Kapitel 8
„Eine Lüge zieht die andere nach sich.“ – Lateinische Lebensweisheit
„Also, das ist so…“, begann Tanya mit sorgenvoller Miene, setzte sich auf das Sofa und bedeutete Bella, neben ihr Platz zu nehmen. Da ich die Geschichte und die Konsequenzen, die sie für mich haben würde, bereits kannte, ging ich hinauf ins Schlafzimmer und duschte mich. Ich wollte mich nicht an die Geschichte mit Joyce Cooper erinnern, sondern ließ den Tag Revue passieren, besonders die Zeit in dem Dessous Geschäft, während das eiskalte Wasser auf mich hinabprasselte.
***
Da standen wir also vor Victoria‘s Secret und ich wusste nicht recht, wie ich das einordnen sollte. Entweder würde sich dies als Scherz herausstellen, damit Isabella sehen konnte, wie weit sie bei mir gehen konnte, oder sie würde dort wirklich hineingehen. Und wenn letztes, war ich mir sicher, dass sie einen Plan ausheckte. Doch ich hatte mir geschworen – als sie in mein Büro eintrat und danach fragte – dass ich mitspielen würde. Ich konnte somit testen, was sie mir glaubte. Aus diesem Grund würde ich nun mein schauspielerisches Talent zu Tage fördern und sie verwirren.
„Also, war das kein Scherz, dass du in diesen Laden wolltest?“ Ich sah, dass ihre Mundwinkel zuckten und Isabella kurz davor war zu lachen. Wenn sie wüsste, was ich vorhatte.
„Ja, schließlich brauche ich andere Unterwäsche. Du kannst gerne hier draußen warten, nur hätte ich davor liebend gern deine Kreditkarte. Schließlich musst du mir jetzt alles bezahlen, ich bin ja deine Verlobte.“ Umgehend spielte sie also diese Karte aus, das konnte ich aber auch. Jedoch würde ich diese bestimmt nicht gegenwärtig verwenden, dafür gab es passendere Zeitpunkte. Ich dachte nur an verschiedenste öffentliche Auftritte. Wahrscheinlich war sie der Annahme, dass sie mich in der Hand hatte, doch das war bestimmt nicht der Fall. Denn grinsend streckte sie mir jenen Körperteil entgegen.
„Du kannst dich entscheiden: entweder du gehst mit mir dort hinein und siehst dich um, oder du wartest hier und schwebst in Gefahr, dass dich jemand erkennt. Nun?“ Ihren Blick entgegnend, trat ich ein, auch wenn es sich meiner Erziehung nach gehörte, einer Lady – traf das überhaupt bei ihr zu? – den Vortritt zu gewähren. Mir wäre es lieber gewesen, draußen zu bleiben und mit den wartenden Paparazzi ein kleines Gespräch bezüglich des Konfliktes in Iran und Afghanistan zu führen. Das wäre eine sehr kurze Unterhaltung geworden. Der Anblick des Inneren des Ladens war vielversprechend, auch wenn ich wusste, dass Isabella keine Modenschau für mich veranstalten würde. Sehr schade, bei all den knapp geschnittenen Dessous. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass eine blonde Verkäuferin auf uns zustürmte. Die Brüste quollen aus der Bluse und die Jeans war eindeutig zu eng. Wenn sie dachte, dass das einen Mann anmachte, tat sie mir wirklich leid. Ich warf einen flüchtigen Blick zu Bella, die mit einer Hand vor den Augen dastand.
„Wie wäre es, wenn ich Ihnen etwas vorführe, damit Sie einen Eindruck bekommen, wie es aussehen kann?“ Die Stimme dieser Frau war wirklich schrecklich und sie erinnerte mich sehr an Jessica.
„Das wäre sehr… kundenfreundlich von Ihnen.“ Ich hatte meine Worte mit Bedacht gewählt, denn kundenfreundlich war es allemal, nur die versteckte Botschaft war mir aufgefallen. Diese Frau interessierte mich jedoch wenig und es gab hübschere in meinem Telefonbuch, die ich jederzeit hätte haben können. Ich begleitete sie ein paar Schritte und sah, dass Isabella sich schon auf die Suche begeben hatte. Die Frage, weshalb sie sich nichts via Internet bestellte, kam mir schon bei der Herfahrt, allerdings war es so doch eine lustige Angelegenheit für mich. Selbst wenn die Paparazzi draußen warteten, brachte dies noch positive Presse mit sich.
„Entschuldigen Sie, Miss, aber ich denke, dass ich Ihr Angebot doch nicht annehmen kann. Ich werde mich etwas umsehen, um meine Verlobte zu überraschen, denn diese ist die eigentliche Hauptperson oder wird hier nur die männliche Kundschaft bedient?“ Ihr Kiefer klappte erschrocken hinunter, ich drehte mich wortlos um und entfernte mich.
Nachdem ich mich etwas umgesehen und schon ein paar gedankliche Notizen gemacht hatte, dass ich das eine oder andere Dessous liebend gerne in ihrem Kleiderschrank sehen würde, bemerkte ich, wie Bella von einer Frau ein Baby in den Arm gelegt bekam. Interessiert betrachtete ich die Szene. Anscheinend wusste sie nicht, wie man mit einem Kind umging, wie wollte sie dann welche großziehen? Heute spielte ich den netten Mann an ihrer Seite und deshalb würde ich ihr Ritter in der weißen Rüstung sein. Langsam trat ich hinter sie. Das Baby schien zu schlafen. Es erinnerte mich mit dem braunen Haar sehr an Isabella.
„Hier bist du“, sagte ich und Isabella fuhr merklich zusammen. Wenn sie Glück hatte, würde das Kind weiterschlafen. Bei mir war sie damals immer aufgewacht, wenn Alex mich unbedingt wieder einmal erschrecken musste. Ich hörte sie erleichtert aufatmen und mir fiel auf, dass das Köpfchen des Neugeborenen über den Ellbogen hing.
„Du solltest das Köpfchen etwas mehr stützen.“ Ich nahm mir die Freiheit, ihre Haltung zu korrigieren, als auch schon die Mutter wieder zu uns stieß.
„Vielen herzlichen Dank, dass Sie auf meine Kleine aufgepasst haben und jetzt weiß ich, woher ich Sie kenne. Isabella Swan, oder?“ Isabella versteifte sich merklich, doch sie war an der Reihe das selbst in die Hand zu nehmen. Inzwischen betrachtete ich das Baby. Auch wenn ich nie Kinder haben wollte, war dieses Baby doch Bella so ähnlich, dass ich das kleine Wesen schlichtweg adoptiert hätte. Und das nur, weil eine so immense Affinität zwischen den beiden bestand.
„Oh, und dann müssen Sie Senator Cullen sein! Was für eine Ehre, Sie einmal persönlich kennenzulernen!“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, zumindest dachten die umstehenden Personen das, ich hatte jedenfalls Isabella beobachtet, tat jedoch so, als würde es mich überraschen. Was für ein guter Schauspieler ich doch war. Schnell kehrte ich in meine ursprüngliche Haltung zurück und schüttelte die Hand.
„Es freut mich ebenfalls, Sie kennenzulernen. Sie haben wirklich eine bezaubernde Tochter. Ich hoffe, dass wir beide auch einmal ein so süßes Kind haben werden.“ Die Dame strahlte mich an und Isabella räusperte sich. Auf den Sex freute ich mich schon, jedoch musste ich mich erst mit Tanya und Jasper beraten, wann der günstigste Zeitpunkt – nicht vom biologischen Aspekt, sondern vom politischen – war, um eine Schwangerschaft zu verkünden. Vielleicht würden wir nie zu diesem Mittel greifen müssen – ich hoffte es. Denn ich hatte gewiss nicht vor, in den kommenden Jahren Vater zu werden.
„Sie einmal nicht über den Bildschirm zu sehen ist etwas Besonderes für mich und ich werde den Tag nie vergessen. Ah, mein Mäuschen wacht auf. Vielen Dank nochmals.“ Und damit marschierte sie mit dem Baby in den Armen zur Kasse. Als ich zu Isabella blickte, merkte ich, dass sie über irgendetwas nachdachte. Ich hätte zu gerne gewusst, was in dem Köpfchen vor sich ging. Vielleicht stellte sie sich unser Kinder tollend vor dem Weißen Haus vor. Bei dem Gedanken krauste ich die Nase. Denn Kinder – auch wenn sie süß waren – bedeuteten einen Haufen Arbeit und den konnte ich niemanden aufhalsen, schon gar nicht, wenn ich ins Weiße Haus einzog. Denn ich würde als Präsident gebraucht werden und Isabella als First Lady. Ich schob meine Gedanken beiseite und warf einen Blick auf die Uhr. Wir sollten los.
„Schatz, wollen wir nicht langsam zahlen?“ Isabella sah sich verwirrt um und ich deutete zur Kasse.
***
Eine gegen die Wand schmetternde Tür ließ mich hochschrecken und ich bemerkte, dass Bella wütend vor der Duschwand stand. Sie stemmte ihre Hände gegen die Hüfte und sah mich mit hasserfülltem Blick an.
„Du redest immer von Diskretion, von Verträgen und Verschwiegenheit, aber selbst hältst du es überhaupt nicht ein? Wie nötig musst du es haben, wenn du jedes verdammte Angebot einer halbwegs attraktiven Frau annimmst? Wie verzweifelt? Und verzeih jetzt den Ausdruck, untervögelt? Sag mir das! Und dann lässt du sie nicht so einen gottverdammten Vertrag unterschreiben! Und wehe, du kommst jetzt mit der Ausrede, dass du damals noch nicht vorhattest, Präsident zu werden! Du standest am Anfang deiner Karriere, da ist das doch das Wichtigste, Diskretion zu wahren und schläft nicht mit seiner verheirateten Assistentin, die noch dazu schwanger ist! Das wird dich jetzt in den Medien ruinieren. Deine Umfragewerte sind in den Keller gefallen und du kannst dich langsam von deinem Traum, der mächtigste Mann der Welt zu werden, verabschieden. Denn ich unterstütze niemanden, der eine Frau zu etwas Sexuellem nötigt! Da ist meine Schmerzgrenze erreicht. Nun sei dir gewiss, dass ich, sollte sich nicht herausstellen, dass sie nicht lügt, indem sie sagt, du hattest sie gezwungen, werde ich unsere Zweckgemeinschaft lösen und dich allein da stehen lassen. Schließlich ist es nicht nur schlechte Publicity für dich, sondern auch für mich und ich habe noch meine Karriere vor mir, im Gegensatz zu dir!“ Verdammte Scheiße! Ich hatte sie noch nie so austicken gesehen. Um ihr nicht zu zeigen, wie mich ihr Auftritt schockte, begann ich schallend zu lachen.
„Wage es ja nicht, mich auszulachen! Edward, ich warne dich!“ Plötzlich öffnete sie die Duschtür und tippte mir mit dem Zeigefinger auf die Brust. Ich fühlte mich zwar nicht unwohl, nackt vor ihr zu stehen, aber mir wäre es absolut lieber gewesen, wenn sie ebenfalls hüllenlos wäre.
„Vor mir brauchst du nichts zu verstecken, auch wenn ich eine Jungfrau bin, heißt das noch lange nicht, dass ich keinen Penis in meinem ganzen Leben gesehen habe. Oder hast du etwa Angst davor, dass-“ Ich hatte mich gegen die geflieste Wand gelehnt und ihr gelauscht. Doch jetzt genügte es!
„Du willst also jede Kleinigkeit über Joyce Cooper erfahren? Wirklich alles? Nun gut, aber dann spielen wir das nach meinen Regeln!“
„Hier wird nichts nach niemandes Regeln gespielt! Ich bin den Quatsch, wer von uns beiden der Stärkere ist, leid. Hör auf, die Leute um dich herum auszunutzen und zu manipulieren!“ Ich zog eine Augenbraue in die Höhe, als sie mich abermals anschrie. Ihre Stimme überschlug sich mehrmals. Morgen würde sie bestimmt heiser sein und dann wäre ich bestimmt der Schuldige.
„Ich habe mich nicht gewählt genug ausgedrückt: Wenn du die Geschichte hören möchtest, dann lass mich fertig duschen und ich erzähle dir dann alles.“
„Nicht dann oder gleich. Ich will es sofort wissen, das ist mein gutes Recht!“, schrie sie mich erzürnt an. Die kleinen Hände stemmte sie an meine nackte Brust und drückte mich in zurück ins Bad. Ich hatte keine Ahnung, was sie so zur Weißglut trieb. Sicher sprach nichts dagegen, dass sie wütend war, jedoch übertrieb sie es maßlos. Doch von den Zankereien meiner Schwester, wusste ich, dass ich lieber ruhig bleiben sollte. Sonst würde es in einem völligen Chaos enden. Vielleicht lag es an den Hormonen. Tanya wurde immer ungemütlich, wenn sie ihre Menstruation bekam.. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich sie die Zähne zusammenpressend anzischte.
„Schrei mich nicht an.“ Augenblicklich spürte ich, wie sie ihre Nägel in meine Haut versenkte. Als würde mir das etwas ausmachen. Ich wurde in vielen Nächten gekratzt oder gebissen. Ich packte ihre Armgelenke und drehte sie um, sodass sie mit dem Rücken zu mir stand.
„Nun gut, dann erzähl ich dir von Joyce Cooper. Ich war frisch als Senator gewählt worden und mein Partner hatte mir Joyce empfohlen. Tanya stellte sie auch sofort auf meinen Wunsch ein. Sie war seit zwei Jahren verheiratet und hatte einen Sohn, das erzählte man mir jedenfalls. Daher war sie anfangs eine Tabu-Zone für mich. Doch ich fand sie von je her attraktiv und die Schwangerschaft machte sie nicht minder sexy, ihre Brüste waren praller und…“ Isabella schnaubte: „Das ist aber auch so typisch!“ Unbeirrt fuhr ich fort. „ ... als wir wieder einmal länger im Büro blieben, war es passiert. Ich hatte nichts zu befürchten, da sie ihr zweites Kind erwartete. Mit ihren Röcken und offenherzigen Blusen raubte sie mir schon des Öfteren den Gedanken an eine Nacht mit ihr, jedoch schreckte mich ihr Ehering immer ab.
«Senator, Ihr Kaffee», hatte sie gesäuselt und stellte mit zittriger Hand die Tasse ab. Normalerweise erledigte das immer einer der Praktikanten. Also nahm ich lächelnd einen Schluck und kippte das heiße Getränk über meinen Körper. Mit einem «Fuck! » war ich damals aufgesprungen und hatte mir das klatschnasse Hemd vom Körper gehalten.
«Ähm… Ich hole schnell etwas zum Trocknen.» Joyce rannte aus dem Büro und ich knöpfte mir eilig das Kleidungsstück auf. Ich hatte immer vorsichtshalber Ersatzsachen in einem der Schränke platziert. Das fleckige Hemd hatte ich auf die kleine schwarze Couch geworfen und ging zum Schrank, um mir ein frisches zu holen. Mit jenem in der Hand wandte ich mich um und fand eine mich anstarrende Joyce vor. Sie schluckte schwer und musterte mich eingehend. Langsam kam sie auf mich zu und als sie mich küsste, wollte ich sie von mir drücken, doch ich hatte durch den ganzen Stress so lange keinen Sex mehr gehabt, sodass ich sie an mich zog und leidenschaftlich den Kuss erwiderte.
Die aufgebaute Spannung entlud sich und wir begannen eine kurze Affäre, die ich bis heute nicht bereue. Der Sex war fantastisch und sie wusste Privates und Geschäftliches zu trennen, was ich als sehr angenehm und neu empfand. Als Komplikationen – sie erbrach öfters am Tag – während der nächsten Wochen auftraten, schickte ich sie vorsichtshalber nach Hause und sie kündigte nach einem Monat. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört. Jedoch habe ich es nicht versäumt, sie einen Verschwiegenheitsvertrag unterschreiben zu lassen mit einer zusätzlichen Klausel, und diesen wird mein Anwalt ihr in den nächsten Minuten überreichen. Und, Isabella, glaube mir, ich habe noch nie meine Hand gegen eine Frau erhoben, geschweige denn eine vergewaltigt. Ich empfinde dieses Vergehen als widerwärtig und falls du mein Programm gelesen hast, wird dir sicher der Punkt ‚Strengere Strafen für Sexualverbrecher‘ aufgefallen sein. Jedoch wird Joyce Cooper ihr Schritt ins Rampenlicht teuer zu stehen kommen! Wie ich vorher anmerkte, ich bereue nichts, dennoch zeige ich Reue dafür, was nun ans Licht kommt.“
„Wer Reue zeigt, den soll man nicht an seine früheren Sünden erinnern*“, hörte ich die Brünette flüstern. Ich ließ Isabella los, die sich sofort umdrehte, sodass sie mit dem Gesicht zu mir stand. Sie war immer noch wütend auf mich, das konnte ich daran merken, wie schnaubend sie atmete und die Augen verkleinert hatte.
„Mach das nie wieder! Ich sag dir das, Edward. Halte mich noch einmal so fest und ich fahre andere Geschütze auf! Mir reicht es jetzt! Ich spiele mit Sicherheit nicht dein kleines Schoßhündchen. Morgen werde ich unseren Familienanwalt anrufen und mit ihm ein Treffen vereinbaren. Für unsere Beziehung möchte ich Verträge! Denn es reicht! Schließlich weiß ich nicht einmal, was gestern Nacht vorgefallen ist. Erkläre mir das einmal!“ Mit ihrem Zeigefinger tippte sie mir auf die Brust. Ihr Kinn hatte sie in die Höhe gereckt. Doch es reichte mir nun. Ich zog sie zu mir in die Dusche und unter das kalte Wasser. Vielleicht half ihr jenes, sich abzureagieren.
Plötzlich wich aus ihren Wangen, die noch zuvor vor Zorn purpurfarben waren, die Farbe und die Lippen bekamen einen dezenten Blaustich. Die Augen strahlten jedoch immer noch die Kampfeslust aus. Ihr Mund öffnete sich und ich konnte ihre schweren Atemzüge hören. Das Wasser prasselte beharrlich auf uns nieder und ich stellte es ab. Doch sie zog immer schneller und schneller die Luft ein und ihre Augen konnten keinen fixen Punkt anvisieren. Als sie sich heftiger zu schütteln begann, stellte ich sie mit dem Rücken an meine Brust.
„Bella, atme mit mir mit!“ Tiefe Atemzüge nehmend, stand ich hinter ihr und hielt sie fest. Doch diese scheiß Atemübungen wollten nicht helfen, denn sie schnappte nach Luft und ließen sich nicht beruhigen. Auf einmal gaben ihre Knie nach und hätte ich sie nicht festgehalten, wäre sie zu Boden gesackt. Den einen Arm schob ich in ihre Kniekehlen, den anderen legte ich um den Brustkorb und so hob ich sie hoch.
In diesem Moment wurde die Tür geöffnet und Tanya trat ein.
„Was ist mit ihr“, fragte meine Schwester panisch und sah sich hilfesuchend um.
„Keine Ahnung, sie ist mir hier gerade zusammengebrochen. Hol Decken und ruf Dad an, der weiß was zu tun ist!“ Ich stieg mit ihr aus der Dusche. Es war ein schweres Unterfangen, sie sicher in mein Bett zu bringen, da die Hälfte des Weges aus glatten Fließen bestand. Jede Sekunde fürchtete ich, dass ich mit ihr in den Armen auf dem Boden landete. Meinen Griff verstärkte ich sicherheitshalber.
Unversehrt im Schlafzimmer angekommen, legte ich sie sacht auf die Matratze. Tanya und Angela kamen jeweils mit einem Stapel Decken in das Zimmer geeilt, während ich Bella von ihrer nassen Kleidung befreite. Ihr Körper hatte seine Schutzreflexe genutzt und trotzdem zitterte sie noch wie Espenlaub. Meine Schwester rief in der Zwischenzeit Dad an und dieser teilte uns per Lautsprecher mit, was wir zu tun hatten, bis er und Mum da waren. Verwirrt sah ich Tanya an, die mit der Hand abwinkte.
„Es ist jetzt egal, dass die beiden hier sind, kümmere dich lieber um Bella, sie braucht dich jetzt!“ Wie Dad es gesagt hatte, überprüfte ich Atmung und Puls und brachte sie danach in die stabile Seitenlage. Über Bella waren einige Decken ausgebreitet und ich überprüfte bis zum Eintreffen meines Vaters immer wieder ihren Herzschlag. Was war bloß in mich gefahren, sie mit unter das eiskalte Wasser zu ziehen? Ich war es gewohnt, sie nicht. Kein Wunder, dass sie ohnmächtig wurde.
„Ähm… Edward“, sagte meine Schwester und reichte mir eine Boxershorts, sowie Jogginghose und Shirt. Schnell zog ich mir das an und war froh darüber, denn keine Minute später standen meine Eltern vor mir.
Während Carlisle sich fachmännisch um Bella kümmerte, begleitete ich Mum in die Küche. Still sah ich ihr zu, wie sie Wasser aufsetzte.
„Isabella ist eine hübsche Frau. Aber erkläre mir eines, weshalb machst du das? Ich meine jetzt nicht die Aktion, die vor ein paar Minuten stattgefunden hat, sondern weshalb diese Farce? Sicher sind deine Umfragewerte zurückgegangen, aber die Amerikaner hätten dir das verziehen. Du bist ein umweltbewusster, sozialer und menschennaher Politiker und Mann. So, wie ich dich erzogen habe. Also, erkläre mir das bitte auch so, dass ich es verstehen oder tolerieren kann. Denn Isabella ist eine Frau, die ihr ganzes Leben noch vor sich hat. An deiner Seite wird dieses kleine Pflänzchen irgendwann eingehen, wenn du ihr nicht Freiraum und Mitbestimmungsrecht gibst. Lass sie gedeihen und zu einer wunderschönen strahlenden Rose erblühen, die dir nicht nur hilft, die Herzen deiner Wähler zu erobern, sondern die der ganzen Welt. Das Geheimnis eines guten Präsidenten ist nicht nur die gute Beratung seiner Vertrauten, sondern auch die Stütze durch seine Ehefrau. Nun warte ich auf eine Erklärung.“ Esme wandte sich um und blickte mich wie immer mütterlich an.
„Weshalb ich das mache ist leicht zu erklären, ich möchte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden, was bedeutet, dass ich wichtige politische Erneuerungen und Änderungen vorhabe und auch durchsetzen kann. Und dazu brauche ich eine adrette, kluge und loyale Ehefrau, die darüber hinaus etwas von Politik verstehen sollte. Und als Charlie nach einer Senatssitzung zu mir kam und mich fragte, ob ich nicht für Isabella einen Praktikumsplatz nach ihrem absolvierten Studium hätte, erinnerte ich mich wieder an sie. Tanya meinte vor einem Monat, dass eine Frau an meiner Seite, die Wähler milde stimmen würde und da kam sie mir wieder in den Sinn. Ich besprach alles mit Charlie, der ausgesprochen begeistert von dieser Idee war – du weißt selbst, wie machtbesessen er ist. Er verkauft seine Tochter schon regelrecht.“ Mum schüttelte merklich ihren Kopf, taxierte mich mit einem undefinierbaren Blick und hob eine Hand.
„Mehr möchte ich gar nicht wissen, da das eine Sache zwischen Charlie Swan, Isabella und dir ist. Auch wenn du sie nicht liebst und sie dir nichts bedeutet, so werden Carlisle, Tanya und ich sie mit offenen Armen in unserer Familie begrüßen. Denn wir kannten sie schon als Baby, vergiss das nicht. Solltest du nur jemals daran denken, sie gleich nach dem Verlust deines Amtes von dir zu stoßen, dann kann ich dir nicht versichern, dass ich deine Aktion verstehe, billige, gar toleriere. Für mich wird Isabella ab jetzt meine zweite Tochter sein.“ Milde lächelnd betrachtete sie mich und wandte sich schließlich wieder dem Kochen des Tees zu. Womit sie mir signalisierte, dass unser Gespräch beendet war. Sie würde sie also in ihr Leben lassen, sie lieben wie ihre eigene Tochter, ebenso schätzen. Ich wusste, dass ich meine soziale Ader von meiner Mutter hatte, denn Esme engagierte sich ehrenamtlich in verschiedensten Bereichen. Sie unterrichtete eine Klasse in den Sommerferien, gab Essen an Obdachlose aus und stellte sowohl getragene als auch neue Kleidung für weniger gut verdienende Familien zur Verfügung. Sie war wie eine Samariterin. Kopfschüttelnd ging ich wieder hinauf in mein Schlafzimmer, um nach Isabella und Carlisle zu sehen.
Als ich die letzte Stufe erreichte, schloss Dad gerade leise die Tür hinter sich. Er bedeutete mir, wieder hinunter zu gehen. Daher schlenderten wir in die Bibliothek und ließen uns in den alten Ohrensesseln nieder.
„Wie geht es Bella?“, fragte ich besorgt.
„Den Umständen entsprechend. Sie ist in der Zwischenzeit aufgewacht. Daher habe ich ihr ein Schlafmittel verabreicht, damit sich ihr Körper von den Strapazen erholen kann. Hat sie heute etwas gegessen?“ Ich ging jede Minute, die ich mit ihr verbracht hatte, durch, doch ich hatte sie nie essen gesehen.
„Nicht dass ich wüsste? Weshalb?“
„Das könnte auch damit zusammenhängen. Aber deine Mutter und ich werden sicherheitshalber hier bleiben. Esme hat bei der Herfahrt darauf bestanden, und ich denke, dass das auch in Bellas Sinn wäre. Selbst wenn du nicht damit einverstanden sein solltest,…“ Dad warf mir einen vielsagenden Blick zu, „… werden wir dableiben. Wie bist du überhaupt auf die glorreiche Idee gekommen, sie unter die Dusche zu stellen?“ Carlisle stand auf und ging zu der kleinen Kommoder neben der Tür. Aus einem versteckten Fach holte er zwei Gläser und eine Flasche Scotch. Ich schilderte ihm das Geschehene und ein Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. Die Falten, die sich dabei bildeten, ließen ihn älter wirken als er war.
„Da hast du dir aber eine sehr temperamentvolle Frau gesucht, mein lieber Sohn. Aber das ist gut so für dich. Ich habe das Gefühl, dass du in Isabella eine Frau gefunden hast, die dir auch einmal die Stirn bieten kann und sich nicht von deinem Äußeren, geschweige denn von dem vererbten Charme, so leicht verzaubern lässt, wie manch andere Frau.“
„Sie versucht, sich gegen mich zur Wehr zu setzen, doch ihr fehlt dazu die nötige Erfahrung. Aber Ansätze sind vorhanden, und falls das so weiter geht, muss ich mir ernsthaft überlegen, wie ich dieser Frau gegenübertreten soll.“
„Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du wissen, was zu tun ist. Glaub es mir. Isabella und du, ihr erinnert mich an deine Mutter und mich am Anfang unserer Beziehung. Du weißt, dass wir uns während unseres Studiums kennengelernt hatten. Da ich sie einmal in einer Vorlesung verbesserte, war sie wütend auf mich, denn Esme Anne Platt-Evenson beging nie einen Fehler. Obwohl ich sie ständig nach einem Date fragte, blieb sie stur, denn deine Mutter war immer noch zornig. Es war ein Haufen Arbeit, sie davon zu überzeugen, mir eine Chance zu geben. Die ersten Jahre unserer Beziehung und Ehe hatten wir damit verbracht, uns gegenseitig in den Haaren zu liegen…“ Dad musste meinen ungläubigen Gesichtsausdruck gesehen haben. „…ich weiß, dass es nicht plausibel klingt, doch es stimmt. Du trägst so viel von deiner Mutter in dir. Ich bin froh, dir etwas von dem Cullen Charme vererbt zu haben. Aber wie du siehst, haben Esme und ich es geschafft. Jedoch waren wir beide ineinander verliebt, was man von euch beiden nicht behaupten kann, oder?“
„Nein, ich bin nicht in sie verliebt. Zwar herrscht zwischen uns eine sexuelle Anziehung, doch als Liebe kann man das beim besten Willen nicht bezeichnen und ich bin der Meinung, dass es auch nicht so weit kommen wird.“ Tadelnd sah mich Dad an. Er ließ den Scotch in dem Glas kreisen und nahm danach einen genüsslichen Schluck.
„Sag niemals nie, Edward, das habe ich dich gelehrt. Was habt ihr nach der Hochzeit geplant?“
„Ich weiß es derzeit nicht so recht. Die Medien würden sich um ein Kind reißen, doch ich bin noch nicht bereit dazu, zumal wir uns um das Kind kümmern müssten. Jedoch scheint mir, als würde Isabella gerne ein Kind haben, du wirst vermutlich von ihrer vermeidlichen Schwangerschaft gelesen haben. Wir haben darüber… geredet.“
„Ich verstehe, nur hat eure Konversation damals nicht in der Dusche geendet…“ Das kurze Glucksen war unüberhörbar, bevor er fortfuhr, „… mir kommt es jedoch so vor, als würdest du sehr viel Wert auf die Meinung der Presse legen. Wie wäre es, sie einfach nicht zu beachten, sie sagen und schreiben zu lassen was sie wollen? Wenn deine Wähler dich kennen, dann halten sie auch zu dir, egal welche Artikel verfasst werden. Jedoch würde ich mit dem Kapitel Joyce Cooper schnell reinen Tisch machen. Du solltest dazu schnellstmöglich ein klares Statement ablegen und deine Unschuld bezüglich ihrer Aussage, du habest sie zu einem sexuellen Akt gezwungen, dementieren. Das wäre mein Rat.“ Bevor ich antworten konnte, wurde an der Tür geklopft und Tanya steckte ihren Kopf herein.
„Mum wartet auf euch. Sie hat für uns gekocht.“ Meine Schwester sah zwischen Dad und mir hin und her und taxierte sein Glas mit vielsagendem Blick.
„Du weißt, dass dir Mutter die Leviten liest, wenn sie dich mit Scotch in der Hand sieht. Ich möchte dich nicht an den Aufstand vor einem Jahr auf Harry’s Hochzeit erinnern. Also, kommt ihr jetzt?“ Ich kippte mein Getränk hinunter und stellte das Glas auf den Holztisch. Nach dem Essen würde ich mich darum kümmern.
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Es war inzwischen Morgen, denn die Sonne färbte die Kronen der Bäume in ein sattes Orange. Gähnend erhob ich mich von der unbequemen Couch und bereitete mir in der Küche einen Kaffee zu. Ich freute mich schon darauf, in weniger als zwei Monaten wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Zwar hatte ich dieses Haus hier herrichten lassen, doch diente es nur dem Zweck, einen guten Eindruck zu machen. Mein Zuhause in D.C. jedoch war komplett anders eingerichtet. Überall hingen Kindheitserinnerungen und Fotos von meiner Familie. Dort fühlte ich mich wirklich wohl.
„Guten Morgen, mein Sohn. Ich wollte gerade Frühstück für uns alle machen. Würdest du mir dabei behilflich sein?“ Mum lehnte sich gegen die Theke. Lächelnd ging ich zu ihr und küsste sie auf die Stirn.
„Nichts lieber als das.“ Ich bemerkte ihren bedrückten Blick und fragte sofort nach. Ich mochte es nicht, wenn Esme etwas auf dem Herzen lag oder gegen ihr Gemüt ging. Immer sorgte ich mich um die Gefühle der Menschen, die ich liebte und diese waren meine Familie. Nie könnte ich es verkraften, falls ihnen etwas zustoßen würde – nie!
„Ach, ich habe mich nur an die alten Zeiten erinnert. Aber davon will ich nun nicht sprechen. Lass uns alles vorbereiten, sodass du Bella aufwecken kannst. Sie wird bestimmt Hunger haben.“
„Ist sie etwa noch nicht wach? Ich dachte, dass Dad sich um sie kümmern würde.“
„Ja, das tut er. Vor knapp drei Stunden hat er nach ihr gesehen. Sie hat wenigstens kein Fieber mehr und anscheinend durchgeschlafen. Etwas aus dem Bett zu kommen, wird ihr bestimmt gut tun. Versprich mir eines, behandle sie gut. Gestern Nacht hatten dein Vater und ich noch eine lange Diskussion. Wir beide schätzen es nicht, doch solange du sie gut behandelst, werden wir nichts einwenden, denn wir wissen, wie viel dir an diesem Amt liegt. Und dass sie deine einzige Hoffnung ist, ist uns ebenfalls bewusst. Doch vergeude ihr Talent nicht, fördere sie und mach Isabella zu deiner Helferin, nicht zur Feindin. Sie wird bestimmt eine gute First Lady werden, dessen bin ich mir sicher, ihr soziales Engagement ist ebenso ausgeprägt wie das meinige. Wenn sie heute ein paar Minuten für mich entbehren kann, werde ich ihr einen Vorschlag unterbreiten, und ich hoffe inständig, dass sie diesen annimmt.“
„Mum… ich…“
„Du musst mir nicht antworten, solange ich weiß, dass meine Botschaft bei dir angekommen ist, ist mir alles recht.“ Mum wusste, dass sie und Dad die einzigen Personen im meinem Leben waren, die mir noch etwas vorschreiben konnten und von denen ich mir etwas sagen ließ. Alle anderen, selbst Tanya hatten des Öfteren an mir zu beißen, bis ich einlenkte.
„So und jetzt gehe deine Verlobte liebevoll aufwecken, wir wollen doch nicht, dass sie uns abermals umkippt.“ Esme sah mich vielsagend an, und ich konnte nichts anderes tun, als wie ein kleiner Junge zu nicken und ihrer Aufforderung nachzugehen. Ich wusste, dass es kaum vorstellbar war, dass ich, selbstbewusster Politiker, vor der eigenen Mutter kuschte. Doch ich war so erzogen worden, und sollte ich irgendwann einmal selbst Kinder haben, so würden sie die gleiche Erziehung genießen, denn Respekt war etwas Seltenes in dieser Zeit. Zu wenigen, die ihn sich verdient hatten, wurde er gezollt, und dies würde ich auch während meiner Amtszeit ändern. Selbst die Putzkraft würde von mir respektvoll behandelt werden, das hatte ich mir geschworen. Ohne diese kleinen Elemente, die die Basis von all unserem Reichtum bildete, würde das System wie ein Kartenhaus bei der winzigsten Böe in sich zusammenbrechen. Schließlich wäre das Fundament beschädigt und instabil. Damit könnte es nicht mehr die Last tragen, die auf dessen Schultern ruht.
Langsam und vor allem leise stieg ich die Treppe in das zweite Stockwerk empor. Bevor ich Isabella aufwecken würde, wollte ich unter meine Dusche, um meine Verspannungen mithilfe der verschiedenen Massagefunktionen zu lösen. Doch ich machte noch einen Abstecher zum Bett und betrachtete sie, wie sie in den weißen Laken eingewickelt dalag. Sie hatte sich wie ein Fötus zusammengerollt und die Hände in den Decken vergraben. Bella’s Schönheit wurde nicht durch den Schlaf getrübt, sondern sie war noch schöner. Die Wangen waren leicht gerötet, das dunkle Haar lag wirr auf dem Kopfkissen und bildete einen starken Kontrast mit dem Bettüberzug, die Lippen waren leicht geöffnet und ich konnte die gleichmäßigen Atemzüge deutlich vernehmen. Doch die Augenbrauen zogen sich zusammen und sie murmelte etwas, das wie: „Edward, ich kann das nicht! Lass mich nicht im Stich!“ klang, doch ich war mir nicht sicher. Ich wusste, dass zwischen uns eine sexuelle Anziehung herrschte, jedoch war ich mir bewusst, dass sie mich verabscheute. Schnaubend wand ich mich ab und marschierte ins Bad.
Ich wusste nicht, wie lange ich unter dem heißen Wasser stand, meine Muskeln fühlten sich deutlich gelöster an, als plötzlich die Badezimmertür aufging und eine verschlafene Isabella eintrat. Sie lehnte sich am Waschbecken an und sah in den Spiegel. Zu gerne würde ich doch Gedanken lesen können. Auf einmal entglitt ihr ein gellender Schrei und ihr Blick war auf mich geheftet.
„Was machst du hier?“, fragte sie mich, als sie sich wackelig umdrehte. Die Hand war immer noch über ihrem Herz platziert. Vermutlich hämmerte dieses nun gegen das Brustbein und pumpte ihr Blut mit einer Schnelligkeit durch den Körper, die einen schwindelig werden ließ.
„Ich wohne hier, das ist mein Bad und ich dusche gerade. Beziehungsweise wollte ich gerade die Dusche verlassen. Wenn du ein Problem damit hast, kannst du gern verschwinden.“
„Gar nichts werde ich tun, außer eine Erklärung verlangen!“
„Die wirst du jedoch erst nach dem Frühstück bekommen. Außerdem solltest du dich nicht aufregen, das ist nicht gut für deinen Puls und das Herz. Also, könntest du dich bitte beruhigen.“ Ich trat aus der Dusche und band mir ein Handtuch um die Hüften. Gekonnt wich ich ihr aus und marschierte leichtfüßig aus dem Bad.
„Entschuldigung?!“, rief sie mir nach und ich konnte ihr Gestampfe hören.
In meinem Kleiderschrank blieb ich stehen, zog eine Boxershorts, Jogginghose und ein weißes Shirt heraus. Mit dem Rücken zur Tür ließ ich das Tuch zu Boden gleiten und konnte Isabella hinter mir die Luft einziehen hören. Grinsend zog ich mir die Shorts sowie die Hose an, bevor ich mich wieder umdrehte. Sie stand mit hochrotem Kopf da und ihre Augen waren merklich geweitet. An was das wohl liegen mag?, dachte ich und rieb mir das Kinn. Ich merkte, wie sich ihr Blick auf meine Brust heftete. Dann würde ich nun etwas ausprobieren. Langsam ging ich auf sie zu und hob ihr Kinn mit zwei Fingern an. Ich lehnte mich in solch einer Geschwindigkeit hinab, dass sie mir immer noch entweichen konnte, wenn sie es wollte. Doch das tat sie zu meiner Überraschung nicht, sondern Bella zog mich zu sich hinab. Ihre Lippen waren weich und sanft. Verdammt, seit wann konnte sie so küssen?! Als ich den Kuss intensivieren wollte, stemmte sie ihre Händchen wieder gegen meine Brust. Obwohl ich weiter machen wollte, ließ ich es zu. Den Grund, weshalb ich dies tat, kannte ich selbst nicht. In Bellas Augen blickend bemerkte ich, dass dieses kämpferische Funkeln wieder gegenwärtig war.
„Damit hätten wir nun geklärt, dass ich keinen Kussunterricht von dir benötige, denn ich bin imstande dich zu küssen, dass es für dich in der Öffentlichkeit nicht peinlich wird. Aber nun kommen wir doch zu vorgestern Nacht und dem gestrigen Nachmittag. Dafür hätte ich gern eine Erklärung.“ Ich konnte mir mein Lachen nicht mehr verkneifen, denn sie hatte gerade meine eigenen Tricks gegen mich ausgespielt. Verdammt, war diese Frau gewieft!