venushügel und er legte diese sachte auf meine Haut, bevor er mit seinem Daumen meine Schamlippen teilte und sanft meine Klitoris zu massieren begann. Automatisch öffnete ich meine Beine noch weiter, damit Edward besseren Zugang zu meinem Kitzler haben konnte. Ich spürte, wie sich allmählich meine Scheide zusammenzog und ich immer intensiver auf Edwards Berührungen reagierte. Als er mich zu küssen begann, schlang ich meine Arme um seinen Hals und drückte meine Brust gegen seine. In seinen Augen konnte ich klar und deutlich die Lust erkennen und seine Erektion presste gegen meinen Oberschenkel. Mich interessierte, wie sich sein männliches Glied in meiner Hand anfühlen würde und stöhnte auf, als er mit seinem Finger Stück für Stück in mich eindrang. Ich wusste zwar, wie mein Körper reagieren konnte, da ich schon oft genug meinen eigenen Körper erkundet hatte, jedoch war das etwas vollkommen Neues. Als er einen zweiten Finger dazu nahm und mich nun am Hals weiter zu küssen begann, begann ich vor Lust zu zittern und bäumte mich ihm entgegen. Ich spürte, wie die Wände meiner Vagina immer empfindsamer wurden und Edward immer wieder einen Punkt erwischte, der mich gen Himmel schicken ließ. Das Zusammenspiel seiner Finger in mir, auf meinem Kitzler und seiner Zunge an meinem Hals, vernebelte mir so die Sinne, dass ich geschockt die Luft einzog, als sich meine Scheide um seine Finger zusammenzog und sich in mir ein Gefühl von Wärme, Befriedigung und Glück ausbreitete.
„Und das war der erste Orgasmus, den ich dir beschert habe und es werden noch viele folgen“, flüsterte Edward an meinem Ohr und zog seine Hand langsam von mir zurück. Dabei strich er noch einmal sanft über meine reizempfindliche Klitoris und jagte mir wieder einen Schauer durch den Körper. Dieser konnte jedoch nicht mehr wegen der Überflutung meiner Nerven so reagieren, wie er wollte. Liebevoll küsste er mich und lächelte mir schließlich zu.
„Ich bin stolz auf dich. Du hast mir vertraut und das hat mir viel bedeutet“, meinte er und strich mir über meine erhitzte Wange. Ich erwiderte sein Lächeln und bemerkte sein hartes Glied, als ich mein Bein etwas bewegte.
„Was ist mit dir?“, fragte ich ihn etwas nervös, obwohl es mir dumm vorkam, nach solch einem intimen Moment immer noch nervös zu sein.
„Es ging nur um dich!“ Ich schüttelte leicht den Kopf, denn ich fand es unfair, wenn nur ein Partner seiner Lust nachkommen konnte und der andere im Trockenen sitzen blieb. Deshalb nahm ich all meinen Mut zusammen und strich über seinen Penis. Ein ersticktes Keuchen kam von ihm und ich merkte, wie er mein Gesicht studierte. Ich nickte ihm zu und er nahm bestimmt, aber nicht zu fest, meine Hand und zeigte mir, wie ich diese auf seinem Glied bewegen sollte. Die Haut fühlte sich samtig und glatt an, als ich darüberstrich. Wie er sich wohl in mir fühlen würde. Sein Penis war groß und ich fragte mich, wie er jemals in mich passen würde. Als hätte er meine Gedanken gelesen, flüsterte er: „Nicht heute. Ich will das hier nicht zerstören. Wir haben noch ein paar Tage … ah… doch ich möchte davor deinen Körper genau kennen lernen…. ahhh…. wissen, was du magst und was nicht und du sollst es von mir wissen. Und das… ah… wird nicht heute geschehen.“ Sein Satz war durch sein Stöhnen teilweise unterbrochen wurde, da ich nicht aufgehört hatte ihn zu massieren. Schon längst hatte sein Präejakulat meine Handfläche benetzt und machte es mir einfacher über sein Glied zu streichen. Es war spannend Edwards Gesichtsausdruck anzusehen, als ich ihn streichelte, massierte und neckte. Seine Mimik zog mich in den Bann und ich merkte langsam, dass sein Atem nun schneller ging und sein Penis zu zucken begann. Er wollte gerade etwas sagen, doch kam nicht soweit, als er seinen Samen über meine Hand und den Oberschenkel ergoss. Wohlig seufzend legte er sich neben mich und sah mich bewundernd an.
„Danke!“, flüsterte er, küsste mich sanft und zog mich dann zu sich. Mit seiner freien Hand wischte er mir sein Sperma mithilfe eines der Laken vom Oberschenkel und der Hand. Dankbar lächelte ich ihm zu und er warf es auf den Boden.
„Vielen Dank für diese Erfahrung“, murmelte ich, als ich mich an seinen Körper schmiegte und mein Bein über seines legte.
„Ich danke dir“, hörte ich noch, bevor ich in einen sanften und erholsamen Schlaf glitt.
[1] Tanzen ist die Kunst einander im Takt auf die Füße zu treten, ohne betreten zu schauen! (Unbekannt)
„Mach das noch einmal und du hast mehr Schmerzen als vor ein paar Tagen, als ich dir den Ball mit Absicht dorthin gepfeffert habe!“, flüsterte ich in sein Ohr und löste dann schnell die Sicherung, die uns beide verband. Danach marschierte ich die Hängebrücke hinunter und war froh, endlich wieder bei dem Ausgangspunkt dieses Nachmittags angekommen zu sein. Sicherlich war es schön gewesen dieses Erlebnis zu machen, jedoch hätte ich getrost auf die Partnerübungen mit Edward sowie das gemeinsame ‚Fliegen‘ verzichten können. Seufzend ließ ich mich auf einen großen Stein nieder, nahm den Helm ab und dachte über die vergangenen Stunden nach.
~~~~~*~~~~~
Das war nun zwei Tage her und Edward hatte meterweiten Abstand von mir gehalten. Wir hatten die vergangenen achtundvierzig Stunden wirklich kaum ein Wort gewechselt. Ich lag gerade auf der Terrasse und las den letzten Teil der Trilogie, denn unser tägliches Animationsprogramm war ebenfalls ausgefallen, wodurch ich nur noch drei Seiten des Buches vor mir hatte. Wenigsten hatten die Protagonisten halbwegs angenehme Flitterwochen verbracht. Seufzend schob ich meine Sonnenbrille von der Nase ins Haar und streckte mich. Ich hatte die ganze Zeit über in der Sonne gelegen und meine Haut hatte schon einen hübschen Teint. Im Augenwinkel konnte ich eine Bewegung ausmachen, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Edward kam gerade aus dem Haus direkt auf mich zu.
„Bella, wir müssen reden“, sagte er mit neutraler Stimme und setzte sich zu mir auf die Liege. Ich stütze mich auf meinen Unterarmen ab und sah ihn gespannt an.
„Der Kuss tut mir keineswegs leid. Ich habe ihn genossen und habe gespürt, dass du es auch getan hast…“, ich wollte ihn in dem Moment unterbrechen, aber er sprach weiter: „…jedoch denke ich, dass es nicht die perfekte Lösung war, denn ich hatte noch andere Alternativen dich verstummen zu lassen und da war die Kuss-Variante, die, die mir am besten gefiel. Ich weiß, dass es egoistisch war, aber ich habe gemerkt, dass du den Kuss erwidert hast, was mich die letzten Stunden wirklich grübeln ließ.“ Nicht nur ihm war dieser durch den Kopf gegangen. Denn immer wieder rückte diese Szene in einem unachtsamen Moment in den Vordergrund. So wie gerade eben. Ah Gott, dieser Mann und diese Lippen würden mich noch um den Verstand bringen.
„Es ist okay, Edward. Sonst noch etwas?“, fragte ich ihn barsch und merkte sogleich, dass ich das nicht wollte. Ich wollte nicht dieses Biest sein, das die ganze Zeit keifte. Wo waren meine – unsere – Vorsätze hin?
„Ja, ich wollte dich fragen, ob wir heute zu dem Fest fahren wollen.“ Mit erwartungsvollem Blick sah er mir in die Augen und ich konnte nicht anderes als zuzusagen, denn ich hatte mich schon von Beginn an auf diesen Tag gefreut, auch wenn er so seine Vorgeschichte hatte.
„Nun gut. Es ist jetzt kurz vor vier. Was würdest du davon halten, wenn wir so gegen sechs aufbrechen nach St. Thomas, noch in einem Lokal, das die Spezialitäten führt Abendessen und danach zu dem Fest gehen?“
„Ja, gerne. Aber was soll ich da anziehen? Alles, was mir Tanya eingepackt hat, waren Bikinis, Badeanzüge – dass die sich überhaupt so nennen dürfen – Tuniken, Shorts, knappe Tops und ein Kleid für den Nachhause Flug, damit ich repräsentabel aussehe.“ Edward begann zu grinsen und ich sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
„Oh… das habe ich total vergessen. Zwei deiner unzähligen Koffer hat seinen Weg zu mir gefunden. Eigentlich wollte ich dir den schon längst bringen, aber irgendetwas schien mich abgelenkt zu haben. Der eine ist mit lauter Schuhen voll und der andere mit Kleidern. Ich werde sie dir gleich bringen.“ Entrüstet schnaubte ich und pikste ihn dann an der Schulter.
„Du… argh!“ Seufzend, da ich nicht die richtigen Worte fand, stand ich auf und marschierte in mein Bad. Der konnte noch etwas erleben. Mir einfach zwei Koffer zu unterschlagen, aber hallo. Und sicherlich war das Ganze nicht so uneigennützig, wie er sich das von sich gab.
Im Bad angekommen sprang ich unter die Dusche und versuchte danach mein Haar so hinzubekommen, wie es Alice immer bei mir schaffte, doch irgendwie wollte das nicht. Verzweifelt setzte ich mich auf den Badewannenrand und sah die Rundbürste, die sich im Haar verheddert hatte an. Ich sah es schon kommen, dass ich bald mit einer Kurzhaarfrisur herumlaufen müsste. Die Tränen stiegen mir schon in die Augen. Plötzlich klopfte Edward an der Tür und ich zuckte erschrocken zusammen.
„Bella, ich hab dir die Koffer auf die Bank gelegt, damit du dich nicht bücken musste.“
„Danke!“, rief ich zurück und stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich hatte die Frauen immer ausgelacht, wenn sie bei solchen Shows Typveränderungen machten und das Haar rapide abgeschnitten wurden, aber wenn man selbst betroffen war, sah die Sache ganz anders aus.
„Ist alles in Ordnung bei dir?“ Anscheinend hatte Edward meine Stimme richtig gedeutet.
„Nein, nein, passt alles“, versicherte ich ihm und war froh als ich hörte, dass er ein paar Schritte davon ging. Das war ja ganz großartig. Mit den Händen fuhr ich mir durch mein Vogelnest und erschrak, als im nächsten Moment die Badezimmertür aufgerissen wurde und Edward im Türrahmen stand. In dem Moment merkte ich erst, dass er mir auf mein Dekolleté starrte und musste dann feststellen, dass ich nackt, splitterfasernackt, so wie mich Gott geschaffen hatte, vor ihm saß. Gut nicht ganz, denn den Slip hatte ich mir schon angezogen gehabt, aber den BH hatte ich im Schrank vergessen. Schnell schnappte ich mir mein Badetuch und hüllte meinen Körper damit ein.
„Ähm… ja… ähm…“, stammelte Edward sehr schlau vor sich hin und verlagerte sein Körpergewicht etwas um, sodass es aussah, als würde er jederzeit vor einem Ungeheuer, welches in dem Fall ich war – mit der Bürste im Haar – fliehen könnte. War vermutlich auch besser so.
„Was hast du da überhaupt im Haar?“, fragte er nun und deutete auf das Holzding auf meinem Kopf. Überaus enthusiastisch verdrehte ich die Augen und zog gleich darauf eine Schnute.
„Das, mein Lieber, ist eine Rundbürste, die mein Haar so abgöttisch liebt, dass es sich mit dem verschlungen hat“, fauchte ich ihn an, um meine Wut auf mich selbst, mein Haar und diese verdammte Bürste freien Lauf zu lassen.
„Bella, das ist nur Haar. Das kann man rausschneiden.“ Entsetzt sah ich ihn an. Das war nur Haar? Verstand er es nicht? Das war nicht nur Haar, das war Haar! Mit diesem konnte man schöne Hochsteckfrisuren machen, es kunstvoll frisieren oder einfach nur über den Körper fallen lassen, als eine Art Vorhang. Deshalb war es nicht einfach nur Haar, das nachwachsen würde, es war so viel mehr!
„Nein, nie im Leben schneide ich das raus!“ Seufzend ließ Edward seine Schulter hängen und kam dann auf mich ganz langsam zu, als würde vor ihm eine hysterische Frau sitzen… obwohl, das war ich ja auch.
„Weißt du was wir machen. Einfach eine Strähne nach der anderen hinausziehen. Vielleicht beziehungsweise vermutlich wirst du dabei ein paar Haare lassen und es wir schmerzhaft sein, aber dann musst du sie nicht abschneiden. Was hältst du davon?“ Inzwischen war er vor mir in die Hocke gegangen und legte seine Hände auf meine Knie. Beruhigen strich er Kreise mit seinen Daumen über jene, was mir sowohl meine innere Ruhe, als auch meine Nervenenden zum Kitzeln brachte. Ich nickte ihm zu und er machte sich sofort an die Arbeit.
Behutsam zog er Strähne für Strähne hervor und versuchte dabei meinen Haaransatz so gut wie möglich zu schonen, wofür ich ihm äußerst dankbar war. Zwischendurch musste ich meine Lippen aufeinanderpressen, damit ich nicht losschrie, oder seufzend, wenn das schmerzhafte Ziehen vorbei war. Ich wusste nicht, wie lange er gebraucht hatte, aber das war mir egal, denn als er die erlösenden Worte sprach, wollte ich ihm um den Hals fallen, überlegte es mir dann doch anders.
„So, ich wäre jetzt mit dem Entknoten fertig. Kämm doch einmal durch und lass sie dann so. Ich mag es, wenn sie offen sind“, meinte er. Dankbar lächelte ich ihm zu. Bevor er ging, streichelte er mit dem Daumen über meine Wange und küsste danach zärtlich meine Stirn.
„Ich warte dann oben auf dich.“ Verwirrt starrte ich ihm hinterher.
Über mich selbst den Kopf schüttelnd stand ich auf und machte mich ans Durchsuchen der Koffer. Ein elfenbeinfarbenes Kleid sprang mir ins Auge und ich hielt es vor meinen Körper. Dabei sah ich in den Spiegel und musste feststellen, dass es wundervoll aussah. Schnell zog ich mir den trägerlosen BH an, um danach in dieses Kleid zu schlüpfen. Die dünnen Spagettiträger sah man kaum, wodurch man glauben konnte, dass es durch Magie gehalten wurde. Der Stoff floss über meinen Körper und an der Taille schlang ich ein Satinband herum, um es an der rechten Seite zu einer Schleife zu binden. Zufrieden damit kehrte ich ins Bad zurück, kämmte einmal mein Haar durch und legte danach Wimperntusche an, denn ich brauchte den ganzen anderen Make-up Kram nicht. Die Luft hatte meine Poren geöffnet und meine Haut strahlte. Zum Schluss zog ich mir noch die grauen Sandalen mit einem kleinen Absatz an, denn ich würde sicher nicht in High Heels mein Tanzbein schwingen und mir womöglich dabei den Fuß brechen.
Lächelnd packte ich mir noch eine kleine Handtasche und wollte hinaufgehen, als mir etwas Wichtiges einfiel: mein Armband, welches trotz der Funkstille um ein paar Anhänger gewachsen war. Nun befanden sich neben dem B und Eddie, eine Muschel, ein Papagei, ein Fisch, eine Palme und ein Eis auf dem Armband und zu jedem Charm gab es eine spezielle Szene. Damit würde ich die Flitterwochen immer in Erinnerung behalten. Nachdem ich es angelegt hatte, schlenderte ich schließlich hinauf. Dort erwartete Edward mich schon, mehr oder minder. Er stand mit dem Gesicht der Glasfront und den Rücken mir zugewandt und starrte hinaus aufs Meer.
Ich wusste, dass dieser Blick einen beruhigte, ich hatte oft genug so an meinem Fenster gestanden und dem Meeresrauschen gelauscht. Edward sah gut aus in seinem hellblauen Hemd und den Leinenhosen. Seufzend stellte ich mich neben ihn und spürte, wie er seine Hand um meine Taille schlang.
„Ich werde diesen Ausblick vermissen, wenn wir wieder in D.C. sind“, meinte er und sah dann zu mir hinunter. Ich blickte ihm in seine grünen Augen und lehnte mich dann an ihn.
„Wollen wir los?“, fragte er plötzlich und ich erinnerte mich wieder daran, weshalb ich dieses Kleid anhatte.
„Sicher. Ich freue mich schon so sehr und hoffe, dass ich eine gute Schülerin bin.“ Edward schmunzelte und taxierte danach meine Handtasche.
„Wozu brauchst du sie?“ Mit dem Kinn deutete er auf jene.
„Taschentücher, mein Face Shield, ein Lippenbalsam. Einfach alles was Frau so braucht.“ Eine Augenbraue hebend streckte er seine Hand aus und ich gab ihm verwirrt die Tasche. Die Beatmungsfolie, den Balsam sowie ein paar Taschentücher verstaute er in seinen Hosentaschen.
„Sie würde nur stören und du müsstest darauf aufpassen. Ich möchte aber, dass wir den Abend genießen können.“ Ihm zunickend ging ich voraus zum Lift.
~~~~~*~~~~~
„Ich bin satt. Eindeutig. Ein Bissen mehr und ich könnte nicht dafür garantieren hier zu zerplatzen“, seufzte ich und ließ mich gegen die Rückenlehne nieder. Edward betrachtete das mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck, denn er hatte es wieder geschafft mich viel essen zu lassen. Aber diese Meeresfrüchte waren auch einfach zu gut. Bei dem Gedanken daran bekam ich schon wieder Appetit darauf, jedoch war ich voll, da passte kein Bissen mehr hinein. Ich nahm genüsslich einen Schluck meines Rotweines und betrachtete wieder Edwards Hemd, von welchem die ersten beiden Knöpfe geöffnet waren, wodurch man ein wenig seiner durchtrainierten Brust erhaschen konnte.
„Wollen wir?“, fragte Edward, der gerade eben gezahlt hatte und mir nun die Hand hinhielt. Lächelnd griff ich nach dieser und wurde sogleich aus dem kleinen Lokal geführt. Es war keines dieser Schickimicki Restaurants, sondern eines dieser, welche von Einheimischen betrieben wurde. Ich wusste nicht weshalb, aber ich genoss jede Berührung mit Edward und ich plötzlich recht anschmiegsam geworden bin und ich hatte unseren Streit bezüglich des Kusses beiseite geschoben beziehungsweise erinnerte mich lachend daran, da ich wirklich wie ein störrisches Huhn geschrien hatte.
Vielleicht war es genau richtig gewesen mich so zum Schweigen zu bringen. Diese Gedanken… Das alles lag vermutlich an der Luft und den Hormonen…
Gentlemanlike hielt er mir die Tür auf und ließ mich vortreten. Davor herrschte schon reger Trubel und Edward nahm wieder meine Hand und führte mich durch die Menge. In der einen Ecke wurde getanzt, in der anderen getrunken, gespaßt. Hier hatte man einfach nur seinen Spaß. Zwar gingen wir durch belebte Straßen, jedoch nicht durch jene, in denen sich die Massen aufhielten. Dies war vermutlich besser für uns und die Nerven der Security, die uns immer folgten. Überall wurde lateinamerikanische Musik gespielt und ich merkte, wie wir langsamer wurden.
„Darf ich um diesen Tanz bitten?“, fragte Edward plötzlich grinsend und ich nickte ihm zu. Sachte zog er mich an sich und legte seine freie Hand auf mein Rückgrat.
„Du möchtest das wirklich lernen?“
„Ja, ich möchte es einmal ausprobieren, ich hoffe, dass das Kleid nicht stört.“ Ich biss mir auf die Lippen und blickte ihn an. Ein Lächelnd zierte sein Gesicht.
„Bachata ist einer der körperinvolviertesten Tänze und vor allem sehr leidenschaftlich. Also sag mir, wenn du nicht mehr willst, oder es dir zu viel wird“, sagte er und machte mit seinem Daumen kreisende Bewegungen auf meinem Rücken. Als Zustimmung nickte ich abermals.
„Nun gut. Bachata kommt aus der Dominikanischen Republik, daher hat er auch diese lateinamerikanischen Einflüsse und war anfänglich nicht als Tanzmusik gedacht. Jedoch wurden vor einigen Jahren Elemente aus dem Merengue und dem Salsa aufgenommen, wodurch es etwas schnell wurde und auch zum Tanzen geeignet war. Aber jetzt lass ich die Geschichte, Geschichte sein, wir sind hier zum Tanzen. Der Grundschritt sieht folgendermaßen aus…“ Er ließ mich los und ich hatte einen freien Blick auf seine Füße. Mit dem rechten Bein machte er einen Schritt zur Seite und zog den hinterher, stellte ihn neben dem anderen ab und verlagerte sein Gewicht, sodass er die gleiche Bewegung abermals machen konnte. Das kommentierte er währenddessen: „…Schritt, Tap, Schritt Tap. Und wieder in die andere Richtung…“ Er vollführte die Bewegung wieder und ich merkte, wie sich sein Becken dabei bewegte. Langsam wurde mit klar, weshalb das so erotisch war…
„Sieht doch gar nicht so schwer aus. Jetzt machen wir das gemeinsam.“ Edward nahm meine Hände in seine und ich versuchte seinen Schritten zu folgen. Zur Seite, Fuß nachziehen, Gewicht wechseln und wieder von vorne. Hey, das war gar nicht einmal so schwer!, musste ich feststellen und strahlte ihn an.
„Ist ganz leicht“, sagte ich und wir setzten unsere Bewegungen fort.
Ein paar Takte später war ich schon sicherer mit den Schritten und musste nicht mehr auf meine Füße Acht geben.
„Okay, jetzt setzen wir etwas mehr die Hüfte ein. Aber nicht zu viel, es kommt von allein, wenn du etwas in die Knie gehst. Bachata ist kein steifer Tanz, der nach Regeln verläuft, sondern einfach frei getanzt werden kann, daher musst du auch deine Standardtanzhaltung aufgeben. Lass die Schultern hängen und geh nur eine Spur in die Knie.“ Ich tat wie mir geheißen und spürte wie sich meine Hüfte anders bewegt. Verwundert sah ich ihn an und er lachte kurz auf.
„Ja, das ist so richtig. Das war der Grundschritt und ich werde dir noch andere Figuren zeigen. Wir werden und etwas durch die Menge damit bewegen können und es basiert alles nur auf den Schritten. Jedoch stehen wir für den echten Bachata etwas weit auseinander. Wenn du den Körperkontakt als unangenehm empfindest, brauchst du es nur zu sagen.“ Immer noch stumm nickte ich ihm erneut zu. Er trat einen Schritt näher an mich heran, stellte sein Bein zwischen meine und legte wieder eine Hand auf mein Rückgrat und mit dem anderen nahm er meine Hand in seine. Mit der am Rücken drückte er mich sanft hinunter und ich folgte seiner Bewegung. Ich konnte klar und deutlich seinen kräftigen Oberschenkel spüren, auf dem ich schon halb saß. Mir wurde immer klarer, weshalb er mir immer sagte, dass ich mich melden sollte, falls mir der Kontakt zu intim wurde, aber das war hier sicher nicht der Fall! Ich sah in Edwards Gesicht, welches mir freundlich entgegen lächelte, als wir in dieser Pose den Grundschritt tanzten. Seinen Körper konnte ich ganz genau spüren und fragte mich, ob meine Wangen schon in Flammen standen. Unsere Körper bewegten sich im Einklang und ich genoss es ihm so nah sein zu können. Plötzlich löste er seine Hände und drehte mich, sodass ich nun mit dem Rücken zu ihm stand. Seine Arme schlang er nun um meine Taille und ich lehnte meinen Kopf an seiner durchtrainierten Brust ab. Plötzlich trat ich ihm unbeabsichtigt auf die Zehen, doch er stieß mich weder von sich, noch trat er zurück, sondern flüsterte mir amüsiert nur ins Ohr: „Tanzen ist die Kunst einander im Takt auf die Füße zu treten, ohne betreten zu schauen![1]“
Ich wurde wieder herumgedreht und Edward streichelte mir liebevoll über die Wange.
„Ich werde aus dir einfach nicht schlau…“, begann er seufzend, fuhr mit seiner Hand durch das wirre Haar um dann weiter zu sprechen: „…in dem einen Moment bist du zickig, kratzbürstig und aufmüpfig, und im nächsten bis du so still und wortkarg wie gerade eben. Ich habe Angst noch mehr Fehler zu machen, Bella. Vielleicht nerven dich meine vielen Fragen inzwischen, aber ich möchte dich einschätzen können und mich auch selbst wappnen, falls ich weiß, dass meine Worte einen Wutausbruch zu Tage fördern. Vorhin war es wieder der Fall. Du hattest so kalt auf meine Entschuldigung geantwortet, dass ich es bereute und keine Viertelstunde später, sahst du im Bad den Tränen nahe, weil deine Bürste sich im Haar verfangen hatte und du dann deine Wut an mir ausgelassen hast. Es stört mich nicht, das habe ich verdient, aber ich würde mich gerne vorbereiten können und nicht ins kalte Wasser gestoßen werden. Ich möchte-“ weiter kam er nicht, da mich dieses Gerede selbst ganz verrückt machte.
Ja, ich wusste, dass meine Hormone und meine Emotionen Achterbahn fuhren, aber bei welcher Frau taten sie es nicht? Wir waren alle hormongesteuerte Wesen, die sich entweder in den Haaren lagen, oder am anderen schmiegten; wir kratzten uns gegenseitig die Augen aus, um ein paar Sekunden später die Wunden des anderen zu versorgen. Ich konnte es selbst nicht erklären und das wollte ich ihm mit diesem Kuss sagen. Seine Lippen lagen leicht wie eine Feder auf meinen und ich konnte spüren, dass er zuerst erstaunt war. Zögernd hielt er inne, war sich seiner nicht sicher, doch dann zog er mich näher an sich heran. Meine Hand glitt über seine Rückenpartie in seinen Nacken und mit der anderen hielt ich mich an seinem Hemd fest. Seufzend öffnete ich meinen Mund ein wenig und küsste ihn leidenschaftlicher.
Dieses Gefühl, das durch meinen Körper strömte, berauschte mich regelrecht und ließ mich Dinge tun, von denen ich nicht gedacht hatte, sie mit Edward zu tun. Seine Erregung bemerkte ich recht schnell durch die dünnen Stoffe unserer Kleidung hindurch. Abrupt löste er sich von mir und ich schnappte keuchend nach Luft. Zärtlich strich er mit seinem Daumen über meine Unterlippe und ich stieß mit der Zunge leicht dagegen. Provokant hob er eine Augenbraue und betrachtete mich genauer. Seit wann war ich so direkt, wenn es intimer wurde? Seit wann küsste ich Edward freiwillig? Seit wann küsste ich ihn so leidenschaftlich? Diese Fragen kreisten mir durch den Kopf, als wir so reglos im Getümmel standen und uns in die Augen blickten.
„Weißt du, Bella, weshalb ich das Tanzen so sehr liebe?“ Damit durchbrach er die Stille zwischen uns und ich schüttelte den Kopf kaum merklich.
„Dafür habe ich zwei Zitate, das erste: ‚Der Tanz ist das stärkste Ausdrucksmittel der menschlichen Seele.‘ von Thomas Niederreuther. Mit jedem Schritt den du gemeinsam mit mir hier auf diesem Boden gemacht hast, hast du mich in deine Seele blicken lassen, der freundlichste und freudigste Mensch kam zu Vorschein, dem ich jemals begegnet bin, vor allem der Liebreiz und die Wärme, die ich entdecken konnte, haben mir den Atem verschlagen. Das zweite und somit letzte, ist von einem Menschen, dem dieser Satz nicht zugeordnet werden kann: ,Tanzen ist die senkrechte Ausführung eines waagrechten Verlangens, eines aufrechten Individuums!‘ und das kann ich einfach so stehen lassen, denn du hast es in den letzten Minuten selbst erfahren.“ Danach küsste er mich liebevoll und zog mich schließlich in seine Arme. Seufzend schlang ich meine um ihn und ließ meinen Kopf auf der Brust ruhen.
Ich wusste nicht, wie lange wir so dastanden, ob uns Leute deshalb angesehen hatten oder nicht, es war mir egal, alles war mir egal, denn in dieser Blase, die ich mit Edward in den letzten Stunden errichtet hatte, konnte mir nichts passieren. Er würde mich beschützen und mich so behandeln, wie ich es verdiente, wie jede Frau es verdiente. Dessen war ich mir nur zu bewusst geworden und ich wollte auch umsorgt werden.
„Wie wäre es, wenn wir uns hier ein Zimmer suchen würden. In der Nähe sollte ein Hotel sein und ein paar Straßen weiter, die große Mall der Stadt. Was würdest du davon halten, zumal wir dann nicht mehr zurück müssten und hier morgen unerkannt einen kleinen Stadtbummel machen könnten.“ Mit diesen Worten riss er mich aus meinem Zustand und ich konnte nicht anders als zu nicken.
„Was hälst du davon, wenn wir davor noch etwas trinken gehen. Ich habe nämlich das Gefühl gleich zu verdursten“, meinte ich und betrachtete eingehend seine Lippen. Jene formten ein breites Lächeln, als ich seine Hand an meiner Taille spürte.
„Eine gute Idee. Dort an der Ecke ist ein kleines Lokal, gefällt dir das?“
Während er das sagte, bewegten sich seine Lippen so… so… so erotisch… Konnten sich überhaupt Lippen erotisch bewegen? Innerlich ohrfeigte ich mich für diese Gedanken, denn anscheinend stieg mir der Rotwein vom Abendessen zu Kopf… Eng umschlungen schlenderten wir zu dem Café und ließen uns auf einen freien Viererplatz nieder. Wir mussten nicht lange warten, bis die Kellnerin kam und unsere Bestellungen aufnahm. Edward bestellte sich einen Espresso mit einer Flasche Wasser und ich nahm einen Cocktail und ließ mich vom Barkeeper überraschen. Es sollte etwas Fruchtiges und Cremiges sein, sonst hatte ich keine weiteren Wünsche. Edward zog meinen Stuhl zu sich, sodass wir nebeneinander saßen und dem regen Treiben auf der Straße vor uns zuschauen konnten. Eine Hand hatte er um meine Schultern gelegt und mit den Fingern der anderen Hand zog er Kreise auf meinem Oberschenkel. Ich wusste, dass er gerade mein Gesicht studierte, um zu erfahren, ob er eine Grenze überschritt, oder nicht. Da ich diese Berührung als äußerst angenehm empfand, lächelte ich und neigte meinen Kopf schließlich in seine Richtung.
Meine Lippen presste ich zusammen, bevor ich meine Hand an seine Wange hob und leicht mit dem Daumen über diese strich. Ganz leicht war schon der Bartnachwuchs zu spüren, aber das störte mich nicht. Wie sich das wohl -
„Hier bitte sehr. Wünschen die Herrschaften sonst noch etwas?“ Mit dieser Frage unterbrach die Kellnerin meine Gedanken und meine Hand schnellte zu meinem Körper. Fast hätte ich dabei meinen Cocktail vom Tisch geschmissen, doch die andere Frau hatte eine gute Reaktionsgeschwindigkeit, womit sie dies verhindern konnte. Edward verneinte und zahlte schließlich.
„Entschuldigen Sie, ist hier noch frei?“, fragte eine ältere Dame, die in Begleitung eines genauso alten Mannes war, Edward und mich und lächelte uns freundlich zu.
„Klar, sicher“, sagte Edward und deutete ihnen sich zu setzen.
„Sie kommen auch aus den USA?“
„Ja, wir machen hier unsere Flitterwochen“, antwortete Edward auf ihre Frage.
„Wie schön. Wir sind schon seit vierzig Jahren verheiratet und immer noch so verliebt wie am Anfang, nicht wahr, Darling?“ Der Gefragte nickte nur teilnahmslos und gähnte herzhaft.
„Bestell dir noch schnell etwas, dass wir aufs Zimmer können! Ich bin müde und morgen um neun Uhr ist die Morgengymnastik im Pool, die ich nicht verpassen möchte!“ Um seinen Anliegen noch Nachdruck zu verleihen, gähnte er abermals und ich musste mit einstimmen.
„In welchem Hotel sind Sie denn untergekommen? Wir würden eines für diese Nacht brauchen.“
„Oh, wir wohnen in einem, das hier gleich in der Nähe ist. Direkt am Strand und man hat vom Zimmer aus einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Aber der Name ist mir gerade entfallen. Es ist so ein bekanntes… Ach, ich und meine Vergesslichkeit. Ein Gedächtnis wie ein Nudelsieb… Schatz, hilf mir doch einmal auf die Sprünge. Es war etwas mit Mi… Me… Mo… Ma…“ Verzweifelt sah sie zu ihrem Mann und ich musste grinsen, denn dieser schien schon eingedöst zu sein. Sie stieß ihn leicht mit dem Ellbogen. Er riss sein Augenlider auf und sagte gleich: „Ich bin wach, ich bin wach! Was gibt es?“ Die Augen verdrehend fragte die Dame wieder nach dem Namen des Hotels.
„Marriott“, meinte er und schüttelte seinen Kopf, „…dass du dir das nie merken kannst, meine Liebe!“
„Stimmt, Marriott. Es ist doch so bekannt. Also wie gesagt, schöner Ausblick, wirklich angenehme Zimmer und die Betten sind ein Himmel für meinen Rücken. Sie müssen wissen, ich habe schon so viele Bandscheibenvorfälle hinter mir, dass es mir immer sehr schwer fällt in Hotels zu übernachten, aber dort, wirklich ein Traum. Und das Bad, ja, das Bad ist auch so schön groß und da kann man sich bewegen. Schatz, wir brauchen auch so eine Dusche, lass mich das nicht vergessen!“ Sie erzählte weiter und weiter. Ihr Mann sah gelangweilt auf seinen Kaffee und ich musste mir mein Lachen ernsthaft verkneifen. Edward schien ihr wirklich zu zuhören, warf an den richtigen Stellen ein bemitleidendes Seufzen, oder ein „Ja, das kann ich wirklich verstehen!“, oder ein „Aha… mhm!“ ein. Dadurch musste ich zugeben, dass es – falls er es spielte – wirklich gut machte. Er hörte der Dame gespannt zu und umwickelte sie mit seinem Charme, vor allem als sich mein Gähnen vermehrte und ich eigentlich nur mehr schlafen wollte.
„Ich kann Sie wirklich verstehen. Jedoch muss ich gerade verstellen, dass meine Frau mir hier gleich einschläft, deshalb wünsche ich Ihnen noch einen wunderschönen Abend, wir werden uns jetzt zu dem Hotel begeben und nach einem Zimmer fragen.“ Lächelnd stand er auf, reichte den beiden die Hand, bevor er meine nahm und mir aufhalf. Mit schweren Lidern lehnte ich meinen Kopf an seine Brust.
„Wir wünschen Ihnen ebenfalls noch eine angenehme Nacht und entschuldigen Sie die direkte Frage, aber kenne ich Sie nicht irgendwoher?“ Verwirrt zog Edward die Augenbrauen zusammen, denn wir beide wussten, dass er mehr als nur bekannt war, doch dass er jetzt nicht darauf eingehen würde.
„Das kann gut möglich sein, aber wenn Sie uns nun entschuldigen würden. Ich habe wirklich die Vermutung meine Ehefrau gleich tragen zu müssen.“ Die beiden Herrschaften lachten und wir beide gingen wieder eng umschlungen aus dem Café. Davor erwartete uns schon der altbekannte SUV und ich ließ mich auf das weiche Leder nieder. Die Fahrt zu dem Hotel war kurz und wir hatten sogar Glück, dass es noch ein Zimmer, besser gesagt eine Suite gab.
Wir fuhren mit dem Lift in das letzte Stockwerk und uns wurde von einem Pagen die Zimmertüre mithilfe einer elektronischen Karte entriegelt. Edward gab ihm Trinkgeld, während ich in die Suite schritt. Sie war in Sand, Mint, Hellblau und Dunkelbraun gehalten, wodurch ein behaglicher Eindruck entstand. Das große Sofa an der Wand lud zum Entspannen ein, während der Ausblick vom kleinen Balkon atemberaubend war. Ich öffnete die gläsernen Türflügel und trat hinaus an die warme Luft. Die Musik des Festes war bis hier her zu hören und ich stützte mich lächelnd auf dem Geländer ab. Das Schließen der Türe und die Schritte zu mir nahm ich wahr, doch ich drehte mich nicht um, sondern genoss den Ausblick. Der Mond spiegelte sich an der Wasseroberfläche des Meeres und ich spürte, wie Edward seine Hände um meine Taille schlang. Plötzlich ertönte ein lauter Knall und ich zuckte kaum merklich zusammen, jedoch war es Edward nicht entgangen.
„Das war nur eine Rakete. Der Page meinte, dass heute eines der großen Feuerwerke stattfinden würde und ich wollte dich gerade warnen, aber es war zu spät“, flüsterte er in mein Ohr. Ich spürte, wie sich die Härchen auf meinen Unterarmen aufstellten und wie sich mein Inneres zu wenden begann. Mit einer Hand legte er meine Haare über eine Schulter, sodass mein Hals frei war, mit der anderen Hand zog er wieder Kreise auf meinem Bauch. Seufzend lehnte ich mich gegen seine Brust und betrachtete das Farbenspiel vor meinen Augen. Als seine Lippen auf meinen Hals trafen und diesen sanft zu küssen begann, versteifte ich mich kurz und Edward zog sich sofort zurück.
„Bella, ich erinnere dich nochmals an mein Versprechen. Ich weiß nicht, was dir Renée erzählt hat, als sie mit dir alleine im Spa war. Nie werde ich etwas tun, was du nicht willst, aber jetzt musst du mir vertrauen, so wie vor zwei Tagen, als wir im Hochseilgarten die Vertrauensübungen gemacht haben.“ Ich nickte ihm zu und spürte, dass er lächelte, als er wieder meinen Hals zu liebkosen begann. Vorsichtig streifte er meine Träger von den Schultern und öffnete mein Kleid, sodass es zu Boden fiel. Leicht zitternd stand ich da und sah noch immer hinaus zu dem Farbenspiel. Plötzlich wurde ich unerwartet hochgehoben und Edward ging mit mir die Wendeltreppe hinauf, beim großen Bett vorbei hinaus auf eine kleine Terrasse, auf der ein Whirlpool war. Er ließ mich in das warme Wasser gleiten und ich sah wieder dem Feuerwerk zu, als ich das Rascheln von Stoff hörte.
Denn ich wollte ihm dabei nicht zusehen. Obwohl ich die Berührung mochte, konnte ich ihm dabei nicht in die Augen sehen, es war, als ob ich gegen meine Vorsätze verstieß, ihn jemals so nah an mich heranzulassen, vor allem auf so eine intime Art und Weise. Ich nahm das Plätschern von Wasser wahr und wie er sich hinter mich setzte. Wieder schlang er seine Arme um meine Taille, jedoch ohne diese zu bewegen. Wir betrachteten nur das Feuerwerk, das gerade dem Finale zuging. Sanft fuhr Edward mit seinen Händen über meine Schultern, Arme, die Taille und schließlich den Bauch, was mich sichtlich entspannen ließ und ihm zeigte, dass es mir gefiel, was er da tat.
Als der letzte Feuerwerkskörper im Himmel explodierte, drehte ich mich zu Edward um und nahm sein Gesicht in meine Hände. Ich beugte mich leicht vornüber, sodass ich ihn sanft küssen konnte. Sofort wurde der Kuss erwidert und er hob mich auf seine Oberschenkel. Meine Arme schlang ich um seinen Hals und krallte meine Hände in sein Haar, als wir den Kuss beendeten und er dann mein Ohrläppchen leicht biss. Mein Stöhnen riss mich wieder in die Realität zurück und ich sah schnell zur Seite, denn ich konnte ihm einfach nicht in die Augen blicken. Sanft strich er über meine Wange und bewegte meinen Kopf wieder in seine Richtung.
„Bella“, seufzte er, „sieh mich an. Es ist nichts dabei sich seinen Gefühlen und der eigenen Lust hinzugeben. Ich würde dir gerne zeigen, wie Sex aussehen kann, denn langsam habe ich eine Vorstellung, was dir Renée erzählt haben könnte und wenn ich richtig liege, dann hat sie dir ein komplett falsches Bild vermittelt. Verschließe dich nicht vor mir, wenn wir einen Schritt vorwärts gemacht haben. Du brauchst nur nein zu sagen, wenn du etwas nicht möchtest und ich höre sofort auf. Ich werde dir auch nicht böse sein, wenn du etwas nicht möchtest, denn es ist vollkommen natürlich. Und jetzt lass uns hineingehen.“ Gemeinsam standen wir auf und Edward stieg als erstes aus dem Whirlpool, um mir danach zu helfen. Meine Unterwäsche war nass und klebte an meiner Haut. Edward breitete mir ein großes weißes Badetuch aus und hielt es um meinen Körper herum. Ich verstand, dass er mir somit einen Sichtschutz bot, damit ich mich meiner Unterwäsche entledigen konnte. Als diese am Boden lag, drehte er sich um, zog ein weiteres Badetuch aus dem Korb und schlang es sich selbst um. Ich hatte meines schon eng um meinen Körper gewickelt und ging nun hinein in die Suite. Sollte ich mich nun so ins Bett legen, komplett nackt, oder mir den Bademantel nehmen. Seufzend sah ich mich um und bemerkte, wie Edward ins Zimmer kam und zum Bett ging. Fluchtartig eilte ich in das Badezimmer und stützte meine Hände auf dem Rand des Waschbeckens ab.
Ich hob meinen Kopf an und sah in den Spiegel. Mein gerötetes Gesicht, die glänzenden Augen und die leicht geschwollenen Lippen konnte ich klar erkennen. Ich atmete ein paar Mal tief durch, bevor ich mir das Handtuch richtete und mir zusprach, dass ich das schaffen würde. Dass ich eine starke Frau war! Einen letzten Blick in den Spiegel werfend, kehrte ich wieder in das Schlafzimmer zurück und lehnte mich kurz in den Türrahmen. Edward lag mit verschränkten Armen hinter dem Kopf auf dem Bett und starrte auf den Plafond des Raumes. Langsam ging ich zum Bett, ließ mich darauf nieder und rutschte unterhalb der Laken zu Edward, da ich Körperkontakt wollte. Ich schmiegte mich an seine breite Brust und spürte, wie er seinen Arm um mich legte und mich an sich zog.
Wir lagen ein paar Minuten schweigend da und gingen unseren Gedanken nach, bis er sich zu bewegen begann. Vorsichtig drehte er seinen Oberkörper zu mir, sodass er sich nun auf einem Arm abstützte und ich auf dem Kissen lag. Er ließ seinen Blick über mein Gesicht schweifen und strich mit seiner freien Hand sanft eine Haarsträhne hinter mein Ohr. Als er mit dem Daumen über meine Unterlippe fuhr, wurde mir diese vollkommen neue Spannung zwischen uns bewusst. Ich blickte in seine grünen Augen, um einen Hinweis darauf zu bekommen, was er nun vorhatte. Doch konnte nichts entdecken. Trotz des Badetuches und der Laken über mir, begann ich vor Nervosität zu zittern.
„Hey…“, flüsterte er und ließ seine Hand über meinen Hals wandern, was mich erschaudern ließ. Dieses neue Gefühl, das sich in mir währenddessen ausbreitete, kannte ich noch nicht und es verwirrte mich. Inzwischen fuhr er fort: „…ich werde dich bei jedem Schritt fragen, ob du damit einverstanden bist. Gib mir ein Zeichen, damit ich es weiß.“ Ein freundliches Lächeln zierte seinen Mund. Meine Lider senkend nickte ich ihm zu, denn ich wusste, dass ich Edward vertrauen konnte. Zwar sagte mein Verstand etwas anderes als mein Bauchgefühl, jedoch hörte ich mehr auf meinen Bauch, als auf meinen Kopf. Ganz langsam, Stück für Stück beugte er sich zu mir hinunter. Dabei spürte ich, wie er sich immer mehr auf mich legte und einen Oberschenkel zwischen meine Beine schob. Dieses neue Gefühl, das meinen Körper beherrschte, wurde stärker und ich merkte, wie sich mein Inneres zusammenzog. Mein Verstand schrie mir zu, dass ich Edward von mir drücken und davonrennen sollte, mein Bauchgefühl sagte mir jedoch, dass ich mich ihm hingeben sollte. Es war, als ob auf einer Schulter ein Teufel und auf der anderen Seite ein Engel sitzen würde und einen davon zu überzeugen versuchte, demjenigen zu folgen.
Meine Gedanken zur Seite drängend, öffnete ich wieder meine Lider und sah direkt in Edwards verwirrtes Gesicht und ich konnte es ihm nicht verübeln verwirrt zu sein. Schließlich hatte ich gerade teilnahmslos dagelegen, mit geschlossenen Augen, als würde ich meinem Tod entgegengehen, doch das war absolut nicht der Fall! Ich biss mir auf die Unterlippe und sah ihm direkt in die Augen. Darin lag nicht nur Verwirrung, sondern auch Kränkung und Schmerz. Langsam hob ich meine Hand an und fuhr ihm zärtlich über seine Gesicht. Dabei merkte ich, wie er meine Berührung zu deuten begann und es in seinem Kopf zu rattern begann. Die drei Emotionen waren sogleich weggeschwemmt und ein Lächeln trat wieder in sein Gesicht. So ein Lächeln, wie ich es noch nicht von ihm gesehen hatte. Es war keines dieser gespielten, noch dieser halbherzigen Lächeln, die er normalerweise zeigte, sondern eines, das sein Gesicht so jung wirken ließ, dass ich ganz vergaß, dass er schon sechsunddreißig war. Er beugte sich wieder langsam zu mir hinab und ich konnte meine Hände um seinen Hals schlingen. Wir waren nur noch ein Zentimeter entfernt, als ich mich vorbeugte und ihn sanft zu küssen begann. Seine Lippen waren zärtlich, aber auch gleichzeitig bestimmend, was mich zuerst verwirrte. Denn dieses Necken und Liebkosen war mir nicht bekannt. Seufzend öffnete ich meinen Mund ein Stück, um den Kuss vertiefen zu können. Dieses Gefühl, als sich unsere Zungen trafen, war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte. So… so… so erotisch und minzig, dass ich nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Edward löste seine Lippen langsam vor mir und spürte, wie er seine Aufmerksamkeit meinem Körper widmete. Seine Erregung konnte ich klar und deutlich spüren und es löste wieder eines dieser mir nicht bekannten Gefühle aus. Erregung? Lust? Leidenschaft? Alles zusammen?
Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als seine Hand oberhalb meines Badetuches entlangfuhr und mich dadurch zum Erschaudern brachte. Meine Haut war so empfindlich, dass ich selbst nicht wusste, wie ich mit den ganzen Berührungen umgehen sollte. Eine Gänsehaut bildete sich dort, wo seine Finger auf meinen erhitzten Körper trafen. Als er eine Ecke des Tuches fand, sah er mich eindringlich an und ich wusste, dass er auf meine Zustimmung wartete. Zwar hatte er mich heute schon einmal kurz halbnackt gesehen und ich lief jeden Tag im Bikini vor ihm herum, jedoch war es etwas komplett anderes, wenn man komplett entblößt vor einem Mann lag. Abermals nickte ich ihm nervös zu und studierte sein Gesicht, während er den Stoff, Stück für Stück zur Seite schob. Durch diesen Blick, der zu einem kleinen Teil Bewunderung und Erstaunen beinhaltete, aber auch Lust, wurde mir klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, als ich meinem Bauchgefühl gefolgt war.
„Wunderschön“, flüsterte er und sah mir schließlich in die Augen. War das ein liebevoller Ausdruck in seinem Gesicht? Ich wusste, dass er immer noch auf meine Zustimmung wartete um weiter zu machen, deshalb nickte ich erneut. Nun fuhr er mit seiner Hand über die freigelegte Haut, als müsste er diese erkunden. Ich biss mir auf die Lippe, um mein Stöhnen zu unterdrücken, als er mit dem Daumen über meinen linken Nippel strich, welcher durch die Berührungen hart geworden war und sich ihm keck entgegenstreckte. Dass solch eine Berührung so eine Wirkung auf mich und meinen Körper haben konnte, hätte ich mir nicht gedacht.
Sanft küsste er meine Brustwarze und jagte mir dadurch einen wohligen Schauer durch den Körper. Als er sie in den Mund nahm und daran zu lecken und necken begann, legte ich meinen Kopf in den Nacken, um ihn meine Brust entgegenzustrecken. Es fühlte sich an, als würden meine Nervenenden lichterloh in Flammen stehen. Was dieser Mann mit seinen Händen, Finger und seiner Zunge anstellen konnte, überraschte mich immer mehr. Eine Hand wanderte langsam, ohne meinen nackten Körper zu verlassen, an meiner Seite entlang, über die Taille zu meinem Becken, wo sie verharrte und Edward mit seinem Daumen Kreise zog. Instinktiv öffnete ich meine Beine weiter und keuchte laut auf, als seine Finger zu der Innenseite meiner Oberschenkel glitten. Dabei spürte ich, wie sich zwischen meinen Schenkeln ein neues Gefühl, das mein innerstes zusammenzucken ließ, breit machte und ich es kaum noch erwarten konnte, Edwards Finger an meiner intimsten Stelle zu spüren. Ein Stöhnen drang aus meiner Kehle, als er näher an meine Schamlippen fuhr und sich wieder entfernte. Er neckte mich absichtlich und es machte mir wahnsinnig. Am liebsten hätte ich ihm zugerufen, dass er alles mit mir tun konnte, was er wollte, aber ich schaffte es nicht, da ich von meinen Gefühlen so überwältigt war ein Wort zu sagen. Quälend langsam löste er seinen Mund von meinem Nippel und blies kurz über die feuchte Stelle, was mich zu meiner Verwunderung sehr erregte. Ich wusste, dass er abermals auf meine Einwilligung wartete und ich gab sie ihm nur zu gerne.
Seine Hand glitt quälend langsam hinauf zu meinem Venushügel und er legte diese sachte auf meine Haut, bevor er mit seinem Daumen meine Schamlippen teilte und sanft meine Klitoris zu massieren begann. Automatisch öffnete ich meine Beine noch weiter, damit Edward besseren Zugang zu meinem Kitzler haben konnte. Ich spürte, wie sich allmählich meine Scheide zusammenzog und ich immer intensiver auf Edwards Berührungen reagierte. Als er mich zu küssen begann, schlang ich meine Arme um seinen Hals und drückte meine Brust gegen seine. In seinen Augen konnte ich klar und deutlich die Lust erkennen und seine Erektion presste gegen meinen Oberschenkel. Mich interessierte, wie sich sein männliches Glied in meiner Hand anfühlen würde und stöhnte auf, als er mit seinem Finger Stück für Stück in mich eindrang. Ich wusste zwar, wie mein Körper reagieren konnte, da ich schon oft genug meinen eigenen Körper erkundet hatte, jedoch war das etwas vollkommen Neues. Als er einen zweiten Finger dazu nahm und mich nun am Hals weiter zu küssen begann, begann ich vor Lust zu zittern und bäumte mich ihm entgegen. Ich spürte, wie die Wände meiner Vagina immer empfindsamer wurden und Edward immer wieder einen Punkt erwischte, der mich gen Himmel schicken ließ. Das Zusammenspiel seiner Finger in mir, auf meinem Kitzler und seiner Zunge an meinem Hals, vernebelte mir so die Sinne, dass ich geschockt die Luft einzog, als sich meine Scheide um seine Finger zusammenzog und sich in mir ein Gefühl von Wärme, Befriedigung und Glück ausbreitete.
„Und das war der erste Orgasmus, den ich dir beschert habe und es werden noch viele folgen“, flüsterte Edward an meinem Ohr und zog seine Hand langsam von mir zurück. Dabei strich er noch einmal sanft über meine reizempfindliche Klitoris und jagte mir wieder einen Schauer durch den Körper. Dieser konnte jedoch nicht mehr wegen der Überflutung meiner Nerven so reagieren, wie er wollte. Liebevoll küsste er mich und lächelte mir schließlich zu.
„Ich bin stolz auf dich. Du hast mir vertraut und das hat mir viel bedeutet“, meinte er und strich mir über meine erhitzte Wange. Ich erwiderte sein Lächeln und bemerkte sein hartes Glied, als ich mein Bein etwas bewegte.
„Was ist mit dir?“, fragte ich ihn etwas nervös, obwohl es mir dumm vorkam, nach solch einem intimen Moment immer noch nervös zu sein.
„Es ging nur um dich!“ Ich schüttelte leicht den Kopf, denn ich fand es unfair, wenn nur ein Partner seiner Lust nachkommen konnte und der andere im Trockenen sitzen blieb. Deshalb nahm ich all meinen Mut zusammen und strich über seinen Penis. Ein ersticktes Keuchen kam von ihm und ich merkte, wie er mein Gesicht studierte. Ich nickte ihm zu und er nahm bestimmt, aber nicht zu fest, meine Hand und zeigte mir, wie ich diese auf seinem Glied bewegen sollte. Die Haut fühlte sich samtig und glatt an, als ich darüberstrich. Wie er sich wohl in mir fühlen würde. Sein Penis war groß und ich fragte mich, wie er jemals in mich passen würde. Als hätte er meine Gedanken gelesen, flüsterte er: „Nicht heute. Ich will das hier nicht zerstören. Wir haben noch ein paar Tage … ah… doch ich möchte davor deinen Körper genau kennen lernen…. ahhh…. wissen, was du magst und was nicht und du sollst es von mir wissen. Und das… ah… wird nicht heute geschehen.“ Sein Satz war durch sein Stöhnen teilweise unterbrochen wurde, da ich nicht aufgehört hatte ihn zu massieren. Schon längst hatte sein Präejakulat meine Handfläche benetzt und machte es mir einfacher über sein Glied zu streichen. Es war spannend Edwards Gesichtsausdruck anzusehen, als ich ihn streichelte, massierte und neckte. Seine Mimik zog mich in den Bann und ich merkte langsam, dass sein Atem nun schneller ging und sein Penis zu zucken begann. Er wollte gerade etwas sagen, doch kam nicht soweit, als er seinen Samen über meine Hand und den Oberschenkel ergoss. Wohlig seufzend legte er sich neben mich und sah mich bewundernd an.
„Danke!“, flüsterte er, küsste mich sanft und zog mich dann zu sich. Mit seiner freien Hand wischte er mir sein Sperma mithilfe eines der Laken vom Oberschenkel und der Hand. Dankbar lächelte ich ihm zu und er warf es auf den Boden.
„Vielen Dank für diese Erfahrung“, murmelte ich, als ich mich an seinen Körper schmiegte und mein Bein über seines legte.
„Ich danke dir“, hörte ich noch, bevor ich in einen sanften und erholsamen Schlaf glitt.
[1] Tanzen ist die Kunst einander im Takt auf die Füße zu treten, ohne betreten zu schauen! (Unbekannt)