Kapitel 10

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Respekt und Achtung verlieren sich am schnellsten in der Wut.“ - Julian Scharnau

Sobald wir das Hotel erreicht hatten, begaben sich Isabella und ich in unsere Suite. Das nervtötende Gerede der beiden konnte ich momentan nicht mehr ertragen, selbst meine Schwester hatte sich mit ihr verbündet. Langsam fragte ich mich, weshalb ich nicht irgendeine naive Tochter eines befreundeten Magnaten geheiratet hätte. Doch ich ging lieber den steinigen Weg. Die ganze Situation machte mich wütend und verbittert. In der nächsten Zeit würde ich noch kälter mit ihr umgehen als sonst. Das nahm ich mir vor. Vielleicht war es ihr dann eine Lehre, denn die Art und Weise wie sie mir in der letzten Zeit begegnet war, konnte ich nicht ausstehen.  Kaum hatten wir unsere Räume betreten, wollte sie schon in ihr Zimmer. Von wegen, zuerst würde ich ihr nun die Leviten lesen, um meiner angestauten Frustration Platz zu machen.
In den letzten Wochen war es mir schwer gefallen bei anderen Frauen meine Erlösung zu finden, doch sobald ich an Isabella dachte, wurde ich hart und musste selbst Hand anlegen.

Fest packte ich sie am Oberarm, um sie aufzuhalten. Geschockt sah sie mich an und senkte dann ihren Blick. Durch diese Geste verwirrt, zog ich die Augenbrauen zusammen.
„Was hast du dir dabei gedacht mich vor ganz Amerika so bloß zu stellen? Zu behaupten, ich sei ein Mann, der seine Socken liegen lässt und nicht weiß, wie man seinen Anzug aufhängt. Weißt du welchen immensen Schaden du damit angerichtet hast? Wie kommst du zu der Annahme, dass es zu stressig für dich ist, mein Kind erwarten zu können und sollten wir beide nicht dafür sein, dass wir kein Kind möchten, so tritt auch nicht Punkt VI. Ansatz 2 Unterpunkt 3 – Verhütungsmittel werden erst verwendet, wenn die Maximalanzahl an Kindern, oder beide Eheparteien gegen eine Schwangerschaft sind – in Kraft.“
Nicht nur sie hatte in den letzten Tagen sich unseren Vertrag mehrmals angesehen, auch ich. Und ich war froh über so manche Klausel. „Und falls du einmal schwanger bist, wirst du deine öffentlichen Angelegenheiten einfach vermindern müssen.“ Plötzlich sah sie auf, doch das erwartete Feuer in ihren Augen fehlte. Es machte mir sogar Spaß sie absichtlich zu provozieren und an ihre Grenzen zu treiben, da ich wusste, dass ich immer die Oberhand hatte. Ich spürte nur, wie sie kurz ihren Oberarm anspannte, dann kurz durchatmete.

„Wie kannst du so einen Stuss von dir geben? Weißt du was du redest? Ich habe dich für die ganze USA humaner gemacht und nicht so abgehoben, wie all die anderen Politiker. Denn das ist das Schlimmste was einem passieren kann. Du solltest nie auf deinem hohen Ross in der Öffentlichkeit sitzen. Was du hier privat machst ist deine Sache, doch gefällt mir das ebenfalls nicht. Zwar fehlt mir die Erfahrung, aber da habe ich dir einiges voraus!“ Mit ihren zierlichen Fingern versuchte sie meine Hand von ihrem Arm zu lösen, doch ich verfestigte meinen Griff umso mehr.
„Ich weiß, wie ich mich in der Öffentlichkeit zu verhalten habe, du anscheinend nicht. Vielleicht sollte ich dir das nochmals erklären. Sage und tue nur dann etwas, wenn du dazu aufgefordert wirst!“ Isabella verdrehte die Augen und ich hörte den Absatz am Boden klackern. Wie konnte sie es wagen mir keine Beachtung zu schenken? Fest nahm ich ihr Kinn zwischen meine Finger und sah ihr direkt in die Augen.

„Zeige mir verdammt noch einmal den Respekt, den du mir entgegen zu bringen hast. Du wirst bald meine Frau sein und da gehört das dazu. Du hast mir nichts voraus, sondern verhältst dich wie ein kleines störrisches Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde und jetzt schmollt. Isabella, werde erwachsen und sieh der Realität ins Auge! Du bist mir unterlegen und wirst es immer bleiben. Ich gebe mir nicht einmal viel Mühe dich bei unseren kleinen Diskussionen – nein, keine Diskussionen sondern das Geschwätz  deiner kindlichen Dummheiten – wortlos stehen zu lassen. So eiskalt und arrogant, wie du mich darstellst, bin ich nicht zu dir. Da du das aber anscheinend so sehr wünscht, werde ich deinem Gesuch nachkommen und dich ab jetzt, wie ein Kind behandeln. Immer tadeln und rügen, wenn du etwas Falsches machst, und sonst bist du wie Luft für mich. Nicht da und anwesend. Und jetzt geh mir verdammt noch mal aus den Augen. Ich möchte meine Ruhe haben und mich für die TV-Debatte vorbereiten, denn das ist schließlich mein Job.“ Ich ließ ihren Arm los und verwies sie des Zimmers.

Meine Krawatte lösend setzte ich mich auf den Zweisitzer im Wohnzimmer und durchsah die Statistiken und Auswertungen der letzten Umfragen. Black hatte aufgrund neuer Wahlversprechungen, die konträr der meinigen waren, ein paar Prozent zugelegt und war dadurch noch näher an mich herangerückt. Eine der vielen Sachen, die ich nicht ausstehen konnte, war es, wenn man mir „auf die Pelle rückte“. Ich brauchte meinen Platz! In den letzten Tagen waren Gerüchte im Umlauf, dass Aro Volturi Black’s Running Mate werden würde. Aro’s Vater war vor einigen Jahrzehnten republikanischer Präsident gewesen und war auch für die hohe Verschuldung der USA zuständig. George W. Bush war dann das Tüpfelchen auf dem I und hat mit dem, in meinen Augen, unsinnigen Irak-Krieg Unmengen an Geld ausgegeben, die zu einem noch größeren Staatsdefizit führten, als es schon war.
Die Einstufung der Ratingagenturen gab dem Staat den Rest. Des Öfteren musste der Kongress die Erhöhung der Staatsverschuldung erhöhen, sodass wir nicht zahlungsunfähig wurden. International waren wir zwar noch ein Riese, doch wenn wir mit dieser Verschuldung weitermachen würden, wären die USA bald nicht mehr das, was sie heute ist. Black folgte jedoch den Pfaden des Volturi Clans, was auch bedeuten würde, dass die Armen, die Sozialschwachen und Rentner, mehr Steuern zahlen sollten und dadurch die so oder so schon reiche Bevölkerungsschicht weniger entrichten müsste. Das würde zu einem totalen Kollaps des Staatsbudget und somit des Staates führen.

Aufgrund Isabellas kleiner Rede bezüglich meines eigentlichen Vize-Präsidenten, hatte ich mir die Sache durch den Kopf gehen lassen und war darauf gekommen, dass sie recht hatte, so schwer mir dies auch fiel. Doch das musste ich zugeben, ohne ihre Argumente hätte ich womöglich einen großen Fehler begangen. Der ehemalige Senator Christoph Drus war ein wirklich guter Politiker und kannte sich in vielen Bereichen aus, in denen ich noch etwas zu lernen hatte. Zumal war er weitaus erfahrener als ich und konnte mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Seine Ehefrau Stephanie war ebenfalls sehr gebildet und ich konnte mir denken, dass sie sich gut mit Isabella verstehen könnte. Hoffentlich nicht zu gut…

Da mir die Werte nicht gefielen, zitierte ich Tanya und Jasper zu mir in die Suite. Kaum waren die beiden in Hörweite, begann ich auch schon.
„Was soll ich tun? Der scheiß Abstand wird immer geringer und ich möchte nicht gegen diesen Black verlieren! Wir alle wissen, dass er nicht qualifiziert genug für dieses Amt ist. Er würde diese Macht nur ausnutzen – nicht, dass ich es nicht tun würde, aber ich gehe damit sorgfältiger um! Dieser Nichtsnutz würde die USA in einen irreparablen Ruin treiben mit seinen aberwitzigen Vorsätzen. Dass ich nicht lache, den Reichen die Steuern zu erlassen und dafür das Geld beim Mittelstand und den Armen zu holen. Ich würde ihn gerne sehen, wenn er um seine Existenz bangen muss und  dann noch ein Politiker mehr Geld verlangen möchte. Die Bürger werden auf die Straße gehen und dagegen wird er nichts machen können. Wir dürfen ihn nicht gewinnen lassen! ICH darf ihn nicht gewinnen lassen!“
Frustriert schlug ich mit der Faust auf den Holztisch. Die Gläser zitterten und das Wasser schwappte über.
„Edward, beruhige dich. Isabella hat heute viel für dich geleistet. In den letzten Minuten sind die Umfragewerte erheblich gestiegen und wenn sie morgen auf der Gala in Chicago neben Charlie glänzt, kann Jacob nicht mehr viel anrichten. Wenn sie es richtig macht, dann gewinnt sie für dich die Wahl. Eine angehende First Lady hat viel mit dem Wahlausgang zu tun und Jakes Frau lässt sich in letzter Zeit kaum in der Öffentlichkeit blicken.“ Durchdringend sah ich meine Schwester an. Denn ich wollte keinesfalls dass mein Wahlerfolg von einer Frau abhing, die störrisch wie ein Maultier war. Dies konnte ich mir nicht leisten und würde es auch nicht tun.

„Ich kann verdammt noch mal nicht dasitzen und hoffen, dass dieses dickköpfige Kind für mich gewinnt! Lässt sich nichts machen?“ Verzweifelt fuhr ich mir mit einer Hand durchs Haar. Meine Hemdärmel krempelte ich mir bis zum Ellbogen auf und lehnte mich an meinen Oberschenkeln an.
„Mehr als durch die Staaten zu fahren und soziale Einrichtungen zu besuchen, Interviews zu geben und Black bei Debatten unter den Tisch zu reden, wirst du nicht machen können. Bella muss die Herzen der Leute gewinnen und zum Wählen motivieren. Vielleicht wäre eine neue Kampagne gut? Ich werde mit ihr darüber  reden.“ Jasper lächelte mir aufmunternd zu, was jedoch nicht viel brachte. Von der Idee, Isabella einfach machen zu lassen, war ich nicht gerade begeistert.
„Moment. Mir fällt gerade etwas ein. Du hast doch vorhin seine Frau erwähnt. War nicht das Gerücht in der Welt, dass die Black-Zwillinge gar nicht seine eigenen sind? Black hat doch in deiner Vergangenheit herumgestochert, warum machen wir das jetzt nicht in seiner? Stellen wir sein Leben doch mal auf den Kopf, durchleuchten jeden verdammten Winkel und drehen jeden Stein um. Er hat ebenfalls Leichen in seinem Keller – metaphorisch gemeint, wobei, wenn ich es mir recht überlege…“ Jasper ließ den Satz ausklingen. Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf ihn, denn Black war schuld daran, dass Joyce zu den Medien gegangen war.

Dieser Arsch zog alle Register, deshalb würde ich es ihm gleich tun. Bis jetzt hatte ich die Aktionen mit der Vergangenheit immer beiseite geschoben, denn es gab einen Kodex unter den Demokraten: Nicht in der Vergangenheit anderer Kandidaten zu  forschen. Denn es wirkte billig, wenn man das tat. Aus diesem Grund, da sie sich auch nicht anders wehren konnten, griffen die Kandidaten zu diesem Mittel.
„Ja, das stimmt. War da nicht etwas mit einem Gespräch in einem Club, dass einer von Blacks Verwandten der Erzeuger sein solle?“ Ich lachte auf und meinte gehässig. „Wenigstens würde es in der Familie bleiben.“ Selbst Tanya musste bei diesem Kommentar schmunzeln, obwohl sie solche Aussagen von mir nicht billigte. Man legte sich einfach nicht mit Edward Cullen an. Das mussten die Kandidaten bei der Wahl zum Senator von Kalifornien erst lernen und jetzt eben Black.

„Ich werde mich sofort daran machen ihn zu suchen. Und wenn ich all meine Kontakte ausspielen muss. Ein paar Gefallen habe ich noch beim FBI…“ Tanya stand auf und ging einfach aus dem Raum. Was war verdammt noch einmal mit den Frauen in meiner Umgebung los? Isabella wehrte sich nicht mehr – nicht, dass mich das nicht stören würde, meine Mutter ließ ihren Einfluss freien Lauf und half Isabella Sonderbotschafterin zu werden, zu guter Letzt beendete Tanya kurzerhand das Meeting.

„Scotch?“, fragte ich Jasper, als meine Schwester aus dem Raum war.
„Liebend gern. Mal so nebenbei, die Sache mit Ellen war ein klasse Schachzug. Ich kann mir vorstellen, dass du nicht gerade sehr begeistert darüber bist, aber dadurch haben wir die Stimmen der Homosexuellen gefestigt, du weißt, wie „mächtig“ die ist.“ Ich nickte ihm zu, reichte ihm eines der beiden Gläser und ließ mich schließlich wieder auf der Couch nieder. Kaum setzte ich an, um einen Schluck zu nehmen, klopfte es an der Tür. Zaghaft wurde diese aufgemacht. Isabella trat mit Victoria ein.
Beide hielten je ein Kleid. Das eine war schwarz und das andere war türkis. Und ich hatte keine Ahnung, was ich damit tun sollte. Deshalb zog ich eine Augenbraue in die Höhe und taxierte Isabella.
„Wir wollten fragen, welches besser ist, denn wir können uns nicht entscheiden.“
Während Victoria sprach, sah meine Verlobte auf den Boden und beachtete mich nicht. Da es mir herzlich egal war, welches der beiden Teile sie anzog, denn beide waren Bodenlang, deutete ich auf das, das Isabella in den Händen hielt.
Kurz hob sie ihren Kopf an und lächelte Jasper zu. Danach deutete sie ihrer Stylistin, dass sie gehen würden. Wortlos drehte sie sich um und marschierte aus dem Raum.
„Was ist mit Bella los? So ruhig und zurückhaltend kenne ich sie gar nicht.“ Jazz klang sichtlich verwundert.
„Ich weiß es selbst nicht. Kurz bevor du und Tanya gekommen seid, hatte ich eine Unterhaltung mit ihr. Da war sie auch schon so wortkarg.“ Schulterzuckend und einen Blick auf meine Uhr werfend stand ich auf.
„Wir sollten los, nicht wahr? Die Debatte ruft und ich möchte nicht zu spät kommen.“



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„… und mit dieser neuen Steuererhöhung bei dem Mittelstand, werde ich die USA aus dem Steuersumpf heraus manövrieren.“ Die Befürworter der Republikaner klatschten laut.
„In einem Interview gestern haben Sie erwähnt, dass Sie die Abtreibung für alle Schwangeren verbieten wollen, das heißt auch für die, die durch eine Vergewaltigung ein Kind erwarten“, sagte der Diskussionsleiter.
„Ja, das stimmt, denn jedes Kind ist ein Geschenk Gottes und dem sollte nicht das Leben genommen werden. Das wäre Mord und ethisch nicht korrekt…“ Die weitere Rede konnte ich gerade nicht mehr mitanhören. Denn es war eine Zumutung zu verlangen, dass vergewaltigte Frauen die Kinder ihres Peinigers zur Welt brachten. Diese Kinder würden womöglich nie die Liebe erfahren und würden die Mütter an diese schreckliche Erfahrung erinnern. Deshalb verstand ich es auch nicht. In den letzten Stunden war eine Welle der Empörung durch den Staat gegangen und viele Frauen würden mit großer Sicherheit mich wählen.

„Senator Cullen, Sie haben ebenfalls ein neues Parteiprogramm auf den Tisch gelegt. Erläutern Sie doch bitte den Zuschauern und auch dem Publikum, was dieses nun beinhaltet, denn das würde uns ebenfalls sehr interessieren.“
„Die eigentlichen Standpunkte: die Erhöhung der Steuern bei den Reichen, eine bessere Gesundheitsversorgung, mehr Gesetze zur Schonung der Umwelt, mehr Hilfe für sozialschwache Familie, bleiben. Dazu gekommen sind, die Verminderung der Arbeitslosenrate durch Schaffung von Arbeitsplätzen im staatlichen Bereich, mehr Hilfe und staatlich geförderte Kurse und Ärzte für Schwangere, Angebote für Hispanics zum besseren Erlernen von Englisch und auch ein Angebot Spanisch zu lernen. Denn es ist mir wichtig, dass die Bevölkerung sich untereinander versteht und es somit zu weniger Zwischenfällen kommt.“

Der Moderator wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, doch Black kam ihm zuvor und schnauzte mich regelrecht an.
„Wie stellen Sie es sich vor, mehr Arbeitsplätze zu schaffen? Es kostet nur wieder mehr Geld und bringt dem Staat nichts, als immense Schulden.“. Der Moderator blickte zwischen uns beiden hin und her, da wir gerade mitten in einem Duell waren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis einer von uns beiden den anderen angreifen würde und mein Plan war gerade aufgegangen. Denn genau mit dieser Haltung präsentierte sich kein angehender Präsident. Man musste immer einen kühlen Kopf behalten und der Bevölkerung zeigen, dass man die richtige Entscheidung traf und das zu ihrem Wohl – jedenfalls verkaufte man das nach außen hin so. Das war das Geschick an dieser Sache.

„Dass dadurch mehr Geld durch die neue Vermögenssteuer in den Topf fließen wird, kann sich der Staat dies leisten. Wenn man weiter überlegt und bedenkt, dass dann hiermit mehr Menschen in den USA Arbeit finden, und damit meine ich nicht das gut qualifizierte Personal, sondern die einfachen Leute, die vielleicht die Schule abgebrochen haben, oder gerade so beendet haben und keinen Job finden, würden auf diese Weise auch einen kleinen Beitrag an Steuern zahlen. Dadurch kann sich der Staat solche Programme leisten und würde sogar schwarze Zahlen schreiben. Außerdem steigt der Konsum wieder an und man kann sich Obst und Gemüse, gesunde Lebensmittel leisten und muss nicht auf das billige Fast Food zurückgreifen. Zumal ich auch für das Militär ein paar Prozentteile weniger ausgeben möchte. Wir brauchen es, keine Frage, die Sicherheit geht vor, doch gibt es Einsätze, die unsinnig sind. In zu vielen Fällen wurde eingegriffen, wo es nicht dringend notwendig gewesen wäre. Das sind alles Einsparungen, die man anderweitig ausgeben kann.“

Die Diskussion ging zwischen mir und Black immer hin und her und bald merkte man deutlich, dass ich einfach bessere Argumente und Taktik besaß als er. Denn am Ende stand er schon mit dem Rücken zur Wand und begann sinnlos vor sich hinzureden.
Ich war froh, als dieser Unsinn beendet war und ich endlich von der Bühne konnte. In dem Scheinwerferlicht war es so heiß gewesen, dass mein ganzes Hemd durchgeschwitzt war.
„Du warst toll und hast ihn in die Enge getrieben!“, sagte Jasper und schlug mir freundschaftlich auf die Schulter. „Während eures Kampfes glühten die Leitungen und deine Werte sind in die Höhe geschnellt und Black’s buchstäblich in den Keller gefallen.“ Erschöpft von dem heutigen Tag lächelte ich ihm zu und trank einen Schluck Wasser.
„Tanya wollte etwas von dir, aber ich kann sie gerade nicht sehen…“ Jasper sah sich suchend um und ich tat es ihm gleich. Meine Schwester war weit und breit nicht zu sehen. Als ich sie anrief, hob sie auch nicht ab. Da Emmett unruhig wurde, weil er hinter der Bühne nicht richtig für meine Sicherheit sorgen konnte, marschierten wir zu meinem wartenden SUV, wo auch Tanya stand und allem Anschein nach mit jemandem telefonierte.
„…haltet sie weiter von den Paparazzi fern und seht zu, dass sie nichts anstellt. Ich werde es ihm sagen müssen und er wird nicht erfreut sein. Verdammt, er ist da, ich muss jetzt auflegen.“ Verwirrt sah ich sie an und mehr als ein Seufzen kam ihr nicht über die Lippen.
„Was musst du mir sagen?“, fragte ich sie, als wir alle im Auto saßen.
„Nicht hier, Edward… Lass mich einiges klären…“ Sie wich meinem Blick aus und ich hatte ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend und das trat nur auf, wenn es etwas mit Isabella zu tun hatte.
„Jetzt und auf der Stelle. Ich will wissen was meine Verlobte wieder angestellt hat!“ Ich schrie und merkte, wie alle um mich herum zusammenzuckten, da sie mit solch einem Wutausbruch nicht gerechnet hatten. Denn Tanya hatte schon recht, die restlichen Wählerstimmen konnte ich nur durch Isabella gewinnen und wenn sie jetzt wieder etwas verbockte, würde das nur Black zugutekommen… und das wollte ich auf keinen Fall.
„Nun?“, erkundigte ich mich mit Nachdruck und Tanya erzählt es mir und veranschaulichte es noch mit Bildern.



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Immer noch wütend schmiss ich die SUV-Türe zu und rannte in großen Schritten die Treppen zur Haustür empor. Ich schlug mit solch einer Kraft gegen das Holz, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn ich geblutet hätte. Emmett stand nun hinter mir und legte mir eine Hand auf die Schulter, doch ich wollte und konnte mich nicht beruhigen. Dazu stand einfach zu viel auf dem Spiel! Sie könnte damit meine Karriere beendet haben! Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und eine blonde Frau stand vor mir – Rosalie Hale… Sie verengte ihre Augen und wenn dieser Blick hätte töten können, so hätte ich zweitausend Meilen unter der Erdoberfläche gelegen.
„Was machst du hier“, giftete sie mich an und ging einen Schritt vor die Tür, um danach jene anzulehnen.
„Ich muss mit Isabella sprechen und zwar sofort, Miss Hale!“ Meine Antwort kam schneidig und kalt. Ich mochte diese Frau nicht unbedingt, doch sie war ein Übel, das ich in Kauf nehmen musste, so wie Alice Brandon.
„Es tut mir ausgesprochen leid, aber Bella ist gerade nicht ansprechbar. Vielleicht versuchst du es morgen noch einmal, oder besser nie mehr wieder!“ Sie erhob ihre Stimme und ich blickte mich um, ob niemand unser Gespräch mitbekam, denn wenn so etwas in den Medien gezeigt werden würde,  konnte ich getrost meine Karriere an den Nagel hängen.
„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir beide drinnen unsere Unterhaltung fortführen, denn ich möchte nicht unbedingt, dass Ihre Nachbarn etwas mitbekommen, wäre für uns beide keine positive Publicity.“ Sie zog eine Augenbraue in die Höhe, öffnete jedoch die Tür und wir beide marschierten ins Innere. Emmett war die ganze Unterhaltung über im Hintergrund geblieben.
„Entschuldigen Sie, Miss, dürfte ich Ihre Toilette benutzen?“, erkundigte er sich plötzlich. Rosalies Gesichtsausdruck änderte sich augenblicklich, die Härte und Abscheu, verwandelte sich in Freundlichkeit, Liebreiz und Wärme.  Sie zeigte mit der Hand in die Richtung und Emmett verschwand dorthin.

„Nun zu dir“, dabei sah sie mich an, doch als ich etwas sagen wollte, hob sie nur ihren Arm. „Nein, du sagst jetzt mal nichts. Mir ist egal wer du bist, oder wer du sein wirst. Du bist ein Mensch so wie Bella, Alice oder ich und du hast nicht das Recht meine beste Freundin so zu behandeln. Von ihr zu verlangen die treue Ehefrau zu spielen und dir Kinder zu schenken, jedoch hinter den Kulissen sie wie Dreck zu behandeln. Weißt du überhaupt, was sie für dich aufgibt, weißt du wie ihr das zusetzt? Hast du sie in den letzten Tagen einmal richtig betrachtet? Siehst du überhaupt wie ihre Knochen hervorstehen, wie abgemagert sie ist? Du hast ihr einen tonnenschweren LKW aufgebürdet und jetzt bricht sie zusammen. Das konnte nicht lange gut gehen und wenn, dann wäre sie mit Sicherheit in den nächsten Wochen oder Monaten zusammengebrochen. Bella hat sich heute dermaßen betrunken und das, mein Lieber, ist nicht ihre Art. Sie denkt meist rational und versucht alles zu verstehen, doch du bist ein Buch mit sieben Siegeln für sie. Zumal es wirklich schwer sein muss mit dir zu leben, wenn du jedes Mal mit ihr so sprichst, wundert es mich nicht, dass sie dich hasst und verabscheut. Ich kann mir zwar mit Mühe vorstellen, dass du ein warmherziger, liebender und gefühlvoller Mann sein kannst, doch mit dieser Einstellung, die du an den Tag legst, wird das nichts werden und so wird auch eure geplante Ehe zum Scheitern verurteilt sein und das vor dem beabsichtigten Ende durch den Ehevertrag!“
Rosalie redete sich in Rage und ich ließ sie einfach. Sie hatte schon Recht mit dem, was sie sagte, doch ich würde meinen Kurs beibehalten. Ich hatte Gründe dafür, die sie nicht verstand oder besser gesagt nicht verstehen könnte.
„Miss Hale, ich habe Sie gerade nur darum gebeten mich zu Isabella zu bringen, und nicht mir einen Vortrag zu halten, wie ich mit ihr umzugehen habe. Ich weiß was ich tue und beabsichtige es nicht, dass meine Verlobte psychisch zusammenbricht, weder bin ich schuld daran. Also bitte ich Sie diese Anschuldigung zurückzuziehen beziehungsweise zu unterlassen. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, meine Zukünftige wartet bestimmt schon sehnsüchtigst auf mich.“ Ihr Mund klappte auf und ich ließ sie einfach stehen. Ich war es leid mit anderen Leuten darüber zu reden, wie ich mich gegenüber Isabella zu verhalten hatte.

Am Treppenende angekommen hörte ich eine leise Frauenstimme und folgte den Lauten. Ich öffnete eine schlichte Holztür und dahinter stand ein Bett.
„Nein, Edward, bitte tu mir das nicht an…“, sagte sie und wälzte sich von einer Seite zur anderen. Langsam schlich ich zum Bett und sah, dass sie schlief. Ich hatte sie in der Nacht, in der ihre Freundinnen bei uns übernachtet hatten, beobachtet. Damals hatte sie schon im Schlaf geredet und war einfach nur wunderschön gewesen. Doch dieses Mal zierte Schweiß ihr gerötetes Gesicht. Außerdem stank sie nach Alkohol und Zigaretten. Angewidert verzog ich den Mund.
„…ich kann nicht mehr… ich halt das nicht aus…“ Innerlich zerriss es mir mein Herz. Ich wusste nicht warum, aber am liebsten hätte ich mich zu ihr gelegt und sie einfach nur im Arm gehalten. Diese Gedanken und den innerlichen Drang kannte ich nie… und ich wollte nicht wissen, was das zu bedeuten hatte.
„Bitte… wenn du so weiter machst, dann…“, flüsterte sie und flehte richtig. Ich wollte gar nicht wissen, was sie träumte, eines war mir aber klar, ich war der Böse in dem Traum. Ein weiterer Stich traf mein Herz und ich legte meine Hand darüber.
„Lach mich nicht aus… hör auf… geh weg…“, schrie sie nun und wachte mit einem lauten und markerschütterndem Schrei auf. Perplex sah sie mich an, doch Bellas Ausdruck veränderte sich von Sekunde zu Sekunde. Zuerst überrascht, dann schockiert, ernüchtern, wütend und schlussendlich ungläubig. Plötzlich baute sie sich vor mir auf und ich hörte nur ein „Edward, pass auf“ von Emmett, doch dann war es schon geschehen. Mit lautem Würgen übergab sie ihren gesamten Mageninhalt auf meinen nagelneuen Boss-Anzug. Meine Reaktion hatte jeden überrascht, dessen war ich mir sicher.