Kapitel 27

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Die Ohnmacht des Menschen in Mässigung oder Hemmung der Affekte nenne ich Knechtschaft, denn der von seinen Affekten abhängige Mensch ist nicht Herr über sich selbst, sondern dem Schicksal untertan. – Baruch de Spinoza 1632-1677, niederländisch-por. Philosoph





„Du bist schwanger, oder?“ Mirandas Satz klang mehr nach einer Feststellung als nach einer Frage. Ihr Blick richtete sich auf meinen Bauch und ein spitzbübisches Grinsen legte sich auf ihre Lippen. Eigentlich wollte ich nicht, dass es jemand außerhalb meiner Familie erfährt, da ich noch nicht in der zwölften Woche war und derzeit so vieles passieren konnte, woran ich gar nicht denken wollte. Ich nickte ihr zu und sie begann leise zu quietschen, nachdem sie sich flüchtig umgesehen hatte.
„Ist es so offensichtlich, dass ich schwanger bin?“
„Nein, mich hat nur der Tee stutzig gemacht, da du ja immer Kaffee trinkst. Es umgibt dich eine besondere Aura – ich weiß nicht, ob das der treffende Ausdruck ist – aber du hast etwas an dir. Deine Augen glänzen, du strahlst und hältst automatisch deine Hände vor dein Kind, als würdest du es beschützen.“ Ich sah an mir herunter und bemerkte, dass ich wirklich meine Hände flach auf den Bauch gelegt hatte. Bis jetzt war mir das noch nicht aufgefallen. Lächelnd blickte ich zu Miranda auf, die nun in einem der blauen Sesseln Platz genommen hatte. Seufzend ließ ich mich neben ihr auf einen anderen nieder und schloss für einen Moment die Augenlider.
„Wie weit bist du schon?“, durchbrach ihre Stimme die Stille.
„In der zehnten Schwangerschaftswoche.“
„Hab ich mir schon gedacht…. Moment, zehnte Woche… lass mich rechnen… in den Flitterwochen?“, gluckste sie und ein amüsierter Ausdruck zierte ihr Gesicht. Ich merkte, wie meine Wangen zu brennen begannen, da mir das peinlich war.
„Aber was ist dann mit dem Sport?“
„Ich hätte dir das Angebot nicht gemacht, oder nicht akzeptiert, wenn ich nicht davor mit meiner Gynäkologin geredet hätte. Und ich habe grünes Licht bekommen, denn laut einer Studie ist Sport gesund für werdende Mütter. Vor allem leichtes Joggen, Yoga und Pilates, also genau das, was ich vermitteln möchte. Zumal ich dann auch den zukünftigen Mamas zeigen kann, dass man während der Schwangerschaft Sport machen und sich gesund ernähren kann. Somit ist eine gute Grundlage nach der Geburt geschaffen, die ein positives Körpergefühl der Frau wiedergibt. Mit viel Spazierengehen an der frischen Luft tut man sich und dem Baby nur Gutes!“
Miranda musterte mich flüchtig und legte schließlich ihren Kopf schräg. Mit ihrem Zeigefinger tippte sie gegen ihre Lippen und schien gerade mit sich etwas auszudiskutieren.
„Übernimm dich bitte nicht“, sagte sie schließlich eindringlich: „Ich möchte keinesfalls, dass du aufgrund des Projektes deine Gesundheit in Gefährdung bringst, beziehungsweise dein Kind. Das heißt, sobald du merkst, dass dein Körper nicht mehr möchte, hörst du auf. Und das sage ich dir als deine Freundin, dein Boss und als deine First Lady.“
„Danke, das ist lieb von dir!“, meinte ich und umarmte sie.




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„Mrs. Cullen, wenn Sie mit bitte folgen würden, dann zeige ich Ihnen Ihren Platz“, sagte eine Frau und ging zu der großen Doppeltür. Sie führte mich hindurch, den Hauptgang entlang und in die erste Reihe. Was sollte es denn sonst sein? Seufzend ließ ich mich auf den mir zugeteilten Platz nieder und bedankte mich schließlich lächelnd bei ihr. Ein paar Minuten später trafen zu meiner Überraschung Esme und Miranda ein, die jeweils auf einer Seite von mir ihren Sitzplatz hatten. Wir begrüßten uns und es schien, als würden sich meine Schwiegermutter und mein „Boss“ – so nannte ich Miranda nun immer, da sie mich gerne herumkommandierte, natürlich im gespielten Sinne – gut verstehen.
„Ich hab dir heute noch gar nicht gratuliert, was bin ich doch für eine miserable Freundin!“, begann Miranda und klatschte sich mit der Handinnenfläche gegen ihre Stirn, „Bei aller Liebe werde ich aber nicht zu singen beginnen, da ich das nicht beherrsche. Oh, und dein Geschenk folgt noch. Ich hoffe, dass du dafür Verwendung finden wirst. Sicher sogar.“
„Vielen Dank, aber wirklich, du musst mir nichts schenken. Ich bin kein Fan von Überraschungen oder wenn man viel Geld ausgibt.“
„Bella, Bella, Bella. Wie lang kennen wir uns jetzt schon?“
„Seit meinem Abschluss.“
„Genau und dieser war im Mai, wenn ich mich nicht irre. Seitdem habe ich dich etwas besser kennengelernt und weiß natürlich, dass du so etwas nicht magst. Also zerbrich dir jetzt nicht den Kopf darüber. Es ist nichts sündhaft Teures, nichts Extravagantes, sondern etwas, das dir nützlich sein wird.“ Verwirrt betrachtete ich sie und musste an den heutigen Vormittag denken.


***


Ich ging in unser Speisezimmer und sah Edward schon am Kopfende des Tisches sitzen. Neben ihm stapelte sich ein Berg Zeitungen und es schien  so, als wären all diese mit Bildern von den letzten Tagen voll, schließlich hatte ich, wie versprochen, die Presseleute eingeladen und ihnen gezeigt, wie man Sport machen konnte. Es hatte wirklich sehr viel Spaß gemacht und ich konnte sogar mit ihnen herumalbern. Nun schien es so, als wären auch diese Bilder veröffentlicht worden, denn das Cover der Zeitung, die er gerade in der Hand hielt, war mit einem Bild bedruckt auf dem ich einen Handstand machte und eine Brücke. Ich musste mich am Türpfosten anhalten, da mir gerade schwindelig wurde, was in den letzten Tagen häufiger vorkam und ich auf die Hormone schob. Lächelnd trat ich an Edward heran, beugte mich hinunter und küsste ihn auf die Wange.
„Du hast eigentlich keinen „guten“ Morgen verdient, weil deine Seite leer war“, maulte ich etwas eingeschnappt und wurde sofort auf seinen Schoss gezogen.
„Wirklich? Wie kann ich das nur wieder gut machen?“ Ein breites Grinsen breitete sich in seinem Gesicht aus.
„Ich weiß es nicht, da musst du mich überraschen.“ Er zog die Augenbrauen zusammen und musterte mich flüchtig. Sofort war diese spielerische Art verflogen. Ich löste mich von ihm und stand auf.
„Geht es dir gut, du siehst so blass aus?“, fragte mich Edward besorgt, als ich mich nun neben ihn auf den Sessel niederließ.
„Ja, mir geht es gut. Ich hab nur etwas Kopfweh, aber das wird schon wieder“, spielte ich es herunter, da ich nicht wollte, dass er sich an so einem wichtigen Tag um mich Sorgen machte.
„Sollen wir nicht lieber Dr. O’Hara anrufen? Sie meinte doch, dass wir sie jederzeit konsultieren können, wenn dir nicht wohl ist.“ Ich stoppte mitten in meiner Bewegung und blickte Edward warnend an.
„Ich. Bin. Nicht. Aus. Zucker! Wie oft denn noch?“, keifte ich ihn an, da es mir inzwischen auf die Nerven ging, dass er mich von vorne bis hinten betüddelte.
„Milch.“ Verwirrt starrte ich auf meine Müslischale vor mir und bemerkte, dass ich immer noch die Milch hineinleerte und diese über den Rand der Schüssel hinüberlief und somit den schönen Holztisch benässte. Langsam lief es auf meinen Rock hinab. Frustriert sah ich mir das Chaos vor mir an. Am liebsten würde ich zu heulen anfangen, diese schönen Hormone. Carmen, die Edward eingestellt hatte um den Haushalt zu machen, da ich das in meinem „Zustand“ – wie er so schön betont hatte – nicht machen sollte, kam sofort mit Putztüchern und wischte die Flüssigkeit fort. Ich bedankte mich bei ihr, bevor ich aufstand, um mich umzuziehen, sodass ich den heutigen Termin in einer Grundschule in der Nähe wahrnehmen konnte.

In Unterwäsche stand ich nur mehr in dem begehbaren Kleiderschrank, als Edward zu mir kam und von hinten seine Arme um mich schlang.
„Du bist nicht aus Zucker, aber ich möchte nicht, dass euch etwas passiert. Das könnte ich nicht ertragen“, flüsterte er mir ins Ohr und küsste danach zärtlich meinen Hals.
„Dann benimm dich nicht so. Es macht mich wütend, wenn du mich nichts machen lässt.“ Seufzend lehnte ich mich gegen ihn und jegliche Wut, die ich für ihn empfunden hatte, war verflogen. Verdammte Hormone.
„Was war mit dem Sport die letzten drei Tage? Die unzähligen Fotografen dabei? Die Artikel in den Zeitungen von heute Morgen? Jedes einzelne Magazin, ob qualitativ hochwertig oder nicht hat darüber berichtet. Diese Bilder gehen derzeit um die Welt.“ Er nahm mein Ohrläppchen zwischen die Zähne und biss leicht hinein, was mich erschaudern ließ.
„Ja… das…“, stammelte ich, als er mit seinen Hände über meinen Bauch fuhr und am Bund meines Slips entlang.
„Es herrscht ein Kampf in mir, denn jeden freien Moment, den ich habe, möchte ich am liebsten, dass du bei mir bist und ich weiß, dass du in Sicherheit bist, dass euch niemand etwas tun kann, aber ich möchte dich auch dein Leben leben und deine eigenen Projekte vertreten lassen. Also nimm es mir nicht so übel, dass ich dich so behandele, wenn du einmal bei mir bist. Das gibt mir das Gefühl nichts falsch zu machen.“ Langsam drehte ich mir zu ihm um und küsste ihn.
„Dafür danke ich dir auch. Aber wenn du alles auf einmal machst, dann erdrückt mich das.“
„Dann wird es Zeit, dass wir beide dazulernen.“ Lächelnd sah er auf mich herab und hob mich hoch. Reflexartig schlangen sich meine Beine um ihn.
„Was soll das werden?“
„Eines deiner Geburtstagsgeschenke“, meinte er mit einem spitzbübischen Lächeln, „denn so wie du gerade angezogen bist, hilft mir das dabei.“

Mit mir in seinen Armen ging er zurück in unser Schlafzimmer und legte mich auf unser Bett hinab.
„Musst du nicht weg?“ Ihm war die Traurigkeit in meiner Stimme nicht entgangen. Irgendetwas in mir sehnte sich danach Edward immer bei mir zu haben, selbst wenn er mich mit seiner Überfürsorglichkeit in den Wahnsinn trieb. Es war wirklich komisch, denn anscheinend brauchte ich meine tägliche Portion Schmusezeit mit ihm, in der ich in seinen Armen lag. Entweder redeten wir über unseren Tag, oder wir gingen still unseren Gedanken nach, oder wir hatten Sex. Letzteres kam in den letzten Tagen häufiger vor. Denn ich war zu einem wahren Monster geworden. In seinem Büro, im Wohnzimmer, im Bad, in der Küche – ich konnte die Theke nicht mehr ansehen ohne rot zu werden, es sollte verboten werden, was er da mit mir gemacht hatte. Bei dem Gedanken schauderte ich leicht.
„Nein, das Meeting habe ich vorhin auf zwölf verschoben, das heißt, mir bleibt noch Zeit. Ist dir kalt?“ Inzwischen hatte er sich zwischen meine leicht geöffneten Beine gestellt und tastete meinen Körper mit seinem Blick ab. Nicht, dass das kleine Vorspiel gerade eben mich schon genug angemacht hatte, so war das nun pure Folter.
„Was, nein. Ich habe nur gerade an vorgestern gedacht in der Küche.“ Er beugte sich zu mir hinab, stemmte seine Arme links und rechts neben mir in die Matratze und blickte direkt in meine Augen. Hauchzart strich er mit seiner Nase über meinen Kiefer zu meinem Hals und drückte zärtlich einen Kuss auf meine sensible Stelle unter dem Ohr. Was mich wohl seufzen ließ.
„Mhm…“, machte er nur, und ließ seine Hände über meinen Körper gleiten.
„Edward?“
„Was?“ Er richtete sich auf und blickte leicht genervt zu mir hinauf. Scheinbar schien ich gerade sein Vorhaben zu zerstören.
„Und was ist mit dem Duell heute Abend?“ Frustriert ließ er nun seinen Kopf hängen und schüttelte ihn.
„Du bist wirklich in der Lage jede aufkommende Stimmung zu ruinieren.“ Er legte sich neben mich auf den Rücken und fuhr sich mit seinen Händen über sein Gesicht. Hatte er gerade vorgehabt mich zu verführen? In den letzten Tagen war ich es gewesen, die ihn angesprungen hatte. Ich hatte gar nicht darüber nachgedacht, ob er überhaupt Sex haben wollte. Und jetzt, wenn er wollte, schien er zu denken, dass ich ihn abweisen würde. Glucksend richtete ich mich auf und setzte mich rittlings auf ihn.

„Was soll das?“ Verwirrt zog er seine Augenbrauen zusammen. Meine Hände legte ich auf seinen Brustkorb und küsste ihn kurz.
„Ich möchte das einzige Geburtstagsgeschenk, das ich von dir haben möchte, einfordern. Du meintest, dass du dein Meeting verschoben hast. Wenn du für heute Abend nichts mehr machen brauchst, hast du ganz viel Zeit mit mir unsere Badewanne einzuweihen, die Bibliothek und beginnend hier im Bett.“ Während ich das sagte, knöpfte ich nach und nach das Hemd auf und bedeckte nun seinen Oberkörper vereinzelt mit Küssen.
„Warum kannst du mich verführen, aber ich dich nicht“, raunte er, als ich meine Zunge um seine Brustwarze kreisen ließ. Anscheinend gefiel ihm das genauso sehr wie mir selbst.
„Oh glaube mir, du kannst mich verführen. Dieses Lächeln, das deine Augen erreicht und du hast mich.“ Ich öffnete die Schnalle seines Gürtels, danach den Knopf seiner Hose, um schließlich den Zipp hinunterzuziehen.
„Mister Cullen, keine Boxershorts?“ Verblüfft nahm ich seinen Penis in die Hand und schloss meine Finger darum, um langsam auf und ab zu fahren.
„Bella, es sollte um dich gehen und nicht um mich, denn du hast Geburtstag.“ Mit diesen Worten öffnete er den BH und drehte mich auf den Rücken. Die Träger strich er von meinen Schultern und widmete sich nun endlich meinen Brüsten.
„Sie werden immer größer“, erwiderte er und fuhr mit seinem Daumen über meinen Nippel, bevor er sich hinunterbeugte, um diesen in den Mund zu nehmen. Seufzend warf ich den Kopf in den Nacken, als er mit seiner Zunge darüber leckte. Wie sollte ich das überleben? Jeder Zentimeter von mir, wollte ihn gerade in mir haben.
„Edward“, stöhnte ich, „überspringen.“
Er ließ kurz einen Moment von mir ab, den ich nutze, um ihn wieder auf den Rücken zu drehen.  Seine Hose war inzwischen hinunter gerutscht und ich konnte deutlich seine Erektion an meinem Bein fühlen. Schnell zog ich mir den Slip aus und ließ mich dann auf ihn stöhnend hinabgleiten. Dabei blickte ich ihm in die Augen und als er mich ganz ausfüllte, dachte ich, ich sei im Paradies angekommen. Denn der Sex wurde immer besser und ich fand immer meinen Höhepunkt, da ich nun viel empfindlicher wurde. Edward legte seine Hände auf meine Hüften und dirigierte mich. Ich spürte, wie er mit jedem Stoß einen Punkt streifte, der mich immer näher an meine Ekstase brachte. Edward löste eine Hand von meinem Becken und legte sie auf meine Brust. Er massierte sie, spielte mit dem Nippel und ich konnte nicht mehr anders, als zu kommen. Keuchend drückte ich meinen Oberkörper auf seinen und spürte, wie ich mich immer wieder und wieder um ihn zusammenzog. Edward küsste währenddessen meinen Hals und legte seine Arme um meinen Rücken. Langsam zog er sich erneut wieder ein Stück aus mir heraus, um im nächsten Moment in mich zu stoßen und das verlängerte meinen Orgasmus. Als er seinen Mund gegen meine Schulter presste und ich ein leichtes Zucken in meinem Unterleib spürte, wusste ich, dass er auch selbst seine Befriedigung gefunden hatte. Er wollte sich aus mir zurückziehen, doch ich stoppte ihn.
„Nein, können wir nicht noch bisschen so liegen bleiben.“ Edward nickte grinsend und es dauerte nicht lange, bis ich merkte, dass er wieder hart wurde.


***



„Bist du schon aufgeregt?“, riss  mich mein Boss mit der neugierigen Frage aus meinem heutigen Vormittagsrückblick und lehnte sich zu mir hinüber. Somit war der Themenwechsel da.
„Sehr. Ein mulmiges Gefühl habe ich schon im Bauch.“
„Das ist vollkommen normal. Als Bastian das erste Mal kandidiert hatte, war ich kurz davor ohnmächtig zu werden. Und beim zweiten Mal war es nicht besser geworden, also ist das vollkommen in Ordnung.“ Sie tätschelte meine Hand und lächelte mir aufmunternd zu.
„Oh seht, wer da gerade kommt. Ist das nicht die Ehefrau von Black?“, meinte Esme nun, die still unser Gespräch beobachtet hatte.
„Ja, ich denke, dass es sogar ein guter Schachzug wäre, zu ihr hinzugehen und sie zu begrüßen. Was meinst du?“ Ich wog das Pro und Kontra ab, um schließlich aufzustehen und zu Leah hinüberzugehen.
„Misses Black, es freut mich Sie persönlich kennen zu lernen“, äußerte ich mich und streckte ihr meine Hand entgegen. Diese betrachtete sie kurz, um dann einzuschlagen und mir beinahe mit ihrem Griff meine Finger zu brechen. Ein falsches Lächeln bildete sich auf ihren Lippen.
„Die Freunde ist ganz meinerseits, Misses Cullen. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich muss meinen Platz suchen.“ Damit wandte sie sich von mir ab und stöckelte den Gang entlang. Leicht schüttelte ich den Kopf und kehrte zu Miranda und Esme zurück.
„Sie ist eine boshafte Schlange“, meinte mein Boss sofort, um mich aufzumuntern.
„Oh Bella, wie war die Untersuchung am Freitag? Das habe ich noch gar nicht gefragt“, wollte Esme wissen und lehnte sich nun zu mir. Miranda tat es ihr gleich und somit sah es bestimmt für den Außenstehenden aus, als würden wir drei etwas planen.

„Edward ist mitgegangen und er war so süß.“ Erwartungsvoll blickten mich beide an. „Während der Fahrt hin, war er so nervös und hatte andauernd Bedenken, dass der Sex, den wir hatten, dem Kind schaden würde…“ in dem Moment verdrehte Esme die Augen und meinte: „Wenn er dachte, dass es schaden würde, dann frage ich mich, weshalb er dann so schlau geworden ist, Tanya ebenso, denn während der beiden Schwangerschaften war Carlisle keinen Moment sicher.“
Kichernd fuhr ich fort: „Nun, er war wirklich nervös. Er fuhr sich andauernd mit den Händen durch sein Haar, oder übers Kinn, wischte sich immer wieder die schweißnassen Hände auf seiner Hose ab. Und das hat mich wirklich verrückt gemacht. Dieses Herumgezappel und dieses von der einen Seite des Raumes zu anderen gehen. Am liebsten hätte ich ihn angekettet, wäre vermutlich auch das Beste gewesen. Im Warteraum war es schlimmer, zwar hatten wir dort nicht viel Zeit zugebracht, aber es war kaum auszuhalten. Ich war wirklich kurz davor ihn mit Emmett vor die Tür zu schicken. Als ich dann auf dem Stuhl lag und das Bild am Monitor zu sehen war, war dieser Blick, alles wert. Es lag so viel Liebe und Zuneigung in diesem Ausdruck, dass ich zu weinen begonnen hatte. Edward hatte meine Hand genommen und mich besänftigt. Gesagt, dass es einer der besten Tage seines Lebens ist und er immer mitkommen möchte. Als dann der Herzschlag zu hören war, war er geschockt und meinte verblüfft, dass er nicht gedacht hatte, dass das Herz unseres Kindes so schnell schlagen würde und ob es denn normal sei. Meine Ärztin hatte ihn beruhigt, dass es vollkommen normal sein, dass der Herzschlag bei einhundertvierzig Schlägen pro Minute liegt, da dieses kleine Wesen so viel arbeiten muss. Kaum hatte sie uns allein gelassen, waren seine Lippen schon auf meinem Bauch und küssten ihn. Irgendetwas flüsterte er dem kleinen Wesen in mir zu und mein Hormonhaushalt spielte nur so verrückt.“

Miranda und Esme seufzten unisono auf und meine Schwiegermutter nahm mich in den Arm.
„Danke, dass ich endlich einen Enkel bekomme. Wenn er etwas anstellt: Du bist bei uns immer herzlich willkommen. Und falls etwas sein sollte, kannst du jederzeit Carlisle anrufen.“ Ich sah mich schnell um, ob niemand unsere Unterhaltung mitbekommen hatte. Plötzlich verkrampfte sich mein Unterleib und ich zog scharf die Luft ein. Ich schloss meine Augen und versuchte mich zu entspannen.
„Bella, ist alles okay?“
„Es muss gehen“, meinte ich auf Mirandas Frage, die beschützend ihren Arm um meine Schultern gelegt hatte.
„Du siehst blass aus.“ Ich lachte kurz auf.
„Genau das Gleiche hat Edward mit heute Früh auch schon gesagt. Machen wir uns darüber jetzt keine Gedanken. Ich glaube, dass die Debatte gleich beginnt und es scheint, als würde die Presse nun eingelassen werden. Die Show muss weitergehen.“ Unsicher blickten die beiden zu mir und Esme nahm meine Hand in ihre und drückte sie.
„Es wird alles gut gehen.“
„Das hoffe, das hoffe ich.“





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„Aufgrund dieser Sichtweise können wir auch keinen Schritt in eine fortschrittliche Welt machen und bleiben in dem alten Trott hängen. Deshalb gibt es kaum Hilfeleistungen für unsere sozialschwachen Mitmenschen, denn Ihre Sichtweise, Mr. Black, verhindert das.“ Ich hörte Edwards Argumenten begeistert zu und er redete seinen Kontrahenten wirklich in Grund und Boden. Am liebsten wäre ich bei jedem privaten Kommentar Blacks bezüglich mir aufgesprungen, um ihm die Augen auszukratzen, denn ich hatte nichts in diesem Wahlkampf zu tun, auch wenn ich mich politisch betätigte, so hatte das nichts mit Edwards Arbeit zu tun. Ich würde ihn nicht beeinflussen und in seine Arbeit eingreifen und er genauso wenig in meine. So gerne wäre ich aufgesprungen um meinen Ehemann anzufeuern, doch die Kameras waren immer wieder auf mich gerichtet, somit musste ich still sitzen und mir das anhören. Ab und zu rutschte ich auf meinem Platz hin und her. Die Krämpfe wurden stärker und langsam bekam ich Panik. Ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, deshalb verharrte ich und zählte die Minuten bis diese Debatte zu Ende sein würde. Esme reichte mir besorgt eine Flasche Wasser, wovon ich schnell einen Schluck machte. Seufzend lehnte ich mich gegen den Sessel und versuchte an etwas anderes zu denken, als diese verdammten Krämpfe.
„Bella, was ist los?“, fragte meine Schwiegermutter und drückte meine Hand.
„Es geht schon. Es ist gleich vorbei, das schaffe ich noch.“
„Wenn es dir nicht gut geht, solltest du dich besser zurückziehen. Es wird dich niemand verurteilen“, meinte nun auch Miranda.
„Ich werde ihn nicht im Stich lassen. Es sind nur noch fünfzehn Minuten und die werde ich noch aushalten. Ein bisschen Magenverstimmung wird mir schon nichts tun“, spiele ich es hinab, wobei ich wusste, dass es nicht mein Magen war. Ich würde dieses Kind mit Sicherheit nicht verlieren, nicht nach dem, was ich die letzten elf Wochen durchgestanden hatte. Krümelchen war mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen und ich freute mich schon auf die unzähligen Tritte in der Nacht. Ich atmete tief ein und aus und versuchte mich auf die Argumentation Blacks zu konzentrieren. Plötzlich stach es so heftig, dass ich meine Lippen aufeinanderpressen musste, um nicht loszuschreien.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“ Ich schüttelte den Kopf und Tränen schossen mir in die Augen.
„Soll ich mit dir hinausgehen. Ich schreibe nur schnell Carlisle eine SMS, damit er uns draußen trifft.“ Esme zückte ihr Handy und ich legte meine Hand beschützend auf meinen Unterleib. Verlass mich nicht. Ihre Augen weiteten sich und sie tippte schneller.

Nachdem sie das Handy in ihrer Tasche verstaut hatte, stand sie auf und hielt mir ihre Hand entgegen. Ich konnte die Blicke aller auf mir spüren. Sofort kam ein Security auf uns zu gelaufen und meinte mit ernster Stimme: „Ma’am setzen Sie sich bitte wieder nieder. Die Debatte ist nicht zu Ende.“ Esme diskutierte kurz mit ihm und Miranda schaltete sich nun auch ein. Kleinlaut gab er nach, da er sich anscheinend nicht mit der First Lady streiten wollte. Ich versuchte aufzustehen, schaffte es aber nicht. Beim zweiten Versuch gelang es mir endlich und ich blickte kurz zu Edward, der mich besorgt ansah und den Moderator bitten musste die Frage zu wiederholen. Genau einen Schritt kam ich weit, bevor mir schwarz vor Augen wurde und ich zusammenbrach. Die panischen Stimmen wurden immer leiser und leiser und ich hörte Edwards drängende Stimme: „Bleib wach!“, bevor ich ohnmächtig wurde.