Kapitel 28

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Bei allem, was wir tun und lassen, wird, fast vor allem andern, die fremde Meinung berücksichtigt, und aus der Sorge um sie werden wir, bei genauer Untersuchung, fast die Hälfte aller Bekümmernisse und Ängste, die wir jemals empfunden haben, hervorgegangen sehn.“ – Arthur Schopenhauer


Ich merkte in meinem peripheren Blickfeld, wie Mum und Miranda von ihren Plätzen nacheinander aufstanden und ein Security mit ihnen zu diskutieren schien. So gern ich mich darum gekümmert hätte, so musste ich bei meinem Duell weiter machen. Als Bella schließlich versuchte aufzustehen und es nicht schaffte, begann sich ein unwohles Gefühl breit zu machen. Sie hatte heute Morgen schon nicht gut ausgesehen. Vielleicht hätte sie doch nicht den ganzen Sport machen sollen, vermutlich hatte sie wieder übertrieben.  Aber ich musste mich zusammenreißen.
„Könnten Sie bitte Ihre Frage wiederholen?“, bat ich den Moderator, der diese nochmals lächelnd stellte. Ich wollte gerade mit meiner Antwort ansetzen, als ich meinen Kopf in Bellas Richtung neigte und sie zu Boden gehen sah. Meine Welt schien still zu stehen. Oh Gott, nein! Ohne es zu wollen, trugen mich meine Beine wie mechanisch zu ihr. Neben Bella ging ich in die Knie und beugte mich über sie. Ihre Augenlider waren noch halb offen.
„Bleib wach!“, verlangte ich drängend von ihr und strich mit meinem Daumen über ihre blasse Haut. Bellas Lider schlossen sich nun ganz und ich merkte erst jetzt, wie sich alle um uns herum geschart hatten. Immer lauter werdend hörte ich: „Zur Seite bitte, ich bin Arzt. Rufen Sie lieber einen Krankenwagen als hier angewurzelt stehen zu bleiben.“ Dad wusste sicher wie man Bella helfen konnte.
„Edward, da ist Blut auf dem Stuhl“, flüsterte mir Miranda ins Ohr. Ich erhaschte einen Blick, bevor sie sich niederließ. Sie nickte mir zu und winkte einen ihrer Secret Service Agenten heran, dem sie auch etwas zuflüsterte. Vermutlich würden sie die ganzen Schaulustigen, die immer noch rings um uns herum standen, wegscheuchen.

„Was ist passiert?“ Schulterzuckend sah ich zu meinem Vater hoch. Oh Gott, was hatte ich da nur zugelassen. Wenn ihr etwas passieren würde, oder dem Kind, das könnte ich mir nie verzeihen. Ich hätte besser auf sie aufpassen müssen! Mum begann mit Dad eine leise Konversation zu führen, die schnell hitziger wurde, aber gleich unterbrochen wurde, als der Notarzt bei uns ankam.
„Senator, ich würde Sie bitten ein paar Schritte nach hinten zu gehen, damit ich Ihre Frau untersuchen kann.“ Müde nickte ich ihm zu und entfernte mich widerwillig von Bella. Dad und Mum kamen sofort zu mir und legten mir jeweils einen Arm um die Schulter.
„Alles wird gut.“
„Edward, ich hätte viel beharrlicher sein sollen, doch sie-“, begann Esme, aber sie traf keine Schuld. Es war Bellas Entscheidung und ihr Dickkopf, der sie dazu veranlasst hatte, dass sie nicht gehen wollte, und meine Schuld, da ich besser auf sie hätte aufpassen sollen. Das musste ich meiner Mutter auch so sagen. Deshalb unterbrach ich sie: „Nein. Wenn dann bin ich es. Heute Früh sah sie schon nicht gut aus, und habe es ihr durchgehen lassen.“ Frustriert ließ ich den Kopf hängen.
„Bella ist eine starke Frau. Was es auch ist, sie und das Kind werden es überstehen. Ich rufe Charlotte an, damit sie ebenfalls Bescheid weiß und falls was sein sollte, sich darum kümmern kann. Schließlich ist sie ihre behandelnde Ärztin.“ Ich nickte ihr zu und wachte über jeden Handgriff der Sanitäter mit Argusaugen.

„Senator, nimmt Ihre Frau spezielle Medikamente oder welche auf regelmäßiger Basis?“
„Nein, oder… Vitamin B.“
„Ist Ihre Frau schwanger?“, fragte der Notarzt beiläufig, als er ihr die Nadel für die Infusion in die Haut stach.
„Ja.“ Verblüfft sah er auf und wandte sich schließlich wieder seiner Arbeit zu.
„Wir werden sie mitnehmen und ins Krankenhaus bringen. Sie hat etwas Blut verloren, was auf einen Abort schließen lassen könnte. In der wievielten Schwangerschaftswoche ist sie?“
„In der elften. Wir waren erst vor ein paar Tagen beim Ultraschall.“ Er nickte nur und hob sie mit seinen beiden Kollegen auf die Trage.
„Wenn Sie möchten, können Sie mitfahren. Jedenfalls werden mein Team und ich unser Bestes geben, damit es Ihrer Frau besser geht.“
„Fahr ruhig mit, wir treffen dich im Krankenhaus“, meinte meine Mum neben mir und drückte mich kurz, bevor ich den Männern nachging.
„Edward!“, hörte ich plötzlich Miranda rufen, die auf mich zu eilte, „Ich werde dafür sorgen, dass der Stuhl ausgetauscht wird und niemand etwas davon mitbekommt.“
„Ich danke dir für alles, Miranda.“
„Keine Ursache, aber schau, dass du jetzt zu deiner Frau kommst und auf sie aufpasst.“
„Auf was du dich verlassen kannst.“ Sie drückte mich und ich vertraute ihr, dass sie das bewerkstelligen würde.



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Selbst als Arzt hatte mein Vater keine Chance an Informationen bezüglich Bellas derzeitigem Wohlbefinden zu erhalten. Frustriert und ausgelaugt saß ich schon seit Stunden auf einem der Plastikstühle im Wartebereich des Krankenhauses und versuchte mich zu beruhigen, dass es meiner Frau gut ging. Mum und Dad saßen die ganze Zeit über bei mir und versuchten mir einzureden, dass alles in Ordnung werden würde und dass Bella und dem Kind nichts passieren würde. Der Krankenhauskorridor wurde von meinem Sicherheitspersonal und dem von Miranda abgeschirmt, die sich hier auch irgendwo herumtrieb.
„Senator Cullen?“ Sofort sah ich auf. Charlotte O’Hara kam direkt auf mich zu und sie trug ein verdammtes Pokerface.
„Wie geht es ihr? Was hat sie?“, quirlten sofort meine Fragen aus mir heraus. Ich war so besorgt um Bella. Nie würde ich es mir verzeihen, wenn ihr etwas passieren würde.
„Ihrer Frau geht es dem Umständen entsprechend…“
„Und unserem Kind?“
„Bella hatte einen Abortus imminens-“, begann sie und mein Vater sagte sofort: „drohender Abort“, bevor die Ärztin fortfuhr: „was die Blutung bedeutet, die wir inzwischen stoppen haben können. Wie Dr. Cullen schon sagte, ist es eine drohende Fehlgeburt. Die heißt nicht, dass Bella das Kind verlieren wird, sondern, dass es eine Botschaft des Körpers sein kann, dass sie etwas gemacht hat, das nicht gut war. Derzeit sieht es so aus, als würde der Abort nicht stattfinden, denn das Herz des Embryos schlägt noch und bei der Ultraschalluntersuchung habe ich kein Hämatom in der Plazenta feststellen können. Jedoch müssen wir die nächsten Tage abwarten, wie sich die HCG-Konzentration im Blut innerhalb weniger Tage im normalen Rahmen entwickelt, steigt diese, wissen wir, dass es eine Blutung in der Frühgravidität war und sie sich viel mehr schonen muss. Kein Stress und schon gar kein Sport mehr für sie.“ Erleichtert atmete ich aus.

„Kann ich zu ihr?“ Dr. O’Hara deutete mir ihr zu folgen und ich ging hinter ihr den Korridor entlang, um durch eine Doppeltür zu gelangen, auf der „Nur für Personal“ stand, und dann wieder einen Flur entlang zu gehen.
„Bitte sehr“, damit deutete sie auf eine halboffene Tür. Bevor ich jedoch hindurchgehen konnte, sagte sie noch: „Senator Cullen, ich habe veranlasst, dass Ihre Frau unter einem anderen Namen geführt wird, sodass wir hier nicht gleich von Reportern umstellt werden. Dem Sicherheitspersonal habe ich ebenfalls Bescheid gegeben.“ Ich dankte ihr für alles, aber sie winkte nur ab.
„Das ist mein Job, Senator Cullen.“ Sie wandte sich lächelnd um und ich trat nervös in das Zimmer ein. Langsam ging ich zu dem Bett. Bella sah so verletzlich, müde und erschöpft aus, so wie sie da lag. Innerlich fraßen mich meine Schuldgefühle auf. Kraftlos ließ ich mich auf einen Stuhl neben ihrem Bett nieder und nahm ihre Hand in meine und küsste diese sanft. So viele Kabel waren an ihr befestigt und das rhythmische Pochen ihres Herzens war deutlich durch eine Maschine zu hören. Meine andere Hand legte ich auf ihren Bauch. Unser Kind, dieses Geschöpf konnten wir nicht einfach so verlieren. Selbst wenn ich es mir in den letzten Wochen nicht eingestehen wollte, aber ich hatte unser Kind lieb gewonnen. Mit den auseinander stehenden Augen, den kleinen Ohrmuscheln und den ansatzweise sichtbaren Fingern und Zehen. Das jetzt zu verlieren, würde mir das Herz brechen. Es war zwar derzeit nur eine kleine kaum definierbare Wölbung, aber für mich war es so viel mehr. Mein Kind, unser Kind, ein Zeichen, dass alles gut werden würde. Seufzend legte ich meinen Kopf neben ihrem Körper auf dem Bett ab und döste vor mich hin.


„Edward, Liebling“, drang es leise zu mir und ich blinzelte ein paar Mal um mich an die Helligkeit zu gewöhnen. Ich spürte, wie mir jemand liebevoll durch mein Haar fuhr. Verwirrt, wo ich denn war, setzte ich mich auf und blickte mich um. Verschlafen merkte ich, dass ich im Krankenhaus war. Bella, das Kind!, schoss es mir sofort durch den Kopf und ich blickte zu ihr. Lächelnd lag sie da und tätschelte meine Hand.
„Warst du etwa die ganze Zeit über bei mir?“, fragte sie kleinlaut. Ich musste mich räuspern, bevor ich ihr antworten konnte.
„Ja, du bist schließlich meine Frau. Außerdem wollte ich immer wissen, wie es dir und unserem Baby geht. Also, wie fühlst du dich.“ Seufzend verdrehte sie die Augen.
„Mir – uns – geht es blendend. Zwar bin ich etwas müde, aber sonst kann ich wirklich nicht jammern.“ Ein befreites Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich strich ihr fürsorglich über die Wange.
„Und da bist du dir wirklich sicher.“
„Ja, das bin ich mir. Außerdem kommt jede Stunde eine Krankenschwester vorbei und sieht nach dem Rechten. Falls etwas sein sollte, dann habe ich hier immer noch diese Fernbedienung und in Minuten ist das ganze Ärzteteam in meinem Zimmer“, kicherte sie nun.
„Versuchst du das gerade ins Lächerliche zu ziehen.“ Ich zog eine Augenbraue in die Höhe und konnte es nicht verstehen. War ihr die Ernsthaftigkeit dieser Situation nicht bewusst?
„Ich doch nicht“, meinte sie nun vollkommen ernst, bevor sich zu lachen anfing.
„Bella-“
„Fang nicht wieder damit an, Edward. Ich bin mir im Klaren, dass das, was ich gemacht habe, nicht gut war und das hat mir mein Körper nur allzu deutlich gezeigt. Also glaub jetzt nicht, dass ich den gleichen Fehler ein zweites Mal begehen werde. Ich liebe dieses Kind und will es nicht verlieren, auch wenn das nun heißen mag, vielleicht bis zur Entbindung in diesem Bett zu liegen, ich würde es in Kauf nehmen. Aber ich möchte diese Zeit nicht mit ernsten Gesprächen verbringen, sondern etwas Freude haben. Bitte nimm mir das nicht!“ Sanft strich sie mit ihren Fingerspitzen über meine Wange.
„Wenn es dich glücklich macht. Ich hoffe, dass du nicht die nächsten Monate in diesem Bett gefangen bleibst, schließlich will ich dich wieder mit nachhause nehmen. Und dieses Mal nicht aus den Augen lassen und dich von vorne bis hinten betüddeln und verwöhnen und keinen Mucks von dir hören.“
„Wenn es dich glücklich macht“, wiederholte sie meine Worte von gerade eben und zog mich zu sich heran. Ich beugte mich über sie und küsste sie liebevoll.
„Was ist nach meinem kleinen Sturz passiert? Was schreiben die Medien?“
„Ich habe keine Ahnung, was die Presse verfasst hat, jedoch weiß ich nicht, ob ich die Schwangerschaft noch geheim halten kann.“
„Lieber das, als sie schreiben etwas von einer unheilbaren Krankheit. Außerdem wird es bald nicht mehr zu verstecken gehen.“ Lächelnd fuhr sie mit ihrer Hand über die kleine Wölbung.
„Und auf das freue ich mich schon.“ Ich beugte mich hinab und küsste die gleiche Stelle. Danach erzählte ich ihr, was nach ihrem „Sturz“ passiert war.

„Du solltest dich duschen gehen und mir ein paar Sachen bringen. Die Krankenhauskleidchen mögen zwar angenehm aussehen, sind es aber nicht.“
„Ich möchte dich nicht allein lassen.“
„Musst du auch nicht. Esme und Carlisle wollen auch mit mir reden und ich mach mich auf eine weitere Standpauke deiner Mutter bereit, die ich verdient habe.“
„Ja, hast du, mein kleiner Sturkopf.“ Ich küsste sie ein letztes Mal, bevor ich wehmütig aufstand und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch aus dem Zimmer ging.




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Ich ging den Krankenhausflur entlang und merkte sofort, dass die beiden Security Männer nicht mehr vor Bellas Zimmer standen. Panik ergriff mich und ich lief zu der Tür. Schon ein paar Meter davor konnte ich Charlies laute Stimme hören. Was machte er hier? Ich hatte ihm sicherlich nicht darüber in Kenntnis gesetzt, dass Bella im Krankenhaus lag. Zumal ich noch gesorgt hatte, dass er am Tag des Duells verhindert sein würde. Erschöpft strich ich mir über die Stirn und blieb vor der Tür stehen.
„Du hättest das Kind verlieren können. Deine derzeitige Bindung zu Edward wäre damit gekappt und es würde wieder Monate dauern, bis du schwanger werden würdest“, meinte Charlie scharf und ich konnte mir richtig vorstellen, wie er da gerade in dem Zimmer stand mit hochrotem Kopf und Bella mit erhobenem Zeigefinger drohte.
„Das geht dich nichts an, Charlie. Schon lange nicht mehr.“
„Wage es nicht mit mir so zu sprechen. Du bist immer noch mein Kind.“
„So wie es Alexander ist? Oder wolltet ihr beide es mir nie sagen.“
„Bella-“, hörte ich auch plötzlich Renée sprechen, die jedoch gleich von ihrem Mann unterbrochen wurde: „Ich weiß nicht, welchen Unfug du da von dir gibst.“
„Pah. Mein Bruder, dein, euer eigen Fleisch und Blut ist Unfug, eine Fantasie. Dass ich nicht lache. Ihr beide seid wirklich das Letzte. Verschwindet aus dem Zimmer, oder ich rufe jemanden, der das für euch erledigt.“
„Kind, dein Vater meint das nicht so…“ Kopfschüttelnd machte ich die Tür auf. Ich wusste, dass ich Bella nicht hätte allein lassen sollen, aber ich war mir in dem Moment bewusst, dass, wenn ich eingreifen würde, Charlie sie immer wieder angreifen würde.
„Es reicht“, fuhr ich nun dazwischen und drei Augenpaare waren augenblicklich auf mich gerichtet.
„Beruhige dich bitte, das ist nicht gut für euch“, meinte ich an meine Frau gewandt und drehte mich dann zu meinen Schwiegereltern um: „und zu euch beiden: Was ihr versäumt habt ihr zu erzählen, mussten meine Eltern und ich machen. Dafür musste ich einiges ausbaden, also untersteht euch noch ein einziges Mal in unsere Nähe zu kommen, außer es handelt sich um Politik. Geht lieber, bevor ich es mir anders überlege. Wenn Bella wegen eurem Auftauchen etwas zustößt, dann Gnade euch Gott. Niemand bringt meine Frau oder mein Kind in Gefahr!“ Mit verschränkten Armen stand ich vor ihnen und wartete ungeduldig darauf, dass die beiden gingen.
„Du kannst uns nicht so einfach hier hinauswerfen. Wir sind ihre Eltern!“
„Nein, Charlie, ich seid nicht ihre Eltern, noch wart ihr es jemals und werdet es auch niemals sein. Denn man belügt sein Kind nicht, verheimlicht dass der eigene Bruder gestorben ist und macht es für jeden Fehler nieder!“ Mein Schwiegervater starrte mich mit offenem Mund an.
„Senator Cullen, ist alles okay bei Ihnen?“, fragte einer meiner Bodyguards.
„Liam, würden Sie bitte die beiden aus dem Krankenhaus begleiten, sodass ich etwas Zeit mit meiner Frau verbringen kann.“ Er nickte mir zu und deutete schließlich den Zweien aus dem Raum zu verschwinden.

„Danke“, flüsterte Bella mit tränenverschleierten Augen, als ihre Eltern endlich weg waren. Ich ließ ich mich auf das Bett nieder und zog sie in meine Arme.
„Sssssssh, nicht dafür.“ Liebevoll küsste ich ihre Stirn und ihre Finger gruben sich in mein Shirt.
„Wie sind sie hier überhaupt hineingekommen?“
„Carlisle rief Esme an und sie hatte hier drinnen so schlechten Empfang und sie ist hinausgegangen. Keine Minute später waren meine Eltern hier und Charlie hat einen Aufstand gemacht, dass es unverantwortlich von mir sei so viel Sport zu machen und dass er böse wäre, da er nicht wusste, dass ich schwanger war und so weiter und so fort.“
„Oh Bella. Lass das nicht an dich heran. Charlie ist so ein Arschloch, verzeih mir den Ausdruck.“
„Nein, es stimmt. Ich frage mich, wie du überhaupt mit ihm zurechtkommen konntest.“
„Viel Disziplin.“ Lächelnd sah ich in ihr Gesicht. Die Tränen verebbten langsam und sie lehnte ihren Kopf an meine Brust. Jäh wurde unsere Zweisamkeit unterbrochen, als jemand an der Zimmertür klopfte.
„Senator, der Presstermin wäre nun fällig. Alles ist aufgebaut und gesichert.“
„Danke, Angela, ich komme sofort.“ Nickend verschwand sie wieder und Bella sah mich misstrauisch an.
„Ich muss ein Statement über deine Verfassung abgeben und den Grund für deinen Sturz erklären, das hatten wir heute schon besprochen. Mir wäre es lieber, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt geschehen wäre und du es selbst machen könntest, aber so wird es wohl nun auch gehen müssen.“
„Du könntest sie auch im Ungewissen lassen.“
„War nicht die Idee von dir es zu sagen? Möchtest du ernsthaft einen Rückzieher machen?“, fragte ich sie grinsend und küsste sie.
„Pass auf euch auf, ich komm gleich wieder.“ Lächelnd trat ich auf den Flur und wurde sofort von meinen Bodyguards umrundet.
„Wie geht es ihr?“, fragte Emmett neben mir.
„Besser. Aber jetzt auf, ich habe eine Pressekonferenz zu geben und danach können wir unser Kaffeekränzchen halten.“ Meine Jungs lachten leise und wir schritten voran. Angela erklärte mir währenddessen noch, welche Medienvertreter anwesend sein würden und welche Fragen sie als No-Goes weggeschickt hatte.

Die Doppeltür zum Eingangsbereich des Krankenhauses wurde geöffnet und das Blitzlichtgewitter begann, während ich zu dem Pult ging.
„Einen wunderschönen Nachmittag, die Damen und Herren. Ich hätte nicht erwartet, dass so viele von Ihnen meiner Einladung folgen, aber anscheinend trifft es sie alle sehr, was gestern meiner Frau widerfahren ist. Nun werde ich auch nicht lange um den heißen Brei herumreden, weshalb sie zusammengebrochen ist, sondern Ihnen gleich die frohe Nachricht überbringen: Meine Frau Isabella und ich, wir erwarten unser erstes Kind.“
Sofort ging das Gerufe von verschiedenen Fragen los, jedoch war ich noch nicht fertig. „Dürfte ich Sie bitten wieder leise zu sein, schließlich sind wir hier vor einem Krankenhaus, danke. Sicherlich wird es für den ein oder anderen überraschend kommen, oder auch nicht, aber ich werde auch nicht jünger und meine grauen Haare kann man auch nicht nur mehr an einer Hand abzählen.“ Die Reporter begannen leise zu lachen, der Cullen-Charme hatte sie gepackt. Leicht schmunzelnd fuhr ich fort: „Jedenfalls würde ich Sie alle sehr herzlich bitten, meiner Frau einen gewissen Raum zu geben, sie nicht zu bedrängen, zu schubsen oder belästigen. Bei mir gerne, aber nicht bei einer Schwangeren. So wie ich Isabella kenne, wird sie es sich nicht nehmen lassen im Laufe der nächsten Monate Ihnen Interviews zu geben und öffentlich zu zeigen und damit zu hoffen, Sie etwas milder zu stimmen. Mich würde es sehr freuen, danke.“ Auf den meisten Gesichtern war ein verständlicher Ausdruck, auf manchen ein geschockter und auf anderen wieder ein zufriedener. Ich nickte Angela zu, um ihr zu verstehen zu geben, dass sie ein paar herauspicken konnte, damit diese mir Fragen stellen würden.

„Washington Post, denken Sie, dass die Schwangerschaft Ihre Kandidatur zu Ihren Gunsten beeinflussen könnte?“
„Ich kann nur ehrlich sagen: Fragen Sie mich das bitte nicht. Denn die Wähler in diesem Land entscheiden über Sieg oder Niederlage. Jedoch möchte ich betonen, dass Isabellas Schwangerschaft nichts mit dieser oder jeder anderen Wahl zu tun hat. Wir haben beschlossen, dass nun der richtige Zeitpunkt wäre und es ist passiert. Ich freue mich auf die kommenden Monate, auf die Gefühlsausbrüche und die ersten Tritte unseres Kindes.“
„Lauren Mallory von der New York Times, angenommen Sie werden Präsident der Vereinigten Staaten, würde Sie das Baby nicht ablenken?“
„Miss Mallory, Sie haben doch selbst ein Kind, deshalb frage ich Sie nun: Beeinflusst, oder lenkt Ihr Kind sie gerade davon ab Ihren Job zu tun, mir diese Frage zu stellen, oder ist es Ihre Professionalität, die Sie so denken lässt? Ich bin mir dessen bewusst, dass ich als Präsident viel Verantwortung auf meinen Schultern habe, jedoch wird das Vatersein gegenüber meines Kindes, nicht das – ich nenne es einmal so – Vatersein gegenüber diesem Land, es zu führen, beschützen und entwickeln, beeinflussen oder sich miteinander vermischen. Darauf werde ich achten, wenn ich Präsident wäre. Zumal es schon etliche Staatsoberhäupter vor mir Kinder ins Weiße Haus gebracht haben und das meistern, nur weil es ein Baby ist, heißt es noch lange nicht, dass sich das ändern wird. Vielleicht werde ich durch das Vatersein meinen Horizont erweitern, wohler überlegen und ruhiger werden, wer weiß. Nun werden wir sehen, was die Zeit mit sich bringt.“
„Wissen Sie schon, ob es ein Bub oder ein Mädchen wird.“ Lachend fuhr ich mir durch mein Haar.
„Nein, das wissen wir noch nicht, dafür ist es noch viel zu früh, oder sehen Sie schon etwas von dem Babybauch. Aber ich denke, dass wir das, so gerne ich es Ihnen mitteilen würde, für uns behalten werden, denn ich liebe Überraschungen. Jedoch werde ich erst sehen müssen, was meine bezaubernde Frau dazu sagt.“ Ein leises Kichern drang durch die Reihen.
„Finden Sie es schade, dass Misses Cullens Bruder Alexander Swan nicht seine Nichte oder seinen Neffen treffen kann.“ Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass mich diese Frage getroffen hatte. Seit seinem Tod war nie wieder ein Wort über ihn verloren worden, warum ausgerechnet heute und jetzt?
„Natürlich finde ich es schade, dass er nicht beweisen kann, was für ein guter Onkel er gewesen wäre. Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Wie hatte nicht einst ein berühmter römischer Dichter namens Publius Terentius Afer  gesagt: ‚Factum infectum fieri non potest.‘ Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wer Alex' Geschichte kennt, weiß was ich damit meine und ich werde meinen alten und guten Freund in Erinnerung behalten. Wer weiß, vielleicht finden wir in dem Kind ein paar seiner Wesenszüge, schließlich ist er Isabellas Bruder.“ Nun deutete ich Angela an, dass es genug Fragen waren.

Ich verabschiedete mich winkend von den Reporten und kehrte zu Bella zurück. Diese erwartete mich schon mit einem sehnsüchtigen Blick. Dr. O’Hara räusperte sich, damit sie wieder Bellas ungeteilte Aufmerksamkeit bekam. Inzwischen versuchte ich mir nichts von den Emotionen, die bei der letzten Frage hochgekrochen waren, anmerken zu lassen, denn weder wollte ich Bella Sorgen bereiten, noch die gute Stimmung, in der sie derzeit war, zerstören.
„Wenn die HCG-Konzentration im Blut weiter steigt, können wir Sie am Ende der Woche entlassen, aber bis dorthin vergeht noch viel Zeit. Also ruhen Sie sich aus und lesen Sie ein Buch, das Sie schon immer mal lesen wollten.“ Lächelnd ging die Frauenärztin aus dem Zimmer und ließ uns allein.
„Ist alles gut gegangen? Waren sie biestig zu dir?“, fragte Bella besorgt und streckte ihre Hand nach mir aus. Diese nahm ich in meine und setzte mich seufzend auf den Stuhl neben ihrem Bett.
„Ja, sie haben es angenehm aufgefasst. Es war klar, dass ein paar kritische Fragen auftauchen werden, aber ich denke, dass ich zeigen konnte, dass ich mein Privatleben nicht mit der Politik vermischen werde. Es wird eine Zeit geben, in der ich Senator oder Präsident bin und eine andere, in der ich nur Ehemann und Familienvater bin.“ Lächelnd blickte Bella zu mir und küsste meine Hand flüchtig.
„Aber irgendetwas ist da noch. Sag es mir bitte. Ich möchte nicht, dass du etwas vor mir verborgen hältst.“
„Darf ich nicht meine kleinen Geheimnisse haben?“
„Edward, jetzt ist nicht die Zeit für Spielchen. Sag mir was los ist, oder ich frage Esme, oder besser, ich rufe Miranda an.“ Sie entzog mir ihre Hand und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Eine beleidigte Schnute zierte ihr Gesicht und ich konnte nicht anders als ihr nachgeben.
„Nach all den Jahren… ich versteh es nicht… warum jetzt… ausgerechnet jetzt müssen sie damit anfangen…“
„Was, Edward, ich versteh es nicht!“
„Alex. Jemand hat sich nach Alex erkundigt. Keine Ahnung wer es war, ich habe diese Person das erste Mal gesehen. Aber die Frage hat mich getroffen. Denn er wird nie dieses Kind sehen, nie Onkel sein können.“ Ich ließ meinen Kopf auf die Matratze des Bettes sinken und spürte, wie Bella mir wieder mit ihren Fingern beruhigend durch das Haar fuhr.
„Hey, er hat sich damals entschieden mich zu retten und dafür bin ich ihm dankbar. Hätte er es nicht getan, würde ich nicht mit dir hier sitzen und unser Kind in mir tragen“, flüsterte sie und Stille legte sich zwischen uns.  Da hatte sie Recht, aber das Leben eines kleinen Jungen zu nehmen, um das eines Kleinkindes zu retten, war nicht gerecht. Wie konnte man da noch sagen, dass Gott alles mit einem Zweck versieht, woran lag hierbei dieser? Konnte ich ihn nicht sehen? Wollte ich ihn einfach nicht erkennen? War es zu schwer um es zu verstehen? Kopfschüttelnd erhob ich mich wieder, küsste Bellas Stirn.
„Ich muss etwas an die frische Luft.“ Gerade wollte ich aus dem Zimmer marschieren, als Bella sagte: „Edward, ich…“
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