Kapitel 4
„Sex ohne Liebe ist besser als gar kein Sex.“ – Hugh Hefner (Edward Cullens‘ Philosophie des Lebens)
Ihr kleiner und zerbrechlicher Körper war an meine Schulter gelehnt. Sie atmete ruhig, und ihre Augen flatterten leicht. Isabella war immer noch so schön, wie ich sie in Erinnerung hatte. Nein, ich durfte jetzt nicht in alten Kindheitsträumen schwelgen! Sie war nur dazu da, meine Stimmen zu erhöhen und beim Wahlkampf zu helfen. Mehr nicht! Jegliche positiven Gefühle aus meinen Kindestagen, die mit Isabella Swan zusammenhingen, verdrängte ich geflissentlich und starrte stattdessen den Fahrersitz an.
„Ist etwas?“, fragte Emmett leise, nachdem er sich umgewandt hatte. Er saß in seinem tiefschwarzen Anzug auf dem Beifahrersitz und hatte gleich nach dem Einsteigen seine Krawatte gelöst. Ich sollte wohl seinem Beispiel folgen. Langsam hob ich meine Hand und zog so gut wie möglich den straffen Knoten hinunter.
„Nein, es passt alles. Wie lang brauchen wir noch?“ Mein bester Freund seufzte und blickte auf das Navi.
„Vier Stunden. Der Stau dort draußen möchte sich nicht auflösen. Bei der nächsten Abfahrt fahren wir runter und dann durch die Städte.“ Ich nickte und zog das verdammte Ding von meinem Hals. Ich hasste sie einfach. Vielleicht konnte ich ein Gesetz erlassen, das diese schrecklichen Dinger verbot? Eine Überlegung war es wert. Das Stück Seide rieb ich zwischen meinen Fingern und dachte an den Ablauf des Abends.
Ich wartete nicht lange bis Isabella das Zimmer betrat. Von außerhalb hörte ich das gedämpfte Aufschreien eines Mannes und fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Isabella lehnte sich an die Tür. Ich bemerkte ihre rasch hebende und senkende Brust und die vor Schock geweiteten Augen. Sie hatte eine Abwehrhaltung eingenommen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Gespannt sah ich sie an und schlug die Beine übereinander. Vermutlich hatte sie dem Mann dort draußen eine Lektion erteilt. Vielleicht musste ich doch keinen Selbstverteidigungslehrer für sie organisieren, damit sie lernte, sich physisch zu wehren. Gegen mich hätte sie so oder so keine Chance. Isabella knipste das Licht an. Durch den abrupten Helligkeitsunterschied musste ich ein paar Mal blinzeln, bis ich sie wieder sehen konnte. Meine Verlobte stand da wie ein kleines Kitz, das sich gerade bewusst wird, dass ein Auto auf sie zufuhr.
Unsere kleine Diskussion mit der vermeintlichen Drohung beachtete ich gar nicht. Wie ich ihr schon erklärt hatte, besaß sie nicht den Einfluss, um mich ‚fertig zu machen’. Grinsend sah ich wieder auf sie hinab. Ihre Wangen zierte ein rosa Teint, der sich von ihrer scheinbar weißen Haut absetzte. Verdammt noch einmal, seit wann analysierte ich die Haut einer Frau? Isabella rümpfte ihre Nase, was sie unglaublich süß aussehen ließ. Lernte ich nichts dazu? Starr blickte ich aus den getönten Scheiben und zwang meine Gedanken weg von dieser Frau, hin zum geplanten Verlauf des kommenden Abends.
Als sie anschließend im Bad verschwunden war, atmete ich erleichtert auf. Man merkte einfach, dass sie die Tochter von Charlie Swan war. Genauso dickköpfig und ehrgeizig wie ihr Vater. Ich hatte es mir wieder in dem Sessel bequem gemacht, als ich einen Anruf von Emmett bekam.
„Schau mal aus dem Fenster!“, hatte er mich begrüßt und ich stand auf und zog mit einer Hand meinen Anzug zurecht. Mit der freien Hand schob ich den Vorhang etwas zur Seite und konnte die Meute sehen. Augenverdrehend ließ ich die Gardine wieder fallen und starrte die Struktur des Stoffes an.
„Bring uns nur sicher hier heraus, mehr möchte ich gar nicht. Wir sind in knapp einer Viertelstunde unten.“
Danach hatte ich aufgelegt und meiner Verlobten die Deadline von zehn Minuten zugerufen. Die Zeit verbrachte ich damit, mir zwei Scotch einzuschenken und wie ein Verrückter durch das Zimmer zu gehen. Als ich aus dem Bad Geräusche hörte, stellte ich mich zum Fenster, um sie auf die Haie vorzubereiten, die schon sehnsüchtigst warteten, um sich auf uns zu stürzen. Paparazzo waren des einen Freud und des anderen Leid. Schließlich trat sie aus dem Bad und ich musste mir eingestehen, dass sie wirklich hübsch war, wenn sie passende Kleidung trug. Wie sie wohl nackt aussehen würde? Bilder von ihr auf den Satinlaken meines Bettes in D.C., in denen sie sich hüllenlos räkelte und mich unschuldig ansah, tauchten vor mir auf. Dann war sie unter mir auf allen vieren, ganz feucht, damit ich in sie stoßen konnte.
Spätestens in unserer Hochzeitsnacht würde ich all das herausfinden und vieles mehr. Aber ich hatte mich auf das Wesentliche besinnen müssen. Meinen Aufforderungen kam sie ohne viel Murren nach. Vielleicht war sie doch bereit, zu lernen. Jedoch machte mich die Tatsache stutzig, dass sie nur mit solch geringem Widerstand gegen mich angekämpft hatte. Vielleicht steckte mehr in ihr, als ich es mir eingestehen wollte. Ich würde aber nicht den Fehler begehen, sie zu unterschätzen, schließlich hatte sie eine gute Erziehung und Schuldbildung genossen, die jedoch längst nicht an meine heranreichte.
Die Aktion vor dem Hummer hatte mich wütend gemacht, doch da sie sonst keine Mätzchen veranstaltet hatte – das mit der Krawatte war mein eigenes Verschulden – war ich gnädig gestimmt und ließ sie in Ruhe. Im Auto begann dann unser ‚Frage – Antwort Spiel’. Als wir zu dem Thema meiner Affären kamen, musste ich lügen.
Es verwunderte mich keinesfalls, dass sie diesen Punkt anschnitt. Wäre ich an ihrer Stelle, hätte ich es ebenso gehalten. Taktvoll erkundigte ich mich nicht nach ihren Männern, da ich bereits durch Charlie darüber in Kenntnis gesetzt worden war, dass sie noch nie einen Freund hatte. Und bloßstellen wollte ich sie nicht, wobei ihre Antwort sicher sehr interessant ausgefallen wäre.
Das hatte mich damals wirklich verwundert. Er war mächtig stolz darauf gewesen, was mich nur noch neugieriger auf sie gemacht hatte. Es war für jeden Mann ein Privileg, mit einer Frau ihren ersten Sex zu haben und sie als erster zu berühren – so sah ich das jedenfalls. Deshalb würde ich jeden einzelnen Moment in der Nacht auskosten und es so lange wie möglich hinauszögern, als Strafe für sie, sowie für mich.
Während sie mich über die Frauen fragte, wirkte sie nervös und war sich vermutlich dessen nicht bewusst, dass sie ihre Hände knetete und auf ihrem üppigen Dekolleté rote Flecken auftraten. Das hatte ich schon einmal bei Renée bemerkt. Die Liste der Frauen würde Tanya ihr geben, und ich wusste noch jeden einzelnen Namen. Die Akten mit den Verschwiegenheitsverträgen lagen sorgsam in D.C. in einem eigenen Safe mit dem höchsten Sicherheitsstandard. Was sie dann mit der Liste machte, war mir gänzlich egal. Von mir aus konnte sie ein Lagerfeuer damit veranstalten. Der eine oder andere Name wäre für Bella interessant zu wissen und zugleich verwunderlich, aber ich war nun mal ein Womanizer durch und durch. Dagegen konnte ich nichts machen. Es stimmte, wenn Tanya sagte, dass mein größtes Hobby Sex wäre. Meine Schwester hatte damit nicht ganz Unrecht, zumal diese Passion sehr zeitaufwändig war.
Bella bewegte sich an meiner Schulter und rutschte weiter zu mir. Ich legte meinen Arm um ihre Schulter, um sie näher an mich ziehen zu können. Ihr einzigartiger Duft nach Erdbeere und Zimt schlug mir entgegen, und er war mehr als exquisit. Plötzlich begann sie sich unruhig zu bewegen und murmelte immer wieder unverständliches Zeug, jedoch ein Wort stach deutlich hervor: Edward.
Ihre Augenlider begannen zu flattern und sie drückte ihr Gesicht an meine Brust. Danach atmete sie in leisen und flachen Atemzügen. Hatte sie gerade einen Albtraum gehabt? Weshalb hatte sie meinen Namen gesagt? Bevor ich diese und weitere Fragen in meinem Kopf beantworten konnte, spürte ich mein Handy in der Hosentasche vibrieren und zog es umständlich hervor. Emmett drehte sich flüchtig zu uns um und betrachtete die Situation mit misstrauischem Blick. Ich wusste, dass ich verdammt noch mal nicht der normale Edward war, den er kannte. Der hätte die Frau von sich gestoßen und angeschnauzt. Doch sie erinnerte mich gerade daran, wie sie als Baby ausgesehen hatte. Alex und ich hatten uns immer zu ihr ins Zimmer hinein gestohlen und vor ihr Kinderbett gesetzt. Durch die Gitterstäbe hatten wir sie beim Schlafen verträumt beobachtet.
Verdammte Scheiße!, dachte ich, als Isabellas Hand von meiner Brust auf meinen Oberschenkel rutschte. Ein paar Zentimeter höher und sie hätte Bekanntschaft mit meinem guten Stück gemacht. Ich zog die Luft durch die Zähne, als sie ihre Finger in die Innenseite des Beines krallte. Der Ansatz eines Lächelns war auf ihren Lippen zu erkennen, die durch den rosigen Lippenstift glänzten und zum Küssen einluden. Ich musste eindeutig meine Gedanken sammeln, denn so konnte das nicht weitergehen. Ein weiteres Vibrieren rief meine Senator-Seite auf und ich öffnete Angelas SMS.
Ich habe alles zu Ihrer Zufriedenheit erledigt. Morgen hat Isabella eine Vorlesung. Falls Sie etwas beim Eintreffen benötigen sollten, lassen Sie es mich wissen. Ich werde mich im Poolhaus einquartieren. Angela
Schnell tippte ich eine kurze Antwort. Ich dankte ihr für die Umstände, die sie sich machte und dass sie sicherlich im kleinen Haus nebenan wohnen könne. Zu meinen Angestellten war ich immer höflich und nett, denn ich brauchte etwas von ihnen, und guter Umgang förderte die Motivation und die Gemeinschaft.
So würden meine Mitarbeiter mir bei allem helfen, selbst wenn ich sie mitten in der Nacht aus dem Bett klingelte. Als ich Isabellas Kopf spürte, wie er auf meiner Brust hin und her rieb, erwachte wieder der Drang nach Sex in mir und diese Frau lag nun halb auf mir. Oh nein, ich würde nicht mit ihr schlafen. Ich wusste, wem ich nun eine Nachricht schreiben würde: Jessica. Keine drei Minuten später hatte ich schon eine Antwort von ihr, dass sie sich liebend gerne mit mir treffen würde. Ein vorfreudiges Grinsen stahl sich in mein Gesicht, und ich lehnte mich zurück in die weiche Lederbank. Ich schloss meine Augen und blendete Isabella neben mir vollkommen aus – so gut dies nun einmal ging. In meiner Hose war nämlich kein Platz mehr und sie zwickte die ganze Zeit. Meine Gedanken lenkte ich in andere Bereiche und bald übermannte mich die Müdigkeit.
~~~~*~~~~
„Ed. Wir sind da.“ Mit zusammengekniffenen Augenbrauen sah ich meinen besten Freund an, der sich wieder zu mir gewandt hatte. Ich spürte, dass sich etwas auf meinem Oberschenkel bewegte und merkte, dass es Bella war. Ihr Kopf war anscheinend während ich geschlafen schlief, von meiner Brust auf die Oberschenkel gewandert. Ich streckte mich kurz, bevor wir vor dem massiven Einfahrtstor des Familienanwesens stehen blieben. Das Auto fuhr bis zum Eingang und ich hob sacht den Kopf meiner Verlobten. Bei dem Wort ‚Verlobten’ stellten sich mir die Nackenhaare auf. Was tat ich nicht alles für die Politik. Emmett öffnete mir die Tür, sodass ich aussteigen konnte.
„Wie wollen wir sie da jetzt hinaus bekommen ohne sie aufzuwecken?“, fragte ich Emmett, der schon halb im Hummer war. Ich hörte leises Kichern, als er die Hände um sie legte und sie ganz langsam aus dem Auto zog. Mit Isabella in den Armen stand er vor mir und sah mich auffordernd an. Mehr als meine Augen verdrehen konnte ich nicht. Wobei es stimmte, dass es ja meine Aufgabe war, meine Verlobte ins Haus zu tragen und ins Bett zu legen. Sogleich nahm ich meinem besten Freund Isabella ab und ging mit ihm an meiner Seite zur Eingangstür, welche er mir aufhielt.
„Falls etwas sein sollte, kannst du mich anrufen.“ Ich lächelte ihm zu, bedankte mich für seine Hilfe und marschierte dann mit der jungen Frau in den Armen hinauf in den ersten Stock.
Sie war verdammt dünn und musste eindeutig mehr essen. Mit meinem Fuß stieß ich die angelehnte Tür zu dem Zimmer, in dem ich immer als Kind geschlafen hatte, auf und legte sie sachte hin. Isabella wälzte sich kurz hin und her. Da in dem Raum stickige Luft war, öffnete ich das Fenster, bevor ich ihr die Bluse aufknöpfte. Der schwarze Spitzen-BH kam zum Vorschein und ich spürte, wie er zum Leben erwachte. Verdammte Scheiße! Was hatten wir denn da? Das Schwarze, das dort auf ihrer Haut sichtbar wurde, war mit Sicherheit nicht Teil des Dessous. Ich lehnte mich hinab und sah es genauer an. Ein kleines Stück musste ich den Stoff beiseite schieben, um direkt unter der linken Brust, dort wo ihr Herz saß, ein Tattoo zu entdecken. „Scientia potentia est“.
Wissen ist Macht.
Der Spruch passte zu ihr und es war auch eines meiner Lieblingszitate. Thomas Hobbes war ein großartiger Philosoph, und sein Werk ‚Leviathan’ lag mehrmals durchgelesen bei mir im Büro in D.C. am Schreibtisch. Meinen Blick ließ ich über ihren Oberkörper schweifen und bemerkte durch die dünne Spitze, dass sich ihre Nippel aufgestellt hatten.
Welche Farbe sie wohl hatten? Erst jetzt nahm ich auf ihrer Haut die Gänsehaut wahr. Schwer schluckend zog ich ihr rasch die Hose aus und deckte sie widerwillig zu. So weit ging dann doch mein Pflichtbewusstsein, wobei ich sie zu gerne aufgeweckt hätte. Aber dafür würde ich genug Zeit in unserer Ehe haben, solange sie mir Spaß machte. Sexuell frustriert verließ ich den Raum.
Gleich nachdem ich die Tür geschlossen hatte, zückte ich mein BlackBerry und kontaktierte meine derzeitige Lieblingsbettgefährtin.
„Hi Eddie“, raunte Jessica und ich begann zu grinsen.
„Komm zu meinem Anwesen. Ich warte auf dich.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, beendete ich das Gespräch und schlenderte die Treppe in mein Schlafzimmer hinauf. Ich warf alle Kissen und unnötigen Laken vom Bett und entledigte mich meiner Schuhe und Socken. In Anzugshose und geöffnetem Hemd kehrte ich ins Erdgeschoss zurück, um mir ein Glas Wasser zu holen und solange auf Jessica zu warten.
Ich stellte gerade das leere Glas auf die Anrichte, als die Glocke vom Eingangstor ertönte. Langsam schlenderte ich zur kleinen Gegensprechanlage, die neben der Tür angebracht war, und sah über die Überwachungskamera, dass Jessica dort stand. Automatisch ließ ich die Flügel einen Spalt aufgehen, sodass sie hereingelangen konnte. Danach öffnete ich die Eingangstür und wartete, bis sie die Treppenstufen hinauf kam.
Ich lehnte am Türrahmen und musterte sie. Wie immer trug sie einen schwarzen Ledermantel und wir beide wussten nur zu gut, was sich darunter verbarg. Ein Hauch von nichts. Das wasserstoffblonde Haar trug sie offen und ihre neue Nase und die frisch aufgespritzten Lippen fielen mir sofort auf, da es keineswegs mehr natürlich wirkte. Die Stirn war faltenlos und die Augenbrauen existierten nicht mehr. Das war nicht mehr ästhetisch, doch auf eine gewisse Weise zog mich das an, das konnte ich mir selbst nicht erklären. Die grünen Augen waren komplett schwarz umrundet, was den Anschein machte, als käme sie aus einem Gothicclub. Ich ließ sie ein und schloss die Tür hinter uns. Ihr Lächeln war einladend und bereitwillig. Betont langsam fuhr sie sich mit der Zunge über die obere Lippe des grell geschminkten Mundes. Sukzessiv löste ich den Gürtel ihres Mantels, streifte den Stoff über ihre Schultern zurück und ließ ihn achtlos zu Boden gleiten. Wie von Gott geschaffen stand sie vor mir. Ihre Hände legten sich auf meine Brust und ich zog sie an mich. Meine Finger wanderten von ihrer Brust über die Taille zu ihrem Po, welchen ich sanft zu massieren begann. Dies ließ sie wie eine kleine Katze schnurren und raunen. Wie ich dieses Geräusch liebte! Kurz darauf hatte ich sie angehoben und sie schlang ihre langen Beine um meine Hüften, ohne zuvor die hohen Schuhe ausgezogen zu haben. Ihre Lippen lagen an meinem Hals. Verdammt! Am liebsten hätte ich hier gleich auf der Treppe mit ihr geschlafen. Sie wusste genau, wie sie mich augenblicklich auf Touren brachte. Als sie behutsam an meinem Ohrläppchen knabberte, stöhnte ich leise.
„Oh ja, das gefällt dir.“ Sie lächelte verhalten, während sich ihre langen Fingernägel in meinen Rücken bohrten. Zischend zog ich die Luft ein.
Angekommen in meinem Schlafzimmer warf ich sie auf mein Bett und entledigte mich mit ihrer Hilfe meiner restlichen Kleidung. Als ich sie vor mir liegen sah und einen flüchtigen Blick über sie warf, war sie nicht mehr so anziehend, wie ich es mir vorgestellt hatte. Denn ohne es zu wollen, verglich mein Verstand Jessica mit Bella und meine Affäre schnitt meilenweit nicht so gut ab. Jetzt widerte sie mich einfach nur noch an. Notgedrungen streifte ich ein Kondom über und drückte sie mit meinem Gewicht auf die Matratze. Ihr greller Lippenstift schmerzte in meinen Augen und ich hatte Glück, dass ich aufgrund ihres abschreckenden Anblicks nicht schlaff wurde. Mit geschlossenen Augen stieß ich in sie hinein und ließ meine Gedanken schweifen. Bella erschien sofort. Nackt. Willig. Und mit laszivem Blick unter mir. Ihr Stöhnen klang wie die berauschendste Musik in meinen Ohren, die ich je gehört hatte und trieb mich immer weiter an, in sie zu stoßen, bis ich sie und mich schließlich zum Höhepunkt brachte. Ich blieb in ihr bis ich mich komplett entladen hatte.
Sexuell befriedigt ließ ich mich aufs Bett fallen. Ich öffnete die Augen und bemerkte, dass Jessica atemlos neben mir lag.
„Im Übrigen beende ich unsere Affäre hiermit. Vergiss nicht unsere Verschwiegenheitserklärung. Wenn ich nur ein Wort in den Medien höre, bist du dran. Schließlich habe ich dir deinen Job besorgt.“
Jessica richtete sich neben mir auf und streckte ihre Beine. Bellas waren um einiges dünner und wohlgeformter. Meine Affäre versuchte so grazil wie möglich aufzustehen, was ihr eindeutig nicht gelang. Die Bewegungen meiner Verlobten waren wie die einer Ballerina, sie schwebte über den Boden. Verdammt, weshalb verglich ich sie mit ihr? Die Gedanken schlug ich mir aus dem Kopf und sah Jessica hinterher. Kaum war sie aus der Tür, sprang ich auf und eilte unter die Dusche. Ich musste ihren penetranten Parfumgeruch von mir abbekommen. Obwohl ich es nicht wollte, erinnerte ich mich an Bellas Duft, als sie an mir gelehnt in dem Hummer saß und schlief. Sie hatte so friedlich und unschuldig ausgesehen und war nicht eine kampfwütige Zicke, wie im Hotelzimmer.
Kopfschüttelnd kehrte ich zum Bett zurück und riss das Laken herunter. Nachdem ich es frisch überzogen hatte und die etlichen Kissen wieder auf ihren Platz gebracht hatte, nahm ich die Fernbedienung und legte mich aufs Bett. Ich zappte durch die Kanäle bis ich auf NBC hängen blieb.
„Wir unterbrechen das Programm für eine dringende Kurzmeldung. Im Golf von Mexico fand eine erneute Explosion einer Bohrinsel statt. Der Konzern BP hat schon alles Erdenkliche in die Wege geleitet um dieses Mal rascher zu handeln, damit sich die Ölpest von 2010 nicht wiederholen kann. Meeresbiologen befürchten jedoch, dass schon genug Öl ausgetreten ist, um verheerende Folgen sowohl für das Meer als auch die Küste zu haben. Wir können nur hoffen, dass bald mehr Unterstützung eintreffen wird.“
Sofort sprang ich auf und lief zu meiner Hose, in der sich mein BlackBerry befand. Ich wählte die Nummer meines Wahlkampfleiters. Grummelnd hob jener ab.
„Jasper, wir müssen eine Kampagne zur Rettung der Südküste erstellen und Hilfsmittel schicken!“
„Und jetzt sag mir in Herrgottsnamen noch, weshalb wir das tun sollten.“ Unruhig marschierte ich durch das Zimmer. Mit einer schnellen Hilfsaktion würde ich gewiss eine große Menge der Wähler auf meine Seite ziehen und mit der Verkündung meiner Verlobung den positiven Ausgang der Wahlen für mich entscheiden.
„Weil die gleiche Katastrophe wie 2010 eingetreten ist. Setz deinen Arsch in Bewegung und tu, was ich dir sage!“, schrie ich und raufte mir das Haar.
„Beruhig dich! Ich werde mich gleich an die Sache machen und eine kleine Truppe aufstellen. Morgen werde ich dich vom Stand der Dinge in Kenntnis setzen. Geh jetzt schlafen, denn den brauchst du.“ Ich bedankte mich bei Jasper. Er hatte schon recht. Denn erstens war ich unausstehlich, wenn man mich zu früh aufweckte und zweitens war es ein Gut, das ich in den letzten Wochen nur sehr selten genießen konnte. Immer wieder hatten mich die Schlagzeilen wach gehalten. Erschöpft legte ich mich in das Bett und schlief augenblicklich ein.
~~~~*~~~~
Als ich am nächsten Morgen jäh durch die Sonnenstrahlen erwachte, rümpfte ich die Nase und stand widerwillig auf. Die Stundenzahl meines Weckers brachte mich auf Touren, denn es war schon kurz vor elf Uhr. So lange hatte ich in den letzten Jahren noch nie geschlafen. Schnell überprüfte ich meine E-Mails auf dem PC in dem anliegenden Büro und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass Jasper mir schon eine weitläufige Ausarbeitung meiner neuen Kampagne geschickt hatte. Während ich unter die Dusche sprang und mich im Bad fertig machte, ließ ich die unzähligen Seiten des Word-Dokuments ausdrucken. Sobald ich mir meine Freizeitklamotten angezogen hatte, nahm ich die Blätter und ging damit in das Erdgeschoss, um mir Kaffee zu machen. Die Kaffeemaschine produzierte gerade mein eigenes schwarzes Gold, ohne das ich keinen Tag überstehen würde.
Gewissenhaft las ich mir die ersten Absätze durch und nahm mir danach einen Kaffeebecher. Plötzlich vernahm ich hinter mir Isabellas Stimme.
„Was machst du da?“, fragte sie und ich fuhr vor Schreck zusammen. Das ist doch sonst nicht meine Art, schoss es mir durch den Kopf, als ich mich ruckartig umdrehte.
„Dir auch einen schönen guten Morgen, Isabella. Ich hoffe, du hast gut geschlafen. Deine Vorlesung beginnt in zwei Stunden. Du solltest etwas essen und dich danach fertig machen. Angela wird in einer halben Stunde hier sein, um dir zu helfen“, sagte ich und musste dazwischen auf meine Uhr sehen. Ich kannte ihren Stundenplan in und auswendig, denn Angela hatte sich gestern noch die Mühe gemacht, mir jenen zu schicken.
Jetzt jedoch stach mir ihr kurzer schwarzer Morgenmantel ins Auge. Ihre endlos langen Beine waren nur bis zum oberen Drittel ihrer Oberschenkel bedeckt und der Ausschnitt war nur notdürftig geschlossen. Mich überrollte eine Welle der Lust. Am liebsten hätte ich ihr alles vom Leib gerissen und mit ihr auf der Anrichte heißen Sex gehabt. Nervös verlagerte sie ihr Gewicht, was den Morgenmantel etwas aufklaffen ließ, sodass noch mehr Haut zu sehen war. Ohne ein weiteres Wort verließ ich fluchtartig den Raum. Ich lehnte mich gegen die nächste Wand und musste tief durchatmen, um mich nicht unkontrolliert auf sie zu stürzen.
Gott, ich verhielt mich wie ein pubertärer Junge! Kopfschüttelnd ging ich zur Treppe, um in mein Büro zu gelangen. Dort angekommen stürzte ich mich sofort in meine Arbeit und begann die Pressemitteilung zu schreiben. Ich wusste, dass ich dafür Angestellte hatte, aber für so etwas Wichtiges scheute ich keine Mühe. Bald hatte ich sie in Windeseile abgetippt und las sie mir nochmals durch.
Sehr geehrte Bürger und Wähler des Staates Louisiana,
ich, Edward Cullen, werde den Bundesstaat mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen. Eine Kampagne zur Rettung der Tiere und für die Finanzierung der Ausrüstung, damit das Leck so schnell wie möglich versiegelt wird, wurde noch in dieser Nacht von mir in die Wege geleitet. Ich bitte Sie, nicht als Präsidentschaftskandidat, sondern als Mitbürger und Schätzer unserer Natur, um jede Spende, die Sie erübrigen können. So klein der Betrag auch ist, aber eine erneute Ölpest an unserem Land kann sich unsere Umwelt nicht leisten. Diese würde absterben, die letzte hatte sie nur mit Not überstanden, aber das was auf uns zukommt, ist größer und gefährlicher als alles davor.
Daher mein Appell an Sie: Helfen Sie mit, denn unsere Natur ist überlebenswichtig!
Junior Senator Kaliforniens Edward Cullen
Ich wollte gerade einen erneuten Schluck von meinem Kaffee nehmen, als ich merkte, dass ich ihn schon getrunken hatte. Seufzend erhob ich mich und marschierte hinunter in die Küche, um mir frischen zu machen.
Auf der Küchenanrichte erwarteten mich ein Packen von Zeitungen und eine kleine Box mit Post. Während ich die Kaffeemaschine in Betrieb setzte, blätterte ich die Nachrichten durch. Entweder prangte die neue Ölpest oder meine Verlobung mit Isabella auf dem Titelblatt. Die Schundblätter – welches Hauptthema die Verbindung war –warf ich getrost in den Mülleimer, Tanya würde mich später darüber in Kenntnis setzen. Doch die hochwertigen Artikel der New York Times las ich schnell durch. Selbst meine Kampagne wurde erwähnt. Jasper hatte es also wirklich geschafft. Ich war froh, dass ich ihn eingestellt hatte, bevor sich Black ihn schnappen konnte. Als das Piepsen der Maschine ertönte, richtete ich mir mein Getränk her und verschwand schließlich wieder in meinem Büro.
Oben angekommen öffnete ich jedes interessante Kuvert, selbst die, die an Isabella adressiert waren. Schließlich gab es keine Geheimnisse mehr zwischen uns, besser gesagt, sie hatte keine mehr, ich schon. Größtenteils waren es Interviewanfragen für die Klatschpresse, jedoch waren auch welche von seriösen Magazinen dabei. Vielleicht sollte ich mit Isabella darüber reden? Die restliche Post für mich las ich ebenfalls durch und begann, schon einige Antworten zu tippen. Dafür hatte ich ebenfalls eigene Leute, doch diese kümmerten sich hauptsächlich darum, die Absagen zurückzuschicken.
Nur ich persönlich nahm Einladungen an, das war schon von Anfang an so. Dadurch war ich nicht ganz so oft wie Black in den Medien vertreten, jedoch in allen seriösen und angesehen Magazinen, was die Wähler mehr schätzten, als in der Klatschpresse über mich zu lesen. Ich war so in meine Arbeit versunken, dass ich vom Sessel fiel, als ein markerschütternder Schrei das Haus erfüllte. Adrenalin pumpte durch meinen Körper und ich sprang so schnell wie möglich auf, rannte die Treppe hinunter und blieb vor Schock im Wohnzimmer stehen. Was zum Teufel?, schoss es mir durch den Kopf, als ich das Szenario im Raum betrachtete.
Ihr kleiner und zerbrechlicher Körper war an meine Schulter gelehnt. Sie atmete ruhig, und ihre Augen flatterten leicht. Isabella war immer noch so schön, wie ich sie in Erinnerung hatte. Nein, ich durfte jetzt nicht in alten Kindheitsträumen schwelgen! Sie war nur dazu da, meine Stimmen zu erhöhen und beim Wahlkampf zu helfen. Mehr nicht! Jegliche positiven Gefühle aus meinen Kindestagen, die mit Isabella Swan zusammenhingen, verdrängte ich geflissentlich und starrte stattdessen den Fahrersitz an.
„Ist etwas?“, fragte Emmett leise, nachdem er sich umgewandt hatte. Er saß in seinem tiefschwarzen Anzug auf dem Beifahrersitz und hatte gleich nach dem Einsteigen seine Krawatte gelöst. Ich sollte wohl seinem Beispiel folgen. Langsam hob ich meine Hand und zog so gut wie möglich den straffen Knoten hinunter.
„Nein, es passt alles. Wie lang brauchen wir noch?“ Mein bester Freund seufzte und blickte auf das Navi.
„Vier Stunden. Der Stau dort draußen möchte sich nicht auflösen. Bei der nächsten Abfahrt fahren wir runter und dann durch die Städte.“ Ich nickte und zog das verdammte Ding von meinem Hals. Ich hasste sie einfach. Vielleicht konnte ich ein Gesetz erlassen, das diese schrecklichen Dinger verbot? Eine Überlegung war es wert. Das Stück Seide rieb ich zwischen meinen Fingern und dachte an den Ablauf des Abends.
Ich wartete nicht lange bis Isabella das Zimmer betrat. Von außerhalb hörte ich das gedämpfte Aufschreien eines Mannes und fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Isabella lehnte sich an die Tür. Ich bemerkte ihre rasch hebende und senkende Brust und die vor Schock geweiteten Augen. Sie hatte eine Abwehrhaltung eingenommen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Gespannt sah ich sie an und schlug die Beine übereinander. Vermutlich hatte sie dem Mann dort draußen eine Lektion erteilt. Vielleicht musste ich doch keinen Selbstverteidigungslehrer für sie organisieren, damit sie lernte, sich physisch zu wehren. Gegen mich hätte sie so oder so keine Chance. Isabella knipste das Licht an. Durch den abrupten Helligkeitsunterschied musste ich ein paar Mal blinzeln, bis ich sie wieder sehen konnte. Meine Verlobte stand da wie ein kleines Kitz, das sich gerade bewusst wird, dass ein Auto auf sie zufuhr.
Unsere kleine Diskussion mit der vermeintlichen Drohung beachtete ich gar nicht. Wie ich ihr schon erklärt hatte, besaß sie nicht den Einfluss, um mich ‚fertig zu machen’. Grinsend sah ich wieder auf sie hinab. Ihre Wangen zierte ein rosa Teint, der sich von ihrer scheinbar weißen Haut absetzte. Verdammt noch einmal, seit wann analysierte ich die Haut einer Frau? Isabella rümpfte ihre Nase, was sie unglaublich süß aussehen ließ. Lernte ich nichts dazu? Starr blickte ich aus den getönten Scheiben und zwang meine Gedanken weg von dieser Frau, hin zum geplanten Verlauf des kommenden Abends.
Als sie anschließend im Bad verschwunden war, atmete ich erleichtert auf. Man merkte einfach, dass sie die Tochter von Charlie Swan war. Genauso dickköpfig und ehrgeizig wie ihr Vater. Ich hatte es mir wieder in dem Sessel bequem gemacht, als ich einen Anruf von Emmett bekam.
„Schau mal aus dem Fenster!“, hatte er mich begrüßt und ich stand auf und zog mit einer Hand meinen Anzug zurecht. Mit der freien Hand schob ich den Vorhang etwas zur Seite und konnte die Meute sehen. Augenverdrehend ließ ich die Gardine wieder fallen und starrte die Struktur des Stoffes an.
„Bring uns nur sicher hier heraus, mehr möchte ich gar nicht. Wir sind in knapp einer Viertelstunde unten.“
Danach hatte ich aufgelegt und meiner Verlobten die Deadline von zehn Minuten zugerufen. Die Zeit verbrachte ich damit, mir zwei Scotch einzuschenken und wie ein Verrückter durch das Zimmer zu gehen. Als ich aus dem Bad Geräusche hörte, stellte ich mich zum Fenster, um sie auf die Haie vorzubereiten, die schon sehnsüchtigst warteten, um sich auf uns zu stürzen. Paparazzo waren des einen Freud und des anderen Leid. Schließlich trat sie aus dem Bad und ich musste mir eingestehen, dass sie wirklich hübsch war, wenn sie passende Kleidung trug. Wie sie wohl nackt aussehen würde? Bilder von ihr auf den Satinlaken meines Bettes in D.C., in denen sie sich hüllenlos räkelte und mich unschuldig ansah, tauchten vor mir auf. Dann war sie unter mir auf allen vieren, ganz feucht, damit ich in sie stoßen konnte.
Spätestens in unserer Hochzeitsnacht würde ich all das herausfinden und vieles mehr. Aber ich hatte mich auf das Wesentliche besinnen müssen. Meinen Aufforderungen kam sie ohne viel Murren nach. Vielleicht war sie doch bereit, zu lernen. Jedoch machte mich die Tatsache stutzig, dass sie nur mit solch geringem Widerstand gegen mich angekämpft hatte. Vielleicht steckte mehr in ihr, als ich es mir eingestehen wollte. Ich würde aber nicht den Fehler begehen, sie zu unterschätzen, schließlich hatte sie eine gute Erziehung und Schuldbildung genossen, die jedoch längst nicht an meine heranreichte.
Die Aktion vor dem Hummer hatte mich wütend gemacht, doch da sie sonst keine Mätzchen veranstaltet hatte – das mit der Krawatte war mein eigenes Verschulden – war ich gnädig gestimmt und ließ sie in Ruhe. Im Auto begann dann unser ‚Frage – Antwort Spiel’. Als wir zu dem Thema meiner Affären kamen, musste ich lügen.
Es verwunderte mich keinesfalls, dass sie diesen Punkt anschnitt. Wäre ich an ihrer Stelle, hätte ich es ebenso gehalten. Taktvoll erkundigte ich mich nicht nach ihren Männern, da ich bereits durch Charlie darüber in Kenntnis gesetzt worden war, dass sie noch nie einen Freund hatte. Und bloßstellen wollte ich sie nicht, wobei ihre Antwort sicher sehr interessant ausgefallen wäre.
Das hatte mich damals wirklich verwundert. Er war mächtig stolz darauf gewesen, was mich nur noch neugieriger auf sie gemacht hatte. Es war für jeden Mann ein Privileg, mit einer Frau ihren ersten Sex zu haben und sie als erster zu berühren – so sah ich das jedenfalls. Deshalb würde ich jeden einzelnen Moment in der Nacht auskosten und es so lange wie möglich hinauszögern, als Strafe für sie, sowie für mich.
Während sie mich über die Frauen fragte, wirkte sie nervös und war sich vermutlich dessen nicht bewusst, dass sie ihre Hände knetete und auf ihrem üppigen Dekolleté rote Flecken auftraten. Das hatte ich schon einmal bei Renée bemerkt. Die Liste der Frauen würde Tanya ihr geben, und ich wusste noch jeden einzelnen Namen. Die Akten mit den Verschwiegenheitsverträgen lagen sorgsam in D.C. in einem eigenen Safe mit dem höchsten Sicherheitsstandard. Was sie dann mit der Liste machte, war mir gänzlich egal. Von mir aus konnte sie ein Lagerfeuer damit veranstalten. Der eine oder andere Name wäre für Bella interessant zu wissen und zugleich verwunderlich, aber ich war nun mal ein Womanizer durch und durch. Dagegen konnte ich nichts machen. Es stimmte, wenn Tanya sagte, dass mein größtes Hobby Sex wäre. Meine Schwester hatte damit nicht ganz Unrecht, zumal diese Passion sehr zeitaufwändig war.
Bella bewegte sich an meiner Schulter und rutschte weiter zu mir. Ich legte meinen Arm um ihre Schulter, um sie näher an mich ziehen zu können. Ihr einzigartiger Duft nach Erdbeere und Zimt schlug mir entgegen, und er war mehr als exquisit. Plötzlich begann sie sich unruhig zu bewegen und murmelte immer wieder unverständliches Zeug, jedoch ein Wort stach deutlich hervor: Edward.
Ihre Augenlider begannen zu flattern und sie drückte ihr Gesicht an meine Brust. Danach atmete sie in leisen und flachen Atemzügen. Hatte sie gerade einen Albtraum gehabt? Weshalb hatte sie meinen Namen gesagt? Bevor ich diese und weitere Fragen in meinem Kopf beantworten konnte, spürte ich mein Handy in der Hosentasche vibrieren und zog es umständlich hervor. Emmett drehte sich flüchtig zu uns um und betrachtete die Situation mit misstrauischem Blick. Ich wusste, dass ich verdammt noch mal nicht der normale Edward war, den er kannte. Der hätte die Frau von sich gestoßen und angeschnauzt. Doch sie erinnerte mich gerade daran, wie sie als Baby ausgesehen hatte. Alex und ich hatten uns immer zu ihr ins Zimmer hinein gestohlen und vor ihr Kinderbett gesetzt. Durch die Gitterstäbe hatten wir sie beim Schlafen verträumt beobachtet.
Verdammte Scheiße!, dachte ich, als Isabellas Hand von meiner Brust auf meinen Oberschenkel rutschte. Ein paar Zentimeter höher und sie hätte Bekanntschaft mit meinem guten Stück gemacht. Ich zog die Luft durch die Zähne, als sie ihre Finger in die Innenseite des Beines krallte. Der Ansatz eines Lächelns war auf ihren Lippen zu erkennen, die durch den rosigen Lippenstift glänzten und zum Küssen einluden. Ich musste eindeutig meine Gedanken sammeln, denn so konnte das nicht weitergehen. Ein weiteres Vibrieren rief meine Senator-Seite auf und ich öffnete Angelas SMS.
Ich habe alles zu Ihrer Zufriedenheit erledigt. Morgen hat Isabella eine Vorlesung. Falls Sie etwas beim Eintreffen benötigen sollten, lassen Sie es mich wissen. Ich werde mich im Poolhaus einquartieren. Angela
Schnell tippte ich eine kurze Antwort. Ich dankte ihr für die Umstände, die sie sich machte und dass sie sicherlich im kleinen Haus nebenan wohnen könne. Zu meinen Angestellten war ich immer höflich und nett, denn ich brauchte etwas von ihnen, und guter Umgang förderte die Motivation und die Gemeinschaft.
So würden meine Mitarbeiter mir bei allem helfen, selbst wenn ich sie mitten in der Nacht aus dem Bett klingelte. Als ich Isabellas Kopf spürte, wie er auf meiner Brust hin und her rieb, erwachte wieder der Drang nach Sex in mir und diese Frau lag nun halb auf mir. Oh nein, ich würde nicht mit ihr schlafen. Ich wusste, wem ich nun eine Nachricht schreiben würde: Jessica. Keine drei Minuten später hatte ich schon eine Antwort von ihr, dass sie sich liebend gerne mit mir treffen würde. Ein vorfreudiges Grinsen stahl sich in mein Gesicht, und ich lehnte mich zurück in die weiche Lederbank. Ich schloss meine Augen und blendete Isabella neben mir vollkommen aus – so gut dies nun einmal ging. In meiner Hose war nämlich kein Platz mehr und sie zwickte die ganze Zeit. Meine Gedanken lenkte ich in andere Bereiche und bald übermannte mich die Müdigkeit.
~~~~*~~~~
„Ed. Wir sind da.“ Mit zusammengekniffenen Augenbrauen sah ich meinen besten Freund an, der sich wieder zu mir gewandt hatte. Ich spürte, dass sich etwas auf meinem Oberschenkel bewegte und merkte, dass es Bella war. Ihr Kopf war anscheinend während ich geschlafen schlief, von meiner Brust auf die Oberschenkel gewandert. Ich streckte mich kurz, bevor wir vor dem massiven Einfahrtstor des Familienanwesens stehen blieben. Das Auto fuhr bis zum Eingang und ich hob sacht den Kopf meiner Verlobten. Bei dem Wort ‚Verlobten’ stellten sich mir die Nackenhaare auf. Was tat ich nicht alles für die Politik. Emmett öffnete mir die Tür, sodass ich aussteigen konnte.
„Wie wollen wir sie da jetzt hinaus bekommen ohne sie aufzuwecken?“, fragte ich Emmett, der schon halb im Hummer war. Ich hörte leises Kichern, als er die Hände um sie legte und sie ganz langsam aus dem Auto zog. Mit Isabella in den Armen stand er vor mir und sah mich auffordernd an. Mehr als meine Augen verdrehen konnte ich nicht. Wobei es stimmte, dass es ja meine Aufgabe war, meine Verlobte ins Haus zu tragen und ins Bett zu legen. Sogleich nahm ich meinem besten Freund Isabella ab und ging mit ihm an meiner Seite zur Eingangstür, welche er mir aufhielt.
„Falls etwas sein sollte, kannst du mich anrufen.“ Ich lächelte ihm zu, bedankte mich für seine Hilfe und marschierte dann mit der jungen Frau in den Armen hinauf in den ersten Stock.
Sie war verdammt dünn und musste eindeutig mehr essen. Mit meinem Fuß stieß ich die angelehnte Tür zu dem Zimmer, in dem ich immer als Kind geschlafen hatte, auf und legte sie sachte hin. Isabella wälzte sich kurz hin und her. Da in dem Raum stickige Luft war, öffnete ich das Fenster, bevor ich ihr die Bluse aufknöpfte. Der schwarze Spitzen-BH kam zum Vorschein und ich spürte, wie er zum Leben erwachte. Verdammte Scheiße! Was hatten wir denn da? Das Schwarze, das dort auf ihrer Haut sichtbar wurde, war mit Sicherheit nicht Teil des Dessous. Ich lehnte mich hinab und sah es genauer an. Ein kleines Stück musste ich den Stoff beiseite schieben, um direkt unter der linken Brust, dort wo ihr Herz saß, ein Tattoo zu entdecken. „Scientia potentia est“.
Wissen ist Macht.
Der Spruch passte zu ihr und es war auch eines meiner Lieblingszitate. Thomas Hobbes war ein großartiger Philosoph, und sein Werk ‚Leviathan’ lag mehrmals durchgelesen bei mir im Büro in D.C. am Schreibtisch. Meinen Blick ließ ich über ihren Oberkörper schweifen und bemerkte durch die dünne Spitze, dass sich ihre Nippel aufgestellt hatten.
Welche Farbe sie wohl hatten? Erst jetzt nahm ich auf ihrer Haut die Gänsehaut wahr. Schwer schluckend zog ich ihr rasch die Hose aus und deckte sie widerwillig zu. So weit ging dann doch mein Pflichtbewusstsein, wobei ich sie zu gerne aufgeweckt hätte. Aber dafür würde ich genug Zeit in unserer Ehe haben, solange sie mir Spaß machte. Sexuell frustriert verließ ich den Raum.
Gleich nachdem ich die Tür geschlossen hatte, zückte ich mein BlackBerry und kontaktierte meine derzeitige Lieblingsbettgefährtin.
„Hi Eddie“, raunte Jessica und ich begann zu grinsen.
„Komm zu meinem Anwesen. Ich warte auf dich.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, beendete ich das Gespräch und schlenderte die Treppe in mein Schlafzimmer hinauf. Ich warf alle Kissen und unnötigen Laken vom Bett und entledigte mich meiner Schuhe und Socken. In Anzugshose und geöffnetem Hemd kehrte ich ins Erdgeschoss zurück, um mir ein Glas Wasser zu holen und solange auf Jessica zu warten.
Ich stellte gerade das leere Glas auf die Anrichte, als die Glocke vom Eingangstor ertönte. Langsam schlenderte ich zur kleinen Gegensprechanlage, die neben der Tür angebracht war, und sah über die Überwachungskamera, dass Jessica dort stand. Automatisch ließ ich die Flügel einen Spalt aufgehen, sodass sie hereingelangen konnte. Danach öffnete ich die Eingangstür und wartete, bis sie die Treppenstufen hinauf kam.
Ich lehnte am Türrahmen und musterte sie. Wie immer trug sie einen schwarzen Ledermantel und wir beide wussten nur zu gut, was sich darunter verbarg. Ein Hauch von nichts. Das wasserstoffblonde Haar trug sie offen und ihre neue Nase und die frisch aufgespritzten Lippen fielen mir sofort auf, da es keineswegs mehr natürlich wirkte. Die Stirn war faltenlos und die Augenbrauen existierten nicht mehr. Das war nicht mehr ästhetisch, doch auf eine gewisse Weise zog mich das an, das konnte ich mir selbst nicht erklären. Die grünen Augen waren komplett schwarz umrundet, was den Anschein machte, als käme sie aus einem Gothicclub. Ich ließ sie ein und schloss die Tür hinter uns. Ihr Lächeln war einladend und bereitwillig. Betont langsam fuhr sie sich mit der Zunge über die obere Lippe des grell geschminkten Mundes. Sukzessiv löste ich den Gürtel ihres Mantels, streifte den Stoff über ihre Schultern zurück und ließ ihn achtlos zu Boden gleiten. Wie von Gott geschaffen stand sie vor mir. Ihre Hände legten sich auf meine Brust und ich zog sie an mich. Meine Finger wanderten von ihrer Brust über die Taille zu ihrem Po, welchen ich sanft zu massieren begann. Dies ließ sie wie eine kleine Katze schnurren und raunen. Wie ich dieses Geräusch liebte! Kurz darauf hatte ich sie angehoben und sie schlang ihre langen Beine um meine Hüften, ohne zuvor die hohen Schuhe ausgezogen zu haben. Ihre Lippen lagen an meinem Hals. Verdammt! Am liebsten hätte ich hier gleich auf der Treppe mit ihr geschlafen. Sie wusste genau, wie sie mich augenblicklich auf Touren brachte. Als sie behutsam an meinem Ohrläppchen knabberte, stöhnte ich leise.
„Oh ja, das gefällt dir.“ Sie lächelte verhalten, während sich ihre langen Fingernägel in meinen Rücken bohrten. Zischend zog ich die Luft ein.
Angekommen in meinem Schlafzimmer warf ich sie auf mein Bett und entledigte mich mit ihrer Hilfe meiner restlichen Kleidung. Als ich sie vor mir liegen sah und einen flüchtigen Blick über sie warf, war sie nicht mehr so anziehend, wie ich es mir vorgestellt hatte. Denn ohne es zu wollen, verglich mein Verstand Jessica mit Bella und meine Affäre schnitt meilenweit nicht so gut ab. Jetzt widerte sie mich einfach nur noch an. Notgedrungen streifte ich ein Kondom über und drückte sie mit meinem Gewicht auf die Matratze. Ihr greller Lippenstift schmerzte in meinen Augen und ich hatte Glück, dass ich aufgrund ihres abschreckenden Anblicks nicht schlaff wurde. Mit geschlossenen Augen stieß ich in sie hinein und ließ meine Gedanken schweifen. Bella erschien sofort. Nackt. Willig. Und mit laszivem Blick unter mir. Ihr Stöhnen klang wie die berauschendste Musik in meinen Ohren, die ich je gehört hatte und trieb mich immer weiter an, in sie zu stoßen, bis ich sie und mich schließlich zum Höhepunkt brachte. Ich blieb in ihr bis ich mich komplett entladen hatte.
Sexuell befriedigt ließ ich mich aufs Bett fallen. Ich öffnete die Augen und bemerkte, dass Jessica atemlos neben mir lag.
„Im Übrigen beende ich unsere Affäre hiermit. Vergiss nicht unsere Verschwiegenheitserklärung. Wenn ich nur ein Wort in den Medien höre, bist du dran. Schließlich habe ich dir deinen Job besorgt.“
Jessica richtete sich neben mir auf und streckte ihre Beine. Bellas waren um einiges dünner und wohlgeformter. Meine Affäre versuchte so grazil wie möglich aufzustehen, was ihr eindeutig nicht gelang. Die Bewegungen meiner Verlobten waren wie die einer Ballerina, sie schwebte über den Boden. Verdammt, weshalb verglich ich sie mit ihr? Die Gedanken schlug ich mir aus dem Kopf und sah Jessica hinterher. Kaum war sie aus der Tür, sprang ich auf und eilte unter die Dusche. Ich musste ihren penetranten Parfumgeruch von mir abbekommen. Obwohl ich es nicht wollte, erinnerte ich mich an Bellas Duft, als sie an mir gelehnt in dem Hummer saß und schlief. Sie hatte so friedlich und unschuldig ausgesehen und war nicht eine kampfwütige Zicke, wie im Hotelzimmer.
Kopfschüttelnd kehrte ich zum Bett zurück und riss das Laken herunter. Nachdem ich es frisch überzogen hatte und die etlichen Kissen wieder auf ihren Platz gebracht hatte, nahm ich die Fernbedienung und legte mich aufs Bett. Ich zappte durch die Kanäle bis ich auf NBC hängen blieb.
„Wir unterbrechen das Programm für eine dringende Kurzmeldung. Im Golf von Mexico fand eine erneute Explosion einer Bohrinsel statt. Der Konzern BP hat schon alles Erdenkliche in die Wege geleitet um dieses Mal rascher zu handeln, damit sich die Ölpest von 2010 nicht wiederholen kann. Meeresbiologen befürchten jedoch, dass schon genug Öl ausgetreten ist, um verheerende Folgen sowohl für das Meer als auch die Küste zu haben. Wir können nur hoffen, dass bald mehr Unterstützung eintreffen wird.“
Sofort sprang ich auf und lief zu meiner Hose, in der sich mein BlackBerry befand. Ich wählte die Nummer meines Wahlkampfleiters. Grummelnd hob jener ab.
„Jasper, wir müssen eine Kampagne zur Rettung der Südküste erstellen und Hilfsmittel schicken!“
„Und jetzt sag mir in Herrgottsnamen noch, weshalb wir das tun sollten.“ Unruhig marschierte ich durch das Zimmer. Mit einer schnellen Hilfsaktion würde ich gewiss eine große Menge der Wähler auf meine Seite ziehen und mit der Verkündung meiner Verlobung den positiven Ausgang der Wahlen für mich entscheiden.
„Weil die gleiche Katastrophe wie 2010 eingetreten ist. Setz deinen Arsch in Bewegung und tu, was ich dir sage!“, schrie ich und raufte mir das Haar.
„Beruhig dich! Ich werde mich gleich an die Sache machen und eine kleine Truppe aufstellen. Morgen werde ich dich vom Stand der Dinge in Kenntnis setzen. Geh jetzt schlafen, denn den brauchst du.“ Ich bedankte mich bei Jasper. Er hatte schon recht. Denn erstens war ich unausstehlich, wenn man mich zu früh aufweckte und zweitens war es ein Gut, das ich in den letzten Wochen nur sehr selten genießen konnte. Immer wieder hatten mich die Schlagzeilen wach gehalten. Erschöpft legte ich mich in das Bett und schlief augenblicklich ein.
~~~~*~~~~
Als ich am nächsten Morgen jäh durch die Sonnenstrahlen erwachte, rümpfte ich die Nase und stand widerwillig auf. Die Stundenzahl meines Weckers brachte mich auf Touren, denn es war schon kurz vor elf Uhr. So lange hatte ich in den letzten Jahren noch nie geschlafen. Schnell überprüfte ich meine E-Mails auf dem PC in dem anliegenden Büro und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass Jasper mir schon eine weitläufige Ausarbeitung meiner neuen Kampagne geschickt hatte. Während ich unter die Dusche sprang und mich im Bad fertig machte, ließ ich die unzähligen Seiten des Word-Dokuments ausdrucken. Sobald ich mir meine Freizeitklamotten angezogen hatte, nahm ich die Blätter und ging damit in das Erdgeschoss, um mir Kaffee zu machen. Die Kaffeemaschine produzierte gerade mein eigenes schwarzes Gold, ohne das ich keinen Tag überstehen würde.
Gewissenhaft las ich mir die ersten Absätze durch und nahm mir danach einen Kaffeebecher. Plötzlich vernahm ich hinter mir Isabellas Stimme.
„Was machst du da?“, fragte sie und ich fuhr vor Schreck zusammen. Das ist doch sonst nicht meine Art, schoss es mir durch den Kopf, als ich mich ruckartig umdrehte.
„Dir auch einen schönen guten Morgen, Isabella. Ich hoffe, du hast gut geschlafen. Deine Vorlesung beginnt in zwei Stunden. Du solltest etwas essen und dich danach fertig machen. Angela wird in einer halben Stunde hier sein, um dir zu helfen“, sagte ich und musste dazwischen auf meine Uhr sehen. Ich kannte ihren Stundenplan in und auswendig, denn Angela hatte sich gestern noch die Mühe gemacht, mir jenen zu schicken.
Jetzt jedoch stach mir ihr kurzer schwarzer Morgenmantel ins Auge. Ihre endlos langen Beine waren nur bis zum oberen Drittel ihrer Oberschenkel bedeckt und der Ausschnitt war nur notdürftig geschlossen. Mich überrollte eine Welle der Lust. Am liebsten hätte ich ihr alles vom Leib gerissen und mit ihr auf der Anrichte heißen Sex gehabt. Nervös verlagerte sie ihr Gewicht, was den Morgenmantel etwas aufklaffen ließ, sodass noch mehr Haut zu sehen war. Ohne ein weiteres Wort verließ ich fluchtartig den Raum. Ich lehnte mich gegen die nächste Wand und musste tief durchatmen, um mich nicht unkontrolliert auf sie zu stürzen.
Gott, ich verhielt mich wie ein pubertärer Junge! Kopfschüttelnd ging ich zur Treppe, um in mein Büro zu gelangen. Dort angekommen stürzte ich mich sofort in meine Arbeit und begann die Pressemitteilung zu schreiben. Ich wusste, dass ich dafür Angestellte hatte, aber für so etwas Wichtiges scheute ich keine Mühe. Bald hatte ich sie in Windeseile abgetippt und las sie mir nochmals durch.
Sehr geehrte Bürger und Wähler des Staates Louisiana,
ich, Edward Cullen, werde den Bundesstaat mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen. Eine Kampagne zur Rettung der Tiere und für die Finanzierung der Ausrüstung, damit das Leck so schnell wie möglich versiegelt wird, wurde noch in dieser Nacht von mir in die Wege geleitet. Ich bitte Sie, nicht als Präsidentschaftskandidat, sondern als Mitbürger und Schätzer unserer Natur, um jede Spende, die Sie erübrigen können. So klein der Betrag auch ist, aber eine erneute Ölpest an unserem Land kann sich unsere Umwelt nicht leisten. Diese würde absterben, die letzte hatte sie nur mit Not überstanden, aber das was auf uns zukommt, ist größer und gefährlicher als alles davor.
Daher mein Appell an Sie: Helfen Sie mit, denn unsere Natur ist überlebenswichtig!
Junior Senator Kaliforniens Edward Cullen
Ich wollte gerade einen erneuten Schluck von meinem Kaffee nehmen, als ich merkte, dass ich ihn schon getrunken hatte. Seufzend erhob ich mich und marschierte hinunter in die Küche, um mir frischen zu machen.
Auf der Küchenanrichte erwarteten mich ein Packen von Zeitungen und eine kleine Box mit Post. Während ich die Kaffeemaschine in Betrieb setzte, blätterte ich die Nachrichten durch. Entweder prangte die neue Ölpest oder meine Verlobung mit Isabella auf dem Titelblatt. Die Schundblätter – welches Hauptthema die Verbindung war –warf ich getrost in den Mülleimer, Tanya würde mich später darüber in Kenntnis setzen. Doch die hochwertigen Artikel der New York Times las ich schnell durch. Selbst meine Kampagne wurde erwähnt. Jasper hatte es also wirklich geschafft. Ich war froh, dass ich ihn eingestellt hatte, bevor sich Black ihn schnappen konnte. Als das Piepsen der Maschine ertönte, richtete ich mir mein Getränk her und verschwand schließlich wieder in meinem Büro.
Oben angekommen öffnete ich jedes interessante Kuvert, selbst die, die an Isabella adressiert waren. Schließlich gab es keine Geheimnisse mehr zwischen uns, besser gesagt, sie hatte keine mehr, ich schon. Größtenteils waren es Interviewanfragen für die Klatschpresse, jedoch waren auch welche von seriösen Magazinen dabei. Vielleicht sollte ich mit Isabella darüber reden? Die restliche Post für mich las ich ebenfalls durch und begann, schon einige Antworten zu tippen. Dafür hatte ich ebenfalls eigene Leute, doch diese kümmerten sich hauptsächlich darum, die Absagen zurückzuschicken.
Nur ich persönlich nahm Einladungen an, das war schon von Anfang an so. Dadurch war ich nicht ganz so oft wie Black in den Medien vertreten, jedoch in allen seriösen und angesehen Magazinen, was die Wähler mehr schätzten, als in der Klatschpresse über mich zu lesen. Ich war so in meine Arbeit versunken, dass ich vom Sessel fiel, als ein markerschütternder Schrei das Haus erfüllte. Adrenalin pumpte durch meinen Körper und ich sprang so schnell wie möglich auf, rannte die Treppe hinunter und blieb vor Schock im Wohnzimmer stehen. Was zum Teufel?, schoss es mir durch den Kopf, als ich das Szenario im Raum betrachtete.