Kapitel 3
„Es kann nur der zu etwas gezwungen werden, der sich zwingen lassen will.“ - G.W.F. Hegel
Mein schlimmster Albtraum saß in dem Sessel, der in der Ecke des Zimmers stand. Seine Beine hatte er übereinander geschlagen und schwenkte bedächtig ein Glas, das mit brauner Flüssigkeit gefüllt war. Meine rechte Hand tastete langsam nach dem Türknauf. Vielleicht schaffe ich es, von hier wegzukommen, dachte ich in meiner Naivität, welche jedoch zunichte gemacht wurde.
„Das würde ich an deiner Stelle lassen“, sagte Edward scharf und stand betont lässig auf. Gebannt sah ich ihm zu, wie er auf mich zukam. Ein paar Zentimeter vor mir blieb er stehen und streckte seine Hand aus. Ich fuhr zusammen, dachte, er habe vor, mich zu schlagen. Als er jedoch eine Haarsträhne hinter mein Ohr schob, atmete ich erleichtert auf. Aber jenen hielt ich wieder an, als er seine Fingerspitzen über meinen Hals wandern ließ und mir noch näher kam.
Meine Haut kribbelte und kitzelte überall dort, wo er mich berührte und ich spürte das Verlangen, mich sofort zu kratzen. Seine Körperwärme war deutlich durch den dünnen Stoff des Kleides spürbar und mir wurde kälter. Ich erschauderte und meine Haare stellten sich auf. Ein wirklich unangenehmes Gefühl. Mein Fluchtinstinkt wurde nur noch mehr geweckt und mein Gehirn suchte eine Lösung, um so schnell wie möglich aus seinen Fängen zu entkommen. Das Fazit fiel jedoch ernüchternd aus, und ich musste einsehen, dass ich hier gerade keine Chance hatte.
„Bella, ich erwarte seit zwei Stunden eine Antwort von dir. Also, was ist mit meinem Angebot?“ Er ließ seine Hand weiter nach unten wandern, über meine Brust bis zu meiner Hüfte. Dort schob er sie auf meinen Rücken und zog mich weiter zu sich. Diesem Mann gelang es tatsächlich, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Beschämt blickte ich zu Boden, hob aber gleich wieder den Kopf, um ihn von mir zu schieben. Ich konnte seinem Blick nicht mehr standhalten und schloss die Augen, um mich zu sammeln – jedenfalls versuchte ich es.
„Lassen Sie mich los!“, forderte ich ihn kalt auf. Es war ein Wunder, dass mir dies gelungen war, so aufgewühlt, wie ich innerlich war. Er machte jedoch keine Anstalten, sich von mir zu lösen, sondern zog mich noch näher an sich, was mich zum erneuten Erschaudern brachte.
„Erst wenn ich eine Antwort habe.“ Ich blickte ihm in die Augen und sah diese Entschlossenheit darin, die mich im Innersten erschütterte. Wie konnte ich ihm etwas entgegensetzen, wenn er körperlich stärker war als ich und noch dazu mir einen Schritt voraus?
„Ja“, antwortete ich leise und musste dabei meinen gesamten Stolz, sowie meine Selbstachtung, als auch meine Prinzipien hinunterschlucken, was mir nur mühsam gelang.
„Das war doch ganz einfach“, sagte er plötzlich betont freundlich und hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Edward löste sich von mir, zog eine kleine blaue Schachtel aus der Innentasche seines Blazers und öffnete diese.
„Wenn ich das mache, dann auch richtig.“ Dabei entnahm er den weißgoldenen Ring und verlangte nach meiner rechten Hand. Widerwillig streckte ich sie ihm entgegen. Sanft streifte er mir den Ring über. Es fühlte sich an, als würde das Schmuckstück mehr als eine Tonne wiegen.
Verstand er das gerade ernsthaft als einen Heiratsantrag? Um Gottes Willen! Seit meinen Kindheitstagen hatte ich mir vorgestellt, wie der Antrag sein müsste. Ich war immer der Meinung, dass er persönlich sein musste und romantisch, jedoch nicht kitschig. Dazwischen lag nur ein Grat und es war schwer, das zu meistern. Edward gab sich nicht viel Mühe, aber der Ring schien ihm viel zu bedeuten, denn er strich liebevoll darüber.
„Ich bitte dich um das hier und es fällt mir wirklich schwer: Pass auf den Ring auf, Isabella. Er hat meiner Großmutter gehört, und es ist das Einzige, das wir – beziehungsweise ich – noch von ihr besitze.“ Edward blickte mir in die Augen und ich nickte. Danach räusperte er sich und sein Pokerface saß wieder perfekt. Er war wie eine Maschine und ließ nie eine Emotion zu, außer wenn man von den wenigen Augenblicken zuvor mal absah. Wenn er sich so seinen Wählern präsentierte, dann wusste ich nicht, ob er gewinnen würde.
„Da wir das jetzt geklärt haben, bitte ich dich, deine Sachen zu packen, damit wir nach Boston fahren können. Ich möchte nicht eine Minuten länger mit Jacob Black in diesem Hotel sein. Und würdest du auch bitte die Güte besitzen, dir das anzuziehen, das ich für dich vorbereitet habe? So kann ich mich unmöglich mit dir in der Öffentlichkeit zeigen.“ Das war nicht sein Ernst! Ich war nie ein aggressiver Mensch gewesen, aber Edward Cullen trieb mich langsam aber sicher zur Weißglut.
„Pardon? Mir hat niemand vorzuschreiben, was ich trage und was nicht, das ist immer noch meine Entscheidung! Und ich denke nicht, dass mich jemand in dem Kleid sehen wird, da ich heute sicherlich nicht mehr abreisen werde“, giftete ich ihn an und trat einen Schritt zurück, um eine gewisse Distanz zu wahren. Ich wollte nichts mehr auf dieser Welt, als so weit wie möglich von ihm und meiner herrischen Familie weg zu sein. Denn sie verlangten von mir etwas, wozu ich nicht bereit war. Ein Leben an der Seite eines arroganten, kaltherzigen und herrischen Mann, hatte ich mir sicher nicht erträumt.
„Doch, ich habe jetzt das Recht, denn du wirst meine Frau und damit auch die vermutlich nächste First Lady und du solltest langsam damit beginnen, dich wie eine zu kleiden. Was du zu Hause trägst ist mir egal, jedoch habe ich ein Wörtchen mitzureden, wenn du fotografiert wirst.
Denn du bist jetzt mein Aushängeschild. Alles wird über dich laufen. Wenn etwas nicht zusammenpasst, kommt das immer auf mich zurück. Zeigst du dich auf keiner Benefizgala, heißt es, wir würden die bedürftigen Bürger nicht unterstützen. Also sei gewiss, Isabella, dass du keinen Schritt in diesem Kleid vor diese Tür machen wirst, so wenig, wie in den Sachen, die du mitgenommen hast. Ich habe meine Assistentin damit beauftragt, dir angemessene Kleidung zu besorgen. In unserer gemeinsamen Wohnung wirst du einen gut gefüllten Kleiderschrank vorfinden und modische Tipps. Angela steht dir rund um die Uhr telefonisch zur Verfügung. Sie wird dich beraten und deine beste Freundin werden, was mich gleich zu Alice Brandon und Rosalie Hale bringt. Du wirst diese beiden Frauen nicht mehr wiedersehen. Der BMW wird in diesem Moment zu seiner Besitzerin gebracht. Und du wirst jetzt in dieses verdammt Bad gehen, dich frisch machen und umziehen.“ Gegen Ende seiner kleinen Rede wurde er immer lauter und ich zuckte zusammen, als er die Namen meiner beiden besten Freundinnen ausspie.
„Das werde ich mit Sicherheit nicht tun! Ich werde mich nicht wie ein kleines Anziehpüppchen verhalten, es reicht, wenn ich mich in die Sachen zwängen muss, wenn ich Charlie sehe. Mir sind diese Diskussionen mit ihm schon leid. Selbst Adelige in Europa haben mehr Recht als ich und glaube mir, Edward, wenn du das von mir verlangst, werde ich dir das Leben zur Hölle machen. Und wenn du dir sicher bist, schon am Boden zu liegen, dann wirst du mich erst richtig kennen lernen“, presste ich wütend hervor und verengte meine Augen.
Plötzlich begann er schallend zu lachen und trat näher. Ich ging so weit wie möglich zurück, stieß aber wieder gegen die Tür. Edward stemmte je eine Hand auf eine Seite des Holzes neben meinem Kopf. Er kam ganz nah an mich heran, sodass ich bei jedem Wort seine Lippen über meinen spürte.
„Glaubst du wirklich, dass du mir schaden kannst? Dass du die Macht dazu besitzt? Bist du allen Ernstes davon überzeugt, Isabella? Sieh dich doch einmal an! Du bist abhängig von deinen Eltern. Wären sie nicht, könntest du nicht Harvard besuchen und all die Vorzüge genießen. Außerdem hast du nichts zu sagen, du bist nur die Tochter von Senator Swan, auf die niemand hören wird. Ich jedoch bin Senator, noch dazu des Bundesstaates, mit den meisten Einwohnern und Wahlmännern. Also bitte ich dich, diese leeren Versprechungen zu lassen, da du sie so oder so nie einlösen kannst. Aber ich gebe dir jetzt eines, das du dir lieber zu Herzen nehmen solltest: Erhebst du nur ein Wort gegen mich in der Öffentlichkeit, oder weigerst dich, meine loyale Ehefrau zu spielen, dann mache ich dir das Leben zur Hölle. Du wirst nach meiner Amtszeit oder im Falle einer Scheidung keinen Beruf im politischen Bereich ergreifen können, die Firmen werden einen großen Bogen um dich machen und wagst du den Versuch, dir selbst etwas aufzubauen, dann würde das klaglos scheitern. Nun sei doch so gütig, gehe dich frisch machen und ziehe die Sachen an, die im Bad bereit liegen. Denn wir beide werden in einer halben Stunde abreisen.“
Kalt sah er mich an und löste sich abrupt von mir. Mir entging nicht, dass er seine Hände kurz zu Fäusten ballte, bevor er sich wieder in den Sessel setzte und sich seinem Getränk widmete. Mit der freien Hand massierte er sich die Nasenwurzel und zog seine Augenbrauen zusammen, bevor er mich auffordernd ansah. Er meinte es verdammt ernst.
Empört schnaubend stürmte ich ins Bad und schmiss die Tür ins Schloss.
„Wärst du vielleicht so freundlich und würdest mit den Sachen, die nicht dir gehören sachter umgehen? Ich möchte nicht für eine defekte Tür aufkommen“, hörte ich Edwards autoritäre Stimme. Ihn ignorierend wandte ich mich um und stützte mich am Waschbecken ab. Im Spiegel sah mir eine Beinahe-Leiche entgegen. Momentan sah ich tatsächlich unmöglich aus. Wenigstens mein Haar saß. Ich wusch mir das Gesicht und versuchte, das Make-up ab zu bekommen. In Folge dessen hatte ich komplett blutunterlaufene Augen, als hätte ich die ganze Nacht durchgeweint. Seufzend ließ ich mich auf den Boden nieder und bettete den Kopf auf meinen Knien. Meine Beine umschlang ich und begann leise zu weinen, denn ich hatte keine Lust auf ein erneutes Gebrüll von Edward. Ich war immer eine starke und selbstbewusste Frau gewesen, nur Edward Cullen brachte mich mit seiner autoritären Art an einen Punkt, den ich kaum zu überwinden vermochte. Es war, als könnte er mich zügeln, mich zähmen, was ich mit Sicherheit nicht wollte.
„Isabella, du hast noch zehn Minuten“, rief er durch die Tür. Ein Wunder, dass er nicht hereingestürmt kam und mich zwang, mich fertig zu machen. Aber ich würde ihm schon zeigen, dass ich keine leeren Versprechungen machte und zu allem bereit war, um ihn mir vom Hals zu halten. Schnell stand ich auf und ging zu den hergerichteten Sachen. Ich überprüfte nicht, ob es meine Größe war, so viel traute ich ihm schon zu, bei seiner Sorgfalt. Mir war nicht entgangen, dass er immer perfekt gekleidet war. Die Krawatte saß gerade, der Anzug hatte keinen Fleck oder war verknittert, sein Hemd war perlweiß und sein Haar gekämmt. Was er konnte, das konnte ich schon lange. Mister Cullen, machen Sie sich auf etwas gefasst, dachte ich mir und nahm die graue Bluse, darunter kamen schwarze Spitzendessous zum Vorschein. Ach, wie gut, dass auch gleich für sündhaft teure Unterwäsche gesorgt war. Selbst in Gedanken klang meine Stimme reichlich ironisch. Aber eines musste man ihm lassen, er wusste, was gut an mir aussehen würde, oder war dafür diese Angela zuständig? Mir auf die Unterlippe beißend, zog ich mich aus und danach die frische Unterwäsche an. Sie roch jedenfalls frisch gewaschen, ob sie schon jemand vor mir getragen hatte, wollte ich gar nicht wissen.
Kurz bevor ich fertig angezogen und mit einem Dutt sowie frisch geschminkt aus dem Bad gehen wollte, betrachtete ich den von Edward so geschätzten weißgoldenen Ring an meinem Finger. In der Mitte prangte ein großer rundgeschliffener Diamant, der in einem eckigen Bett eingelassen und von acht kleineren umgeben war. Links und rechts war jeweils einer in zwei ellipsenförmige Fassungen eingesetzt worden. Sowohl ober-als auch unterhalb der Mitte, waren zwei kleine weiße Steine in gleicher Form in ein Rechteck gefasst. Er gefiel mir, nur fragte ich mich, weshalb er mir den Ring gab, wenn er ihm so viel bedeutete. Hätte es nicht auch einer von Tiffany’s getan?
So hätte ich ihn jedenfalls eingeschätzt. Ich warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und trat dann in die Höhle des Löwen. Kaum stand ich im Raum, spürte ich schon seinen Blick auf mir. Mit hochgezogener Augenbraue sah ich zu ihm. Er stand am Fenster und blickte flüchtig hinaus, bevor er mich wieder ansah.
„Gut, dass ich mitgedacht habe. Nun, dann werden wir jetzt das erste Mal deine schauspielerischen Fähigkeiten testen, denn dort unten wartet schon eine kleine Schar von Fotografen. Was das morgen wieder für Artikel geben wird.“ Mit zur Seite geneigtem Kopf trat er langsam auf mich zu. Wie gebannt betrachtete ich seine plötzlich funkelnden Augen. Sie waren grün, war mir das zuvor schon aufgefallen? Ärgerlich wischte ich den Gedanken beiseite. Es war doch völlig egal, welche Farbe seine Augen besaßen!
Kritisch beäugte er mein Gesicht und wischte plötzlich überraschend sanft über mein Kinn. Dann musterte er mich erneut und lächelte – wenn auch etwas schmal. „Ich denke, das kann man gut und gern als perfekt bezeichnen.“
Sein Blick lag noch etwas länger auf mir. Doch plötzlich straffte er sich, das Lächeln war verschwunden und sein Ton klang wieder geschäftsmäßig. „Ich nahm mir die Freiheit heraus, deine Koffer bereits in den Wagen bringen zu lassen. Ich hoffe, das ist dir recht. Wenn du den Rest zusammen gepackt hast, würde ich gern dieses Hotel verlassen.“ Er hob eine Augenbraue, plötzlich war dieses verwirrende Funkeln in den Augen zurück.
Versuchte er tatsächlich gerade, nett zu sein?
Verwirrt sah ich ihn an. Mein Glück wollte ich nicht überstrapazieren, deshalb nahm ich die Tasche, die am Bett lag und warf die Kosmetika einfach hinein. Danach begutachtete ich misstrauisch die Schuhe, die am Ende des Bettes standen.
Nach ein paar Probeschritten stand ich sicher in den Dingern und Edward half mir ganz gentlemanlike in den Mantel, den er mir entgegenhielt. Er ging zur Tür und öffnete sie für mich. Ich schnappte mir die große Handtasche und marschierte erhobenen Hauptes an ihm vorbei.
„Ich hoffe, du weißt, wie du dich jetzt zu benehmen hast“, sagte Edward scharf und sah mich eindringlich an. Meine Antwort war ein lautes Schnauben. Wollte er mich auf den Arm nehmen? In Gedanken verdrehte ich die Augen.
Wir mussten nur kurz warten, bis der Aufzug unsere Etage erreichte. In diesem war ein junger Mann, der mich verstohlen musterte. Als wäre es mir nicht aufgefallen, dachte ich und stieß einen genervten Seufzer aus. Ich spürte, wie mich Edward näher an seinen Körper zog. Wollte da gerade jemand sein Revier markieren? Seit wann war ich in der Steinzeit gelandet? Kopfschüttelnd stieg ich mit Edward aus dem Aufzug, und wir wurden auch gleich von einem blonden jungen Mann begrüßt.
„Mister Cullen, mein Name ist Mike Newton. Kann ich vielleicht etwas für Sie tun?“ Mit einem Stofftuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Angstschweiß, mutmaßte ich. Nervös folgte er uns zur Rezeption, an der Edward die Zimmerkarte abgab. Mir entging nicht der flirtende Blick der Rezeptionistin.
„Nein danke, meine Verlobte wollte heute in jedem Fall noch auschecken.“ Er war die Freundlichkeit in Person, das musste ich ihm schon lassen. Edward wusste, wie er sich anderen gegenüber verhalten musste. Wieso konnte er nicht auch so zu mir sein? Das würde die Angelegenheit zwischen uns um einiges vereinfachen und wäre ebenfalls angenehmer. Aber er musste diese arrogante Art einfach an mir ausleben. Wenn seine gesamte Familie so war, dann konnte ich mir gratulieren.
„War etwas mit dem Zimmer nicht in Ordnung? Ich bin mir sicher, dass-“, begann der Manager, doch ich unterbrach ihn.
„Alles war bestens. Ich ziehe es nur vor, mit meinem Verlobten nach Boston weiterzureisen. Mit Sicherheit werde ich das Hotel weiterempfehlen. Selten war man derart zuvorkommend und der kurze Aufenthalt, gestaltete sich ausnehmend erholsam.“ Als ich ihn anlächelte, atmete er sichtlich auf.
„Aber wir müssen nun leider weiter. Morgen Nachmittag ist meine nächste Vorlesung und ich möchte bis dorthin ein paar Stunden Schlaf bekommen haben. Also können wir fahren?“, fragte ich nun an Edward gewandt und hob eine Augenbraue. Er lächelte und winkte seinen Bodyguards. Verdammt, das waren aber Muskelpakete, einer muskulöser als der andere. Und alle vier so attraktiv, dass ich mir am liebsten einen geschnappt hätte.
„Senator Cullen, wir können Sie nun zum Auto begleiten. Aber die Presse wartet vor der Tür.“ Edward nickte und zog mich näher an sich. Seine Hand lag auf meiner Hüfte. Mich hätte nicht gewundert, wenn ich dort beim Ausziehen einige äußerst blaue Flecken entdecken würde. Innerlich verdrehte ich die Augen. Was für ein Aufwand! Ich wollte mir jetzt lieber nicht ausmalen, wie es erst als First Lady sein würde.
„Es wäre besser, wenn ihr beiden nicht so eng verschlungen gehen würdet“, sagte plötzlich ein schwarzhaariger Hüne. Dass der Mann Edward nicht mit der höflichen Anrede angesprochen hatte, verwunderte mich und ich blickte ihn fragend an.
„Emmett ist mein bester Freund und mein oberster Sicherheitsbeamter“, flüsterte Edward mir zu und danach küsste er flüchtig meine Wange. Mein Verlobter löste sich von mir, richtete seinen Anzug und wandte sich schließlich mir zu.
„Schatz, sitzt meine Krawatte korrekt?“ Wäre es möglich gewesen, meine Augenbraue noch etwas weiter in die Höhe zu ziehen, ich hätte keine Sekunde gezögert, das auch zu tun. Schnaubend schob ich meine Tasche auf die Schulter und begutachtete seine Krawatte. Er wollte sie gerichtet haben, liebend gern! Ich nahm das Stück Stoff in die Hand. Die Seide fühlte sich gut auf meiner Haut an, doch ich zog den Knoten weiter zusammen, sodass er ihn bis wir im Auto waren, nicht lockern konnte. Edwards wütenden Blick ignorierte ich doch glatt. Stattdessen bedachte ich ihn mit einem unschuldigen Lächeln und küsste ihn sanft.
„Jetzt sitzt sie korrekt, Liebling. Ich bin immer froh, wenn ich dir helfen kann. Schließlich möchte ich, dass alles perfekt sitzt und nichts verrutscht. Wäre zu schade, wenn man dich aufgrund einer schief sitzenden Krawatte nicht wählen würde.“ Der Seitenhieb saß und Edward rang sich ein Lächeln ab. Freiwillig nahm ich seine Hand und folgte ihm zur der großen Eingangstür. Jene wurde uns vom Portier aufgehalten und im gleichen Moment wurde ich von den grellen Blitzlichtern geblendet. Ich wollte gerade meine Hand hochheben, um es abzuwehren, doch Edward kam mir zuvor und schnappte sich meine Hand, dreht mich zu ihm und gab mir einen flüchtigen Kuss. Völlig überrumpelt, riss ich die Augen auf. Als er sich von mir löste, presste er so leise wie möglich hervor: „Fixiere einen Punkt und lächle einfach. Das Reden übernehme ich.“ Ich atmete einmal tief durch und folgte ihm. Die vier Sicherheitskräfte hielten uns die Reporter so gut wie möglich vom Leib. Edward beantwortete nur eine einzige Frage: „Nein, das ist nicht meine neue Affäre, sondern meine Verlobte und wenn Sie nun bitte so gütig wären? Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Alles Weitere werden Sie morgen in einer Pressemitteilung erfahren.“
Ein Raunen ging durch die Menge. Nach einer kollektiven Schocksekunde prasselten die Fragen auf uns herein. Das Stimmengewirr wurde immer lauter, einzelne Worte waren kaum mehr auszumachen.
Unwillkürlich lief Edward schneller. Ich sah, wie er die Augen verdrehte und verkniff mir ein Lachen.
Was hatte er erwartet? Dass die Typen nach diesem Statement mit gesenktem Haupt ins Bett gingen und auf den Morgen warteten?
Von Edward unbemerkt rutschte meine schwitzige Hand aus seiner. Er war nun schon beim wartenden Auto und stieg auch sogleich ein. Nun gut, dann würden wir eine kleine Bella-Show machen. Die beiden Männer an meiner Seite drängten die Leute weiter zurück. Ich hörte, wie mir Fragen an den Kopf geworfen wurden, doch ich hob einfach meine Hand um kein Statement abzugeben. Denn eines hatte ich in den Jahren gelernt: antworte nie auf Fragen der Paparazzi, denn jene drehen einem nur das Wort im Mund um. Kurz bevor ich ins Auto einstieg, wandte ich mich noch einmal um. Ich setzte mein strahlendes Lächeln auf und winkte in die Kameras. Danach stieg ich in den Wagen ein. Kaum saß ich, setzte der Wagen sich in Bewegung.
„Was sollte das gerade eben?“ Edward klang wütend und ich drehte meinen Kopf zu ihm.
„Ich habe dir gerade geholfen. Außerdem ist es von Vorteil, wenn wir nett zu der Presse sind, schließlich brauchst du doch dringend positive Publicity für den Wahlkampf. Wenn du unbedingt willst, dass ich deine First Lady werde, dann lass mich bei Projekten mitmachen. Ein paar Ideen habe ich schon. Edward, ich studiere nicht umsonst Politikwissenschaften. Ich weiß, wie man gewinnt, und wenn ich dich schon heirate, dann will ich wenigsten für vier Jahre im Weißen Haus leben“, antworte ich kalt und sah aus dem Fenster. Aus meinen Schuhen schlüpfend, machte ich es mir auf der Rückbank bequem. Wenigstens einen Vorteil hatten diese CO2-ausstoßenden Dinger, sie waren mehr als komfortabel.
„Wie hast du mich eigentlich gefunden?“ Diese Frage geisterte die ganze Zeit in meinem Kopf herum und bis jetzt hatte ich nicht die Möglichkeit, sie zu stellen.
„Du hast hier mit deiner AmEx eingecheckt. Hättest du das Hotel ein paar hundert Meter weiter genommen, hätte ich dich nicht so schnell gefunden. Außerdem lässt Charlie seit deiner etwas überstürzten Abreise, deinen Kontostand überwachen. Morgen früh hätte er dein Konto ohnehin einfrieren lassen, schließlich ist es sein Geld.“
Verblüfft sah ich ihn an. Das hätte ich wissen müssen! Die Antwort war so simpel und ich Idiotin hatte an diese Möglichkeit nicht gedacht! Erschöpft lehnte ich den Kopf zurück und schloss die Augen. Dann fiel mir etwas ein und ich sah ihn doch wieder an. Seine Miene war ausdruckslos.
„Aber wie konntest du so schnell hierher kommen? Du warst doch in Chicago.“
„Es ist von Vorteil, dass dein Vater einen Helikopter hat. Damit kommt man relativ schnell und unkompliziert an den Ort seiner Wahl. Wie hat dir eigentlich das erste Treffen mit meiner Tante gefallen? Sie scheint dich zu mögen. In einer SMS, schwärmte Ava geradezu von dir.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an. Die ältere Frau an der Bar war seine Tante? Das wollte ich jetzt nicht glauben! Bevor ich näher auf das Thema eingehen konnte, begann Edward mit einem anderen: „Wir sollten uns vielleicht einmal die Zeit nehmen, um uns besser kennen zu lernen. Wie du bereits sagtest, werden wir zusammenleben, und wie würde es aussehen, wenn wir nicht in der gleichen Wohnung und später im gleichen Bett schlafen? Zudem möchte ich doch meiner loyalen Ehefrau am Tage unsere Hochzeit und unserer Hochzeitstage ihre Lieblingsspeisen auftischen lassen. Was wäre ich für ein schrecklicher Ehemann, wenn ich das nicht wüsste.“
Er machte sich über mich lustig, aber die Suppe würde ich ihm versalzen.
„Nun, dann! Aber ich sollte dich darauf hinweisen, dass ich dir die eine oder andere Antwort leider schuldig bleiben werde, da sie zu intim wäre“, begann ich ernst.
„Isabella, zwischen uns wird es mit Sicherheit keine Geheimnisse geben. Ich werde wissen müssen, mit welchen Männern du ausgegangen bist, sogar geschlafen hast. Das Gleiche gilt auch für mich. In den nächsten Tagen bekommst du eine Liste mit den Frauen, mit denen ich Sex hatte. Vielleicht kommt dir die eine oder andere bekannt vor.“ Um meine Fassungslosigkeit zu überspielen, räusperte ich mich. Er durfte nicht erfahren, dass es niemanden gab. Charlie hatte immer ein Argusauge auf mich, besonders, wenn es um „Dates“ oder Männer ging. Er war der Überzeugung, dass ich nur mit jemand zusammen sein durfte, den er ausgewählt hatte. Jeden seiner Vorschläge hatte ich ausgeschlagen. Ich konnte einfach nichts mit den Männern anfangen.
„Wirklich, dann sag mir, mit wie vielen Frauen du schon geschlafen hast.“ Verdammt! Das hatte sich angehört, als wäre ich eine eifersüchtige Ehefrau. Als Edward zu lachen begann, wurde ich rot. Auch das noch!
„Als ich bei fünfzig war, habe ich aufgehört zu zählen. Die meisten Affären fanden während meiner College-Zeit statt. Von denen sind jetzt ein paar im Kongress oder arbeiten für NGOs. In den letzten Jahren hielt ich mich zurück. Es wirft kein gutes Licht auf einen Senator, wenn er monatlich mit einer neuen Frau an seiner Seite auftaucht. Aber wie erwähnt, wirst du sie aufgelistet bekommen. Meine Schwester schreibt mit akribischer Sorgfalt jede Konversation, Berührung, Date, Kuss und was in dieser Hinsicht noch von Belang sein könnte, mit. Mit Tanya kannst du dich auch anfreunden. Sie freut sich bestimmt schon darauf, dich kennen zu lernen, so wie ich sie kenne.“ Tanya Cullen war seine jüngere und wirklich hübsche Schwester. Sie war eine zweite Rosalie, nur angeblich nicht so arrogant und bodenständiger als meine blonde Freundin.
„Aber die Frauen aus den Zeitungen?“ Verwirrt sah ich ihn an, zog die Beine an mich und umschlang sie, da mir kalt wurde.
„Viele nur erfunden oder verjährt. Obwohl, einige waren keine Ente.“ Nachdenklich rieb er sich das Kinn und fuhr anschließend durch sein Haar.
„Dir ist kalt“, stellte er fest. Verwundert beobachtete ich, wie er sein Sakko auszog und es mir reichte. Die Ablehnung lag mir bereits auf der Zunge, als er mich eindringlich ansah und eine Augenbraue in die Höhe schoss. Mit fest aufeinander gepressten Lippen fetzte ich ihm das Sakko aus der Hand und warf es über mich.
Es war noch von seiner Körperwärme gewärmt. Inzwischen hatte Edward mit unserem Chauffeur geredet und es wurde die Heizung aufgedreht. Kurz darauf flutete angenehme Wärme das Wageninnere.
„Deine Lieblingsfarbe?“, durchbrach er die Stille nach einigen Minuten, in denen ich auf den Highway gestarrt hatte.
„Grün. Deine?“ Ich wandte den Kopf wieder in seine Richtung.
„Ich habe keine. Lieblingsessen, begonnen bei der Vorspeise bis zum Dessert.“
„Das wird jetzt schwer.“ Ich überlegte einige Minuten, bis ich zu einem passenden Ergebnis kam.
„Prosciutto mit Melone, Lachsfilet mit Weißweinsauce und Tiramisu.“
Das Gespräch ging noch lange weiter, bis wir in einen Stau kamen und mir langsam aber sicher die Augen zufielen. Ich merkte nur noch, wie ich auf die Seite rutschte, auf etwas Weichem landete und mich ein bekanntes Aftershave umgab.
Mein schlimmster Albtraum saß in dem Sessel, der in der Ecke des Zimmers stand. Seine Beine hatte er übereinander geschlagen und schwenkte bedächtig ein Glas, das mit brauner Flüssigkeit gefüllt war. Meine rechte Hand tastete langsam nach dem Türknauf. Vielleicht schaffe ich es, von hier wegzukommen, dachte ich in meiner Naivität, welche jedoch zunichte gemacht wurde.
„Das würde ich an deiner Stelle lassen“, sagte Edward scharf und stand betont lässig auf. Gebannt sah ich ihm zu, wie er auf mich zukam. Ein paar Zentimeter vor mir blieb er stehen und streckte seine Hand aus. Ich fuhr zusammen, dachte, er habe vor, mich zu schlagen. Als er jedoch eine Haarsträhne hinter mein Ohr schob, atmete ich erleichtert auf. Aber jenen hielt ich wieder an, als er seine Fingerspitzen über meinen Hals wandern ließ und mir noch näher kam.
Meine Haut kribbelte und kitzelte überall dort, wo er mich berührte und ich spürte das Verlangen, mich sofort zu kratzen. Seine Körperwärme war deutlich durch den dünnen Stoff des Kleides spürbar und mir wurde kälter. Ich erschauderte und meine Haare stellten sich auf. Ein wirklich unangenehmes Gefühl. Mein Fluchtinstinkt wurde nur noch mehr geweckt und mein Gehirn suchte eine Lösung, um so schnell wie möglich aus seinen Fängen zu entkommen. Das Fazit fiel jedoch ernüchternd aus, und ich musste einsehen, dass ich hier gerade keine Chance hatte.
„Bella, ich erwarte seit zwei Stunden eine Antwort von dir. Also, was ist mit meinem Angebot?“ Er ließ seine Hand weiter nach unten wandern, über meine Brust bis zu meiner Hüfte. Dort schob er sie auf meinen Rücken und zog mich weiter zu sich. Diesem Mann gelang es tatsächlich, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Beschämt blickte ich zu Boden, hob aber gleich wieder den Kopf, um ihn von mir zu schieben. Ich konnte seinem Blick nicht mehr standhalten und schloss die Augen, um mich zu sammeln – jedenfalls versuchte ich es.
„Lassen Sie mich los!“, forderte ich ihn kalt auf. Es war ein Wunder, dass mir dies gelungen war, so aufgewühlt, wie ich innerlich war. Er machte jedoch keine Anstalten, sich von mir zu lösen, sondern zog mich noch näher an sich, was mich zum erneuten Erschaudern brachte.
„Erst wenn ich eine Antwort habe.“ Ich blickte ihm in die Augen und sah diese Entschlossenheit darin, die mich im Innersten erschütterte. Wie konnte ich ihm etwas entgegensetzen, wenn er körperlich stärker war als ich und noch dazu mir einen Schritt voraus?
„Ja“, antwortete ich leise und musste dabei meinen gesamten Stolz, sowie meine Selbstachtung, als auch meine Prinzipien hinunterschlucken, was mir nur mühsam gelang.
„Das war doch ganz einfach“, sagte er plötzlich betont freundlich und hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Edward löste sich von mir, zog eine kleine blaue Schachtel aus der Innentasche seines Blazers und öffnete diese.
„Wenn ich das mache, dann auch richtig.“ Dabei entnahm er den weißgoldenen Ring und verlangte nach meiner rechten Hand. Widerwillig streckte ich sie ihm entgegen. Sanft streifte er mir den Ring über. Es fühlte sich an, als würde das Schmuckstück mehr als eine Tonne wiegen.
Verstand er das gerade ernsthaft als einen Heiratsantrag? Um Gottes Willen! Seit meinen Kindheitstagen hatte ich mir vorgestellt, wie der Antrag sein müsste. Ich war immer der Meinung, dass er persönlich sein musste und romantisch, jedoch nicht kitschig. Dazwischen lag nur ein Grat und es war schwer, das zu meistern. Edward gab sich nicht viel Mühe, aber der Ring schien ihm viel zu bedeuten, denn er strich liebevoll darüber.
„Ich bitte dich um das hier und es fällt mir wirklich schwer: Pass auf den Ring auf, Isabella. Er hat meiner Großmutter gehört, und es ist das Einzige, das wir – beziehungsweise ich – noch von ihr besitze.“ Edward blickte mir in die Augen und ich nickte. Danach räusperte er sich und sein Pokerface saß wieder perfekt. Er war wie eine Maschine und ließ nie eine Emotion zu, außer wenn man von den wenigen Augenblicken zuvor mal absah. Wenn er sich so seinen Wählern präsentierte, dann wusste ich nicht, ob er gewinnen würde.
„Da wir das jetzt geklärt haben, bitte ich dich, deine Sachen zu packen, damit wir nach Boston fahren können. Ich möchte nicht eine Minuten länger mit Jacob Black in diesem Hotel sein. Und würdest du auch bitte die Güte besitzen, dir das anzuziehen, das ich für dich vorbereitet habe? So kann ich mich unmöglich mit dir in der Öffentlichkeit zeigen.“ Das war nicht sein Ernst! Ich war nie ein aggressiver Mensch gewesen, aber Edward Cullen trieb mich langsam aber sicher zur Weißglut.
„Pardon? Mir hat niemand vorzuschreiben, was ich trage und was nicht, das ist immer noch meine Entscheidung! Und ich denke nicht, dass mich jemand in dem Kleid sehen wird, da ich heute sicherlich nicht mehr abreisen werde“, giftete ich ihn an und trat einen Schritt zurück, um eine gewisse Distanz zu wahren. Ich wollte nichts mehr auf dieser Welt, als so weit wie möglich von ihm und meiner herrischen Familie weg zu sein. Denn sie verlangten von mir etwas, wozu ich nicht bereit war. Ein Leben an der Seite eines arroganten, kaltherzigen und herrischen Mann, hatte ich mir sicher nicht erträumt.
„Doch, ich habe jetzt das Recht, denn du wirst meine Frau und damit auch die vermutlich nächste First Lady und du solltest langsam damit beginnen, dich wie eine zu kleiden. Was du zu Hause trägst ist mir egal, jedoch habe ich ein Wörtchen mitzureden, wenn du fotografiert wirst.
Denn du bist jetzt mein Aushängeschild. Alles wird über dich laufen. Wenn etwas nicht zusammenpasst, kommt das immer auf mich zurück. Zeigst du dich auf keiner Benefizgala, heißt es, wir würden die bedürftigen Bürger nicht unterstützen. Also sei gewiss, Isabella, dass du keinen Schritt in diesem Kleid vor diese Tür machen wirst, so wenig, wie in den Sachen, die du mitgenommen hast. Ich habe meine Assistentin damit beauftragt, dir angemessene Kleidung zu besorgen. In unserer gemeinsamen Wohnung wirst du einen gut gefüllten Kleiderschrank vorfinden und modische Tipps. Angela steht dir rund um die Uhr telefonisch zur Verfügung. Sie wird dich beraten und deine beste Freundin werden, was mich gleich zu Alice Brandon und Rosalie Hale bringt. Du wirst diese beiden Frauen nicht mehr wiedersehen. Der BMW wird in diesem Moment zu seiner Besitzerin gebracht. Und du wirst jetzt in dieses verdammt Bad gehen, dich frisch machen und umziehen.“ Gegen Ende seiner kleinen Rede wurde er immer lauter und ich zuckte zusammen, als er die Namen meiner beiden besten Freundinnen ausspie.
„Das werde ich mit Sicherheit nicht tun! Ich werde mich nicht wie ein kleines Anziehpüppchen verhalten, es reicht, wenn ich mich in die Sachen zwängen muss, wenn ich Charlie sehe. Mir sind diese Diskussionen mit ihm schon leid. Selbst Adelige in Europa haben mehr Recht als ich und glaube mir, Edward, wenn du das von mir verlangst, werde ich dir das Leben zur Hölle machen. Und wenn du dir sicher bist, schon am Boden zu liegen, dann wirst du mich erst richtig kennen lernen“, presste ich wütend hervor und verengte meine Augen.
Plötzlich begann er schallend zu lachen und trat näher. Ich ging so weit wie möglich zurück, stieß aber wieder gegen die Tür. Edward stemmte je eine Hand auf eine Seite des Holzes neben meinem Kopf. Er kam ganz nah an mich heran, sodass ich bei jedem Wort seine Lippen über meinen spürte.
„Glaubst du wirklich, dass du mir schaden kannst? Dass du die Macht dazu besitzt? Bist du allen Ernstes davon überzeugt, Isabella? Sieh dich doch einmal an! Du bist abhängig von deinen Eltern. Wären sie nicht, könntest du nicht Harvard besuchen und all die Vorzüge genießen. Außerdem hast du nichts zu sagen, du bist nur die Tochter von Senator Swan, auf die niemand hören wird. Ich jedoch bin Senator, noch dazu des Bundesstaates, mit den meisten Einwohnern und Wahlmännern. Also bitte ich dich, diese leeren Versprechungen zu lassen, da du sie so oder so nie einlösen kannst. Aber ich gebe dir jetzt eines, das du dir lieber zu Herzen nehmen solltest: Erhebst du nur ein Wort gegen mich in der Öffentlichkeit, oder weigerst dich, meine loyale Ehefrau zu spielen, dann mache ich dir das Leben zur Hölle. Du wirst nach meiner Amtszeit oder im Falle einer Scheidung keinen Beruf im politischen Bereich ergreifen können, die Firmen werden einen großen Bogen um dich machen und wagst du den Versuch, dir selbst etwas aufzubauen, dann würde das klaglos scheitern. Nun sei doch so gütig, gehe dich frisch machen und ziehe die Sachen an, die im Bad bereit liegen. Denn wir beide werden in einer halben Stunde abreisen.“
Kalt sah er mich an und löste sich abrupt von mir. Mir entging nicht, dass er seine Hände kurz zu Fäusten ballte, bevor er sich wieder in den Sessel setzte und sich seinem Getränk widmete. Mit der freien Hand massierte er sich die Nasenwurzel und zog seine Augenbrauen zusammen, bevor er mich auffordernd ansah. Er meinte es verdammt ernst.
Empört schnaubend stürmte ich ins Bad und schmiss die Tür ins Schloss.
„Wärst du vielleicht so freundlich und würdest mit den Sachen, die nicht dir gehören sachter umgehen? Ich möchte nicht für eine defekte Tür aufkommen“, hörte ich Edwards autoritäre Stimme. Ihn ignorierend wandte ich mich um und stützte mich am Waschbecken ab. Im Spiegel sah mir eine Beinahe-Leiche entgegen. Momentan sah ich tatsächlich unmöglich aus. Wenigstens mein Haar saß. Ich wusch mir das Gesicht und versuchte, das Make-up ab zu bekommen. In Folge dessen hatte ich komplett blutunterlaufene Augen, als hätte ich die ganze Nacht durchgeweint. Seufzend ließ ich mich auf den Boden nieder und bettete den Kopf auf meinen Knien. Meine Beine umschlang ich und begann leise zu weinen, denn ich hatte keine Lust auf ein erneutes Gebrüll von Edward. Ich war immer eine starke und selbstbewusste Frau gewesen, nur Edward Cullen brachte mich mit seiner autoritären Art an einen Punkt, den ich kaum zu überwinden vermochte. Es war, als könnte er mich zügeln, mich zähmen, was ich mit Sicherheit nicht wollte.
„Isabella, du hast noch zehn Minuten“, rief er durch die Tür. Ein Wunder, dass er nicht hereingestürmt kam und mich zwang, mich fertig zu machen. Aber ich würde ihm schon zeigen, dass ich keine leeren Versprechungen machte und zu allem bereit war, um ihn mir vom Hals zu halten. Schnell stand ich auf und ging zu den hergerichteten Sachen. Ich überprüfte nicht, ob es meine Größe war, so viel traute ich ihm schon zu, bei seiner Sorgfalt. Mir war nicht entgangen, dass er immer perfekt gekleidet war. Die Krawatte saß gerade, der Anzug hatte keinen Fleck oder war verknittert, sein Hemd war perlweiß und sein Haar gekämmt. Was er konnte, das konnte ich schon lange. Mister Cullen, machen Sie sich auf etwas gefasst, dachte ich mir und nahm die graue Bluse, darunter kamen schwarze Spitzendessous zum Vorschein. Ach, wie gut, dass auch gleich für sündhaft teure Unterwäsche gesorgt war. Selbst in Gedanken klang meine Stimme reichlich ironisch. Aber eines musste man ihm lassen, er wusste, was gut an mir aussehen würde, oder war dafür diese Angela zuständig? Mir auf die Unterlippe beißend, zog ich mich aus und danach die frische Unterwäsche an. Sie roch jedenfalls frisch gewaschen, ob sie schon jemand vor mir getragen hatte, wollte ich gar nicht wissen.
Kurz bevor ich fertig angezogen und mit einem Dutt sowie frisch geschminkt aus dem Bad gehen wollte, betrachtete ich den von Edward so geschätzten weißgoldenen Ring an meinem Finger. In der Mitte prangte ein großer rundgeschliffener Diamant, der in einem eckigen Bett eingelassen und von acht kleineren umgeben war. Links und rechts war jeweils einer in zwei ellipsenförmige Fassungen eingesetzt worden. Sowohl ober-als auch unterhalb der Mitte, waren zwei kleine weiße Steine in gleicher Form in ein Rechteck gefasst. Er gefiel mir, nur fragte ich mich, weshalb er mir den Ring gab, wenn er ihm so viel bedeutete. Hätte es nicht auch einer von Tiffany’s getan?
So hätte ich ihn jedenfalls eingeschätzt. Ich warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und trat dann in die Höhle des Löwen. Kaum stand ich im Raum, spürte ich schon seinen Blick auf mir. Mit hochgezogener Augenbraue sah ich zu ihm. Er stand am Fenster und blickte flüchtig hinaus, bevor er mich wieder ansah.
„Gut, dass ich mitgedacht habe. Nun, dann werden wir jetzt das erste Mal deine schauspielerischen Fähigkeiten testen, denn dort unten wartet schon eine kleine Schar von Fotografen. Was das morgen wieder für Artikel geben wird.“ Mit zur Seite geneigtem Kopf trat er langsam auf mich zu. Wie gebannt betrachtete ich seine plötzlich funkelnden Augen. Sie waren grün, war mir das zuvor schon aufgefallen? Ärgerlich wischte ich den Gedanken beiseite. Es war doch völlig egal, welche Farbe seine Augen besaßen!
Kritisch beäugte er mein Gesicht und wischte plötzlich überraschend sanft über mein Kinn. Dann musterte er mich erneut und lächelte – wenn auch etwas schmal. „Ich denke, das kann man gut und gern als perfekt bezeichnen.“
Sein Blick lag noch etwas länger auf mir. Doch plötzlich straffte er sich, das Lächeln war verschwunden und sein Ton klang wieder geschäftsmäßig. „Ich nahm mir die Freiheit heraus, deine Koffer bereits in den Wagen bringen zu lassen. Ich hoffe, das ist dir recht. Wenn du den Rest zusammen gepackt hast, würde ich gern dieses Hotel verlassen.“ Er hob eine Augenbraue, plötzlich war dieses verwirrende Funkeln in den Augen zurück.
Versuchte er tatsächlich gerade, nett zu sein?
Verwirrt sah ich ihn an. Mein Glück wollte ich nicht überstrapazieren, deshalb nahm ich die Tasche, die am Bett lag und warf die Kosmetika einfach hinein. Danach begutachtete ich misstrauisch die Schuhe, die am Ende des Bettes standen.
Nach ein paar Probeschritten stand ich sicher in den Dingern und Edward half mir ganz gentlemanlike in den Mantel, den er mir entgegenhielt. Er ging zur Tür und öffnete sie für mich. Ich schnappte mir die große Handtasche und marschierte erhobenen Hauptes an ihm vorbei.
„Ich hoffe, du weißt, wie du dich jetzt zu benehmen hast“, sagte Edward scharf und sah mich eindringlich an. Meine Antwort war ein lautes Schnauben. Wollte er mich auf den Arm nehmen? In Gedanken verdrehte ich die Augen.
Wir mussten nur kurz warten, bis der Aufzug unsere Etage erreichte. In diesem war ein junger Mann, der mich verstohlen musterte. Als wäre es mir nicht aufgefallen, dachte ich und stieß einen genervten Seufzer aus. Ich spürte, wie mich Edward näher an seinen Körper zog. Wollte da gerade jemand sein Revier markieren? Seit wann war ich in der Steinzeit gelandet? Kopfschüttelnd stieg ich mit Edward aus dem Aufzug, und wir wurden auch gleich von einem blonden jungen Mann begrüßt.
„Mister Cullen, mein Name ist Mike Newton. Kann ich vielleicht etwas für Sie tun?“ Mit einem Stofftuch wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Angstschweiß, mutmaßte ich. Nervös folgte er uns zur Rezeption, an der Edward die Zimmerkarte abgab. Mir entging nicht der flirtende Blick der Rezeptionistin.
„Nein danke, meine Verlobte wollte heute in jedem Fall noch auschecken.“ Er war die Freundlichkeit in Person, das musste ich ihm schon lassen. Edward wusste, wie er sich anderen gegenüber verhalten musste. Wieso konnte er nicht auch so zu mir sein? Das würde die Angelegenheit zwischen uns um einiges vereinfachen und wäre ebenfalls angenehmer. Aber er musste diese arrogante Art einfach an mir ausleben. Wenn seine gesamte Familie so war, dann konnte ich mir gratulieren.
„War etwas mit dem Zimmer nicht in Ordnung? Ich bin mir sicher, dass-“, begann der Manager, doch ich unterbrach ihn.
„Alles war bestens. Ich ziehe es nur vor, mit meinem Verlobten nach Boston weiterzureisen. Mit Sicherheit werde ich das Hotel weiterempfehlen. Selten war man derart zuvorkommend und der kurze Aufenthalt, gestaltete sich ausnehmend erholsam.“ Als ich ihn anlächelte, atmete er sichtlich auf.
„Aber wir müssen nun leider weiter. Morgen Nachmittag ist meine nächste Vorlesung und ich möchte bis dorthin ein paar Stunden Schlaf bekommen haben. Also können wir fahren?“, fragte ich nun an Edward gewandt und hob eine Augenbraue. Er lächelte und winkte seinen Bodyguards. Verdammt, das waren aber Muskelpakete, einer muskulöser als der andere. Und alle vier so attraktiv, dass ich mir am liebsten einen geschnappt hätte.
„Senator Cullen, wir können Sie nun zum Auto begleiten. Aber die Presse wartet vor der Tür.“ Edward nickte und zog mich näher an sich. Seine Hand lag auf meiner Hüfte. Mich hätte nicht gewundert, wenn ich dort beim Ausziehen einige äußerst blaue Flecken entdecken würde. Innerlich verdrehte ich die Augen. Was für ein Aufwand! Ich wollte mir jetzt lieber nicht ausmalen, wie es erst als First Lady sein würde.
„Es wäre besser, wenn ihr beiden nicht so eng verschlungen gehen würdet“, sagte plötzlich ein schwarzhaariger Hüne. Dass der Mann Edward nicht mit der höflichen Anrede angesprochen hatte, verwunderte mich und ich blickte ihn fragend an.
„Emmett ist mein bester Freund und mein oberster Sicherheitsbeamter“, flüsterte Edward mir zu und danach küsste er flüchtig meine Wange. Mein Verlobter löste sich von mir, richtete seinen Anzug und wandte sich schließlich mir zu.
„Schatz, sitzt meine Krawatte korrekt?“ Wäre es möglich gewesen, meine Augenbraue noch etwas weiter in die Höhe zu ziehen, ich hätte keine Sekunde gezögert, das auch zu tun. Schnaubend schob ich meine Tasche auf die Schulter und begutachtete seine Krawatte. Er wollte sie gerichtet haben, liebend gern! Ich nahm das Stück Stoff in die Hand. Die Seide fühlte sich gut auf meiner Haut an, doch ich zog den Knoten weiter zusammen, sodass er ihn bis wir im Auto waren, nicht lockern konnte. Edwards wütenden Blick ignorierte ich doch glatt. Stattdessen bedachte ich ihn mit einem unschuldigen Lächeln und küsste ihn sanft.
„Jetzt sitzt sie korrekt, Liebling. Ich bin immer froh, wenn ich dir helfen kann. Schließlich möchte ich, dass alles perfekt sitzt und nichts verrutscht. Wäre zu schade, wenn man dich aufgrund einer schief sitzenden Krawatte nicht wählen würde.“ Der Seitenhieb saß und Edward rang sich ein Lächeln ab. Freiwillig nahm ich seine Hand und folgte ihm zur der großen Eingangstür. Jene wurde uns vom Portier aufgehalten und im gleichen Moment wurde ich von den grellen Blitzlichtern geblendet. Ich wollte gerade meine Hand hochheben, um es abzuwehren, doch Edward kam mir zuvor und schnappte sich meine Hand, dreht mich zu ihm und gab mir einen flüchtigen Kuss. Völlig überrumpelt, riss ich die Augen auf. Als er sich von mir löste, presste er so leise wie möglich hervor: „Fixiere einen Punkt und lächle einfach. Das Reden übernehme ich.“ Ich atmete einmal tief durch und folgte ihm. Die vier Sicherheitskräfte hielten uns die Reporter so gut wie möglich vom Leib. Edward beantwortete nur eine einzige Frage: „Nein, das ist nicht meine neue Affäre, sondern meine Verlobte und wenn Sie nun bitte so gütig wären? Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Alles Weitere werden Sie morgen in einer Pressemitteilung erfahren.“
Ein Raunen ging durch die Menge. Nach einer kollektiven Schocksekunde prasselten die Fragen auf uns herein. Das Stimmengewirr wurde immer lauter, einzelne Worte waren kaum mehr auszumachen.
Unwillkürlich lief Edward schneller. Ich sah, wie er die Augen verdrehte und verkniff mir ein Lachen.
Was hatte er erwartet? Dass die Typen nach diesem Statement mit gesenktem Haupt ins Bett gingen und auf den Morgen warteten?
Von Edward unbemerkt rutschte meine schwitzige Hand aus seiner. Er war nun schon beim wartenden Auto und stieg auch sogleich ein. Nun gut, dann würden wir eine kleine Bella-Show machen. Die beiden Männer an meiner Seite drängten die Leute weiter zurück. Ich hörte, wie mir Fragen an den Kopf geworfen wurden, doch ich hob einfach meine Hand um kein Statement abzugeben. Denn eines hatte ich in den Jahren gelernt: antworte nie auf Fragen der Paparazzi, denn jene drehen einem nur das Wort im Mund um. Kurz bevor ich ins Auto einstieg, wandte ich mich noch einmal um. Ich setzte mein strahlendes Lächeln auf und winkte in die Kameras. Danach stieg ich in den Wagen ein. Kaum saß ich, setzte der Wagen sich in Bewegung.
„Was sollte das gerade eben?“ Edward klang wütend und ich drehte meinen Kopf zu ihm.
„Ich habe dir gerade geholfen. Außerdem ist es von Vorteil, wenn wir nett zu der Presse sind, schließlich brauchst du doch dringend positive Publicity für den Wahlkampf. Wenn du unbedingt willst, dass ich deine First Lady werde, dann lass mich bei Projekten mitmachen. Ein paar Ideen habe ich schon. Edward, ich studiere nicht umsonst Politikwissenschaften. Ich weiß, wie man gewinnt, und wenn ich dich schon heirate, dann will ich wenigsten für vier Jahre im Weißen Haus leben“, antworte ich kalt und sah aus dem Fenster. Aus meinen Schuhen schlüpfend, machte ich es mir auf der Rückbank bequem. Wenigstens einen Vorteil hatten diese CO2-ausstoßenden Dinger, sie waren mehr als komfortabel.
„Wie hast du mich eigentlich gefunden?“ Diese Frage geisterte die ganze Zeit in meinem Kopf herum und bis jetzt hatte ich nicht die Möglichkeit, sie zu stellen.
„Du hast hier mit deiner AmEx eingecheckt. Hättest du das Hotel ein paar hundert Meter weiter genommen, hätte ich dich nicht so schnell gefunden. Außerdem lässt Charlie seit deiner etwas überstürzten Abreise, deinen Kontostand überwachen. Morgen früh hätte er dein Konto ohnehin einfrieren lassen, schließlich ist es sein Geld.“
Verblüfft sah ich ihn an. Das hätte ich wissen müssen! Die Antwort war so simpel und ich Idiotin hatte an diese Möglichkeit nicht gedacht! Erschöpft lehnte ich den Kopf zurück und schloss die Augen. Dann fiel mir etwas ein und ich sah ihn doch wieder an. Seine Miene war ausdruckslos.
„Aber wie konntest du so schnell hierher kommen? Du warst doch in Chicago.“
„Es ist von Vorteil, dass dein Vater einen Helikopter hat. Damit kommt man relativ schnell und unkompliziert an den Ort seiner Wahl. Wie hat dir eigentlich das erste Treffen mit meiner Tante gefallen? Sie scheint dich zu mögen. In einer SMS, schwärmte Ava geradezu von dir.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an. Die ältere Frau an der Bar war seine Tante? Das wollte ich jetzt nicht glauben! Bevor ich näher auf das Thema eingehen konnte, begann Edward mit einem anderen: „Wir sollten uns vielleicht einmal die Zeit nehmen, um uns besser kennen zu lernen. Wie du bereits sagtest, werden wir zusammenleben, und wie würde es aussehen, wenn wir nicht in der gleichen Wohnung und später im gleichen Bett schlafen? Zudem möchte ich doch meiner loyalen Ehefrau am Tage unsere Hochzeit und unserer Hochzeitstage ihre Lieblingsspeisen auftischen lassen. Was wäre ich für ein schrecklicher Ehemann, wenn ich das nicht wüsste.“
Er machte sich über mich lustig, aber die Suppe würde ich ihm versalzen.
„Nun, dann! Aber ich sollte dich darauf hinweisen, dass ich dir die eine oder andere Antwort leider schuldig bleiben werde, da sie zu intim wäre“, begann ich ernst.
„Isabella, zwischen uns wird es mit Sicherheit keine Geheimnisse geben. Ich werde wissen müssen, mit welchen Männern du ausgegangen bist, sogar geschlafen hast. Das Gleiche gilt auch für mich. In den nächsten Tagen bekommst du eine Liste mit den Frauen, mit denen ich Sex hatte. Vielleicht kommt dir die eine oder andere bekannt vor.“ Um meine Fassungslosigkeit zu überspielen, räusperte ich mich. Er durfte nicht erfahren, dass es niemanden gab. Charlie hatte immer ein Argusauge auf mich, besonders, wenn es um „Dates“ oder Männer ging. Er war der Überzeugung, dass ich nur mit jemand zusammen sein durfte, den er ausgewählt hatte. Jeden seiner Vorschläge hatte ich ausgeschlagen. Ich konnte einfach nichts mit den Männern anfangen.
„Wirklich, dann sag mir, mit wie vielen Frauen du schon geschlafen hast.“ Verdammt! Das hatte sich angehört, als wäre ich eine eifersüchtige Ehefrau. Als Edward zu lachen begann, wurde ich rot. Auch das noch!
„Als ich bei fünfzig war, habe ich aufgehört zu zählen. Die meisten Affären fanden während meiner College-Zeit statt. Von denen sind jetzt ein paar im Kongress oder arbeiten für NGOs. In den letzten Jahren hielt ich mich zurück. Es wirft kein gutes Licht auf einen Senator, wenn er monatlich mit einer neuen Frau an seiner Seite auftaucht. Aber wie erwähnt, wirst du sie aufgelistet bekommen. Meine Schwester schreibt mit akribischer Sorgfalt jede Konversation, Berührung, Date, Kuss und was in dieser Hinsicht noch von Belang sein könnte, mit. Mit Tanya kannst du dich auch anfreunden. Sie freut sich bestimmt schon darauf, dich kennen zu lernen, so wie ich sie kenne.“ Tanya Cullen war seine jüngere und wirklich hübsche Schwester. Sie war eine zweite Rosalie, nur angeblich nicht so arrogant und bodenständiger als meine blonde Freundin.
„Aber die Frauen aus den Zeitungen?“ Verwirrt sah ich ihn an, zog die Beine an mich und umschlang sie, da mir kalt wurde.
„Viele nur erfunden oder verjährt. Obwohl, einige waren keine Ente.“ Nachdenklich rieb er sich das Kinn und fuhr anschließend durch sein Haar.
„Dir ist kalt“, stellte er fest. Verwundert beobachtete ich, wie er sein Sakko auszog und es mir reichte. Die Ablehnung lag mir bereits auf der Zunge, als er mich eindringlich ansah und eine Augenbraue in die Höhe schoss. Mit fest aufeinander gepressten Lippen fetzte ich ihm das Sakko aus der Hand und warf es über mich.
Es war noch von seiner Körperwärme gewärmt. Inzwischen hatte Edward mit unserem Chauffeur geredet und es wurde die Heizung aufgedreht. Kurz darauf flutete angenehme Wärme das Wageninnere.
„Deine Lieblingsfarbe?“, durchbrach er die Stille nach einigen Minuten, in denen ich auf den Highway gestarrt hatte.
„Grün. Deine?“ Ich wandte den Kopf wieder in seine Richtung.
„Ich habe keine. Lieblingsessen, begonnen bei der Vorspeise bis zum Dessert.“
„Das wird jetzt schwer.“ Ich überlegte einige Minuten, bis ich zu einem passenden Ergebnis kam.
„Prosciutto mit Melone, Lachsfilet mit Weißweinsauce und Tiramisu.“
Das Gespräch ging noch lange weiter, bis wir in einen Stau kamen und mir langsam aber sicher die Augen zufielen. Ich merkte nur noch, wie ich auf die Seite rutschte, auf etwas Weichem landete und mich ein bekanntes Aftershave umgab.