Kapitel 12

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Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.“  – Friedrich Hebbel

„Emmett, kümmere dich darum, dass niemand in dieses Zimmer hineinkommt, und dass Bella und ich ungestört sind. Denn ich muss mich jetzt um meine Verlobte kümmern.“ Der Angesprochene nickte und zog Rose, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, aus dem Zimmer. Die Tür wurde leise geschlossen und ich stand genau vor Isabella. Mit weit aufgerissenen Augenlidern starrte sie mich an und ihre Hände zitterten. Besser gesagt ihr ganzer Körper zitterte wie Espenlaub. Seufzend fuhr ich mir durch mein Haar und überlegte kurz was ich tun sollte. In solch einer Situation war ich noch nie gewesen. Wenn eine Frau normalerweise wegen mir weinte, so war es deshalb, weil ich unsere Liaison beendete und sie einfach nicht loslassen wollte. In diesen Fällen war es mir herzlich egal, ob die Frau weinte, oder sich etwas antat, denn für mich stand da nur meine Zufriedenheit im Vordergrund. Doch Bella so vor mir zu sehen, so ängstlich zusammengekauert und zitternd, machte es mir schwer sie anzuschreien.
Diese Situation war ein wahres Dilemma für mich, denn einerseits wollte ich sie für das, was sie gemacht hat rügen, zum anderen – was mich mehr verwunderte – wollte ich sie einfach nur in den Arm nehmen und trösten.
Ich schloss für einen kurzen Moment meine Augen und zog mir dann mein Sakko samt Hemd und Hose aus, da beides ja von ihr beschmutzt war. Dass ich nur noch in Boxershorts und Socken dastand, von den Schuhen hatte ich mich nebenbei entledigt, störte mich keineswegs. Isabella presste ihre Lippen aufeinander und kauerte sich noch mehr zusammen. Vor ihr ging ich in die Hocke und strich ihr zärtlich über die Wange. Dass sie sich versteifte und ihre Lider zusammenpresste, entging mir nicht. Ich hatte eine gewisse Ahnung was sie dachte, was ich vorhatte, doch das würde ich niemals einer Frau antun.

„Bella, sieh mich bitte an. Ich bin dir gerade nicht böse, jedoch werden wir über heute noch reden, wenn du wieder vollkommen nüchtern bist.  Gleichwohl gebe ich dir nun ein Versprechen: Nie – und wirklich unter keinen Umständen – würde ich jemals mit dir schlafen, wenn du es nicht willst. Eine Frau ohne ihre Einwilligung zu nehmen, ist nicht nur eine Straftat in meinen Augen, sondern eine Tat, die man nie entschuldigen oder büßen kann, dafür gibt es einfach nicht die richtige Bestrafung auf Erden. In unserer Ehe werden wir einvernehmlichen Sex haben, jedoch wirst du dich danach sehnen und es nicht als Muss, wie es in dem Vertrag steht, sehen. Ich werde dir gerne zeigen, wie schön dieses Erlebnis sein kann, doch werde ich mir davor erst dein Vertrauen gewinnen müssen. Vieles ist seit Anfang dieses Arrangements schief gegangen.“

Ich schnaufte, als sie mich immer noch ignorierte und legte eine Hand auf ihr Knie. Bella zuckte zusammen und wimmerte leise vor sich hin. Als ich mich zu ihr aufs Bett setzte, um sie eigentlich nur in den Arm nehmen zu wollen, kroch sie in die hinterste Ecke. Was tat ich hier eigentlich? So war ich nicht? Wem spielte ich hier etwas vor? Ich war noch nie ein Frauenversteher gewesen, ich wusste nur, wenn sie Sex haben wollten, was nie sehr schwer zu erraten war. Denn sie schmissen sich regelrecht mir um den Hals und flehten mich an, mit ihnen zu schlafen. Der Gentleman, der ich war, sagte selten nein. Doch Bella hier, war anders. Ich wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte.

Ich versank in meiner Grübelei, dass ich zusammenfuhr, als wieder ein markerschütternder Schrei von Bella das Zimmer erfüllte.
„Emmett, du Bastard, lass mich da hinein!“, schrie Rose draußen im Flur und trommelte kurz gegen die Tür. Bella sah zwischen mir und dem Durchgang hin und her. Mit zittriger Hand schloss sie ihren geöffneten Mund.
„Bella?“, fragte ich unsicher, da ich nicht wusste, was gerade passiert war. So schnell konnte ich nicht schauen, warf sie sich in meine Arme und begann fürchterlich zu weinen. Was war hier bloß los? Ich kannte mich gar nicht mehr aus. Zuerst kauerte sie sich in die Ecke, und jetzt überfiel sie mich. Eine Hand streichelte automatisch ihren Rücken und mit der anderen massierte ich ihren Nacken.

„Bitte, Edward, tu mir das nie an. Zwing mich nicht Kinder, die ich nicht möchte, von dir zu bekommen. Ich kann das nicht.“ Ohne es zu wissen, drückte sie gerade Knöpfe in mir, die mich an dieser ganzen Sache zweifeln ließen. Charlie hatte mir gesagt, dass Bella stark wäre, es schaffen würde, der Druck ihr nichts ausmache und dass sie das tun würde, was man ihr sagt. Ich konnte nur abfällig schnauben. Plötzlich stemmte sich Bella gegen mich und sah mich perplex an.
„Oh Gott, was mache ich hier? Da-da-das is-ist kein Traum.“ Panisch sah sie sich um und es machte klick in meinem Kopf.
„Nein, ist es nicht. Ich bin hier in Fleisch und Blut. Wäre es dir lieber, wenn Rose und Alice sich um dich kümmern?“ Fragend sah sie mich an und nickte schließlich. Bevor ich es wusste, war die Frage aus meinem Mund. Immer wieder tauchte der Gedanke auf, was ich hier eigentlich tat.
„Gut, dann werde ich mich umziehen gehen und die beiden zu dir lassen. Doch über das alles hier werden wir zwei noch reden.“ Gegen Ende des Satzes wurde meine Stimme wieder strenger.

Ohne jegliches Zurücksehen ging ich aus dem Zimmer und lehnte mich gegen die Wand. An dieser rutschte ich zu Boden und legte den Kopf in den Nacken. Genervt von dem Ganzen rieb ich mir die Nasenwurzel, um mich zu beruhigen, bis Rose und Alice auftauchten. Beide sahen mich mehr als wutschnaubend an, denn anscheinend hatte ich ihrem Baby weggetan.
„Haltet mir keine Rede, sondern geht zu Bella. Sie braucht euch mehr, als eure Lust mir nun die Leviten zu lesen. Ich denke im Gegensatz zu euch mit. Bitte, ich kann sie nicht so leiden sehen.“ Der letzte Satz schien zu überraschen. Rose und Alice sahen sich an und die Blonde nickte der anderen kurz zu, bevor sie in das Zimmer huschte und mich mit der zierlichen Frau vor mir alleine ließ.
„Das hättest du dir viel früher überlegen sollen. Sie leidet sehr unter dir. Bella ist zu dünn, zu erschöpft und zu erschlagen, um dir noch etwas entgegenzusetzen. Edward, mach verdammt noch mal deine Augen auf. Es kann so nicht weitergehen. Du zerstörst sie und auch dich, das muss dir klar werden!“
„Ich habe es gerade mit erlebt-“, begann ich, wurde aber sofort von Alice unterbrochen.
„Nein, nicht gerade, Edward, seit Wochen schon. Denn seit geraumer Zeit kursieren Gerüchte einer Magersucht und Depressionen über Bella im Internet. Du machst sie krank! Schau doch einmal genauer hin! Entweder lässt du sie komplett gehen, oder du änderst etwas und das zum Guten. Du kannst sie nicht weiterhin runtermachen, anschreien oder ignorieren, sonst kannst du sie demnächst in der Psychiatrie besuchen. Bis jetzt hat sie sich dir entgegenstellen können, nur durch deine arrogante Art hast du sie zerbrechlich gemacht und das ist keine Tat, mit der du dich rühmen kannst. Sieh dich an, du willst Präsident der Vereinigten Staaten werden und schaffst es nicht einmal deine eigene Verlobte…“ dieses Wort spuckte sie ironisch aus „… mit dem Respekt und der Würde die sie verdient, zu behandeln. Musst sie niedermachen, um weiterhin deinen Mann stehen zu können, weil du sonst Angst haben könntest, dass sie mächtiger wäre als du. Hör mir mal ganz genau zu, ich werde mit dem allen an die Presse gehen, wenn du dich nicht änderst, Edward. Deine Ziele sind gut, das muss ich selbst als Tochter einer Republikaner Familie zugeben, aber so wie du dich menschlich verhältst, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie du dieses Land führen möchtest. Mit eiserner Hand und Strafen für jeden, der dir widerspricht, doch dann kann man sagen: Willkommen in der Diktatur! Und du, als so großer Politiker, solltest doch wissen, wie man jemanden behandeln sollte! Ich werde ein Auge drauf haben und glaube ja nicht, mich in irgendeiner Art und Weise einschüchtern zu wollen.“ Ohne meine Antwort abzuwarten, stürmte sie in das Zimmer und ließ mich alleine im Gang zurück. Bella schien den beiden wirklich sehr viel zu bedeuten und langsam musste ich feststellen, dass sich meine Verlobte loyale Freunde ausgesucht hatte – jedoch würden diese niemals in meine Nähe kommen!

Müde und ausgelaugt fuhr ich mir durchs Haar, stand auf und suchte Emmett, der im Wohnzimmer bei Kaffee und Kuchen saß. Ungläubig sah ich jenen an.
„Was zum Teufel machst du hier und weshalb stehst du nicht oben vor der Tür, um diese Frauen davon abzuhalten in das Zimmer zu gelangen?“, fragte ich herrisch. Ertappt drehte sich mein bester Freund zu mir um.
„Äh… Nachdem Rose dort hineinwollte, habe ich sie hier heruntergetragen und dann hat sie mir Kaffee gemacht und diese Kekse gebracht – Mann, Ed, ich sag es dir, die Frau kann backen. Und jetzt sehe ich erst, dass die beiden weg sind. Keine Ahnung was mit mir los ist. Rose hat mir schöne Augen gemacht und argh…“ Bei der Vorstellung dass Rose ihm schöne Augen machte, musste ich schmunzeln, jedoch milderte dies nicht im Geringsten meine Verstimmtheit.
„Nun ist es auch egal. Sie sind jetzt bei Bella und kümmern sich um sie. Ich würde dich bitten meine Reisetasche aus dem Auto zu holen, sodass ich mir etwas Passenderes anziehen kann, denn in Boxershorts werde ich wohl oder übel nicht vor die Tür treten können. Danach fahren wir in ein Hotel.“ Kaum hatte ich ausgesprochen, huschte Emmett schon aus dem Zimmer.



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Ich träumte gerade von heißem Sex mit Isabella in unseren Flitterwochen, als mich plötzlich Kälte einhüllte und ich wach war.
„Was soll das? Ich will noch schlafen“, nuschelte ich und verbarg mein Gesicht im Kissen. Welcher Idiot weckte mich um diese unchristliche Stunde?
„Edward, auf mit dir, ich hab dir etwas zu sagen, und das geht nicht, wenn du im Bett liegst“, sagte plötzlich eine mir allzu bekannte Stimme. Sollte sie nicht in den Armen ihrer Freundinnen liegen und sich die Seele aus dem Leib weinen, als hier vor dem Bett zu stehen?
Seufzend drehte ich mich zu ihr um und lag, wie Gott mich geschaffen hatte vor ihr. Ihre Augen weiteten sich kurz, als sie mich in voller Pracht sah, doch sie legte schnell wieder ihr Pokerface an. Was war über Nacht in sie gefahren? Nun stand sie vor mir, wie am Anfang unserer Vereinbarung und stemmte selbstbewusst die Hände gegen die Hüften.
„Also?“ Meine Stimme klang barsch und ich wartete darauf, dass sie anfing. Als ich wieder etwas sagen wollte, kam sie mir zuvor.
„Hör mir zu, was ich dir jetzt zu sagen habe, denn ich werde es nur einmal tun. Ich werde mir Tanya und Emmett schnappen – beide haben schon ihr Einverständnis gegeben – und werde mit ihnen in die Hamptons zu deinem Familienanwesen fliegen, um dort etwas Urlaub zu machen. Keine Sorge, für Ersatz ist bereits gesorgt und dieser freut sich nur zu sehr dir zu Diensten zu sein. Außerdem sind wir beide uns dessen bewusst, dass ich aufgrund meiner derzeitigen physischen und psychischen Verfassung lieber nicht so viele Termine in der Öffentlichkeit wahrnehmen sollte. Nichtsdestotrotz, werde ich während meines Urlaubs ein paar Mal nach New York fliegen, um dort an Interviews im Fernsehen, welche Tanya schon organisiert hat, als auch Fotoshoots für Zeitungen, die ebenfalls schon abgesprochen sind, und an Charity Veranstaltungen teilzunehmen. Solltest du etwas dagegen haben, überhöre ich es einfach, denn deine Schwester und meine Schwägerin in Spe ist Feuer und Flamme für die Idee, sowie Jasper.

Und ich denke, dass diese überaus kompetenten Menschen schon richtig liegen werden. Über die Fragen bezüglich meines Urlaubes wirst du wohl stehen müssen, da wird dir Tanya noch eine Liste von Antworten, die du abgeben kannst mailen. Apropos Galas, ich werde ein paar großzügige Spenden in deinem Namen dort lassen, falls du dich dann plötzlich fragst, weshalb ein paar Millionen auf deinem gut gefüllten Konto fehlen. Was dir natürlich wieder Pluspunkte bringen wird. Zudem ich auch von der UNO eingeladen wurde das Gebäude zu besuchen und etwas Werbung dafür zu machen, da ich meinen Titel als Sonderbotschafterin beibehalten werde. Außerdem steht ein Besuch in sozialschwachen Teilen New Yorks an, in denen ich vor allem Kindergärten, Schulen und Waisen besuchen werde. Den Menschen muss dort einfach geholfen werden. Bei diesen Angelegenheiten wird mir ebenfalls Esme zur Seite stehen. Und wenn wir schon einmal bei deiner Mutter sind, sie wird dir leider nicht mehr bei der weiteren Planung unserer Hochzeit helfen, das musst du nun selbst mit unserem Weedingplaner arrangieren und da müsst ihr auch noch eine Menge abarbeiten. Einen neuen Entwurf unseres Ehevertrages wird dir durch deinen Anwalt übermittelt. Da ich so überaus freundlich bin, werde ich dir auch gleich ein paar Auszüge daraus verraten. Sollte es dir irgendwann im Laufe unserer Ehe in den Sinn kommen mich zu betrügen, so wird dein ganzes Vermögen an mich fallen. Nach unserem ersten Kind, werde ich bestimmen, wann das nächste kommt, nicht du, mein Lieber. Du wirst mir nicht vorschreiben, wie viel ich zunehmen darf, das werde ich allein entscheiden. Das Geschlecht unseres Kindes – sofern wir je eines haben werden – liegt nicht in unserer Bestimmung, außer du möchtest unbedingt ein Kind aus dem Reagenzglas. Das erste Mal, wann wir beide Sex haben, werde ich ebenfalls entscheiden. Ich werde weder deine Hure, noch deine Gebärmaschine werden. Du willst etwas von mir, Edward, so wirst du damit leben müssen. Und glaube ja nicht, dass das schon alles ist.“ Ich bekam nicht einmal die Möglichkeit zu antworten, da sie sich einfach umdrehte und hoch erhobenen Hauptes aus der Tür hinausstolzierte.

Was zum Teufel war das gerade gewesen? Hatte meine Verlobte mir gerade eine Rede gehalten, was ich in den nächsten Tagen zu tun hatte? War ihr nicht klar, dass ich genug um die Ohren hatte, als die Farbe der Servietten, die so oder so niemand betrachten würde, auszusuchen. Sie würde bestimmen, wann wir Sex hatten? Da täuschte sie sich gewaltig, denn meinem Charme würde sie sich nicht entziehen können. Woher nahm sie bloß diese Kraft nach dem letzten Tag? Gestern war sie noch so eingeschüchtert gewesen, dass sie vor mir zurückwich und meine Worte nicht erwiderte und heute stand sie selbstbewusst und streng vor meinem Bett und hielt mir eine Rede über unser Arrangement.  Nun gut, sie wollte es so haben, dann würde es auch so werden.

Renée würde mir auf jeden Fall helfen. Sie besaß einen wunderbaren Geschmack. Ich würde ihr kurzerhand alles übergeben, so einfach war das. Aber warum um Gottes willen nahm sie sich die Freiheit, mir einfach Tanya und Emmett wegzunehmen. Ich brauchte die beiden, kein Ersatz würde an sie heranreichen. Je länger ich daran dachte, dass sie mir vorschreiben wollte, was ich zu tun hatte, desto größer wurde die Wut, die in mir aufsteigt. Wie konnte sie es wagen? Die Vase, die auf dem Beistelltisch stand, wirkte verführerisch auf mich. Deshalb nahm ich diese und warf sie einfach gegen die Wand. Ich war gerade dabei das Hotelzimmer, wie ein Rockstar zu zerlegen, als plötzlich meine Hand gepackt wurde und ich mich in einem Griff befand, in dem ich mich nicht bewegen konnte.
„Edward, es reicht.“ Emmetts Stimme klang gelangweilt und gleichzeitig gereizt. Ich war nur froh, dass ich mir während meinen Überlegungen etwas angezogen hatte, denn nackt vor meinem besten Freund stehen, wollte ich nicht unbedingt.
„Lass mich los, Emmett, oder du sitzt morgen ohne Job auf der Straße.“
„Selbst dann würde ich dich jetzt nicht weitermachen lassen. Sieh dich doch einmal um. Um das hier zu vertuschen, wirst du ein kleines Vermögen in diesem Hotel lassen müssen. Außerdem ist es mein Job dich zu beschützen und das heißt auch, dass ich dich davor bewahren muss, dich selbst zu verletzen. Also hör verdammt noch einmal auf mit diesem Blödsinn und lass uns lieber darüber reden!“ Emmett packte fester zu, als ich weiter versuchte mich zu wehren. Verdammte Scheiße, spürte der keinen Schmerz oder trug er einfach einen Ganzkörperpanzer?

Als ich mich wieder beruhigt hatte, ließ er mich los.
„Wollen wir im Wohnzimmer reden?“ Ich nickte ihm nur zu und ging voraus. Im nächsten Zimmer steuerte ich sofort die Minibar an und goss mir in ein Glas Scotch ein.
„Sag schon, was ist los mit dir? So habe ich dich noch nie erlebt. Ich weiß, dass du ein ganz schönes Temperament haben  kannst. Aber dass du mit Gegenständen um dich wirfst und ein ganzes Hotelzimmer in Schutt und Asche legst, habe ich nicht gewusst. Also?“ Emmett sah mich eindringlich an, während ich mich ihm gegenüber auf die Couch setzte. Verärgert raufte ich mir das Haar und setzte dann an.
„Ich weiß es im Moment selber nicht. Isabella bringt mich regelrecht zur Weißglut, wenn wir uns nicht gerade ignorieren.  Weißt du, es wäre um so vieles einfacher, wenn wir beide problemlos miteinander klarkommen würden, so aber endet jedes Gespräch in einem Streit, weil unsere Meinungen ständig auseinandergehen. Ich frage mich ernsthaft, ob es eine gute Idee war, mir Isabella als meine Frau auszusuchen. Denn ich könnte ihr andauernd an die Gurgel springen aufgrund ihrer Naivität und Kindlichkeit.“
„Hast du sie dir nicht genau deshalb ausgesucht? Hattest du nicht schon lange ein Auge auf sie geworfen? Weißt du, wie sich das für mich anhört, als würdest du etwas für Bella empfinden, es dir aber nicht eingestehen wollen, da du ein Herz aus Eis besitzt. Das ist das, was du dir einredest, was du versuchst dir einzureden. Irgendwann wirst du drauf kommen, dass es einfach mit ihr sein kann, dass du nicht mit streiten musst, denn die Bella, die ich kennenlernen durfte in den letzten Wochen, ist eine nette, zuvorkommende, weltgewandte Frau, die weiß, was sie will, selbst, wenn du sie beinahe gebrochen hast. Ich bin froh, dass sie den so gleichgültigen Edward Cullen aus der Fassung bringt und ihm mal zeigt, dass es andere Empfindungen gibt, außer Gefühllosigkeit, Kaltherzigkeit und Berechenbarkeit. Sie zeigt dir, dass du bei ihr mit Macht, Egoismus und Erfolgswahn nicht weiterkommst. Bella ist eine kluge Frau, die dir nützlich sein kann, wenn du sie nur lassen würdest. Doch du verbietest ihr alles, machst sie regelrecht zur Schnecke und wunderst dich immer wieder, warum sie dir nicht aus der Hand frisst, wenn du sie mit Füßen trittst? Edward, du musst einmal einsehen, dass du nicht jeden beherrschen kannst und das sage ich dir jetzt als dein bester Freund. Hör auch einmal auf andere und vor allem auf dein Herz. Es hat immer recht.“
Ich ließ mir seine Worte durch den Kopf gehen. Rosalie, Alice und Emmett versuchten mir ins Gewissen zu reden, und scheiße, langsam nistete sich dieser Virus, dass ich Isabella anders behandeln sollte, ein.
„Nun gut, ich werde mich jetzt auf den Weg machen, denn Bella wartet schon auf mich und eine Lady sollte man nicht warten lassen.“ Er stand auf und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter.
„Versprichst du mir etwas?“, fragte ich ihn plötzlich. „Lass sie keine Scheiße bauen und passt bitte auf sie auf.“ Emmett begann schallend zu lachen.
„Klar, das ist doch mein Job und ich denke, dass das wie Urlaub wird auf die Kleine aufzupassen. Sie ist schon so etwas wie eine Schwester für mich.“ Lachend verschwand der Hüne und ich lehnte mich zurück und dachte über alles nach.


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Zwei Woche waren nun seit Isabellas Ansage vergangen und ihr schien es regelrecht gut zu gehen. Und Emmett hatte es sich zur Aufgabe gemacht, via eines Netzwerkes Bilder von Isabella zu schicken und das in den unmöglichsten Sachen und Posen, wenn ich gerade in der Öffentlichkeit war.
Am ersten Tag sendete mir Emmett – wie sich dann aber später herausstellte, dass sie doch nicht von ihm war, sondern nur von seiner Nummer gesendet wurde - noch ein Bild mit dem Satz „Gott, wie ich Eddie liebe. Dieser kleine Racker ist herzig und er erinnert mich so an dich, als du noch klein und süß warst! Xx Tanya“
Auf meinem Display tauchte ein Bild auf, auf dem Bella zu sehen war und eine kleine Ratte. Oh mein Gott, weshalb hatte sich diese Frau einen Jack Russell Terrier zugelegt?  Wie hatte sie sich das bitte vorgestellt. Ein Hund musste gepflegt und gefüttert werden und das Gassi gehen erst… Und was zum Teufel trug meine Zukünftige bitte? Wenn das nicht morgen in den Zeitungen stand, hatte ich mir damals gedacht. Und so wie ich es heraufbeschworen hatte, kam es dann auch, jedoch wurde nicht über ihren Stil geschrieben, sondern darüber, wie süß doch Eddie sei und dass man Bella gefragt habe, wie er hieße und sie geantwortet hatte: „Natürlich Eddie, eine Verniedlichung des Namens meines Verlobten. Denn dieser Hund erinnert mich so sehr an ihn und da wir leider die letzten Wochen vor der Trauung, aufgrund der Tradition in Edwards Familie, getrennt sein müssen. Wobei ich viel lieber bei ihm wäre, da dachte ich mir, dass ich einen Hund aus dem örtlichen Tierheim adoptiere. Eddie hatte mein Herz im Sturm erobert, genau wie mein Verlobter.“ Ich sah es schon kommen, dass mir dieser Hund nur Scherereien bringen würde.

Das nächste Mal hatte ich gerade ein Gespräch mit anderen Politikern, als ich eine Nachricht von Emmett bekam mit den Worten: „Mann, wäre sie nicht mit dir verlobt, würden die Wände dieses Hauses zittern von den Schreien ihrer Lust...“ Ich hatte mir nicht viel dabei gemacht, als ich die Datei geöffnet hatte. Im Nachhinein hätte ich es besser nicht tun sollen, denn Bella lag im winzigen Bikini am Pool und ließ sich Sonnen, wobei Emmetts Worte schon sehr eindeutig gewesen waren. Schweißtropfen rannten über ihren Bauch. Ihre Nippel waren aufgestellt, als wäre ihr kalt gewesen. Sofort waren Impulse durch meinen Körper gejagt und mein gutes Stück meldete sich erwartungsvoll und zu meinem Nachteil. Ich hatte damals fast meinen Kaffee über den ganzen Tisch verteilt und meine Kollegen hatten mich fragend angesehen.
„Stimmt etwas nicht, Senator Cullen. Sollen wir das Meeting auf morgen verschieben?“, erkundigte sich ein Mann und ich verneinte, denn wäre ich nun aufgestanden, hätte jeder mein kleines Problem bemerkt. Emmett hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, mir einmal am Tag ein Bild zu schicken, um mich zu beruhigen, dass alles in Ordnung war.

An einem anderen Tag hatte ich ein Bild von ihr mit dem Titel: „Auf den Weg in die Sauna und nicht nur die ist heiß…“ Ich sah sie von hinten und ihr Handtuch war verrutscht. War es nicht die Aufgabe dieses Stück Stoffes den Körper vor fremden Blicken zu schützen und nicht mehr als die Hälfte des Pos freizugeben? Verdammte Scheiße, hatte ich mir damals gedacht und sofort Tanya angerufen und sie gefragt, wer denn dieses Foto geschossen hatte.
„Bruderherz, ich war das, keine Sorge, so bekommt sie Emmett nicht zu sehen. Außerdem ist es nicht ihr ganzer Po gewesen, sondern nur der Ansatz. Jetzt hab dich da mal nicht so, sondern kümmere dich lieber um die letzten Hochzeitsrelevanten Angelegenheiten“, hatte sie mir beteuert und ich wusste, dass mich meine Schwester nie anlügen würde. Trotzdem wurmte mich dieses Bild, denn niemand außer mir, sollte sie so zu sehen bekommen.

Am darauffolgenden Tag bekam ich ein Foto, in dem Isabella in wirklich hotten Hot Pants und einem knappen Top auf der Straße zu sehen war. Ich hatte dieses Foto nur anstarren können und jetzt selbst bei dem Gedanken an dieses Bild wurde ich hart. Es war zum Verzweifeln gewesen. Jeden Tag verbrachte ich gut eine Stunde nur damit, mich um mich selbst zu kümmern. Nicht, dass ich jeden Morgen schon mit einer Morgenlatte aufgewacht war, nein, Emmett und Tanya mussten mich mit solchen Bildern von Isabella strafen und ich wusste, dass diese nicht unschuldig daran war.
Ein anderes Foto war Isabella am Poolrand gelehnt, ein paar nasse Strähnen ins Gesicht hängen. Lasziv biss sie sich in die Unterlippe und drückte ihre vollen Brüste in Richtung Kamera. Ich konnte nur hoffen, dass diese Bilder nie in die falschen Hände gerieten, denn das würde eine Welle der Empörung durch die USA auslösen und mir den Sieg kosten.
Ein weiteres Bild zeigte Isabella bei einem Spiel der New York Yankies, als sie herzhaft in einen Hot Dog hineinbiss. Meine Schwester und Emmett wussten beide nur zu gut, was einen Mann anmachte und dieses Bild traf genau ins Schwarze.

Das letzte Foto, das er mir gesendet hatte, bekam ich eine Minute vor meinem Auftritt in einer Show. Ich hatte gewusst, dass ich es nicht hätte öffnen sollen, aber der Titel „Puh, es war so heiß, da mussten wir einfach Eis essen“ klang viel zu verführerisch, als dass ich nicht hineinsah. Bis zu dem Tag hatte ich mir immer wieder auf ein neues sexy Bild von meiner Verlobten gefreut. Isabella hielt ein langes und großes Wassereis in der Hand und lutschte mit unschuldigem Blick daran.
„Und nun begrüßen Sie bitte Senator Edward Cullen“, hatte der Moderator damals gesagt und ich hatte dort hinausmüssen, obwohl ich mir meiner körperlichen Reaktion nur allzu bewusst war… Das ganze Interview über versuchte ich meine sexuelle Frustration verborgen zu halten und der Moderator fragte öfters nach, ob alles bei mir in Ordnung sei, da ich nicht gut ausgesehen hatte.

Nach diesem Auftritt und einer Welle von Fragen, ob es mir gesundheitlich gut gehe und ob ich das Amt des Präsidenten sogar schaffen würde, verebbten die neckischen Fotos von Emmett und Tanya. Stattdessen sendete mir Emmett andere Schnappschüsse. Den ersten mit den Worten: „Du kannst glücklich sein, dass Bella das nicht mehr möchte. Wir wollten weitermachen, aber sie weiß, wie wichtig dir das ist und will nicht, dass du aufgrund ihrer Bilder schlecht dastehst. Deshalb bekommst du die echte Bella zusehen, geheime Fotos, die ich mache, damit du ihr wahres und liebliches Gesicht siehst.“
Den Anhang machte ein Foto, auf dem sie mit Eddie auf den großen Rasen spielte und ein freudiges Lächeln ihr Gesicht zierte. Weitere Bilder von Bella, als sie mit Tanya im Regen tanzte; einfach nur auf der Couch in Jogginghose und weitem T Shirt; mit einem langen weißen Kleid und einem Hut am Strand, wo ihr der Wind das Haar nach hinten weht und sie mit den Füßen im Meer geht; sie mit meiner Schwester am Boden Karten spielt und Eddie durch das Spiel rennt und alles zerstört oder als sie zu Tanyas Füßen sitzt und dieser ehrfürchtig beim Gitarrenspielern zusieht. Jedes dieser Bilder sagte mehr über Bella aus, als jedes Wort, das sie mit mir gewechselt hatte. Es war schon etwas Wahres an der Phrase: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ dran. Sie war so entspannt und fröhlich auf jedem Foto, auf denen ihre Jugend und natürliche Schönheit zum Vorschein kam.

Sanft strich ich über den Bilderrahmen, der auf meinem Schreibtisch stand. In dem Moment änderte sich wieder das Bild und eines auf dem sie von Tanya gekitzelt wurde, war zu sehen. Die Fotos, die Emmett heimlich gemacht hatte, gefielen mir um einiges besser als die gestellten. Sie war natürlich und hatte sichtlich Spaß bei dem was sie machte, denn diese Bilder konnte ich mir immer wieder ansehen und nicht genug davon bekommen. Genauso gerne hätte ich Bella um mich. In so eine Frau, könnte ich mir sogar vorstellen, mich zu verlieben. Die ersten Tage war ich wütend gewesen, da sie sich nicht benehmen wollte, doch wenn ich genauer darüber nachdachte, so war es einfach deshalb gewesen, weil ich unbedingt mit ihr schlafen wollte.

Mit den Worten: „Senator Cullen, das Interview Ihrer Verlobten beginnt jeden Augenblick“ riss mich meine Assistentin aus meinen Gedanken. Ich bedankte mich herzlich bei ihr und schaltete den Fernseher in meinem Büro ein und auf den Sender, der das Gespräch übertrug. Gebannt wartete ich darauf, dass Isabella ins Bild kam. Als ihre ersten Worte ertönten, fiel mir auf, dass ich ihre Stimme seit langem nicht mehr gehört hatte. Jedoch würde ich sie übermorgen wiedersehen und dann würde sie für die nächsten Jahre meine Frau sein.